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Freitag, 18. Februar 2022

Ausstellung von 50 Studienblättern im Städtischen Museum für Kunst und Kunstgewerbe, Halle (Saale)

   "Im Städtischen Museum für Kunst und Kunstgewerbe werden von Donnerstag den 23.[09.1886] an etwa 50 Studienblätter des Malers Max Koch in Berlin von dessen Reise nach Pergamon ausgestellt sein. Alle Besucher der Jubiläums-Kunstausstellung in Berlin, welche das prachtvolle Pergamon-Panorama dort besucht haben,welches von den Herren Koch und Kips gemalt ist, werden mit doppeltem Interesse hier die Reisestudien des Herrn Koch in Wasser- und Oelfarben aus Corfu, Athen, Konstantinopel, Smyrna und Pergamon einsehen. Dieselben gewinnen für uns Hallenser nun noch eine besondere Bedeutung, da Herr Max Koch der Schöpfer unseres wundervollen Bühnen-Vorhangs wie der Figuren an dem Plafond des Zuschauerraumes ist. Die Studien können leider nur etwas 10 Tage ausgestellt bleiben. Wir werden auf dieselben zurückkommen."
 
anonym, "Aus der Stadt und Umgebung." In: Halle'sches Tageblatt,
Beilage zu Nr. 223 vom 24.September 1886, o.p. 
 
