Die Holzfäller, 1903. Der Verbleib des originalen Gemäldes ist unbekannt.
Hier eine Abbildung aus: Illustriertes Unterhaltungs-Blatt, Beilage zur Lienzer Zeitung, Osttiroler Wochenblatt, 22. Jg., Nr. 5, 2. Februar 1907, S. 37. Die Abbildung zeigt eine Zeichnung nach einer farbigen Reproduktion von dem
Gemälde in: Prof. Max Koch, Bilder aus des Landsmanns Tätigkeit. Kunstblätter nach den im neuen Gebäude des preußischen Abgeordnetenhauses befindlichen Wandgemälden, Berlin, O. Baumgärtel, 1904.
In der nachfolgenden Fotografie ist der Ort des Gemäldes im Speisesaal
markiert.
Materialien zum Leben und Werk von Prof. Max Koch, eines über Berlin und Potsdam hinaus bedeutenden Künstlers und Kunstlehrers.
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Mittwoch, 5. Juli 2017
Samstag, 18. Juni 2016
Die drei Gemälde im großen Sitzungssaal des Preußischen Abgeordnetenhauses, Nachtrag 1
Die drei Stadtansichten von Magdeburg, Berlin und Königsberg im Sitzungssaal des Preußischen Abgeordnetenhauses. Die Abbildung zeigt ein Foto der Landesbildstelle Berlin, abgebildet in: Der Preußische Landtag. Bau und Geschichte, herausgegeben von der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Konzeption von Markus Richter, Argon Verlag, Berlin 1993, S. 131.
Sonntag, 5. Juni 2016
Die Gobelins im westlichen Speisesaal der Präsidentenwohnung im Preußischen Herrenhaus
Von den Gobelins im westlichen Speisesaal der Präsidentenwohnung im Preußischen Herrenhaus sind noch keine Abbildungen bekannt. Der konkreteste Hinweis auf sie findet sich in der Biografie von Alfred Rossig vom 13. Februar 1903:
"Professor Koch wählte für ihn Jagdszenen: wir sehen das Ausweiden einer Sau, eine Hirschjagd, eine Bärenjagd, eine Fischfangszene und eine Elchjagd. Nach Kochs Entwürfen sollen Gobelins gewirkt werden, die zur Ausschmückung der Präsidentenwohnung im Herrenhaus bestimmt sind."
Samstag, 4. Juni 2016
Die Gemälde im östlichen Speisesaal der Präsidentenwohnung im Preußischen Herrenhaus
Die Gemälde im östlichen Speisesaal der Präsidentenwohnung im Preußischen Herrenhaus.
Abbildung aus: Deutsche Bauzeitung, 37. Jg., Nr. 9, 30. Januar 1904, S. 52.
"Von den letzteren [beiden Speisesälen] hat der im östlichen Gebäude belegene als besonderen Schmuck Wandgemälde von Professor Max Koch erhalten, die, in Oel auf Leinwand gemalt, landwirtschaftliche Vorgänge zur Darstellung bringen, während der entsprechende Saal im westlichen Präsidentengebäude mit Gobelins geschmückt ist, die nach Kartons von demselben Künstler durch die Firma W. Ziesch u. Komp. ausgeführt sind und altgermanische Jagdstücke zum Vorwurf haben." Zitat aus: Zentralblatt der Bauverwaltung, 24. Jg., 1904, Nr. 13, S. 81. Auf der gleichen Seite auch die folgende Abbildung:
Dienstag, 31. Mai 2016
Stadtansicht Berlin, Schlossbrücke mit Blick über die Spree zum Schloß und zum Dom
Stadtansicht Berlin, Schlossbrücke mit Blick über die Spree zum Schloß und zum Dom, 1903, Öl auf Leinwand, circa 5 x 9 Meter, mittleres Bild an der Schauwand des Sitzungssaal im Preußischen Abgeordnetenhaus, zerstört.
Die Abbildung zeigt ein stark vergrößertes und bearbeitetes Detail eines Fotos im Landesarchiv Berlin, abgebildet in: Der Preußische Landtag. Bau und Geschichte, herausgegeben von der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Konzeption von Markus Richter, Argon Verlag, Berlin 1993, S. 41.
Die Abbildung zeigt ein stark vergrößertes und bearbeitetes Detail eines Fotos im Landesarchiv Berlin, abgebildet in: Der Preußische Landtag. Bau und Geschichte, herausgegeben von der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Konzeption von Markus Richter, Argon Verlag, Berlin 1993, S. 41.
Stadtansicht Königsberg, erster Entwurf, Markt vor dem Schloss im Winter
Markt vor dem Schloss in Königsberg im Winter, 1903. Erster Entwurf zu dem Wandgemälde im Preußischen Abgeordnetenhaus. Abbildung aus: Vom Fels zum Meer, 1903, S. 853, Foto Franz Linkhorst.
„Diese Städtebilder als solche fanden uneingeschränkte Anerkennung: das alte Schloß Berlins mit dem Dom und der von der Burgstraße aus gesehenen Brücke gefiel ebenso wie der Magdeburger Dom und das Krönungsschloß von Königsberg. Der figurale Vorderteil dieser Kompositionen jedoch, der die Bedeutung der dargestellten Städte versinnlichen sollte, musste geändert werden. Nicht als ob künstlerische Bedenken sich geltend gemacht hätten: es waren Rücksichten innerpolitischer Art, die der Ausführung der ursprünglichen Idee Kochs entgegentraten.“ In: Vom Fels zum Meer, 1903, S. 854
Die drei Gemälde im großen Sitzungssaal des Preußischen Abgeordnetenhauses
Die drei Gemälde im großen Sitzungssaal des Preußischen Herrenhauses von 1903.
