Materialien zum Leben und Werk von Prof. Max Koch, eines über Berlin und Potsdam hinaus bedeutenden Künstlers und Kunstlehrers.
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Dienstag, 13. September 2016
Mosaikdecoration für die deutsche Abtheilung der Kunstgewerbe-Halle der pariser Weltausstellung
In der Illustrirten Zeitung vom 31. Mai 1900, Nr. 2970, S. 805, erschien ein Artikel von "Fd.", der hier vollständig wiedergegeben ist, mit den drei gezeigten Illustrationen, auf die im Text eingegangen wird:
Mosaikdecoration für die deutsche Abtheilung der Kunstgewerbe-Halle der pariser Weltausstellung. Entworfen von Max Koch, ausgeführt von Puhl u. Wagner.
Längst schon war die Beschickung der pariser Weltausstellung durch das deutsche Kunsthandwerk sorgsam vorbereitet und geordnet, als man fast in letzter Stunde noch der ihm zugewiesenen Abtheilung der Kunstgewerbe-Halle eine ins Auge fallende künstlerische Decoration durch ein mächtiges Bild in Glasmosaik zu geben beschloß, das nun seinen Platz an der Hauptwand des Raumes gefunden hat und in allegorischer Darstellung das Aufblühen des heimischen Kunstfleißes unter dem Schutz des Friedens versinnlicht. Die Gesammtcomposition, die sich auf goldschimmerndem Grunde in reichen Farben entfaltet, gliedert sich in ein im Flachbogen geschlossenes Mittelbild von etwa 50 und in zwei kleinere rundbogige Seitenfelder von je 5 Quadratmtr. Fläche. Auf dem ersteren tritt zwischen knorrigen, grünbelaubten Eichenstämmen, vor denen Lilien emporsprießen, als breitbeflügelte Hauptfigur, die eine Hand segnend erhoben, in der anderen die Palme haltend, der deutsche Michael als Friedensgenius hervor. Hinter ihm erblickt man tief im Grunde eine hochgethürmte Stadt; über ihm aber wölbt sich in flammenden Linien der Regenbogen zur Erde nieder und umspannt seitwärts die dort angeordneten Gruppen der über dem Werk sinnenden Meister und des kunstfertigen Handwerkers, der das vollendete Stück dem die Werkstatt aufsuchenden Patricierpaar darbietet. die bei der Arbeit sitzenden, gleich jenen anderen in die Tracht der Renaissance gekleideten Gestalten eines Buchbinders und einer Stickerin füllen dazu die begleitenden Seitenfelder. Auf unserer Väter Art und Thun ist in diesen Figuren und Gruppen hingewiesen und damit auf die Quelle, aus der das wiedererwachende Kunsthandwerk bei uns seine erste Nahrung sog.
Für das schnell anzufassende und schnell zu vollendende Werk riesigen Umfangs hatte man in dem jetzt in Potsdam ansässigen berliner Maler Max Koch den rechten Meister gefunden. Von den großen Panoramen, in denen er Pergamon, den Brand Roms und die Sintflut schilderte, von seinen Fresken im Rathaus zu Lübeck und von einer langen Reihe sonstiger umfangreichen Schöpfungen decorativer Malerei weiß man, daß nur wenige andere an erstaunlicher Arbeitskraft mit ihm zu wetteifern vermögen. So ward denn auch hier Carton und Farbenskizze bereits in kürzester Frist der Deutschen Glasmosaikgesellschaft Puhl u. Wagner zu Rixdorf übergeben, die für die Ausführung allein in Betracht kommen durfte und in der ihr zufallenden Leistung nun hinter dem entwerfenden Künstler kaum zurückstand. Unter Heranziehung von etwa 30 gründlich eingeübten Arbeitskräften gelang es ihr, die drei Tafeln, bei denen gegen 600 000 Steinchen aus dem farbigen Glaspasten zu schlagen und den Linien und Tönen der Vorlage entsprechend zusammenzufügen waren, in einer Zeit von sechs Wochen fertigzustellen. sodaß die ganze Arbeit Mitte Februar d. J. im berliner Kunstgewerbe-Museum vorgeführt und alsbald, wieder in einzelne Theile zerlegt, nach Paris abgesandt werden konnte.