 
   "Alle die Tausende von Besuchern des Pergamon-Panorama's in der Berliner Jubiläums-Ausstellung sind entzückt gewesen von der Ausführung jener Idee, der Rekonstruktion des alten Herrschersitzes der Attaliden zu Pergamon, aus dem uns ein günstiges Geschick, vereint mit deutschem Forscherfleiß, den so werthvollen Schatz von Skulpturen nach Berlin brachte. Wohl mußten diese der Nacht der Erde entrissenen Zeugen einer hohen künstlerischen Pracht die Augen der gebildeten Welt magnetisch nach jenen halbvergessenen Gestaden Klein-Asiens hinlenken, wie es in den letzten Jahren vorher das verschüttete Olympia und wie es das mythische Troja gethan. Und ein besonders glücklicher Gedanke war es seitens der Berliner Künstlerschaft, in ihrer Jubiläums-Ausstellung die Erinnerung an diese Errungenschaften, welche vorzugsweise dem deutschen Fleiß zu verdanken waren, in groß ausgeführten Werken vor die Augen der Mitlebenden zu stellen, in dem Tempel von Olympia und der Stadt Pergamon zur Zeit ihrer glänzendsten Erscheinung. Um die letztere nun in möglichst historischer Treue darstellen zu können, begaben sich zwei Berliner Maler Max Koch und Kips im vorigen Jahre nach Klein-Asien und sammelten an Ort und Stelle die nothwendigen Terrainstudien, nach welchen sie dann in Berlin gemeinschaftlich das Panorama ausführten.
   Nachdem nun Herr Koch unserer Stadt näher getreten war durch die Aufträge für unser Stadttheater, der Vorhang und die Figuren am Plafond, hatte er sich auch bereit erklärt, unserem Museum seine Studien von jener interessanten Reise zu einer kurzen Ausstellung zu überlassen; leider nur kurz, weil auch andere Städte wie Weimar, Breslau, um die Ausstellung derselben gebeten hatten.
   Jene Reise ging über Triest, Corfu, Athen, Smyrna nach Pergamon, zurück über Konstantinopel, und sehen wir aus allen diesen Etappen zahlreiche Darstellungen in Oel- und Wasserfarben wie auch Bleistudien.
   Bei der Abfahrt mit dem Dampfer aus Triest zeigt sich auf den Studien das rege Leben des Hafens, die schneidigen Formen der großen Dampfer und die Scenerie des Verdecks, auf dem der Künstler sich eingeschifft; bald folgen Skizzen des bewegten Meeres mit den schönen Linien einer Insel am Horizont. Die Insel Corfu muß zu einem längeren Aufenthalt gedient haben, denn von hier bringt die Sammlung eine reiche Ausbeute. Vor Allem ist es die Hafenscenerie mit dem doppelgipflichen Kastell, das steil vom Ufer aufsteigt, nicht minder das reich bewegte Terrain der Insel und der Hintergrund des gebirgigen Festlandes wie der benachbarten Inseln. Unsere Leser werden sich erinnern, wie schon der geniale C. Rottmann die Schönheiten von Corfu mit Vorliebe gemalt hat. M. Koch hat auch der südlichen Vegetation daselbst große Aufmerksamkeit zugewendet. Außerordentlich charakteristisch weiß er die dunklen melancholischen Cypressen darzustellen, die alten knorrigen Oliven mit dem feinen Laub, die gigantischen Cacteen und Aloë's.
   Auch Athen ist mit einer Anzahl der interessantesten Bilder vertreten. Zunächst orientirt uns ein Aquarelle über die hochragende Acropolis mit dem Parthenon, dann folgen Aufnahmen von dem Theater des Bacchus, dem Erechtheion, dem Areopag und einzelnen Theilen des Parthenon selbst. In die landschaftlichen Blätter finden sich auch hier und da Studien der Menschen- und Thierwelt, der einzelnen Landschaften eingestreut, welche von der scharfen Auffassung des Künstlers Zeugniß geben. In allen zeigt sich eine leichte Hand und eine Schärfe der Darstellungen. Man vergleiche nur diese Bilder von Athen mit den durch Buntdruck vervielfältigten des bekannten Aquarellisten Carl Werner in Leipzig; die Blätter unseres Künstlers zeigen bei aller Schönheit des Colorits und bei aller Schärfe der Zeichnung nichts Unwahres; ihnen gegenüber sind jene glatt und geleckt, wie der technische Ausdruck es bezeichnet, dadurch kleinlich und unwahr.
   Von Smyrna ist nur eine Studie vorhanden. Dieselbe giebt ein Bild der reichen und belebten Hafenscenerie. Den Vordergrund füllen die Fronten stattlicher, europäisch gebauter Häuser, den Hintergrund eine Kette schön geformter Berge.
   Der Schwerpunkt der Sammlung liegt naturgemäß in den Studien von Pergamon selbst, und zwar fesselt uns am meisten der Gebirgszug mit den Ruinen der Burg der Attaliden. Der Künstler hat diese Situation von von den verschiedensten Standpunkten aus gemalt und wir können mit Hülfe einer beigefügten Skizze von anderer Hand eine genaue Lage der antiken Bauwerke erkennen, so den Tempel des Trajan, den Palast der Bibliothek, das riesige Amphitheater, die große und kleine Terrasse, und endlich den Altar des Zeus. Am Fuße des malerischen Bergrückens liegt die bunte moderne Türkenstadt mit ihren zahlreichen Moscheen und deren schlanken Minarets. Zahlreiche Aufnahmen von einzelnen dieser wunderlichen Gebäudeformen und Straßen so wie der die Stadt umgebenden malerischen Flußthäler des Selinos und Ketios mit ihrer südlichen Vegetation und den charakteristischen Figuren der Menschen- und Thierwelt vervollständigen den Einblick in die interessante Landschaft.
   Den Schluß der Sammlung machen zwei Aquarellbilder von Konstantinopel; das eine stellt das alte Stambul mit der großen Moschee Sofia auf der Höhe dar, das andere giebt einen umfassenden reichen Blick auf die ganze Ausdehnung des goldenen Horns, aus dessen Fluthen zu beiden Seiten die Häusermeere von Stambul, Pera und Galata aufsteigen.
   Es ist eine bunte, bilderreiche und interessante Welt, welche uns in diesen Studienblättern des Herrn Koch entgegen tritt. Was ihnen einen ganz besonderen Werth verleiht, ist die überzeugende Frische und Naturwahrheit, mit welcher die Scenerien aufgefaßt und wiedergegeben sind. Die Hand des hochbegabten Künstlers führt den Stift wie den Pinsel mit einer Leichtigkeit und zugleich mit einer Sicherheit, die Erstaunen macht. Man beachte nur die Physiognomien der dargestellten Menschen und Thiere. Daneben verachtet er keineswegs ein glänzendes Colorit; im Gegentheil, man kann diese Studien in ihrer Wirkung vollberechtigt neben die eines Ed. Hildebrandt und Ch. Wilberg stellen, und dann wird man immer noch einen Fortschritt der heutigen Kunstanschauung an ihnen konstatiren können, die ihre Aufgabe darin sucht, die Schönheit der Natur in ihrer wirklichen Erscheinung darzustellen, ohne zu unwahren Verschönerungen ihre Zuflucht zu nehmen. Und hierin liegt der Hauptreiz der modernen Landschaftsmalerei, der sich die Studien des Herrn Koch vollkommen anschließen.
   Wir empfehlen nochmals den Besuch der Ausstellung, welche nur noch kurze Zeit stattfinden wird, in unserem Städtischen Museum."
 
anonym, "Ausstellung der Originalstudien von Max Koch zum Panorama von Pergamon u. A.
im städt. Museum." In: Halle’sches Tageblatt, Erste Beilage zu Nr. 231 vom 3. Oktober 1886, o.p.

