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Mittwoch, 7. Februar 2018

Geschäftshaus in Berlin, Charlottenstr. Ecke Mohrenstr., Bierhalle der Dortmunder Union Brauerei

   "Dem heute stattfindenden öffentlichen Anstich des Dortmunder Unions-Bräus ist, wie gestern bereits mit kurzen Worten angedeutet, ein Ausschank des Bieres vor geladenen Gasten vorausgegangen. Da es sich hier wieder um eine Bierhalle modernster Art handelt, wollen wir dieselbe einer Beschreibung würdigen. Das Gebäude, in welchem sich die Bier-Ausschank-Säle befinden, ist auf dem Grundstück des früheren Hotel Brandenburg nach den Zeichnungen der Architekten Kayser und von Großheim errichtet und wendet seine Hauptfaçade dem schönsten Platze Berlins, dem Gendarmenmarkt, zu. Die Façaden des Hauses zeigen eine ruhig und monumental wirkende Architektur. Die Detailformen derselben lehnen sich in freier Weise der Schlüterschen Bauperiode an, deren schönstes Werk Berlin in dem Königlichen Schloß besitzt. Die beiden unteren Stockwerke, welche, abgesehen von den Räumen der Dortmunder Union-Brauerei, zu Geschäftszwecken vermiethet werden, zeigen Pfeiler aus polirtem Schwedischen Granit in Verbindung mit reich ornamentirten Eisenstützentheilungen und Umrahmungen der Schaufenster. Die oberen Stockwerke sind in Kunstsandstein aus der Fabrik der Herren H. A. L. Schultz u. Co. in Schönweide bei Berlin hergestellt. Derselbe zeigt einen feinen grauen Steinton und erreicht in diesem Fall eine Wirkung, welche echtem Sandstein nahezu gleichkommt. Die Räumlichkeiten, welche die Dortmunder Union-Brauerei inne hat, liegen im Erdgeschoß dieses Neubaues, ziehen sich, einen rechten Winkel bildend, von der Mohrenstraße anfangend durch einen Mittelbau des Hauses bis nach der Charlottenstraße und haben dementsprechend zwei durch hellstrahlende elektrische Bogenlampen ausgezeichnete Straßeneingänge. Die Ausstattung derselben ist, wie zu erwarten, eine in jeder Weise künstlerische, von vornehmem, ruhigem Charakter, welche ihre Wirkung nicht in der Ueberladung sucht. Die straßenwärts gelegenen Räume zeigen Holzdecken von abwechselnd einfacher und reicher Theilung tief braunen Tons in discreter Weise durch Goldzapfen und hohe, gleichfalls dunkelgetönte Paneele an den Wänden. Die Wandflächen zwischen Decke und Paneel erscheinen weißgetüncht und sind an einzelnen Stellen durch leichte farbige Malereien belebt und geschmückt, welche, ein Werk des Malers Max Koch, auf die Wand improvisirt sind, einen wesentlich ornamentalen Charakter bewahren und Bezug auf die Stadt Dortmund und die Dortmunder Union-Brauerei nehmen. Die Mittelräume, gegen die Vorderräume um einige Stufen erhöht und durch Ballustraden abgeschlossen, sind im Gegensatz zu den Holzdecken der Letzteren mit großen, bis aufs Paneel heruntergehenden Kreuzgewölben überspannt, welche in weißem Ton gehalten, schön und reich componirte Stuckverzierungen an den Graten und im Scheitel zeigen. Diese Verzierungen sind durch den Bildhauer Otto Lessing ausgeführt, an Ort und Stelle aus freier Hand gearbeitet. Sie zeigen jene freie und leichte