Das Gebäude des Preußischen Abgeordnetenhauses wurde 1899 eröffnet, aber erst 1903 wurden zwölf Gemälde als Dekoration im großen Sitzungssaal angebracht. "Im Abgeordnetenhause sind die zur Ausschmückung des Sitzungssaales bestimmten zwölf großen Städtebilder an den Wänden jetzt angebracht worden. Alle preußischen Provinzen sind durch diese Bilder vertreten. Frankfurt a. M., Köln, Münster i. W. sind von Konrad Lessing gemalt, Kiel, Danzig und Stettin von K. Schirm, Posen und Breslau von Otto Günther-Naumburg, Magdeburg, Berlin und Königsberg von Max Koch, Hannover hat R. v. Voigtländer dargestellt. Im allgemeinen erregen diese Gemälde als interessante Veduten aus den betreffenden Städten ein mehr sachliches als ein künstlerisches Interesse." Anonym, "Personal- und Ateliernachrichten, Berlin", in: Die Kunst für Alle, 18. Jg., Nr. 11 vom 1. März 1903, S. 267.
Die drei Gemälde von Max Koch waren durch ihre Größe und die Präsentation an der Schauwand über dem Präsidium deutlich herausgehoben. Zu sehen war links Magdeburg (Blick auf den Dom), rechts Königsberg (Blick auf das Schloss) und in der Mitte Berlin. Allein das Gemälde in der Mitte, ein Blick über die Schlossbrücke und die Spree zum Berliner Dom soll circa 45 Quadratmer, groß gewesen sein. Wahrscheinlich wurden die Gemälde im 2. Weltkrieg zusammen mit dem Sitzungssaal zerstört.
Auch von den Gemälden in Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses sind, wie von denen im Sitzungssaal des Herrenhauses, bisher dem Autor keine guten Dokumentationsfotos bekannt und man muss auf Gesamtaufnahmen des Sitzungssaales zurückgreifen. Die obige Abbildung stammt von einer Postkarte im Besitz des Autors, mit der die "neuzeitliche Beleuchtung mit Wotan-Halbwatt-Lampen" der Siemens Schuckertwerke veranschaulicht wird (Logo rechts unten).
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Markttag auf dem Rathausplatz in Magdeburg
Ansicht des Rathausmarktes der Stadt Magdeburg, Öl auf Leinwand, 175 × 195 cm, 1903, rechts unten signiert und datiert: "Max Koch 03". Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Inv.-Nr.: G158.
Das Bild ist in der laufenden Dauerausstellung des Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu besichtigen. Es entstand zusammen mit zwei weiteren Bildern (Kriegsverluste) im Auftrag der Stadt Magdeburg als Beitrag für die Deutsche Städte-Austellung in Dresden 1903.
Im amtlichen Katalog dieser Ausstellung werden sie unter der Nummer 798 auf Seite 87 angeführt: "Drei Gemälde: Ansichten der Stadt Magdeburg" (Halle 1, Raum 3).
„Aus dem Gebiete der Malerei war nur weniges erwähnenswert. So hatten in einem besondern Saal alte Dresdener Städtebilder von Canaletto Aufstellung gefunden neben vier neuen von Gotthard Kuchl. Gemälde von Stadtbildern gaben ausserdem Magdeburg (von Max Koch), Nürnberg (von Wilhelm Sitter), Breslau, München. Königsberg (Temperagemälde von Eisenblätter), Fürth und andere mehr.“
Anonym, „Die deutsche Städte-Ausstellung in Dresden 1903“, in: Schweizer Bauzeitung, Bd. 42, Heft 21, 21. November 1903, in Fortsetzung bis Heft 23 vom 5. Dezember 1903, S. 268, Zitat S. 267.
Die drei Gemälde wurden im Zugangsbuch der Sammlung des Kulturhistorischen Museum Magdeburg im April 1903 aufgenommen (Nr. 282 - 284) und wie folgt beschrieben:
282 / h 170, br. 220 / "Max Koch, Berlin. Ansicht des Domes der Stadt Magdeburg, vom Rothehorn aus gesehen. Im Vordergrunde ein Dampfer mit 2 roten Schornsteinreifen; auf der Elbe nach rechts drei weitere Dampfer. Hoch aufgereckt im Abendlicht der Dom im Hintergunde. Der lichte, rötliche Himmel spiegelt sich in der Elbe. Bez. MAX KOCH. 03"
283 / h 2m, br. 2,00 / "Max Koch, Berlin. Ansicht des Rathausmarktes der Stadt Magdeburg. Links vor dem Otto Denkmal der Wochenmarkt: Marktweiber mit großen Schutzschirmen. Auf der Straße ein grüner Lastwagen und zahlreiche Passierende. Hinter dem Rathaus, halb von ihm verdeckt, erhebt sich die Johanniskirche mit spitzen Türmen. Bez. MAX KOCH 03."
284 / h 170, br. 220 / "Max Koch, Berlin. Gesammtbild der Stadt Magdeburg, vom Norden her gesehen. Im Vordergrunde ein Balkenlager. Man ist mit dem Verladen auf einen Elbkahn beschäftigt. Hinter der hellen, bewegten Elbe die dunkle graue Silhouette der Stadt. Herbststimmung. Bez. MAX KOCH 03."
Das Bild ist in der laufenden Dauerausstellung des Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu besichtigen. Es entstand zusammen mit zwei weiteren Bildern (Kriegsverluste) im Auftrag der Stadt Magdeburg als Beitrag für die Deutsche Städte-Austellung in Dresden 1903.