Nicht bloß mit diesen Koch´schen Compositionen wird die genannte Werkstatt in Paris vertreten sein. Als eins ihrer neusten Hauptwerke stellt sie den von Spitta in romanischen Formen entworfenen achtseitigen, von eine Bronzekuppel bedeckten, innen aber mit reichem Glasmosaik ausgelegten Brunnen aus, der als Geschenk des Deutschen Kaisers an den türkischen Sultan vor der Hagia Sophia zu Konstantinopel seinen Platz finden soll, sodaß dort neben frühsten Erzeugnissen der Mosaikkunst die modernsten zu sehen sein werden. Dazu gesellt sie die Wiederholung zweier Lunettenbilder aus der reizvollen Decoration des prächtigen Badezimmers, das sie nach dem Entwurf von A. Bembé für Schloß Beggen ausführte, eine neue Darstellung des thronenden Christus aus San Marco in Venedig, mit dessen Nachbildung sie 1890 zum ersten mal an die Oeffentlichkeit trat, sowie noch andere interessante Stücke, von denen ein Porträt Kaiser Wilhelm´s II. seine Stelle im deutschen Hause erhalten hat. Vor einer weiten Oeffentlichkeit wird die Deutsche Glasmosaikgesellschaft damit den Erfolg darthun, den ihr mühevolles Beginnen, die monumentale Technik des Glasmosaiks aus Venedig, wo Salviati sie neu belebte, nach Deutschland zu verpflanzen, in ausdauernder Arbeit allmählich sich errungen hat. War in der Zeit nach den ersten Versuchen, die 1888 begannen, oft genug die bange Sorge in der Werkstatt heimisch, so blickt diese heute auf Hunderte von Ausführungen kleineren und größeren Umfangs für Kirchen und Friedhöfe, für öffentliche und private Gebäude jeder Art zurück. In altüberlieferten und in modernsten Stilformen, in monumentalen und in reichen figürlichen Compositionen hat sie gearbeitet, bis nach Luxemburg und Rotterdam, nach Jerusalem und Tokio Zeugnisse ihres Kunstfleißes geliefert und steht gegenwärtig vor einer Fülle neuer Aufträge, die auf Jahre hinaus ihre Kräfte in Anspruch nehmen. Fd.
Der Fischer und Ritter Oluf. Kunstgewerbeblatt
Abbildung aus: Kunstgewerbeblatt, Neue Folge 11. Jg., 1900, S. 187
Abbildung aus: Kunstgewerbeblatt, Neue Folge 11. Jg., 1900, S. 235
Abbildung aus: Kunstgewerbeblatt, Neue Folge 11. Jg., 1900, S. 235
Der Fischer und Ritter Oluf. Illustrirte Zeitung
In der Illustrirten Zeitung vom 14. Juni 1900, Nr. 2972, S. 883, erschien ein Artikel von "Fd." mit dem Titel "Der Fischer und Ritter Oluf. Gemälde von Max Koch zur Ausschmückung der deutschen Kunstgewerbe-Abtheilung der pariser Weltausstellung." Der Artikel ist mit den beiden Abbildungen oben illustriert und im folgenden vollständig wiedergegeben:
Der Fischer und Ritter Oluf. Gemälde von Max Koch zur Ausschmückung der deutschen Kunstgewerbe-Abtheilung der pariser Weltausstellung.
Nicht nur das in der vorigen Nummer wiedergegebene stattliche Mosaik hat Max Koch für die Abtheilung des deutschen Kunstgewerbes auf der Weltausstellung zu Paris geschaffen, sondern er hat deren Räume überdies noch mit zwei Lünettenbildern poetischen Inhalts geschmückt, die wir heute dem Leser vorführen. In etwa lebensgroßem Maßstab gehalten, fügen sie sich als oberer Abschluß in zwei durch Bogenstellungen gegliederte Wände des Treppenhauses ein, das im übrigen wesentlich plastisch verziert ist und durch ein farbiges Glasfenster von Lüthé [?] in Frankfurt a. M. ein mild gedämpftes Licht erhält. Sie stumpfe, den spiegelnden Firnisglanz vermeidende Oelmalerei, in der sie ausgeführt sind, steigert im Verein mit einer Behandlung, die auf allzu detaillirende Modellirung verzichtet und dafür durch flächenhaft aufgetragene starke Lokalfarben wirkt, den decorativen Eindruck der je 4,50 Mtr. breiten Compositionen, ihre Umrahmung besteht in einem ausgezeichneten, vom Bildhauer Riegelmann in Berlin stammenden Holzschnitzwerk, das sich in modernisierten romanischen Formen bewegt.