Anmuth, welche dem Barockstil zu Beginn des vorigen Jahrhunderts innewohnte und nur durch die hier angewandte, aufs Meisterhafteste ausgeübte Technik zu erreichen ist. Diese Mittelräume erhalten ihr gedämpftes Licht durch große farbige Fenster, welche die Wandfelder theilweise ersetzen, von den großen Lichthöfen des Grundstücks aus. Um diesen Fenstern eine decorative Wirkung unter Wahrung ihrer Bestimmung als Lichtquelle zu geben, ist deren Fläche durch ornamentale Malereien in leichten und freien Barockformen gedeckt und belebt, welche dem in viereckige Scheiben getheilten und durch Bleifassung verbundenen Glase eingebrannt sind. Der große Buffetraum ist in der Mitte des ganzen Raumes angeordnet, so daß beide Flügel der Restaurationsräume, nach der Mohrenstraße sowohl als nach der Charlottenstraße, übersehen werden können. Die elektrische Beleuchtung der Räume liefern zehn große Bronzekronen zu je 7 Glühlampen. Die Heizung der Restaurationsräume wie des ganzen Hauses erfolgt durch eine von der Firma O. Titel & Wolde gefertigte Dampf-Niederdruckheizung, während die Lüftung des Restaurationslocals durch einen mittelst Gasmotor betriebenen Ventilator bewirkt wird. Derselbe saugt die frische Luft durch einen hohen Schacht aus staubfreier Höhe über Dach an und preßt sie durch Canäle in die Räume des Erdgeschosses. Auf diesem Wege passirt die frische Luft einen Calorifer, mittelst welchem sie bei niedriger Außentemperatur vorgewärmt werden kann. Es ist selbstverständlich, daß die Wirthschaftsräume der Größe der Restaurationsräume entsprechen, und daß sie mit allen jenen neuen und vollkommenen Einrichtungen versehen sind, welche einen raschen Betrieb sichern und die Gewähr leisten, daß Speisen und Getränke den Gästen in vorzüglichster Qualität geboten werden. In unmittelbarem Anschluß an die Restaurationsräume liegen im Erdgeschoß ein Anrichteraum und die große Küche mit allem Zubehör. Im Keller liegen noch eine Reserveküche und ein Spülraum für das unreine Geschirr. Hieran schließen sich große Fleisch- und Vorrathskeller, welche mit massiven Eiskästen ausgestattet sind, und besonders ein großer Bierlagerkeller, welcher durch einen Eisraum in zwei Theile getrennt ist, so daß in dem einen Theil das Bier ungestört lagern kann, während dasjenige aus dem andern Theil ausgeschänkt wird. Das Bier wird direct mittelst Aufzuges nach dem Büffet befördert. Die Ausstattung der übrigen Innenräume des Hauses, der Eingänge, Treppenhäuser, der Bodenlocale und der zu vermiethenden Wohnungen ist in demselben Sinne wie diejenige des Locals der Dortmunder Union-Brauerei erfolgt und durch ruhige Formen und Farben zu einer decorativen Wirkung gebracht, welche ebenso wirkungsvoll wie der Bestimmung des Gebäudes als Geschäftshaus angemessen ist. — Das Bier schmeckt, wie wir schon gestern sagten, ganz vortrefflich. Warum es aber mit 30 Pfennig pro ½ Liter bezahlt werden muß, trotzdem kein Grenzzoll auf demselben liegt, das ist ein Geheimniß für uns."
Anonym, "Locales", in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 466, 6. Oktober 1887, Morgenausgabe, S. 5-6.