Im amtlichen Katalog dieser Ausstellung werden sie unter der Nummer 798 auf Seite 87 angeführt: "Drei Gemälde: Ansichten der Stadt Magdeburg" (Halle 1, Raum 3).
„Aus dem Gebiete der Malerei war nur weniges erwähnenswert. So hatten in einem besondern Saal alte Dresdener Städtebilder von Canaletto Aufstellung gefunden neben vier neuen von Gotthard Kuchl. Gemälde von Stadtbildern gaben ausserdem Magdeburg (von Max Koch), Nürnberg (von Wilhelm Sitter), Breslau, München. Königsberg (Temperagemälde von Eisenblätter), Fürth und andere mehr.“
Anonym, „Die deutsche Städte-Ausstellung in Dresden 1903“, in: Schweizer Bauzeitung, Bd. 42, Heft 21, 21. November 1903, in Fortsetzung bis Heft 23 vom 5. Dezember 1903, S. 268, Zitat S. 267.
Die drei Gemälde wurden im Zugangsbuch der Sammlung des Kulturhistorischen Museum Magdeburg im April 1903 aufgenommen (Nr. 282 - 284) und wie folgt beschrieben:
282 / h 170, br. 220 / "Max Koch, Berlin. Ansicht des Domes der Stadt Magdeburg, vom Rothehorn aus gesehen. Im Vordergrunde ein Dampfer mit 2 roten Schornsteinreifen; auf der Elbe nach rechts drei weitere Dampfer. Hoch aufgereckt im Abendlicht der Dom im Hintergunde. Der lichte, rötliche Himmel spiegelt sich in der Elbe. Bez. MAX KOCH. 03"
283 / h 2m, br. 2,00 / "Max Koch, Berlin. Ansicht des Rathausmarktes der Stadt Magdeburg. Links vor dem Otto Denkmal der Wochenmarkt: Marktweiber mit großen Schutzschirmen. Auf der Straße ein grüner Lastwagen und zahlreiche Passierende. Hinter dem Rathaus, halb von ihm verdeckt, erhebt sich die Johanniskirche mit spitzen Türmen. Bez. MAX KOCH 03."
284 / h 170, br. 220 / "Max Koch, Berlin. Gesammtbild der Stadt Magdeburg, vom Norden her gesehen. Im Vordergrunde ein Balkenlager. Man ist mit dem Verladen auf einen Elbkahn beschäftigt. Hinter der hellen, bewegten Elbe die dunkle graue Silhouette der Stadt. Herbststimmung. Bez. MAX KOCH 03."
Mittwoch, 29. Juli 2015
Biografie Max Koch nach Alfred Rossig (1903)
Max Koch.
Von Dr. Alfred Rossig.
Mit 14 Abbildungen.
Der festliche, farbenfrohe Charakter der Dekorationsmalerei scheint sie zu einem Erbteil der Kunst südlicher Länder prädestiniert zu haben. So waren es unter den deutschen Künstlern vornehmlich die Wiener Maler mit Makart an der Spitze, die dieses Genre mit größtem Erfolg pflegten. Indes, wahres Talent überwindet die Schranken der Rasse und der klimatischen Bedingungen: auch die Norddeutschen haben berufene Dekorationsmaler hervorgebracht, und unter diesen ragt Professor Max Koch als ausübender Meister sowohl wie als Lehrer hervor. Es gibt wohl keins unter den neueren Monumentalgebäuden Berlin, an dessen innerer Dekoration Max Koch nicht mitgearbeitet hätte. Staats- und Gemeindebauten, Theater, Konzertsäle, selbst die großen Bierkeller der Hauptstadt verdanken ihm ihren Wandschmuck, auch in der Provinz ist er durch zahlreiche Arbeiten großen Stils vertreten. Er gilt heute als Autorität auf dem Gebiet der Wandmaltechniken und wird in allen Fragen dieser Art zu Rate gezogen und gehört. Als Leiter des Aktsaals am Kunstgewerblichen Museum zu Berlin übt er auf einen großen Teil der Künstlerjugend Norddeutschlands einen nicht zu unterschätzenden Einfluß aus. So scheint es wohl lohnend, den Werdegang und das Schaffen dieses Meisters einmal erschöpfender darzustellen, als dies bis jetzt geschehen. Max Koch ist im Jahr 1859 als Sohn des Malers Karl Koch in Berlin geboren. Nachdem er das Realgymnasium absolviert, erlernt er praktisch die Dekorationsmalerei und besucht nur kurze Zeit das Kunstgewerbemuseum, in dem Ewald, Schaller und Meurer seine Lehrer waren. Ein Stipendium, das ihm hierauf zuteil wurde, setzte ihn in den Stand, nach Italien zu gehen. Nach Deutschland zurückgekehrt, fand er sofort Gelegenheit, seine Kenntnisse praktisch zu betätigen: er nahm an der Ausmalung des Opernhauses in Frankfurt a. M. unter Fr. Thiersch teil. Doch hielt der junge Künstler damals seine Studien noch nicht für abgeschlossen. Er ging nach Paris, wo er eineinhalb Jahre in verschiedenen Ateliers, besonders aber unter Galland, arbeitete. Während seines Aufenthaltes in Frankreich machte er zahlreiche naturgroße Aufnahmen von Innendekorationen aus dem Louvre, den Schlössern von Versailles und Fontainebleau. Diese musterhaften Kopien, die Koch dann in Berlin ausstellte, machten seinen Namen als Dekorationsmaler bekannt. Als durch den Tod Meurers eine Lehrerstelle am Kunstgewerblichen Museum frei wurde, wurde er 1884 an diese Anstalt berufen. Um diese Zeit begann denn auch die selbständige künstlerische Wirksamkeit Max Kochs. Die Berliner Architekten hatten es bald erkannt, welche tüchtige Kraft mit Koch auf den Plan getreten war, und beschäftigten ihn in verschiedene Richtungen. Für die von Kayser, Großheim, Ende, Böckmann, Seeling in Berlin und anderwärts ausgeführten Bauten vollendete Koch gleich in den ersten Jahren seiner Tätigkeit eine Reihe von Dekorationsbildern. Insbesondere waren es die neu entstehenden Theater, die seine Kunst in Anspruch nahmen; er malte für die Plafond- und Wandbilder, sowie Vorhänge. So schmückte er die beiden Foyers bei Kroll (den sog. Römischen und