Die Vorwürfe der beiden Darstellungen durfte der Künstler sich selbst wählen. Daß er dabei von heimischer Art und Empfindungsweise zu reden und doch auch wieder jedem fremden Auge sich verständlich zu machen habe, stand für ihn fest, und so griff er in den Kreis der Motive deutscher Märchen- und Sagendichtung, durch deren feinsinnige Bearbeitung sich einst Moritz Schwind seinen Ruhm erwarb. „Der Fischer“, der von den geheimnißvoll lockenden Geistern der kühlen Flut umstrickt und in die Tiefe gezogen wird, und der „Ritter Oluf“, den in dunkelnder Stunde bei seinem Ritt durch grünes Land die aus wallenden Nebeln verführerisch und verderbenbringend auftauchenden Elfen umgaukeln, sind Gebilde alter germanischer Naturanschauung, wie sie in der nordischen Poesie überall sich zum Ausdruck bringt. Durch Herder´s Nachdichtung der dänischen Ballade vom „Herrn Oluf“, der vor Erlkönigs Tochter flieht und von ihrem Fluch verfolgt wird, und durch Goethe´s balladenartiges Lied von dem „Fischer“, der in die Arme des feuchten Weibes hinabgleitet, haben sie die dichterische Ausgestaltung erfahren, an die nun auch der in Formen und Farben darstellende Künstler so anzuknüpfen vermag, wie es Max Koch in seinen beiden Bildern gethan hat. Aus den Dichtungen hervorgewachsen, die sie malerisch illustriren, bedürfen sie keiner Erläuterung ihres Inhalts. Was sie aussprechen wollen, versteht auch der sehr leicht, der diese Dichtungen etwa nicht kennt, und vor allem empfindet ein jeder Beschauer sofort, wie der romantische Grundton der beiden Motive den Maler um so mehr zur Darstellung reizen mußte, als sie ihm zugleich die künstlerisch dankbare Gelegenheit boten, im Rahmen einer eigenartigen landschaftlichen Stimmung mit mehr oder weniger realen Gestalten den Reiz frei sich enthüllender, anmuthvoll bewegter weiblicher Schönheit zu verbinden.
Sind diese beiden Schmuckstücke der pariser Ausstellung für die künstlerische Eigenart ihres Schöpfers gewiß mehr oder weniger bezeichnend, so geben sie doch andererseits auch nicht entfernt nur eine Vorstellung von den an Inhalt und Umfang gleichweit sich erstreckenden Gebieten, auf denen Koch im Verlauf der beiden letzten Jahrzehnte als einer der begabtesten und fruchtbarsten Vertreter decorativer Malerei sich bethätigt hat. Am 24. November 1859 zu Berlin als zweiter Sohn des Malers Karl Koch geboren, darf er die künstlerische Begabung als eine Mitgift der Familie betrachten, der er entstammt. Seinen ebenso anspruchslos wie mit ehrlichem Ernst unermüdlich schaffenden Vater ist in der Geschichte des deutschen Illustrationswesens ein rühmliches Gedenken dauernd gesichert; sein älterer Bruder Georg erfreut sich einer geachteten Stellung unter den Malern des Sports und des militärischen Genres. Er selbst aber, der aus der Werkstatt mit ihrem Handwerksbetrieb 1875 in die Unterrichtsanstalt des berliner Kunstgewerbe-Museums eintrat, um sich dort unter Ewald, Schaller und Meurer künstlerisch fortzubilden und nach Studienreisen, die ihn nach Italien und nach Paris führten, schon 1883 an derselben Anstalt als Lehrer des Actmalens und der decorativen Composition berufen zu werden, hat sich seitdem nicht bloß als ein ausübender Meister von geradezu erstaunlicher Productivität, sondern auch bis zum Jahre 1896 in dem er auf seine Lehrthätigkeit verzichtete und diese seinem einstigen Schüler Max Seliger abtrat, als ein stets lebendig anregender und dabei die handwerklichen Bedingungen jedes künstlerischen Schaffens mit starkem Nachdruck betonender Führer jüngerer Kräfte erwiesen.