Dienstag, 6. Februar 2018

Geschäftshaus in Berlin, Leipziger Straße 109, Drehersche Bierhalle


   "Die bereits rühmlich bekannten Architekten Kayser und v. Großheim haben in der Leipzigerstraße 109 einen Prachtbau aufgeführt, der, soeben vom Gerüst frei gelegt, sein markantes „Gesicht“ in eigenartiger Weise von seiner Umgebung abhebt. Niemand kann vorübergehen, ohne daß ihm die lichte Einfachheit der Façade auffiele, ohne daß das Auge gern auf dem ruhigen Aeußern dieses Baues weilte. Im ersten Augenblick frappirt die in dem Gebäude vorherrschende Verbindung von Stein und Eisen, bald aber ist man an das Originelle gewöhnt und gewinnt dem eigenartigen Bau immer mehr Interesse ab. Was sonst bei modernen Bauten im Centrum der Stadt stört, nämlich, daß die oberen zu Wohnräumen benutzten Stockwerke auf die dünnen Eisenwände der Läden-Einrahmung in ihrer Massigkeit zu drücken scheinen, das ist hier wenig störend durchgeführt, obgleich auch hier der untere Raum Geschäftslocal und der obere Wohnung ist. Wir nahmen Gelegenheit, den Bau, der uns interessirte, weil darin sämmtliche Fortschritte der Bautechnik, sämmtliche Erfahrungen der Neuzeit Verwerthung fanden, wiederholt zu besuchen, und werden nach der am Dienstag stattfindenden Eröffnung des in demselben etablirten Ausschankes Dreherschen Bieres die Details des Baues mitzutheilen in der Lage sein. Für heute sei nur so viel gesagt, daß das Haus im Juli begonnen und Mitte Januar fertig gestellt wurde. Eine Schnelligkeit, die um so bemerkenswerther erscheint, als die Grundmauern auf Caissons ausgeführt werden mußten und von vornherein auf den Hauptzweck, dem der Bau dienen sollte, nämlich auf die Errichtung einer Bierhalle größten Stiles mit ihren vielgestalteten Anforderungen an Maschinerien, Auszügen, Ventilationsanlagen, Heizräumen rc. Rücksicht genommen werden mußte. Die Bierhalle selbst wird im kostbarsten Stile eingerichtet. Schwere dunkle Balkendecken, dunkle Paneele und Möbel werden den Raum zieren. Den höchsten Schmuck werden jedoch Wand- und Deckengemälde bilden. Prof. Karl Lessing und Max Koch malen dieselben al fresco. Eine großartige Ansicht von Wien innerhalb einer von zwei lebensgroßen allegorischen Gestalten getragenen Kartusche wird die Bewunderung aller Kenner hervorrufen. Das Bild befindet sich gerade gegenüber dem Eingang zum Local und wird nicht verfehlen, den Eintretenden in Stimmung zu versetzen. Von dem anderen reichen künstlerischen Schmuck sprechen wir, wie gesagt, nach der Eröffnung. Als bemerkenswerth sei noch hervorgehoben, daß der Gast aus der etwas erhöhten ganzen Tiefe des Locals den Blick auf die Leipzigerstraße frei haben wird. Daß die Bierhalle mit elektrischem Licht versehen ist, kann als selbstverständlich gelten. Kosten wurden keine gescheut, um den Raum zu einem angenehmen zu machen, in welchem das helle Drehersche Bier verzapft werden soll. Stellt sich doch der Preis des Baues incl. Grund und Boden auf 1½ Millionen Mark. Man muß füglich erstaunen, welche Summen aufgewendet werden, um dem Kneipbedürfniß der Großstädter entgegenzukommen."
Anonym, "Locales", in:  Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 26, 16. Januar 1887, Morgenausgabe, S. 7