Rittersaal) aus, sowie das Foyer des Neuen Theaters. In der Provinz malte er Theatervorhänge für die Stadttheater von Halle A. S. und Bromberg. Von öffentlichen Lokalen dekorierte er den Pschorr- und Dortmunder Bierkeller, ferner das Café Keck in Berlin, in Kiel den Ratskeller. Auch eine große Zahl von Festsälen verdankt ihm ihren Schmuck: so der Apollosaal im Konzerthaus in der Luckauerstraße, der Festsaal des Freiherrn von Krauskopf in Hohenbuchau bei Wiesbaden, der Festsaal des Herrn Hauswaldt in Magdeburg. Eine Spezialität, die Prof. Koch eine Zeitlang betrieb, waren die Panoramenbilder. Das erste entstand gelegentlich der Berliner Jubiläumsausstellung und stellte das antike Pergamon dar. Wir werden auf dieses Werk noch zurückkommen. Für das im Ausstellungspark errichtete Panoramagebäude malte Koch später noch den „Brand Roms unter Nero“, sowie „Konstantinopel beim Einzug Kaiser Wilhelms II“. Für das Passagenpanorama vollendete er ein phantasievolles Rundbild, das die Sintflut darstellte. Alle diese umfangreichen Arbeiten hinderten Koch nicht, sich seiner vornehmsten Aufgabe, der Ausschmückung monumentaler Staatsbauten, zu widmen. In rascher Folge entstanden die Wand- und Deckenbilder für mehrere Berliner Gemeindeschulen, für den Festsaal im Reichsgericht zu Leipzig, sowie für das Rathaus in Lübeck. Der Zyklus für Lübeck umfasst die Hauptmomente aus der Stadtgeschichte im 12., 13. und 14. Jahrhundert, Im Berliner Künstlerhaus wurde ihm die Ausmalung des Treppenhauses und des Festsaals anvertraut. Auch im Kaiserlichen Schloß zu Berlin ist Koch durch zwei dekorative Deckenbilder vertreten. Im Reichstagsgebäude vollendete er den schönen Fries im Lesesaal. In den letzten Jahren hat Prof. Koch auch mehrere Entwürfe für Mosaikdekorationen ausgeführt. Von ihm rührt das Mosaikbild in der Kunstgewerblichen Deutschen Abteilung der Pariser Weltausstellung (1900) her, für das er eine goldene Medaille erhielt. Unlängst erst, gelegentlich der Jubiläumsausstellung des Berliner Kunstgewerbevereins, hatten wir Gelegenheit, im Gebäude der alten Akademie eine dekorative Mosaikwand Kochs zu bewundern. Damit ist das Schaffensgebiet Kochs nicht abgeschlossen. Er findet noch Muße, Feld und Wald zu durchwandern, auf den Seen der Mark herumzusegeln und große Landschaftsbilder zu malen, so das dekorative Bild, für das er 1892 in Berlin die goldene Medaille davongetragen. Mit Vorliebe arbeitet er an lebensgroßen Akt- und Kostümstudien, die er dann oft in seinen Wandbildern verwendet. Auch rein ornamentale Arbeiten ziehen ihn an. Daneben bemalt er Konzertflügel, die Pianofabriken für regierende Fürsten ausführen, entwirft Adressen, Plakate, Diplome, Fächer, ja, er pfuscht den Architekten und Bildhauern ins Handwerk. Das Grabmal des verstorbenen Geh. Rats Bechstein ist sein Werk; eine anmutige, flott modellierte Amphoraträgerin schmückt sein Atelier im Kunstgewerbemuseum. Laien mögen wohl angesichts einer derartigen Vielseitigkeit bedenklich den Kopf schütteln und die Frage aufwerfen, wie Professor Koch scheinbar so weit auseinanderliegende Dinge zuwege bringt. Der Künstler aber und der Kunstkenner, der in Kochs Arbeitsweise vorgedrungen ist, begreift es, daß gerade für den Beruf eines Dekorationsmalers eine solche Schaffensmethode äußerst förderlich ist. Wer Wände von Monumentalbauten zu bemalen hat, der kann sich nicht auf ein Spezialgebiet beschränken, wie der Porträtist, der Landschaftsmaler oder der Genremaler. Er muß mit den Geheimnissen und Wirkungen der großen Natur vertraut sein, gleichzeitig aber die Architektur und ihre Perspektive beherrschen, nackte und bekleidete menschliche Figuren lebendig und natürlich hinstellen können und bei alledem noch ein Meister der Ornamentik sein. Was immer Koch daher treiben mag, stets strebt er dem idealen Ziel seiner Kunst, dem vollendeten Dekorationsbild zu. Wenn er mit seinem Skizzenbuch griechische Landschaften durchstreift und die auf ihn einstürmenden Eindrücke in Oel- und Wasserfarben festhält, so findet er dann in seinem Pergamonpanorama und in manchem Wandgemälde Gelegenheit, diesen Erinnerungsschatz zu verwerten. Es ist auch keine verlorene Zeit, wenn er seinen Pinsel weglegt und als gelehrter Botaniker nach Kräutern auf die Suche geht, die er dann lege artis presst und trocknet: so schöpft er aus der Natur die reizendsten und originellsten Motive für seine ornamentalen Entwürfe. Fragen wir nach dem Stil der Werke, für die Professor Koch sich in so umfassender Weise vorbereitet, so fällt uns vor allem ein bezeichnendes Merkmal auf: ihre Modernität. Kochs Künstlerschaft hat sich in der Epoche der Freilichtmalerei entwickelt, demgemäß ist er bestrebt, alles, was er darstellt, mit Luft zu umhüllen und mit Sonnenlicht zu übergießen. Dies gibt seinen historischen Kompositionen sowohl wie seinen Phantasiebildern einen Charakter, der sie auf den ersten Blick von den Werken älterer Meister unterscheiden lässt. Man bemerke nur, wie weich und natürlich der landschaftliche Hintergrund des Pergamonpanoramas in der Atmosphäre verfließt, wie zart die Stadtarchitektur im Lübecker Rathausbild hinter der Luftschicht