Mittwoch, 10. März 2021

Oberon und Titania - Vorhang von 1886 im neuen Stadttheater in Halle (Saale)

Oberon und Titania, 1886, Hauptvorhang im Stadttheater in Halle (Saale).
Hier die einzige bisher bekannte Abbildung aus: Gustav Staude (Oberbürgermeister), Das Stadt-Theater zu Halle a. S., Ein Beitrag zum Eröffnungstage, Verlag von Tausch & Grosse, Halle a. S. 1886, Lichtdruck als Tafel im Anhang.
   Auf Seite 17 eine kurze Beschreibung: "Den harmonischen Abschluss des Auditoriums gegen die Bühne hin bildet der Hauptvorhang, den der Maler Max Koch in hervorragend künstlerischer Weise ausgeführt hat. Der Vorhang zeigt in seinem Mittelfelde ein Seegestade in Abendstimmung; Oberon und Titania schweben auf einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Dämmerung, vor ihnen in weiter Ferne sich verlierend der Reigen der Elfen."
   Weitere Besprechungen HIER.

Donnerstag, 21. November 2019

Brief vom 29. Mai 1886 - Eintrittskarte

Brief von Max Koch an die Akademie der Künste zu Berlin vom 29.5.1886:
   "Sehr geehrte Herr. Ich habe als Aussteller bei der Jubiläumsausstellung im Landesausstellungspark bis jetzt noch keine Eintrittskarte erhalten und erlaube mir, da ich annehme daß diese Ausnahme im Uebersehenwordensein meines Namens beruht, Sie höflichst zu ersuchen mir dieselbe jetzt übersenden zu wollen. Ich habe in der Abtheilung für Kunstgewerbe einen geschnitzten Spiegelrahmen ausgestellt und das Pergamon-Panorama gemalt. Mit vorzüglicher Hochachtung / Max Koch / Lehrer am K. Kunstgewerbe-Museum Königgrätzer Str. 120"
Der originale Brief befindet sich in der Akademie der Künste Berlin, Historisches Archiv, Bestand Preußische Akademie der Künste, Akte 343, Blatt 26. Signatur: PrAdK 0343.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Dank des Vereins Berliner Künstler

Erinnerungsblatt,1886.
Sammlung Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr.: Do 86/196. Weitere Angaben siehe dort.

Zu diesem Erinnerungsblatt erschien ein kurzer Artikel in der Kunstchronik:
    "Der Verein Berliner Künstler hat allen denen, die das aus Anlaß der Jubiläumsausstellung im vergangenen Sommer veranstaltete griechische Fest durch Rat und That unterstützten, in diesen Tagen, als Ausdruck seines Dankes, ein von dem Festkomitee unterzeichnetes diplomatisches Erinnerungsblatt zugehen lassen, dessen meisterliche Zeichnung von dem Maler Max Koch herrührt. Sie umrahmt den mit roten Initialen gedruckten, den Dank des Vereins aussprechenden Text, der die rechte mittlere Hälfte des ansehnlichen Blattes einnimmt. Über Palmen und Waffentrophäen ragt oben die lichtumstrahlte Büste der Minerva auf, wie sie die Bekrönung des Vereinswappens bildet. Beflügelte Putten umschweben sie und klimmen auf schlanken Pflanzenstauden zu ihr empor, als Preis des Sieges Kranz, Palme und Lorbeerzweig darbietend. Unten aber stößt ein gerüsteter griechischer Krieger in die mit beiden Händen erhobene Tuba, und zu seinen Füßen schwingt sich in den Rauchwolken zweier gekreuzter Opferfackeln über dem Künstlerwappen und dem Wappen der Stadt Berlin der preußische Adler empor. In ihren Beziehungen sofort verständlich, in frisch bewegter, kraftvoller Komposition mit der Feder leicht und sicher ausgeführt, ist die Zeichnung ein in seiner Art so vorzüglich gelungenes Blatt, daß es auch über die Kreise der Empfänger hinaus als künstlerische Leistung interessiren und lebhaften Beifall finden wird."
Fd. unter „Vermischte Nachrichten“ in: Kunstchronik, 22.Jg., Nr. 14, 13. Januar 1887, Spalte 236.