   "Wie wir in der Sonntagsausgabe angedeutet, hat die neue Drehersche Bierhalle in der Leipzigerstraße 109 am Dienstag Abend vor einer außerordentlichen Gesellschaft zum ersten Male ihre Pforten geöffnet. Wir haben auch schon erwähnt, daß die Architekten Kayser und v. Großheim mit diesem Bau ein kleines Meisterstück geliefert haben, und geben nunmehr folgende ausführliche Daten über die neue Bierhalle: Der Bau des ganzen Hauses wurde begonnen Anfang Juli 1886 und hat mithin etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Die specielle Bauleitung lag in den Händen des Architekten Tiek. Trotzdem bei der, auf den Ausbau der Restauration entfallenden, äußerst kurzen Zeit die größte Beschleunigung aller Arbeiten geboten war, wurden doch zu den vielen kunstgewerblichen und künstlerischen Arbeiten nur neue Modelle und Entwürfe benutzt. Außerdem wurde auf die Anlage der Heizung, Ventilation, Abwässerung, auf die zeitgemäße Einrichtung des Küchencomplexes, sowie der Vorrathsräume für Bier, Fleisch etc., auf die Ausbildung der Verkehrsmittel die möglichste Sorgfalt verwandt, da die Architekten beabsichtigten, ein in jeder Beziehung den Ansprüchen des modernen Großstadtpublicums genügendes Werk zu schaffen. Von besonderem Interesse ist zunächst die Restauration, welche zu einer Ausschankstelle des Anton Dreherschen Brauhauses, Kl. Schwechat bei Wien, vorher bestimmt war. Es lag in dem Bestreben der Erbauer, durch einfache Eleganz und möglichst malerische Anordnung der Räume die für solche Locale erforderliche vornehme Behaglichkeit zu erlangen. Durch das Vestibül, welches zugleich für den Verkehr mit dem übrigen Hause und zu den im Keller gelegenen Küchen- und Vorraths-Räumen dient, gelangt man in die Restauration, in deren Inneres wir schon durch das rechts im Vestibül angebrachte unten reich vergitterte Fenster einen Einblick gewinnt. Der Eingang befindet sich an einer Stelle des Innenraumes, von wo sich dem Eintretenden ein Durchblick durch die drei in verschiedener Höhenlage und Deckenausbildung combinirten Abtheilungen des Locals in ihrer Gesammttiefe darbietet. Als Fußbodenbelag ist im ganzen Locale rother Terrazzo von Odorico zur Anwendung gekommen, über welchem sich durchgehends an allen Wänden ein 2,50 m hohes eichenes Paneel aus der Werkstatt Max Schulz u. Co. in dunkler Färbung erhebt. Der darüber befindliche Theil der Wände ist, der Vermeidung von Staub wegen, von einer Stoffbekleidung völlig frei geblieben und im Naturton des Mörtelputzes gelassen, welcher auch den Malereien direct als Untergrund dient. Im vordersten Raum befindet sich rechts eine Ansicht von Wien, gemalt von Otto Lessing, die übrigen Malereien sind von Max Koch. Die um 2 Stufen erhöhte geräumige Fensternische ist durch eine Balustrade vom übrigen Raum abgetrennt. Die breiten Leibungen sind mit den Figuren der Austria und Borussia auf Majolikafliesen geschmückt, während die große Fensteröffnung ohne Glasmalerei geblieben und mit einer (im Sommer in den Keller zu versenkenden Spiegelscheibe versehen ist, welche auch den tiefer im Locale Sitzenden einen Blick auf das Straßenleben ermöglichen soll. Die Decke dieses ersten Raumes ist als dunkle Cassetten-Holzdecke, mit goldenen Rosetten und Knöpfen geschmückt, versehen. Auf die Höhe des hinteren Locales, welche durch eine Balustrade mit Marmorsockel und Deckplatte und Messingdocken gegen den tiefer liegenden Theil abgeschlossen ist, gelangt man über eine Treppe von 5 Marmorstufen mit reichem schmiedeeisernen Geländer. Man befindet sich zunächst in dem durch zwei Kreuzgewölbe überdeckten Mittelraum, welcher sein Licht durch ein großes seitliches Rundbogenfenster, nach einem Entwurf von Max Koch von L. Jessel - Berlin in Glasmalerei ausgeführt, empfängt. An der rechtsseitigen Wand sind die allegorischen Büsten von Frohsinn und Ernst, Werke des Bildhauers Kaffsack, angebracht, umgeben von einer an Ort und Stelle in dem frischen Stuck modellirten Umrahmung. Die Gewölbe sind mit in gleicher Weise von Otto Lessing modellirten Stuckornamenten überzogen. Am Buffet, welches sich links im zweiten Joch des Raumes befindet, ist besonders nennenswerth das in reichster schmiedeeiserner Arbeit von Ed. Puls ausgeführte Obergitter der Oeffnung und die in