Die Goldene Medaille der berliner Kunstausstellung erwarb Max Koch sich gelegentlich einmal durch einige kleinere Staffeleibilder; sein Ruf aber gründet sich vor allem auf eine kaum übersehbare Reihe decorativer Malereien von theilweise kolossalem Umfang. Verstreut sind sie über öffentliche und private Gebäude der verschiedenen Städte. Sie schmücken die Theater in Frankfurt, Halle und Bromberg, den Lesesaal des berliner Reichstagsgebäudes, die Festsäle des Reichsgerichts und der Buchhändlerbörse zu Leipzig, das Rathaus zu Lübeck und den Rathsweinkeller zu Kiel, die großen Bierpaläste der Reichshauptstadt und dieses und jenes Patricierhaus, und dazu gesellen sich dann schließlich noch die großen, in Berlin zur Ausstellung gelangten Panoramen, die das alte Pergamon, den Brand Roms, das farbige strahlende Konstantinopel und die vernichtend hereinbrechende Sintflut schildern. Ist es schon unmöglich, auch nur von den hervorragendsten aller diese Arbeiten hier zu berichten, so schließt es sich völlig aus, daneben noch die Menge kleinerer decorativer Entwürfe des Künstlers namhaft zu machen, die in farbigen Glasfenstern, in Fächermalereien, in Diplomen und Buchverzierungen, in bemalten Musikinstrumenten und noch mancherlei anderen Dingen ihre Ausführung fanden. Gleichsam in jedem Sattel festsitzend und dabei mit einer unvergleichlichen Arbeitskraft begabt, hat Koch einer jeden Aufgabe, die an ihn herantrat, in seiner Art gerecht zu werden gewußt. Nach den wechselnden künstlerischen Moden der Zeit hat er dabei nur wenig gefragt, und niemals hat er sich irgendwie von Cocerien abhängig gemacht oder eine lärmende Reclame für sich in Scene gesetzt. Seine künstlerischen Erfolge hat er ebenso durch sich selber errungen wie die dankbare Werthschätzung, deren er sich als Lehrer in einem heute weitverbreiteten Kreise einstiger Schüler seines Ateliers erfreut, und rühmen darf er sich, daß auch das, was neben ihm jüngere Meister, wie Gußmann und Männchen, Wittich und Böhland, zum Schmuck der pariser Weltausstellung schufen, fast ausnahmslos von Malern stammt, die unter seiner Leitung sich künstlerisch entwickelten. Fd.
Der Fischer und Ritter Oluf. Gemälde von Max Koch zur Ausschmückung der deutschen Kunstgewerbe-Abtheilung der pariser Weltausstellung.
Nicht nur das in der vorigen Nummer wiedergegebene stattliche Mosaik hat Max Koch für die Abtheilung des deutschen Kunstgewerbes auf der Weltausstellung zu Paris geschaffen, sondern er hat deren Räume überdies noch mit zwei Lünettenbildern poetischen Inhalts geschmückt, die wir heute dem Leser vorführen. In etwa lebensgroßem Maßstab gehalten, fügen sie sich als oberer Abschluß in zwei durch Bogenstellungen gegliederte Wände des Treppenhauses ein, das im übrigen wesentlich plastisch verziert ist und durch ein farbiges Glasfenster von Lüthé [?] in Frankfurt a. M. ein mild gedämpftes Licht erhält. Sie stumpfe, den spiegelnden Firnisglanz vermeidende Oelmalerei, in der sie ausgeführt sind, steigert im Verein mit einer Behandlung, die auf allzu detaillirende Modellirung verzichtet und dafür durch flächenhaft aufgetragene starke Lokalfarben wirkt, den decorativen Eindruck der je 4,50 Mtr. breiten Compositionen, ihre Umrahmung besteht in einem ausgezeichneten, vom Bildhauer Riegelmann in Berlin stammenden Holzschnitzwerk, das sich in modernisierten romanischen Formen bewegt.
