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Sonntag, 16. April 2023

Zwei Entwurfszeichnungen für Deckengemälde in den Wohnräumen im Berliner Schloss

Zwei Entwurfszeichnungen für Deckengemälde in Wohnräumen im Berliner Schloss, abgebildet in: Am Hofe, Kaiser Wilhelm II., Arthur Brehmer (Hrsg.), Neuer Verlag, Berlin 1898, S. 42 und 46. Auf Seite 43 heißt es zur Decke im Empfangszimmer der Kaiserin: "... und in der Mitte ein duftiges Bild Max Kochs, den Einzug des Frühlings darstellend."

Freitag, 10. Dezember 2021

Das Orakel in Delphi. Entwurfszeichnung

Das Orakel in Delphi, Zeichnung. Entwurf für eine Wandfläche im Festsaal des Reichsgerichts in Leipzig, der nicht ausgeführt wurde. Der Verbleib der originalen Zeichnung ist unbekannt. Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 2. Jg., Nr. 8, 15.01.1898, S. 149. 

Das Heft Nr. 8 der Zeitschrift ist dem "Dekorations-Künstler Max Koch" gewidmet und im Leitartikel heißt es zu dieser Entwurfszeichnung: "Die Fresken im Leipziger Reichsgericht sind bekannt, aber es ist Manches von den für diesen Zweck bestimmten Entwürfen in den Mappen des Künstlers zurückgeblieben, das der Veröffentlichung werth ist. So reproduziren wir das für den Festsaal projektirte ,,Orakel von Delphi“. Flehend nahen die Sühne suchenden Gesandten. Aus einem Felsen thront lorbeerbekränzt die Pythia und lauscht den erlösenden Worten des geflügelten Genius, der hinter dem Rauch des schlangenumwundenen Dreifußes auftaucht und Gnade spendend die Hände ausstreckt. In antiker Formensprache tritt uns der christliche Gedanke der Strafe als Sühne der Schuld entgegen, die Zierkunst gewinnt Leben durch modernen Empfindungsgehalt. Das ist keine kühl rekonstruirende Gedankenmalerei, sondern eine künstlerische Vermittelung zwischen einer bedeutsamen Mythe und der nüchternen Gegenwart."

Dienstag, 7. Dezember 2021

Wuotan. Entwurfszeichnung

Wuotan. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Bezeichnet, signiert und datiert: "Wuotan Max Koch 98". Der Verbleib der originalen Zeichnung ist unbekannt. Von dem ausgeführten Gemälde ist noch keine Fotografie bekannt. 
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 48.

Donner. Entwurfszeichnung

Donner. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Bezeichnet, signiert und datiert: "Donner Max Koch 98". Der Verbleib der originalen Zeichnung ist unbekannt. Von dem ausgeführten Gemälde ist noch keine Fotografie bekannt. 
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 47.

Der Rhein. Entwurfszeichnung

Der Rhein. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Von den hier ausgeführten Gemälden sind noch keine Fotografien bekannt. 
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 49.

Freya. Entwurfszeichnung

Freya. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Von den hier ausgeführten Gemälden sind noch keine Fotografien bekannt.
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 47.

Walkyre. Entwurfszeichnung

Walkyre. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Von den hier ausgeführten Gemälden sind noch keine Fotografien bekannt. 
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 48.

Walküre mit Studien zu Pferdeköpfen. Entwurfszeichnung

Walküre mit Studien zu Pferdeköpfen. Entwurfszeichnung für ein Deckengemälde im Eingangsbereich oder im Treppenhaus des Künstlerhauses. Von den hier ausgeführten Gemälden sind noch keine Fotografien bekannt.
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 46.

Der heilige Georg tötet den Drachen. Entwurfszeichnung

Der heilige Georg tötet den Drachen. Entwurfszeichnung für das ausgeführte Wandgemälde über der Bühne des Festsaals im Künstlerhaus in Berlin. Der Verbleib der originalen Zeichnung ist unbekannt. 
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. 
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 45.

Baldur bringt den Menschen das Licht. Entwurfszeichnung

Baldur bringt den Menschen das Licht. Entwurfszeichnung für das ausgeführte Wandgemälde über der Empore des Festsaals im Künstlerhaus in Berlin. In der Mitte unten signiert "Max Koch 98". Der Verbleib der originalen Zeichnung ist unbekannt.
Abbildung in: Deutsche Kunst, Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen.  
3. Jg., Nr. 3, 15.11.1898, S. 44.

Montag, 9. August 2021

Max Koch - ein Dekorations-Künstler

   "Schon seit einem Jahrzehnt spukt in deutschen Landen ein wesenloser Begriff, der neuerdings mehrfach in Zeitungspapier gewickelt, greifbare Gestalt gewonnen hat, hier ausländisch aufgeputzt, dort mit einem nationalen Mäntelchen umhüllt. „Dekorative Kunst“ nennt sich der Geist, von dem man eine Neubelebung des modernen Kunstschaffens erwartet, ein noch nie Dagewesenes, oder doch lange Verschwundenes. 