angedeutet ist! Durchaus modern ist bei Koch auch die Behandlung der menschlichen Figuren und der Akzessorien. Nichts liegt ihm ferner, als die theatralische Steifheit, die durch so viele Jahrhunderte für dekorative Wandgemälde obligat erschein. Seine Personen, ob sie nun der antiken, der mittelalterlichen oder der modernen Zeit entlehnt sind, gruppieren und bewegen sich mit packender Lebenswahrheit; und eine Fülle passend gewählter Gebrauchsgegenstände vervollständigt in inniger Weise das Bild der Epoche. Darum verfällt aber Koch noch keineswegs dem platten Realismus, den die impressionistische Malerei so begünstigt, und der sich mit der Dekorationsmalerei nie und nimmer vereinigen lässt. Wo der Gegenstand es gestattet, lässt Koch seiner Phantasie freien Lauf; wie poetisch und graziös er derartige Stoffe zu gestalten weiß, davon zeugt sein Theatervorhang „Oberon und Titania“ in Halle und die hier abgebildeten zwei Märchendarstellungen „König Olaf“ und „Der Fischer“, die er für das Treppenhaus der Deutschen Abteilung in der letzten Pariser Weltausstellung gemalt. Auch die allerletzte Zeit hat Professor Koch reichlich Gelegenheit geboten, seine Kunst in großem Stil zu betätigen. Die Werke, die vor kurzem aus seinem Atelier hervorgegangen sind, und jene, an denen er gegenwärtig arbeitet, sind fast ausnahmslos für große Berliner Monumentalbauten bestimmt. Bei der Ausschmückung des neuen Abgeordnetenhauses fiel Koch die bedeutsame Aufgabe zu, die drei großen Städte des Landes, Berlin, Magdeburg und Königsberg, in charakteristischen Ansichten darzustellen. Diese Städtebilder als solche fanden uneingeschränkte Anerkennung: das alte Schloß Berlins mit dem Dom und der von der Burgstraße aus gesehenen Brücke gefiel ebenso wie der Magdeburger Dom und das Krönungsschloß von Königsberg. Der figurale Vorderteil dieser Kompositionen jedoch, der die Bedeutung der dargestellten Städte versinnlichen sollte, musste geändert werden. Nicht als ob künstlerische Bedenken sich geltend gemacht hätten: es waren Rücksichten innerpolitischer Art, die der Ausführung der ursprünglichen Idee Kochs entgegentraten. Koch wollte Berlin als geistigen Mittelpunkt des Landes, Magdeburg als Zentrum des Binnenhandels, Königsberg endlich als Repräsentantin der Fischerei und Pferdezucht darstellen. Der Geist der Dezentralisation machte diesen Plan zu nichte: jede der kleineren Städte fühlte sich als geistiger Mittelpunkt Preußens. So blieb nichts anderes übrig, als den symbolisierenden, figuralen Vorderteil auf ein paar unbedeutende Figuren zu reduzieren. Unsere Abbildung gibt jedoch dem Leser Gelegenheit, den ursprünglichen Entwurf Kochs kennen zu lernen. Auch an der künstlerischen Ausstattung des Herrenhauses ist Max Koch hervorragend beteiligt. Aehnlich wie im Reichsratsgebäude, so wurde ihm hier die Ausführung eines Frieses übertragen. Professor Koch wählte für ihn Jagdszenen: wir sehen das Ausweiden einer Sau, eine Hirschjagd, eine Bärenjagd, eine Fischfangszene und eine Elchjagd. Nach Kochs Entwürfen sollen Gobelins gewirkt werden, die zur Ausschmückung der Präsidentenwohnung im Herrenhaus bestimmt sind. Im Auftrag der Stadt Magdeburg arbeitet Professor Koch gegenwärtig an einem kleineren, dekorativen Werk, das in drei Feldern die Hauptansichten Magdeburgs vereinen soll. Das Bild ist noch nicht vollendet: aber schon heute kann man aus den Entwürfen ersehen, daß der Künstler in sehr glücklicher Weise den landschaftlichen Hintergrund Magdeburgs mit den architektonischen Perspektiven verbunden hat. Viel zu lachen gibt dem beschäftigten Meister die Umarbeitung des großen Mosaikbildes aus dem Pariser Weltausstellungsgebäude. Es war vorauszusehen, daß das in unzerstörbarem Material sozusagen für die Ewigkeit gearbeitete Werk nicht bloß als Ausstellungsdekoration figurieren würde. In der Tat ist es nach Schluß der Ausstellung vom Dortmunder Museum angekauft worden. In diesem Fall war es nun der Künstler selbst, der eine Aenderung des Bildes vorschlug. Auch hier waren nämlich Kunst und Politik aneinander geraten. Koch hatte in seiner Komposition die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes und der deutschen Industrie unter dem Schutz des „Deutschen Michels“ darzustellen. Er hatte sich ursprünglich den Beschützer der Nation als kräftigen Jüngling in Ritterrüstung mit dem Schwert in der Hand gedacht. Der Ausstellungskommissar fand eine solche Auffassung bedenklich: die Franzosen hätten in dieser siegreichen, kriegerischen Figur eine Anspielung auf ihre Niederlage erblicken und empfindlich werden können. So mußte also der Kriegs- in einen Friedensengel, der Ritter in einen Hirten umgewandelt werden, der statt des Schwertes einen Palmzweig schwang. Hierdurch erhielt die ganze Komposition nach der Empfindung des Künstlers etwas Weichliches, was insbesondere dem monumentalen Charakter einer Mosaik widersprach. Das Dortmunder Museum teilte seine Auffassung, und so kam Koch jetzt in die Lage, seinen Deutschen Michel im Sinn der ursprünglichen Konzeption umzugestalten
In: Vom Fels zum Meer – Wochenausgabe, 22. Jg., Nr. 25, 13. Februar 1903, S. 848-855.