Die Vorwürfe der beiden Darstellungen durfte der Künstler sich selbst wählen. Daß er dabei von heimischer Art und Empfindungsweise zu reden und doch auch wieder jedem fremden Auge sich verständlich zu machen habe, stand für ihn fest, und so griff er in den Kreis der Motive deutscher Märchen- und Sagendichtung, durch deren feinsinnige Bearbeitung sich einst Moritz Schwind seinen Ruhm erwarb. „Der Fischer“, der von den geheimnißvoll lockenden Geistern der kühlen Flut umstrickt und in die Tiefe gezogen wird, und der „Ritter Oluf“, den in dunkelnder Stunde bei seinem Ritt durch grünes Land die aus wallenden Nebeln verführerisch und verderbenbringend auftauchenden Elfen umgaukeln, sind Gebilde alter germanischer Naturanschauung, wie sie in der nordischen Poesie überall sich zum Ausdruck bringt. Durch Herder´s Nachdichtung der dänischen Ballade vom „Herrn Oluf“, der vor Erlkönigs Tochter flieht und von ihrem Fluch verfolgt wird, und durch Goethe´s balladenartiges Lied von dem „Fischer“, der in die Arme des feuchten Weibes hinabgleitet, haben sie die dichterische Ausgestaltung erfahren, an die nun auch der in Formen und Farben darstellende Künstler so anzuknüpfen vermag, wie es Max Koch in seinen beiden Bildern gethan hat. Aus den Dichtungen hervorgewachsen, die sie malerisch illustriren, bedürfen sie keiner Erläuterung ihres Inhalts. Was sie aussprechen wollen, versteht auch der sehr leicht, der diese Dichtungen etwa nicht kennt, und vor allem empfindet ein jeder Beschauer sofort, wie der romantische Grundton der beiden Motive den Maler um so mehr zur Darstellung reizen mußte, als sie ihm zugleich die künstlerisch dankbare Gelegenheit boten, im Rahmen einer eigenartigen landschaftlichen Stimmung mit mehr oder weniger realen Gestalten den Reiz frei sich enthüllender, anmuthvoll bewegter weiblicher Schönheit zu verbinden.
Sind diese beiden Schmuckstücke der pariser Ausstellung für die künstlerische Eigenart ihres Schöpfers gewiß mehr oder weniger bezeichnend, so geben sie doch andererseits auch nicht entfernt nur eine Vorstellung von den an Inhalt und Umfang gleichweit sich erstreckenden Gebieten, auf denen Koch im Verlauf der beiden letzten Jahrzehnte als einer der begabtesten und fruchtbarsten Vertreter decorativer Malerei sich bethätigt hat. Am 24. November 1859 zu Berlin als zweiter Sohn des Malers Karl Koch geboren, darf er die künstlerische Begabung als eine Mitgift der Familie betrachten, der er entstammt. Seinen ebenso anspruchslos wie mit ehrlichem Ernst unermüdlich schaffenden Vater ist in der Geschichte des deutschen Illustrationswesens ein rühmliches Gedenken dauernd gesichert; sein älterer Bruder Georg erfreut sich einer geachteten Stellung unter den Malern des Sports und des militärischen Genres. Er selbst aber, der aus der Werkstatt mit ihrem Handwerksbetrieb 1875 in die Unterrichtsanstalt des berliner Kunstgewerbe-Museums eintrat, um sich dort unter Ewald, Schaller und Meurer künstlerisch fortzubilden und nach Studienreisen, die ihn nach Italien und nach Paris führten, schon 1883 an derselben Anstalt als Lehrer des Actmalens und der decorativen Composition berufen zu werden, hat sich seitdem nicht bloß als ein ausübender Meister von geradezu erstaunlicher Productivität, sondern auch bis zum Jahre 1896 in dem er auf seine Lehrthätigkeit verzichtete und diese seinem einstigen Schüler Max Seliger abtrat, als ein stets lebendig anregender und dabei die handwerklichen Bedingungen jedes künstlerischen Schaffens mit starkem Nachdruck betonender Führer jüngerer Kräfte erwiesen.