Kupfer getriebene Paneelfüllung aus der Werkstatt Seitz-München. Das Büffet ist mit dem darunter liegenden Anrichte Raum durch Treppe und Aufzüge verbunden, doch ist zur Vermeidung des Aufsteigens der Küchendämpfe ein Abschluß der Küche durch Glaswände mit kleinen Schubfenstern zum Durchreichen vorgesehen. Der hintere geräumige Theil des Locals ist in ähnlicher Weise wie der vorderste ausgebildet. Die Holzdecke wird jedoch in einem der 4 durch Unterzüge entstandenen Theile derselben durch ein farbiges Oberlicht ersetzt. Die Füllungen der übrigen Decke sind im Naturton des Kiehnholzes gelassen und mit schablonirten farbigen Ornamenten künstlerisch belebt. Von den die im hellen Putzton gelassenen Wände bedeckenden Malereien des Malers M. Koch sind, auf den Besitzer der Restauration bezüglich, die Bilder seiner 4 Brauhäuser, zu Michelob bei Saaz in Böhmen, zu Kl. Schwechat bei Wien, zu Boschetto bei Triest und zu Steinbruch bei Budapest zu erwähnen. Allegorien, Wappen, Embleme und dergleichen bilden den Gegenstand der umgebenden und übrigen Malerei. Die drei den einen Unterzug tragenden Stützen sind mit Capitälen, Bändern und Basen von getriebenem Kupfer aus der Werkstatt Fr. Paters-Berlin geschmückt. Die von O.Titel & Wolde ausgeführte Heizung und Ventilation der Restauration wird von dem vorderen Theil des Kellergeschosses aus durch eine Niederdruckdampfheizung und eine vollkommen unabhängig davon angeordnete Ventilations-Anlage mit Ventilator und eigenem Calorifer bewirkt. Die frische Luft wird oberhalb des Daches gewonnen, in den Keller hinabgesogen, gereinigt und nach Erwärmung auf Zimmertemperatur in die Restauration getrieben, wo sie sich oberhalb der Decke vertheilt und durch ein durchbrochenes Unterglied der Decke hinaustritt. Der Abzug der verbrauchten Luft erfolgt durch geheizte Lockschlote, welche eine beständige Lufterneuerung im Locale zulassen. Die Einrichtung der ganzen Küchenanlage ist, den Erfindungen der Neuzeit Rechnung tragend, von O. Titels Kunsttöpferei Actien-Gesellschaft besorgt. Das Bier wird aus dem Hofe durch einen eisernen Krahn in den Bierkeller mit oberer Eiskühlung (nach Ing. Dörrfurt) gesenkt, von dort nach Bedarf auf kleinen Wagen in den Aufzug gefahren und in den oberen Buffetraum gehoben. Die Aufzüge werden alle durch hydraulische Kraft getrieben. Zum Verkehr zwischen den oberen Stockwerken, welche, der günstigen Lage des Hauses entsprechend, ausschließlich der Personalwohnungen im IV. Stock und Dachgeschoß, zu Geschäftsmagazinen eingerichtet sind, dient ein Amerikanischer Aufzug, System Otis, welcher durch Herrn von Adelson hier eingeführt worden ist. Sämmtliches für die Aufzüge erforderliches Wasser wird auf dem Grundstück selbst durch eine 30 m tiefe Pumpe, welche durch einen Gasmotor getrieben wird, gewonnen. Herr Ingenieur Herzberg und die Berlin-Anhaltische Maschinenbau-Actien-Gesellschaft haben die ganze hierzu nöthige maschinelle Anlage eingerichtet, desgleichen die zum Heben der Abwässer in die etwa 2 m höher liegende Kanalisation der Leipzigerstr. Pumpvorrichtung, welche nöthig war, weil die hydraulischen Aufzüge bis unter die um dieses Maß tieferliegende Kellersohle hinabreichen. — Die Einweihungsfeier gestaltete sich zu einer gemüthlichen Kneiperei. Baurath Kyllmanns schwungvolle Rede auf die Verbrüderung Oesterreichs mit Deutschland fand enthusiastische Aufnahme. Das Bier, etwas dunkler als früher eingebraut, mundete vortrefflich. Nennen wir noch die Firma Hasché, welche alle Glaswaaren und Krüge lieferte, und die bekannte Bäckerei von Gartz, die berufen ist, ihr als schmackhaft bekanntes Brod zu liefern, so haben wir Alle erwähnt, die sich um das „Ensemble" verdient gemacht haben. Indessen sei des Vertreters des Hauses Dreher in Berlin, des Herrn Zweig, nicht vergessen, der den Berliner Unternehmungen Drehers mit Geschick und Energie vorsteht, was auch Baurath Kyllmann in seinem Speech unter allgemeiner Zustimmung betonte. Wir zweifeln nicht, daß das Drehersche Bier in Berlin bleibend zu denjenigen Genußmitteln gehören wird, welche man gewohnt ist, zu den zeitweilig unentbehrlichen zu zählen."
Anonym, „Locales“, in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 32, 20. Januar 1887, Morgen-Ausgabe, S. 7-8.