Mit 14 Abbildungen.
Der festliche, farbenfrohe Charakter der Dekorationsmalerei scheint sie zu einem Erbteil der Kunst südlicher Länder prädestiniert zu haben. So waren es unter den deutschen Künstlern vornehmlich die Wiener Maler mit Makart an der Spitze, die dieses Genre mit größtem Erfolg pflegten. Indes, wahres Talent überwindet die Schranken der Rasse und der klimatischen Bedingungen: auch die Norddeutschen haben berufene Dekorationsmaler hervorgebracht, und unter diesen ragt Professor Max Koch als ausübender Meister sowohl wie als Lehrer hervor. Es gibt wohl keins unter den neueren Monumentalgebäuden Berlin, an dessen innerer Dekoration Max Koch nicht mitgearbeitet hätte. Staats- und Gemeindebauten, Theater, Konzertsäle, selbst die großen Bierkeller der Hauptstadt verdanken ihm ihren Wandschmuck, auch in der Provinz ist er durch zahlreiche Arbeiten großen Stils vertreten. Er gilt heute als Autorität auf dem Gebiet der Wandmaltechniken und wird in allen Fragen dieser Art zu Rate gezogen und gehört. Als Leiter des Aktsaals am Kunstgewerblichen Museum zu Berlin übt er auf einen großen Teil der Künstlerjugend Norddeutschlands einen nicht zu unterschätzenden Einfluß aus. So scheint es wohl lohnend, den Werdegang und das Schaffen dieses Meisters einmal erschöpfender darzustellen, als dies bis jetzt geschehen. Max Koch ist im Jahr 1859 als Sohn des Malers Karl Koch in Berlin geboren. Nachdem er das Realgymnasium absolviert, erlernt er praktisch die Dekorationsmalerei und besucht nur kurze Zeit das Kunstgewerbemuseum, in dem Ewald, Schaller und Meurer seine Lehrer waren. Ein Stipendium, das ihm hierauf zuteil wurde, setzte ihn in den Stand, nach Italien zu gehen. Nach Deutschland zurückgekehrt, fand er sofort Gelegenheit, seine Kenntnisse praktisch zu betätigen: er nahm an der Ausmalung des Opernhauses in Frankfurt a. M. unter Fr. Thiersch teil. Doch hielt der junge Künstler damals seine Studien noch nicht für abgeschlossen. Er ging nach Paris, wo er eineinhalb Jahre in verschiedenen Ateliers, besonders aber unter Galland, arbeitete. Während seines Aufenthaltes in Frankreich machte er zahlreiche naturgroße Aufnahmen von Innendekorationen aus dem Louvre, den Schlössern von Versailles und Fontainebleau. Diese musterhaften Kopien, die Koch dann in Berlin ausstellte, machten seinen Namen als Dekorationsmaler bekannt. Als durch den Tod Meurers eine Lehrerstelle am Kunstgewerblichen Museum frei wurde, wurde er 1884 an diese Anstalt berufen. Um diese Zeit begann denn auch die selbständige künstlerische Wirksamkeit Max Kochs. Die Berliner Architekten hatten es bald erkannt, welche tüchtige Kraft mit Koch auf den Plan getreten war, und beschäftigten ihn in verschiedene Richtungen. Für die von Kayser, Großheim, Ende, Böckmann, Seeling in Berlin und anderwärts ausgeführten Bauten vollendete Koch gleich in den ersten Jahren seiner Tätigkeit eine Reihe von Dekorationsbildern. Insbesondere waren es die neu entstehenden Theater, die seine Kunst in Anspruch nahmen; er malte für die Plafond- und Wandbilder, sowie Vorhänge. So schmückte er die beiden Foyers bei Kroll (den sog. Römischen und Rittersaal) aus, sowie das Foyer des Neuen Theaters. In der Provinz malte er Theatervorhänge für die Stadttheater von Halle A. S. und Bromberg. Von öffentlichen Lokalen dekorierte er den Pschorr- und Dortmunder Bierkeller, ferner das Café Keck in Berlin, in Kiel den Ratskeller. Auch eine große Zahl von Festsälen verdankt ihm ihren Schmuck: so der Apollosaal im Konzerthaus in der Luckauerstraße, der Festsaal des Freiherrn von Krauskopf in Hohenbuchau bei Wiesbaden, der Festsaal des Herrn Hauswaldt in Magdeburg. Eine Spezialität, die Prof. Koch eine Zeitlang betrieb, waren die Panoramenbilder. Das erste entstand gelegentlich der Berliner Jubiläumsausstellung und stellte das antike Pergamon dar. Wir werden auf dieses Werk noch zurückkommen. Für das im Ausstellungspark errichtete Panoramagebäude malte Koch später noch den „Brand Roms unter Nero“, sowie „Konstantinopel beim Einzug Kaiser Wilhelms II“. Für das Passagenpanorama vollendete er ein phantasievolles Rundbild, das die Sintflut darstellte. Alle diese umfangreichen Arbeiten hinderten Koch nicht, sich seiner vornehmsten Aufgabe, der Ausschmückung monumentaler Staatsbauten, zu widmen. In rascher Folge entstanden die Wand- und Deckenbilder für mehrere Berliner Gemeindeschulen, für den Festsaal im Reichsgericht zu Leipzig, sowie für das Rathaus in Lübeck. Der Zyklus für Lübeck