Die Goldene Medaille der berliner Kunstausstellung erwarb Max Koch sich gelegentlich einmal durch einige kleinere Staffeleibilder; sein Ruf aber gründet sich vor allem auf eine kaum übersehbare Reihe decorativer Malereien von theilweise kolossalem Umfang. Verstreut sind sie über öffentliche und private Gebäude der verschiedenen Städte. Sie schmücken die Theater in Frankfurt, Halle und Bromberg, den Lesesaal des berliner Reichstagsgebäudes, die Festsäle des Reichsgerichts und der Buchhändlerbörse zu Leipzig, das Rathaus zu Lübeck und den Rathsweinkeller zu Kiel, die großen Bierpaläste der Reichshauptstadt und dieses und jenes Patricierhaus, und dazu gesellen sich dann schließlich noch die großen, in Berlin zur Ausstellung gelangten Panoramen, die das alte Pergamon, den Brand Roms, das farbige strahlende Konstantinopel und die vernichtend hereinbrechende Sintflut schildern. Ist es schon unmöglich, auch nur von den hervorragendsten aller diese Arbeiten hier zu berichten, so schließt es sich völlig aus, daneben noch die Menge kleinerer decorativer Entwürfe des Künstlers namhaft zu machen, die in farbigen Glasfenstern, in Fächermalereien, in Diplomen und Buchverzierungen, in bemalten Musikinstrumenten und noch mancherlei anderen Dingen ihre Ausführung fanden. Gleichsam in jedem Sattel festsitzend und dabei mit einer unvergleichlichen Arbeitskraft begabt, hat Koch einer jeden Aufgabe, die an ihn herantrat, in seiner Art gerecht zu werden gewußt. Nach den wechselnden künstlerischen Moden der Zeit hat er dabei nur wenig gefragt, und niemals hat er sich irgendwie von Cocerien abhängig gemacht oder eine lärmende Reclame für sich in Scene gesetzt. Seine künstlerischen Erfolge hat er ebenso durch sich selber errungen wie die dankbare Werthschätzung, deren er sich als Lehrer in einem heute weitverbreiteten Kreise einstiger Schüler seines Ateliers erfreut, und rühmen darf er sich, daß auch das, was neben ihm jüngere Meister, wie Gußmann und Männchen, Wittich und Böhland, zum Schmuck der pariser Weltausstellung schufen, fast ausnahmslos von Malern stammt, die unter seiner Leitung sich künstlerisch entwickelten. Fd.
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Der Erzengel Michael beschützt Arbeit und Ernte
Der Erzengel Michael beschützt Arbeit und Ernte, Entwurfszeichnung zum großen Mosaik für die Weltausstellung in Paris 1900, Verbleib unbekannt.
Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 79, Abb. 128.
"Die deutsche kunstgewerbliche Abteilung hat einen bedeutsamen Schmuck durch ein an der Hauptwand angebrachtes, von der Deutschen Glasmosaikgesellschaft PUHL & WAGNER in Rixdorf ausgeführtes Gemälde erhalten, dessen Entwurf und Karton Professor MAX KOCH in Potsdam geschaffen hat. Unsere Abbildung 129 giebt das sich in leuchtenden Farben von goldenem Grunde abhebende Mosaik wieder, das, 9 Meter in der Breite und 6½ Meter in der Höhe messend, zu den grössten gehört, die bis jetzt in Deutschland ausgeführt worden sind. Nach der Idee des Künstlers soll es die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes unter dem Schütze des einigen Deutschlands darstellen, das durch den Erzengel Michael mit der Friedenspalme versinnlicht wird. Zwei mächtige Eichen zu beiden Seiten des Erzengels breiten ihre Aeste über zwei Gruppen aus, von denen die eine Baukunst und Bauhandwerk, die andere das Kunstgewerbe im Verkehr mit den Käufern darstellt. Auch der Regenbogen, der sich über den drei Bildern spannt, soll ein Symbol des Friedens sein, unter dessen Schutz Kunst und Kunstgewerbe blühen.
In einem früheren, in manchem Betracht interessanteren Entwurf (Abb. 128) hatte der Künstler den Gedanken, die Segnungen des Friedens in den alten Symbolen der Arbeit und der Ernte zu schildern, allgemeiner gefasst und den Erzengel, der den Frieden schirmt, als „deutschen Michel“ etwas wehrhafter und entschlossener dargestellt. Aber mit Rücksicht auf den besonderen Zweck wurde von den Auftraggebern eine engere Beziehung zum Kunstgewerbe verlangt, die in dem ausgeführten Gemälde auch zum Ausdruck gekommen ist. In zwei kleineren, ebenfalls in Glasmosaik ausgeführten Seitenfeldern hat Max Koch als weitere Vertreter des Kunstgewerbes einen Buchbinder und eine Stickerin dargestellt."