Der Text auf dem Erinnerungsblatt lautet: "Der Verein Berliner Künstler spricht den Herrn E. und P. March in Charlottenburg seinen aufrichtigen Dank für die opferwillige Betheiligung und Unterstützung des von demselben veranstalteten griechischen Festes im Ausstellungspark aus. Möge dieses Blatt eine Erinnerung an die gemeinsam verlebten Stunden der Arbeit und Freude sein. Das Festcomité: [Unterschriften von: Joseph  Kaffsack, Max Koch, Carl Röchling, R. Neumann, Gottlob Theuerkauf]"

Sonntag, 17. Juli 2016

Ariadne und Dionysos an der Ostfassade am Stadttheater (heute Opernhaus) in Halle an der Saale


Ariadne und Dionysos, 1886, zwei Wandbilder an der Ostfassade des ehemaligen Stadttheaters in Halle an der Saale, dem heutigen Opernhaus.

   "Das architektonische Gerüst der Façade ist aus hellfarbigem Elbsandstein, die Verblendung der glatten Flächen aus gelbgrauen Siegersdorfer Ziegeln hergestellt. Malerischer und bildnerischer Schmuck ist sparsam, aber in geschickter Vertheilung verwandt. Ersterer beschränkt sich auf die beiden Langseiten und ist an der westlichen Front in venetianischer Glasmosaik von Dr. Salviati, an der östlichen Front in Keim´scher Mineral-Malerei zur Ausführung gelangt. Dort sind in den zwei oberen Flachnischen des Treppenhauses die Gestalten der heiteren und tragischen Muse, in den unteren Nischen, sowie in den Zwickeln der mittleren Bogenfenster und über den Parquet-Ausgängen allegorische und ornamentale Darstellungen – sämmtlich nach Entwürfen von Otto Lessing in Berlin – angebracht; die ähnlich gehaltenen aber einfacheren Malereien der Ostseite rühren von Max Koch in Berlin her."
F., "Das neue Stadttheater in Halle a. S.", in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Heft 93 vom 20. Novem- ber 1886, S. 553ff., Fortsetzung in Heft 96 ab S. 573, Schluss in Heft 97 ab S. 577, Zitat auf S. 573.


Die drei Fotos wurden freundlicherweise von © Martin Beitz zur Verfügung gestellt und befinden sich auf seiner Internetseite "Halle im Bild" in einer Bildfolge zum Stichwort "Landestheater Halle"  hier.

Das Stadttheater wurde am 31. März 1945 durch einen Bombentreffer weitgehend zertört. Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren wurden erhaltene Fassaden flächendeckend einfach verputzt, so auch die Ostfassade. 2010 wurde schließlich die Ostfassade rekonstruiert und dabei entdeckte man unter dem Putz die noch größtenteils erhaltenen Wandgemälde von Max Koch. Die Restaurierung erfolgte durch Dipl.-Restaurator Peter Schöne.

Deckengemälde im Zuschauerraum des neuen Stadttheaters zu Halle an der Saale

 „Die Wände bereiten in gelungener Weise auf die Decke vor, welche durch Max Koch in Berlin mit allegorischen Bildern geschmückt ist.“
F.,  „Das neue Stadttheater in Halle a. S.“ , in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Heft 93, vom 20. November 1886, S. 553ff., Fortsetzung in Heft 96 ab S. 573, Schluss in Heft 97 ab S. 577, Zitat auf S. 574.

 „Die Decke des Zuschauerraums, in lichten Tönen und reicher Vergoldung gehalten, zeigt, der konstruktiven Teilung folgend, ein großes Velarium, welches durch acht Zeltstangen in vier größere und vier kleine Felder geteilt ist. Weibliche Gestalten in den vier kleinen Feldern versinnbildlichen Lustspiel, Schauspiel, Trauerspiel und Oper, gemalt von Max Koch in Berlin.“
A.P., "Korrespondenz, Halle a/S., 10. Oktober 1886", in: Kunstchronik, 22. Jg., Heft 2 vom 21. Oktober 1886, S. 21-24. Zitat S. 23.