umfasst die Hauptmomente aus der Stadtgeschichte im 12., 13. und 14. Jahrhundert, Im Berliner Künstlerhaus wurde ihm die Ausmalung des Treppenhauses und des Festsaals anvertraut. Auch im Kaiserlichen Schloß zu Berlin ist Koch durch zwei dekorative Deckenbilder vertreten. Im Reichstagsgebäude vollendete er den schönen Fries im Lesesaal. In den letzten Jahren hat Prof. Koch auch mehrere Entwürfe für Mosaikdekorationen ausgeführt. Von ihm rührt das Mosaikbild in der Kunstgewerblichen Deutschen Abteilung der Pariser Weltausstellung (1900) her, für das er eine goldene Medaille erhielt. Unlängst erst, gelegentlich der Jubiläumsausstellung des Berliner Kunstgewerbevereins, hatten wir Gelegenheit, im Gebäude der alten Akademie eine dekorative Mosaikwand Kochs zu bewundern. Damit ist das Schaffensgebiet Kochs nicht abgeschlossen. Er findet noch Muße, Feld und Wald zu durchwandern, auf den Seen der Mark herumzusegeln und große Landschaftsbilder zu malen, so das dekorative Bild, für das er 1892 in Berlin die goldene Medaille davongetragen. Mit Vorliebe arbeitet er an lebensgroßen Akt- und Kostümstudien, die er dann oft in seinen Wandbildern verwendet. Auch rein ornamentale Arbeiten ziehen ihn an. Daneben bemalt er Konzertflügel, die Pianofabriken für regierende Fürsten ausführen, entwirft Adressen, Plakate, Diplome, Fächer, ja, er pfuscht den Architekten und Bildhauern ins Handwerk. Das Grabmal des verstorbenen Geh. Rats Bechstein ist sein Werk; eine anmutige, flott modellierte Amphoraträgerin schmückt sein Atelier im Kunstgewerbemuseum. Laien mögen wohl angesichts einer derartigen Vielseitigkeit bedenklich den Kopf schütteln und die Frage aufwerfen, wie Professor Koch scheinbar so weit auseinanderliegende Dinge zuwege bringt. Der Künstler aber und der Kunstkenner, der in Kochs Arbeitsweise vorgedrungen ist, begreift es, daß gerade für den Beruf eines Dekorationsmalers eine solche Schaffensmethode äußerst förderlich ist. Wer Wände von Monumentalbauten zu bemalen hat, der kann sich nicht auf ein Spezialgebiet beschränken, wie der Porträtist, der Landschaftsmaler oder der Genremaler. Er muß mit den Geheimnissen und Wirkungen der großen Natur vertraut sein, gleichzeitig aber die Architektur und ihre Perspektive beherrschen, nackte und bekleidete menschliche Figuren lebendig und natürlich hinstellen können und bei alledem noch ein Meister der Ornamentik sein. Was immer Koch daher treiben mag, stets strebt er dem idealen Ziel seiner Kunst, dem vollendeten Dekorationsbild zu. Wenn er mit seinem Skizzenbuch griechische Landschaften durchstreift und die auf ihn einstürmenden Eindrücke in Oel- und Wasserfarben festhält, so findet er dann in seinem Pergamonpanorama und in manchem Wandgemälde Gelegenheit, diesen Erinnerungsschatz zu verwerten. Es ist auch keine verlorene Zeit, wenn er seinen Pinsel weglegt und als gelehrter Botaniker nach Kräutern auf die Suche geht, die er dann lege artis presst und trocknet: so schöpft er aus der Natur die reizendsten und originellsten Motive für seine ornamentalen Entwürfe. Fragen wir nach dem Stil der Werke, für die Professor Koch sich in so umfassender Weise vorbereitet, so fällt uns vor allem ein bezeichnendes Merkmal auf: ihre Modernität. Kochs Künstlerschaft hat sich in der Epoche der Freilichtmalerei entwickelt, demgemäß ist er bestrebt, alles, was er darstellt, mit Luft zu umhüllen und mit Sonnenlicht zu übergießen. Dies gibt seinen historischen Kompositionen sowohl wie seinen Phantasiebildern einen Charakter, der sie auf den ersten Blick von den Werken älterer Meister unterscheiden lässt. Man bemerke nur, wie weich und natürlich der landschaftliche Hintergrund des Pergamonpanoramas in der Atmosphäre verfließt, wie zart die Stadtarchitektur im Lübecker Rathausbild hinter der Luftschicht angedeutet ist! Durchaus modern ist bei Koch auch die Behandlung der menschlichen Figuren und der Akzessorien. Nichts liegt ihm ferner, als die theatralische Steifheit, die durch so viele Jahrhunderte für dekorative Wandgemälde obligat erschein. Seine Personen, ob sie nun der antiken, der mittelalterlichen oder der modernen Zeit entlehnt sind, gruppieren und bewegen sich mit packender Lebenswahrheit; und eine Fülle passend gewählter Gebrauchsgegenstände vervollständigt in inniger Weise das Bild der Epoche. Darum verfällt aber Koch noch keineswegs dem platten Realismus, den die impressionistische Malerei so begünstigt, und der sich mit der Dekorationsmalerei nie und nimmer vereinigen