Zitat aus: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 80-82.
Die von den "Auftraggebern" gewünschte Änderung geschah wohl eher aus politischer Rücksicht auf Frankreich. Nach dem für Frankreich verlorenen Deutsch-Französischem Krieg von 1870/71 war anzunehmen, dass die zentrale Gruppe mit dem Erzengel Michael auf dem getöteten Drachen in Paris zwangsläufig mißverstanden werden musste, zumindest als ein symbolisches Nachtreten hätte verstanden werden können. Max Koch hat auf den Einwand hin den Entwurf nicht nur entschärft, sondern sogar in eine aktive Friedensbotschaft umgewandelt. Während im Entwurf, ganz national gedacht, der Erzengel Michael eher den Frieden unter den Eichen im Deutschen Reich schützt, wendet er sich in der als Mosaik ausgeführten Version direkt an den fränzösischen Betrachter und präsentiert ihm mit redender und auch beruhigender Geste die Friedenspalme.
Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 79, Abb. 128.
"Die deutsche kunstgewerbliche Abteilung hat einen bedeutsamen Schmuck durch ein an der Hauptwand angebrachtes, von der Deutschen Glasmosaikgesellschaft PUHL & WAGNER in Rixdorf ausgeführtes Gemälde erhalten, dessen Entwurf und Karton Professor MAX KOCH in Potsdam geschaffen hat. Unsere Abbildung 129 giebt das sich in leuchtenden Farben von goldenem Grunde abhebende Mosaik wieder, das, 9 Meter in der Breite und 6½ Meter in der Höhe messend, zu den grössten gehört, die bis jetzt in Deutschland ausgeführt worden sind. Nach der Idee des Künstlers soll es die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes unter dem Schütze des einigen Deutschlands darstellen, das durch den Erzengel Michael mit der Friedenspalme versinnlicht wird. Zwei mächtige Eichen zu beiden Seiten des Erzengels breiten ihre Aeste über zwei Gruppen aus, von denen die eine Baukunst und Bauhandwerk, die andere das Kunstgewerbe im Verkehr mit den Käufern darstellt. Auch der Regenbogen, der sich über den drei Bildern spannt, soll ein Symbol des Friedens sein, unter dessen Schutz Kunst und Kunstgewerbe blühen.
In einem früheren, in manchem Betracht interessanteren Entwurf (Abb. 128) hatte der Künstler den Gedanken, die Segnungen des Friedens in den alten Symbolen der Arbeit und der Ernte zu schildern, allgemeiner gefasst und den Erzengel, der den Frieden schirmt, als „deutschen Michel“ etwas wehrhafter und entschlossener dargestellt. Aber mit Rücksicht auf den besonderen Zweck wurde von den Auftraggebern eine engere Beziehung zum Kunstgewerbe verlangt, die in dem ausgeführten Gemälde auch zum Ausdruck gekommen ist. In zwei kleineren, ebenfalls in Glasmosaik ausgeführten Seitenfeldern hat Max Koch als weitere Vertreter des Kunstgewerbes einen Buchbinder und eine Stickerin dargestellt."
Zitat aus: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 80-82.
Die von den "Auftraggebern" gewünschte Änderung geschah wohl eher aus politischer Rücksicht auf Frankreich. Nach dem für Frankreich verlorenen Deutsch-Französischem Krieg von 1870/71 war anzunehmen, dass die zentrale Gruppe mit dem Erzengel Michael auf dem getöteten Drachen in Paris zwangsläufig mißverstanden werden musste, zumindest als ein symbolisches Nachtreten hätte verstanden werden können. Max Koch hat auf den Einwand hin den Entwurf nicht nur entschärft, sondern sogar in eine aktive Friedensbotschaft umgewandelt. Während im Entwurf, ganz national gedacht, der Erzengel Michael eher den Frieden unter den Eichen im Deutschen Reich schützt, wendet er sich in der als Mosaik ausgeführten Version direkt an den fränzösischen Betrachter und präsentiert ihm mit redender und auch beruhigender Geste die Friedenspalme.