Vorhang im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale

   „Für das von dem Berliner Architekten H. Seeling erbaute neue Stadt-Theater in Halle a. S. hat der Maler Max einen Vorhang gemalt, der gegenwärtig im Lichthofe des Kunstgewerbe-Museums in Berlin ausgestellt ist. Die Darstellung zeigt Oberon und Titania auf ihrem von vier fliegenden Schwänen gezogenen lustigen Wagen über einem mit Schilf und Wasserrosen eingesäumten Weiher; unter dem schattigen Laubdach eines hochaufragenden Baumes schmiegt sich ein Liebespaar aneinander; um dasselbe herum gruppiren sich geflügelte Elfen und Genien, während hoch in den Lüften Elfen sich zum Reigen schlingen. Die phantastisch gestaltete und gut gegliederte Composition wird von einem aus Blattformen, Früchten und Aehren zusammengesetzten Ornamentrahmen eingefaßt; an den beiden Seiten sind Bühnenembleme, wie Gesichtsmasken und musikalische Instrumente vereinigt und am unteren Ende schließt der Vorhang mit einer breiten Ornament-Composition ab, in welcher zwischen Arabesken und Lorbeerzweigen Genien, phantastische Thierfiguren und Nixen auftauchen. Der als Lichtmotiv von dem Künstler gewählte Dämmerschein und die leichten Nebel in den Lüften bedingten die Zurückdrängung kräftiger Localfarben; die farbige Erscheinung des Gemäldes übt aber, wie das „Berl. Tgbl." mittheilt, eine höchst harmonische Wirkung aus und schließt viel poetische Stimmung ein.“
Anonym, "Theater und Musik", in: Hamburger Nachrichten, Nr. 219, 15. September 1886, Morgen-Ausgabe, 2. Beilage, o.p.

   „Zu der heiteren Pracht, in der Wände und Decke erstrahlen, bildet die ruhige Haltung des von Max Koch gobelinartig gemalten Vorhangs, in dessen tiefer Tönung ein mildes Grün vorwaltet, einen stimmungsvollen Gegensatz; das meisterlich gelungene Werk zeigt in dem von breiten, schön erfundenen Friesen umrahmten Mittelbilde ein Seegestade in Abendbeleuchtung und an demselben Oberon und Titania in einem von Schwänen gezogenen Wagen, umgaukelt von dem Elfenreigen, der sich über den See hin in der Dämmerung verliert.“
F., "Das neue Stadttheater in Halle a. S.", in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Heft 93, vom 20. November 1886, S. 553ff., Fortsetzung in Heft 96 ab S. 573, Schluss in Heft 97 ab S. 577, Zitat auf S. 574

„Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin ist gegenwärtig der von dem Lehrer der Unterrichtsanstalt des Museums, Maler Max Koch, für das neue Stadttheater in Halle a. S. gemalte Vorhang auf einige Tage zur Ausstellung gelangt. In breiter, auf lichtblauem Fond grau in grau ausgeführter ornamentaler Umrahmung zeigt der Vorhang als farbiges, in lichter Tonstimmung gehaltenes Mittelbild die Darstellung eines Elfenreigens, der sich vom umbuschten Ufer eines stillen Wassers in die Luft emporschwingt.“
O.M., "Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin", in: Kunstchronik, 21. Jg., Heft 44 vom 23. September 1886, S. 738.

„Einen würdigen Abschluß des Auditoriums gegen die Bühne hin bildet der Hauptvorhang. Er zeigt in seinem Mittelfelde ein Seegestade in Abendstimmung: Oberon und Titania schweben auf einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Dämmerung, einem Reigen der Elfen nach, welcher sich oben im Dunst verliert. Der zarte Ton dieses poesievollen Bildes, in reicher Umrahmung von Blau und Gold ebenfalls von Max Koch in Berlin gemalt, ist bei elektrischem Licht von überaus glücklicher Wirkung.“
A.P., "Korrespondenz, Halle a/S., 10. Oktober 1886", in: Kunstchronik, 22. Jg., Heft 2 vom 21. Oktober 1886, S. 21-24. Zitat S. 24.

Freitag, 27. November 2015

Ketiosthal - Pergamon

Ketiosthal - Pergamon, Aquarell, 1886, 42 x 66 cm, rechts unten bezeichnet, datiert und signiert "Ketiosthal - Pergamon / Max Koch. 86.", Familienbesitz Schweden (KR).
Zusammen mit seinem Malerkollegen Alexander Kips unternahm Max Koch 1885/86 eine Studienreise nach Pergamon, um vor Ort Eindrücke für das beabsichtigte große Pergamon-Panorama in Berlin zu sammeln. Die dabei entstandenen Skizzen und Aquarelle wurden 1886 im Lichthof des Kunstgewerbe-Museums ausgestellt. Das Aquarell Ketiosthal-Pergamon ist in diesem Kontext entstanden.
Der Ketios (heute Kestelçay) ist ein Fluss östlich vom antiken Pergamon und heute in zu einem See aufgestaut.