lässt. Wo der Gegenstand es gestattet, lässt Koch seiner Phantasie freien Lauf; wie poetisch und graziös er derartige Stoffe zu gestalten weiß, davon zeugt sein Theatervorhang „Oberon und Titania“ in Halle und die hier abgebildeten zwei Märchendarstellungen „König Olaf“ und „Der Fischer“, die er für das Treppenhaus der Deutschen Abteilung in der letzten Pariser Weltausstellung gemalt. Auch die allerletzte Zeit hat Professor Koch reichlich Gelegenheit geboten, seine Kunst in großem Stil zu betätigen. Die Werke, die vor kurzem aus seinem Atelier hervorgegangen sind, und jene, an denen er gegenwärtig arbeitet, sind fast ausnahmslos für große Berliner Monumentalbauten bestimmt. Bei der Ausschmückung des neuen Abgeordnetenhauses fiel Koch die bedeutsame Aufgabe zu, die drei großen Städte des Landes, Berlin, Magdeburg und Königsberg, in charakteristischen Ansichten darzustellen. Diese Städtebilder als solche fanden uneingeschränkte Anerkennung: das alte Schloß Berlins mit dem Dom und der von der Burgstraße aus gesehenen Brücke gefiel ebenso wie der Magdeburger Dom und das Krönungsschloß von Königsberg. Der figurale Vorderteil dieser Kompositionen jedoch, der die Bedeutung der dargestellten Städte versinnlichen sollte, musste geändert werden. Nicht als ob künstlerische Bedenken sich geltend gemacht hätten: es waren Rücksichten innerpolitischer Art, die der Ausführung der ursprünglichen Idee Kochs entgegentraten. Koch wollte Berlin als geistigen Mittelpunkt des Landes, Magdeburg als Zentrum des Binnenhandels, Königsberg endlich als Repräsentantin der Fischerei und Pferdezucht darstellen. Der Geist der Dezentralisation machte diesen Plan zu nichte: jede der kleineren Städte fühlte sich als geistiger Mittelpunkt Preußens. So blieb nichts anderes übrig, als den symbolisierenden, figuralen Vorderteil auf ein paar unbedeutende Figuren zu reduzieren. Unsere Abbildung gibt jedoch dem Leser Gelegenheit, den ursprünglichen Entwurf Kochs kennen zu lernen. Auch an der künstlerischen Ausstattung des Herrenhauses ist Max Koch hervorragend beteiligt. Aehnlich wie im Reichsratsgebäude, so wurde ihm hier die Ausführung eines Frieses übertragen. Professor Koch wählte für ihn Jagdszenen: wir sehen das Ausweiden einer Sau, eine Hirschjagd, eine Bärenjagd, eine Fischfangszene und eine Elchjagd. Nach Kochs Entwürfen sollen Gobelins gewirkt werden, die zur Ausschmückung der Präsidentenwohnung im Herrenhaus bestimmt sind. Im Auftrag der Stadt Magdeburg arbeitet Professor Koch gegenwärtig an einem kleineren, dekorativen Werk, das in drei Feldern die Hauptansichten Magdeburgs vereinen soll. Das Bild ist noch nicht vollendet: aber schon heute kann man aus den Entwürfen ersehen, daß der Künstler in sehr glücklicher Weise den landschaftlichen Hintergrund Magdeburgs mit den architektonischen Perspektiven verbunden hat. Viel zu lachen gibt dem beschäftigten Meister die Umarbeitung des großen Mosaikbildes aus dem Pariser Weltausstellungsgebäude. Es war vorauszusehen, daß das in unzerstörbarem Material sozusagen für die Ewigkeit gearbeitete Werk nicht bloß als Ausstellungsdekoration figurieren würde. In der Tat ist es nach Schluß der Ausstellung vom Dortmunder Museum angekauft worden. In diesem Fall war es nun der Künstler selbst, der eine Aenderung des Bildes vorschlug. Auch hier waren nämlich Kunst und Politik aneinander geraten. Koch hatte in seiner Komposition die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes und der deutschen Industrie unter dem Schutz des „Deutschen Michels“ darzustellen. Er hatte sich ursprünglich den Beschützer der Nation als kräftigen Jüngling in Ritterrüstung mit dem Schwert in der Hand gedacht. Der Ausstellungskommissar fand eine solche Auffassung bedenklich: die Franzosen hätten in dieser siegreichen, kriegerischen Figur eine Anspielung auf ihre Niederlage erblicken und empfindlich werden können. So mußte also der Kriegs- in einen Friedensengel, der Ritter in einen Hirten umgewandelt werden, der statt des Schwertes einen Palmzweig schwang. Hierdurch erhielt die ganze Komposition nach der Empfindung des Künstlers etwas Weichliches, was insbesondere dem monumentalen Charakter einer Mosaik widersprach. Das Dortmunder Museum teilte seine Auffassung, und so kam Koch jetzt in die Lage, seinen Deutschen Michel im Sinn der ursprünglichen Konzeption umzugestalten
In: Vom Fels zum Meer – Wochenausgabe, 22. Jg., Nr. 25, 13. Februar 1903, S. 848-855.
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