Mittwoch, 9. Dezember 2015
Das Gedeihen des deutschen Kunstgewerbes unter dem Schutz des Friedens, Weltausstellung in Paris, 1900
Das Gedeihen des deutschen Kunstgewerbes unter dem Schutz des Friedens, 1900, Mosaik, Mittelteil (abgebildet) 6,5 × 9,0 m, zwei Seitenteile 3,0 × 1,8 m, ausgeführt von Puhl & Wagner.
„Die vor etwa einem Jahrzehnt in Deutschland eingeführte Glasmosaiktechnik tritt zum ersten Male auf der Weltausstellung in Wettbewerb mit der älteren italienischen Schwester, die ihre Hauptstütze in Venedig fand. Ausser kleineren für die deutsche Abteilung bestimmten Arbeiten, wie das Porträt Kaiser Wilhelms von Max Koner, zwei byzantinischen Lunetten nach A. Bembe, Mainz, mehreren Christusbildern nach älteren Motiven und dekorativen Säulen und Kapitälen schuf die Deutsche Mosaikgesellschaft eine gewaltige Mosaikdekoration für die kunstgewerbliche Gruppe. Sie besteht, nach den Kartons von Max Koch angefertigt, aus einer 9 m breiten und 6 ½ m hohen Hauptgruppe, der sich zwei 1,80 m breite und 3 m hohe Seitenbilder anschliessen. Die mittlere Komposition verherrlicht das Gedeihen germanischen Kunstfleisses unter dem Schutze des bewaffneten Friedens; zwischen zwei kräftigen Eichenstämmen schreitet unter einem Regenbogen ein kräftiger Jüngling, geflügelt, mit dem Schwert umgürtet, eine Palme in der erhobenen Rechten, zwischen aufspriessen- den Lilien herab. Auf der einen Seite erläutert der Künstler dem ausführenden Handwerker seine Ideen, auf der anderen erklärt der Goldschmied einem kauflustigen Paare den Wert seiner Arbeit. Die kleineren Bilder veranschaulichen in leichterer Farbengebung die Kunststickerei und die weibliche Kunstfertigkeit.“
Georg Malkowsky (Red.), Die Pariser Weltausstellung in Wort und Bild, Berlin 1900, Zitat S. 36, obige Abb. auf S. 24. Eine weiter Abbildung des Mosaiks in: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 79, Abb. 129.
„Die vor etwa einem Jahrzehnt in Deutschland eingeführte Glasmosaiktechnik tritt zum ersten Male auf der Weltausstellung in Wettbewerb mit der älteren italienischen Schwester, die ihre Hauptstütze in Venedig fand. Ausser kleineren für die deutsche Abteilung bestimmten Arbeiten, wie das Porträt Kaiser Wilhelms von Max Koner, zwei byzantinischen Lunetten nach A. Bembe, Mainz, mehreren Christusbildern nach älteren Motiven und dekorativen Säulen und Kapitälen schuf die Deutsche Mosaikgesellschaft eine gewaltige Mosaikdekoration für die kunstgewerbliche Gruppe. Sie besteht, nach den Kartons von Max Koch angefertigt, aus einer 9 m breiten und 6 ½ m hohen Hauptgruppe, der sich zwei 1,80 m breite und 3 m hohe Seitenbilder anschliessen. Die mittlere Komposition verherrlicht das Gedeihen germanischen Kunstfleisses unter dem Schutze des bewaffneten Friedens; zwischen zwei kräftigen Eichenstämmen schreitet unter einem Regenbogen ein kräftiger Jüngling, geflügelt, mit dem Schwert umgürtet, eine Palme in der erhobenen Rechten, zwischen aufspriessen- den Lilien herab. Auf der einen Seite erläutert der Künstler dem ausführenden Handwerker seine Ideen, auf der anderen erklärt der Goldschmied einem kauflustigen Paare den Wert seiner Arbeit. Die kleineren Bilder veranschaulichen in leichterer Farbengebung die Kunststickerei und die weibliche Kunstfertigkeit.“
Georg Malkowsky (Red.), Die Pariser Weltausstellung in Wort und Bild, Berlin 1900, Zitat S. 36, obige Abb. auf S. 24. Eine weiter Abbildung des Mosaiks in: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 3, S. 79, Abb. 129.
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