Dienstag, 8. September 2015

Ernst Fabricius, Ludwig Pietsch: Führer durch das Pergamon- und Olympia- Panorama

Führer durch das Pergamon- und Olympia- Panorama sowie durch das Kaiser-Diorama der centralafrikanischen Erforschungs-Expedition von Dr. Ernst Fabricius und Ludwig Pietsch. Mit sechs Illustrationen und 1 Plan. 2. Auflage. Berlin 1886. Berliner Verlags-Comtoir (Act.-Ges.) Verlag der "Deutschen Illustrirten Zeitung". (Titelblatt des Exemplars der ZLB - Berliner Stadtbibliothek)
Einzelne Artikel in dem gemeinsam von Fabricius und Pietsch herausgegebenen Führer sind namentlich gekennzeichnet. So auch die folgende "Beschreibung des Panoramas" von Ernst Fabricius auf den Seiten 39 - 41:

Beschreibung des Rundbildes.
   Als Standpunkt für den Besucher ist eine Terrasse in der Villa eines reichen Römers angenommen worden, die der Westseite des Burgberges von Pergamon gegenüber, am Abhang hoch über dem jenseitigen Ufer des Selinus zu denken ist. In Wirklichkeit entspricht eine jetzt von Zigeunern bewohnte römische Ruinenstätte im Allgemeinen diesem Standpunkt, nur dass derselbe bedeutend höher gerückt werden musste.
   Wie die Familienangehörigen und Freunde des Besitzers der Villa auf der von Säulen getragenen Plattform zu unserer Linken, schauen wir an hohen Cypressen und Pinien vorüber und über Terrassen- und Gartenanlagen hinweg auf die jenseitige Thalwand und die mit dem Prachtbauten besetzte Burgkrone. Nach links schweift der Blick in die nördliche von der Stadt gelegenen Berge, rechts hin sehen wir hinab auf die weite Kaϊkosebene und die im Südosten und Süden von Pergamon sich hinziehende Gebirgskette. Das Ganze ist verklärt von dem röthlich-goldenem Schimmer der Abendsonne eines klaren Sommertages.
   Etwas links von der Mitte des Bildes erkennen wir sofort an der hoch ansteigenden Rauchsäule den Zeusaltar mit seiner breiten Freitreppe, dem Reliefschmuck um den Unterbau, den zierlichen Säulenhallen darüber und mit dem mächtigen Aschenhaufen auf der Plattform, auf dessen Spitze das Opferfeuer eben entzündet wird.
  Von der mit Denkmälern und Ruhebänken besetzten Altarterrasse, dem Staatsmarkt, führt rechts die Treppe hinab zum unteren Marktplatz. Seine freie Fläche ist grösstentheils durch die langgestreckten Verkaufshallen verdeckt. Der bekränzte Marmorbau auf der uns zugewandten freien Westseite des Marktes ist der Dionysostempel, links davon das Haus mit dem dreifachen Eingang mag das Amtslokal der Marktpolizei sein.
   Links vom Altar erheben sich die zinnengekrönten Mauern und Thürme der Akropolis, der Hochburg von Pergamon. Das Burgthor kommt noch gerade über der Nordwestecke des Altars zum Vorschein.
   Der von den beiden grossen Säulenhallen umgebene Tempel auf dem vordersten Vorsprung der Burg links über dem Altar ist der Tempel der Stadtgöttin Athene (Athena Polias) der „Siegverleihenden“ (Nikephoros). Sein graubrauner Trachyt hebt sich deutlich ab vom weissen Marmor der zweistöckigen Hallen. Im Obergeschoss der letzteren, an dessen Brüstung man die Waffenreliefs (namentlich rechts vom Tempel) noch eben erkennt, ist der Vorraum der Bibliothek. 
   Auf der höchsten Stelle der Burg, links vom Athenaheiligthum, sehen wir den großem Trajanstempel mit seinen Säulenhallen, ganz links auf der äussersten Ecke der Akropolis das kleine Tempelchen der Julia. Durch die Cypressen und Pinien hindurch lässt sich der Kamm des Berges weiter nach Norden bis zur Bogenreihe der römischen Wasserleitung verfolgen.
   Die mächtigen Stützbauten am Abhang unter dem Altar und dem Athenatempel (etwa gerade in Augenhöhe) tragen die über 200 Meter lange Westterrasse. Der kasernenähnliche Bau auf der rechten Seite der Terrasse ist nur ein Theil der kolossalen Stützbauten.
   Das Doppelthor über der rechten Ecke dieses Baues führt zur grossen Terrasse, die hier in ihrem südlichen Theil von Säulenhallen begleitet wird. Gegenüber am Nordende der Terrasse bildet der ionische Tempel (am Abhang unter dem Trajaneum) den Abschluss. Rechts davon sehen wir die kleine Bühne des Theaters und darüber das mächtige Halbrund des Zuschauerraumes mit seinen 80 Sitzbänken.
   Die Künstler haben für ihr Bild einen Moment gewählt aus dem Feste, das in der römischen Kaiserzeit alljährlich in einer der Hauptstädte von Kleinasien, vornehmlich in Pergamon, zur Eröffnung des kleinasiatischen Landtages gefeiert wurde.
   Das Theater ist zur Feier prächtig geschmückt, die Loge des römischen Statthalters ist mit rothem Tuch überspannt. Die Aufführung hat soeben geendet und eine bunte Zuschauermenge sucht auf den schmalen Treppchen und den Umgängen zwischen den Sitzbänken hindurch die verschiedenen Ausgänge zu gewinnen. Die meisten eilen hinüber nach dem Altarplatz und dem Markt, um den Opferzug noch mit ansehen zu können, der sich eben dem Zeusaltar nähert. Die Spitze des Zuges in der Oberstadt hat bereits den Eingang des Marktes erreicht, der grössere Theil ist aber noch ausserhalb des Thores auf der Strasse, die vom Selinusthal aus an der Villa eines reichen Römers und an zahlreichen Grabdenkmälern vorüber zur Burghöhe hinauf führt.
   Ueber die Villen der Reichen, die kleinen Häuser der armen Leute und die in der Stadt zerstreuten Heiligthümer hinweg sehen wir hinab auf die Ebene. Der Hauptfluss Kaϊkos kommt hinter dem fern in Südosten sichtbaren höchsten Berg (dem heutigen Drachala) hervor und fliesst, nur an einzelnen Stellen erkennbar, am jenseitigen Fuss des Gebirges. Seine beiden Nebenflüsse Ketios (links) und Selinus (rechts) lassen sich dagegen weithin durch die Ebene verfolgen.
   Der Hügel zwischen den beiden Flüsschen ist ein künstlich aufgeschüttetes Grab, vermuthlich eines der Attaliden. Villen, Heiligthümer, kleine Ortschaften sind in der Ebene zerstreut, und breite Strassen durchschneiden strahlenförmig nach verschiedenen Richtungen die sorgfältig angebauten Fluren. Auf der östlichen, die an jenem hohen Berge vorbei führt, gelangt man in zwei starken Tagereisen über Thyatira nach Sardes, der Hauptstadt von Lydien, während weiter südlich der Weg über die Berge hinweg nach Magnesia am Sipylos und nach Smyrna führt.