Samstag, 18. Februar 2017

Zum Dortmunder - Leipziger Str. 109

Ansichtskarte "Zum Dortmunder" (Inhaber Th. Kochintke) Leipzigerstr. 109.

   „Durch seine Raumwirkung, malerischen Reiz, Kostbarkeit und Virtuosität in der Behandlung der Werkstoffe nimmt auch heute noch das jetzige Local der Dortmunder Union, früher Dreher´sches Bierhaus, in dem von Kayser und v. Groszheim 1886 bis 1887 erbauten Hause Leipziger Strasse 109 einen hohen Rang ein. Der freundliche Eindruck des Inneren mit seinem prächtigen, in den Deckencassetten durch Bronzerosetten gehobenen Holzwerk, mit dem reichen vergoldeten Gitterwerk der seitlichen Eingangsthür wird wirksam belebt durch Malereien von Max Koch.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 3 „Privatbauten“, S. 6.

„Dortmunder Unionbräu, mit Malereien u. Modellierungen von O. Lessing, M. Koch u.a.“
K. Baedecker, Berlin und Umgebungen, Handbuch für Reisende, 7. Aufl., Leipzig 1891, S, 20

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Diorama von Tokio für Ende & Böckmann

Der Lichtdruck befindet sich in der Sammlung des Architektur-Museums der TU Berlin, Inv. Nr. 7743, und wird dort, gemäß der Beschriftung des Blattes, den Architekten Ende & Böckmann zugeschrieben.Wilhelm Böckmann reiste zwar persönlich nach Tokio und hat dort Skizzen und Fotografien gefertigt, aber es scheint mir unwahrscheinlich, dass Böckmann selbst diese sehr detailierte Vorlage für den Lichtdruck angefertigt hat. Als Urheber ist hier vielmehr Max Koch und als Vorlage sein Diorama zu vermuten. Hierzu der folgende Bericht:
—  Im Königl. Kunstgewerbe-Museum ist für wenige Tage ein Diorama von Tokio ausgestellt, welches der Lehrer des Museums, Herr Max Koch, der Schöpfer des Pergamon-Panoramas, im Auftrage der Herren Ende & Beckmann [sic, richtig Böckmann] für die Japanische Regierung gemalt hat. Dieses Bild von sieben Meter Länge und drei Meter Höhe stellt die Stadt Tokio dar, wie sie sich nach Ausführung der neuen Monumentalbauten gestalten wird, und hat auch für Berlin das lebhafteste Interesse, da es unseren Mitbürgern beschieden ist, diese stolze Reihe von Palästen aufzuführen und zugleich die ganze Anlage der Japanischen Hauptstadt monumental umzugestalten. In der Mitte erhebt sich der hochragende weißschimmernde Bau des Parlaments, daneben, in rohen Ziegeln ausgeführt, das Justizministerium (das daneben liegende Kriegs-Ministerium ist bereits früher von Französischen Architekten erbaut.) Im Vordergrund ist ein weiter, für Volksfeste bestimmter Platz, auf welchem der Ausstellungspalast und eine Musikhalle als im Bau begriffen dargestellt sind; zu dem Platze führen zwei Straßen mit monumentalen Brücken. Rechts im Hintergrund erheben sich zwischen hoben, stattlichen Baumwipfeln die Thürme des gleichfalls projectirten neuen Kaiserpalastes. Das Bild ist in seinen architektonischen und landschaftlichen Theilen ebenso wie in seiner Staffage mit frischester Anschaulichkeit durchgeführt. Eine Reihe von Plänen und Aufrissen wird die Gestaltung der Bauten noch deutlicher machen. Da das Bild mit Beginn nächster Woche eingeschifft werden muß, so ist die Ausstellung auf die drei Tage von Donnerstag bis Sonnabend beschränkt.
 Anonyme Mitteilung in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 104, 3. März 1887, 1. Beilage, S. 5.

