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Donnerstag, 4. Februar 2021

Entwurf für den Festsaal im Hamburger Rathaus zum Thema "Christianisierung des Nordens"

Die Christianisierung des Nordens, Entwurfszeichung, 1899, signiert mit "Prof Max Koch". Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 5. Jg., 1903, Heft 12, S. 426, Abb. 661. Dort ohne weiteren Kommentar als "Dekorative Malerei" von Max Koch, Berlin, abgebildet. Der Verbleib des Originals ist unbekannt.
Dem Autor ist es jetzt gelungen, die Zeichnung als einen Entwurf für die mittlere Flächen an der Längswand des Festsaals im Rathaus Hamburg zu identifizieren. Ein 1899 ausgeschriebener Wettbewerb mit 68 Teilnehmern hatte für die Hamburger zunächst keine zufriedenstellende Lösung ergeben, weshalb später der Auftrag direkt ohne Ausschreibung an Hugo Vogel vergeben wurde.
Die thematische Identifizierung gelang über die ausgesparte Fläche in der Mitte der Zeichnung, die auf eine vorstehende Architektur innerhalb einer Wandflächen hinweist. Der im Festsaal befindliche Türrahmen unterhalb des Gemäldes von Hugo Vogel hat heute zwar eine andere Form, aber zur Zeit des Wettbewerbs war offenbar die hier gezeigte Form maßgebend. Genau diese Aussparung findet sich denn auch in den entsprechenden Wettbewerbsentwürfen von Louis Kolitz und Hermann Knackfuß wieder.
Thematisch war hier wohl die Christianisierung des Nordens, das Ende der Wikingerzeit und ein Bezug zur  Missionstätigkeit von Ansgar vorgegeben.

Samstag, 10. Februar 2018

Psyche mit blauen Schmetterlingsflügeln am See

   "Dem Präsidenten der Akademie der Künste, Herrn Geh. Rath [Hermann] Ende, hat die Vereinigung Berliner Architekten eine Sammlung eigener Arbeiten dargebracht. Es find mehr als 50 fast durchgehends sehr werthvolle Blätter, die zumeist von hervorragenden Baukünstlern herrühren. Der 80jährige Altmeister C. W. Hahn widmete aus seiner Heimath „seinem lieben Ende“ ein hübsches Aquarell, Motiv aus der Nähe von Einbeck, mit einer tausendjährigen, im Absterben begriffenen Eiche als Mittelpunkt; das Bild ist 1897 entstanden. Paul Wallot stiftete eine mit der Feder gezeichnete „Hausthür eines Landhauses bei Darmstadt“; über dem Portal steht die Inschrift: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht“ u.s.w. Johannes Otzen steuerte die Originalskizze der Georgenkirche bei. Christian Hehl eine Skizze des Münzthurms von Hall in Tirol, der auch auf einem Blatte von Balcke wiederkehrt; Max Koch ein phantasiereiches Aquarell: eine Psyche mit blauen Schmetterlingsflügeln, die hinter dem Schutze eines Baumes auf einen See hinausblickt. Von Bruno Schmitz stammt ein Entwurf zur Tonhalle in Zürich, von Tiede eine Bleistiftzeichnung der farnesianischen Gärten und des Titusbogens. Die Zeichnungen, Skizzen, Entwürfe und Aquarelle sind meist so fesselnd und reizvoll, daß sie z. B. eine hübsche „Architekturabtheilung“ in der Kunstausstellung bilden würden."
Anonyme Nachricht in: Volks-Zeitung, Berlin, 47. Jg., Nr. 113, 8. März 1899, Morgenblatt, o.p. [S. 2].

Dienstag, 17. Mai 2016

Albert Wilhelm Heinrich von Preußen (1862-1929)

Albert Wilhelm Heinrich von Preußen (Prinz Heinrich), Porträt im Profil von links. Bleistiftzeichnung, 1899, 15 × 11 cm, rechts unten signiert und datiert "Max Koch 99." Privatbesitz Potsdam.
Die Zeichnung zeigt auch das originale Vorbild der Prinz-Heinrich-Mütze.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Skizze für die Kegelbahn im Seglerhaus am Wannsee


Skizze für Wannsee Kegelbahn, Entwurfszeichnung, 1899, am unteren Rand bezeichnet, signiert und datiert. Abgebildet in: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 4, S. 134. Bildunterschrift: "Abbildung 202. Dekoration für die Klubkegelbahn im Seglerhause am Wannsee. Von Max Koch. Maler in Potsdam."
Der Verbleib der Zeichnung ist unbekannt. Das Wandgemälde selbst wurde wohl in der alten Kegelbahn, die ab 1891 an der südlichen Grundstücksseite (Am Großen Wannsee 22-26) gelegen war, von Max Koch ausgeführt. Das Gebäude der Kegelbahn wurde später an die nördliche Seite versetzt und brannte 1931 zum Teil ab. Heute scheint von der Wandmalerei nichts mehr vorhanden zu sein.
Die Abbildung in der Berliner Architekturwelt ist daher bisher der einzige Hinweis auf diese wunderbare, sehr humorvolle Zeichnung, die auch von Walt Disney sein könnte. In seinem Film Das Dschungelbuch von 1967 gibt es den Affenkönig King Louis, der hier gerade elegant gekegelt zu haben scheint. Die übrige Affenhorde feixt auf der Balustrade und erwartet den Effekt. Links beginnt die Erzählung im Panoramaformat mit einem weisen Marabu mit Brille, der unbewegt, still und in sich ruhend das Geschehen beobachtet. Ein Biber sitzt auf seinem Schwanz und leckt sich uninteressiert das Fell. Dann, als eigentliche Hauptfigur, ein Orang-Utan, der noch weiterhin, während des Laufs der Kugel, in seiner tänzerischen Abwurfhaltung verharrt. Eine Schnecke kriecht, und eine Maus rennt entlang der Bahn der Kugel hinterher. Damit wird die Zeichnung entsprechend ihres Format tatsächlich zu einer zeitlichen, fast filmischen Erzählung, die noch nicht ganz zu Ende ist. Denn Hase und Igel, die immer schon da sind, und ein Frosch, der die Plötzlichkeit als Zeitform einbringt, erwarten bei den Kegeln die rollende Kugel, und erst im nächsten Moment, wenn die Kegel fallen, wird die Szene vorbei sein.
Im Kleinen, und mit unbeschwerter Leichtigkeit, präsentiert Max Koch mit dieser Skizze sein Können im Umgang mit großen Formaten. Auch seine großen Panoramen erschließen sich einfach wegen der Größe nicht auf einen Blick. Man muss sie nach und nach lesen, und Max Koch übernimmt für die notwendige Abfolge die Regie, indem er z.B. beim Pergamon-Panorama den Betrachter mit einer Prozession langsam durch das Bild hindurch führt. Entsprechend ist dieser tierische Kurzfilm gedacht.

Literaturhinweis: Rolf Bähr, Kunst am und im Seglerhaus, ohne Verlag (Verein Seglerhaus am Wannsee) , Berlin 2014.