Montag, 10. August 2015

Partie aus dem Pergamonpanorama - Emil Werner

"Partie aus dem Pergamonpanorama", Abbildung laut Bildunterschrift nach einer Fotografie von E. Werner in Vom Fels zum Meer - Wochenausgabe, 22. Jg., Nr. 25, 13. Februar 1903, S. 848.
Im Berliner Adressbuch von 1903 ist der Fotograf Emil Werner, Nieder-Schönhausen, Victoriastr. 2, angeführt. Um diesen dürfte es sich bei "E. Werner" handeln. Da diese Abbildung deckungsgleich ist mit der entsprechenden Fotografie in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin können diese fünf Fotografien Emil Werner zugeschrieben werden.
Bei dem Abzug für diese Abbildung sind die Konturen der Burg nicht durch Retusche verstärkt!

Gewandstudie zum Pergamon-Panorama


"Gewandstudie zum Panorama von Pergamon."

Abbildung nach einer Originalzeichnung in Vom Fels zum Meer - Wochenausgabe, 22. Jg., Nr. 25, 13. Februar 1903, S. 849. Möglicherweise seitenverkehrte Abbildung.

Die Figur steht im Panoramagemälde am unteren Rand des Bildes auf einem die Architektur links abschließenden Balkon mit halbrunder Brüstung und schaut nach rechts ins Tal hinab. Der Verbleib der Originalzeichnung ist unbekannt.