Sonntag, 17. Juli 2016

Kronleuchter im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale


Zeichnung vom Kronleuchter im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale, Maße, Technik und Verbleib unbekannt. Abgebildet in: Deutsche Bauzeitung, 21. Jg., Heft 17 vom 26. Februar 1887, Beilage nach S. 97 mit der Bildunterschrift "Krone für elektrisches Licht im Zuschauerraum des neuen Stadttheaters zu Halle a.S. / Entworfen von H. Seeling in Berlin, ausgeführt von L. A. Riedinger in Augsburg unter künstlerischer Leitung von O. Dedreux / Nach einer Zeichnung von Max Koch in Berlin / Druck der Hofdruckerei von Max Pasch". Auf S. 97 wird mitgeteilt, dass Max Koch diese Zeichnung "eigens für unser Blatt" gezeichnet habe.
Die originale Zeichnung wurde 1888 in der Ausstellung der Königlichen Akademie der bildenen Künste in Berlin von Heinrich Seeling präsentiert, zusammen mit dessen Fotografien von Dekorationen im Zuschauerraum des Stadttheaters in Halle an der Saale. (Hinweis in Deutsche Bauzeitung, 22. Jg., Heft 79 vom 3. Oktober 1888, S. 478.)
Im Architekturmuseum der TU Berlin wird ein Konvolut von Entwurfszeichnungen und Fotografien von Heinrich Seeling aufbewahrt. Darunter auch die folgende Fotografie des Kronleuchters:
Foto: Architekturmuseum der TU Berlin, Inventarnummer: F 5183

Sonntag, 16. August 2015

Panorama - Das Diorama von Tokio, 1887, Pressespiegel

O. M.: Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin
   Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin war für wenige Tage ein Diorama von Tokio ausgestellt, welches der Lehrer des Museums Max Koch, der Schöpfer des Pergamon-Panoramas, im Auftrag der Architekten Ende & Boeckmann für die japanische Regierung gemalt hat. Dieses Bild von sieben Meter Länge und drei Meter Höhe stellt die Stadt Tokio dar, wie sie sich nach Ausführung der neuen Monumentalbauten gestalten wird. In der Mitte erhebt sich der hochragende weißschimmernde Bau des Parlaments, daneben, in rohem Ziegeln ausgeführt, das Justizministerium. (Das daneben liegende Kriegsministerium ist bereits früher von französischen Architekten erbaut.) Im Vordergrund ist ein weiter, für Volksfeste bestimmter Platz, auf welchem der Ausstellungspalast und eine Musikhalle als im Bau begriffen dargestellt sind; zu dem Platze führen zwei Straßen mit monumentalen Brücken. Rechts im Hintergrund erheben sich zwischen hohen Baumwipfeln die Türme des gleichfalls projektirten neuen Kaiserpalastes. Das Bild ist in seinen architektonischen und landschaftlichen Teilen ebenso wie in seiner Staffage mit frischester Anschaulichkeit durchgeführt.
In: Kunstchronik, Bd. 22, Heft 22, 10. März 1887, S. 362.