Bei Max Koch kann man ein gewisses Vergnügen daran beobachten, sich ungewöhnliche und perspektivisch schwierige Aufgaben zu stellen und diese dann zeichnerisch zu lösen. Hier ist es der angewinkelte muskulöse Arm in seitlicher Aufsicht, der seine Meisterschaft zeigt. Mit dem zum Betrachter ausgestreckten Ellbogen wird viel Raum vor der Figur erschlossen, mehr als die Gewandfalten erzeugen. Die Zeichnung würde ich daher eher als Ellenbogenstudie bezeichnen.    

Sonntag, 9. August 2015

Das Pergamon-Panorama von 1886 Zeichnung

"Das Pergamon-Panorama in der Berliner Jubiläums-Kunstausstellung." Autotypie nach einer Zeichnung von Max Koch von 1886 nach dem Panoramagemälde von Max Koch und Alexander Kips. Druck in Deutsche Illustrirte Zeitung, 2. Jg., 1885/86, Nr. 52, S. 524-525 (Doppelseite). Motiv 25,6 × 50,5 cm, Blatt 39,3 × 56,5 cm. Privatsammlung Berlin.
Der Verbleib der Originalzeichnung ist unbekannt. Die Autotypie hat nach dem Titel die Bildunterschrift "Originalzeichnung von Max Koch und Alexander Kips." Wahrscheinlich bezieht sich das auf das Gemälde selbst, denn die Zeichnung nach dem Gemälde zeigt rechts unten nur die Signatur von Max Koch, die Datierung "86" und eben keine Signatur von Kips.
Die hier abgebildete Zeichnung ist offensichtlich nur der zentrale Ausschnitt einer Zeichnung, die die Gesamtansicht wiedergibt und die im Führer durch das Pergamon-Panorama, sowie durch das Kaiser-Diorama der centralafrikanischen Erforschungs-Expeditionen von Fabricius und Pietsch abgebildet ist.
Offen ist die Frage, ob diese Zeichnung als Dokumentation nach dem Gemälde gefertigt wurde, oder ob sie eine Entwurfszeichnung für das Gemälde war.  

Samstag, 8. August 2015

Das Pergamon-Panorama von 1886 Fotomontage


Rekonstruktion des halbrunden Pergamon-Panoramas durch eine Fotomontage des Blog-Autors.
Im Archiv des Alten Museums in Berlin werden fünf Fotografien eines unbekannten Fotografen aufbewahrt, deren Zusammenhang und Bedeutung  wohl noch niemandem aufgefallen ist. (Zum Fotografen siehe HIER.) Tatsächlich sind diese fünf Fotografien zusammen eine einzigartige Dokumentation des verloren gegangenen Pergamon-Panoramas von 1886, das Max Koch zusammen mit Alexander Kips (1858-1910) gemalt hat.
Anläßlich der Ausstellung des 360°-Pergamon-Panoramas von Yadegar Asisi in Berlin vom 30.09.2011 bis zum 30.09.2012 wurde ein Themenblog erstellt, in dem der renommierte Panoramaspezialist Dr. Stephan Oettermann in 18 Teilen die Geschichte des historischen Vorbilds umfassend erzählt. Unter den zahlreichen historischen Dokumenten, die Oettermann in diesem Kontext präsentiert, ist auch eine von den besagten fünf Fotografien. Ihr direkter Zusammenhang scheint aber auch ihm entgangen zu sein.
Die Reproduktion einer Grafik im Führer durch das Pergamon-Panorama, sowie durch das Kaiser-Diorama der centralafrikanischen Erforschungs-Expeditionen von Ernst Fabricius und Ludwig Pietsch (3. Aufl., Berlin, Dominik, 1887) war bisher die einzige Dokumentation der Gesamtansicht:
Im Vergleich ergänzen sich die beiden Darstellungen. Die Fotografien zeigen links und unten mehr von dem Gemälde. Aber vor allem in der zweiten Fotografie ist der obere Bereich überbelichtet und die Detail sind durch eine Retusche ergänzt. In diesen Bereichen liefert die Zeichnung mehr Informationen.
Das Pergamon-Panorama ist 1888 verbrannt, nachdem es sich an den aufgestellten neuartigen Lichtbogenlampen  entzündet hatte. Es wurde ab Mai 1888 an gleicher Stelle ersetzt durch das Halbpanorama Der Brand Roms unter Nero, das ebenfalls von Max Koch, zusammen mit seinem Bruder Georg Koch und einigen jüngeren Malern, ausgeführt wurde.

Hier die fünf Fotos mit den Links zur Quelle in der Deutschen Digitalen Bibliothek:


Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Inventarnummer AV898

Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Inventarnummer AV899

Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Inventarnummer AV900

Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Inventarnummer AV901

Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Inventarnummer AV897