   Was sich im Hirn der Literaten auf Formeln gebracht eng zusammendrängt, stellt sich in Wirklichkeit meist als eine lange Reihe von Thatsachen dar, die langsam zusammenschließen. Ueber diese alte Erfahrung wäre wenig zu sagen, wenn man es nicht gleichzeitig versuchte, mit dem Begriff „Dekorative Kunst“ zugleich als etwas Neues und Nachahmenswerthes eine Ausländerei einzuschleppen, von der wahrlich kein Heil zu erwarten ist. Unsere Ausstellungen und Kunsthandlungen füllen sich mit Möbeln und Dekorationstücken französischer und englischer Herkunft, Tages- und Wochenschriften preisen sie als Muster modernen, geläuterten Geschmacks an. Wenn man ihren Berichten folgen wollte, könnte man garnicht schnell genug von unserer heimischen Tradition loskommen, um sich auf den neuen Glauben einzuschwören.
   Es ist hier nicht der Ort, sich mit dem wenigen Neuen zu beschäftigen, das die vom Auslande beeinflußte Ausstattungskunst in Wahrheit aufzuweisen hat; obwohl man bei einer solchen Untersuchung zu gar merkwürdigen Resultaten gelangen würde, wie sich denn beispielsweise nachweisen ließe, daß ein gut Theil des gepriesenen Stils auf deutsche Anregungen zurückzuführen ist. Auch wäre es nicht uninteressant, darauf aufmerksam zu machen, wie kunstgewerbliche Unkenntnis uns Manches als modern aufzuschwindeln sucht, was jenseits des Rheins und des Kanals seit einem Jahrzehnt in das Gebiet der Mode von Gestern übergesiedelt ist.
   Wir wollen uns im Nachstehenden auf die Flächendekoration beschränken und es versuchen, der ausländischen „dekorativen Kunst“ die gute deutsche „Zierkunst“ gegenüber zu stellen. Wo es sich um Flächenschmuck handelt, begnügt sich der sogenannte moderne Geschmack mit einem gefälligen, aber seinem Wesen nach bedeutungslosen Linien- und Farbenspiel. Wenn man an dem zierlichen Gerank japanischer Pflanzenmotive seine Freude hat, so ist das begreiflich, aber man sollte auch den Ursprung dieser Dekoration nicht vergessen. In den anmuthig gewundenen Zweigen steckt eine eigenartige Zeichensprache, durch die sich der Japaner mit seinem Landsmann ohne Worte verständigt und jede Farbenzusammenstellung hat ihre eigene Bedeutung. Die verständnißlose Herübernahme dieser Linienführung und Koloristik ist ein Armuthszeugniß, das wir uns um so weniger auszustellen brauchen, als wir eine bewährte redende Zierkunst haben, deren wir uns wahrlich nicht zu schämen brauchen.
   Nicht von einem um seiner Gefälligkeit willen importirten bedeutungslosen Formen- und Farbenspiel, sondern von einem dem modernen Empfinden angepaßten „redenden Ornament“ ist neues Heil zu erwarten. Von den Wänden unserer öffentlichen Gebäude herab soll eine große Vergangenheit zu uns sprechen, Festsäle und Wohnzimmer sollen in ihrem Bilderschmuck von geselligen Freuden und von traulicher Häuslichkeit erzählen, wie es im stattlichen deutschen Bürgerheim Sitte war seit Jahrhunderten. Ein Grund zum Bruche mit den Motiven und Formen früherer Zeiten liegt um so weniger vor, als das Verständniß für sie nur bei denen erloschen ist, denen das ausländische Fin de siécle-thum augenblendend zu Kopfe stieg.
   Es liegt uns sicher fern, der die Wände quadratmeterweise bedeckenden hohlen Kostüm- und Historienmalerei das Wort zu reden, aber es reizt uns, dem sinnlosen, importirten Formen- und Farbenspiel die redende Zierkunst, dem windigen Chic die auf Tradition beruhende Tüchtigkeit gegenüberzustellen. Um nicht in gegenstandloses Aesthetisiren zu verfallen, exemplifiziren wir mit den neuesten Arbeiten eines Dekorationskünstlers wie Professor Max Koch, dessen gesundem Sinn für Flächenschmuck in letzter Zeit viele öffentliche Gebäude und Privathäuser ihre vornehmste Zierde verdanken.  Man hat sich jüngst daran gewöhnt, auf ein wohlgeschultes Kompositionstalent mit einer gewissen Ueberhebung herabzusehen, und doch ist und bleibt die Raumbeschränkung der Prüfstein der Meisterschaft. Die redende Zierkunst, wie wir sie verstehen, trägt wohl ihren Rhythmus in sich; aber sobald sie sich in einen gegebenen Raum einfügen soll, muß sie sich einer Tabulatur anbequemen, deren Zwang man ihr nicht anmerken darf. 
   Als Max Koch das Lübecker Rathhaus ausmalen sollte, handelte es sich unter anderen um die Darstellung einer für die Stadt bedeutsamen Begebenheit: Die Ueberbringung der Urkunde über die Freiheiten und Gerechtsame durch Gesandte Kaiser Friedrichs, der dermalen gegen die norditalischen Städte im Felde lag. Der Lösung dieser Ausgabe stellte sich ein schwer zu überwindendes Hinderniß entgegen. Die disponible Fläche war in Bogenfelder eingetheilt, deren Umrahmung den projektirten Festzug durchschnitt: da hieß es, aus der Noth eine Tugend machen. Der ganze Vorgang wurde hinter die Wandfläche verlegt, und die Gesandten Kaiser Friedrichs zogen wie an Bogenfenstern vorüber, von der jubelnden Menge begrüßt, in die ehrsame Stadt ein. Der Raumzwang wurde so der künstlerischen Freiheit dienstbar gemacht, der ganze Vorgang gewann an Natürlichkeit und spielte sich dioramatisch ab, wie ein wirkliches Geschehniß. Das kam denn auch den einzelnen Gestalten zu Gute, Kriegsknechten und Bürgern, Laien und Geistlichen. Aus dem Kostümbilde wurde eine künstlerisch verkörperte Vergangenheit, die den Lebenden die ruhmvolle Geschichte der Stadt veranschaulichte zur Erinnerung und zur Nacheiferung, ein redender, Jedem verständlicher Wandschmuck. 
   Die Fresken im Leipziger Reichsgericht sind bekannt, aber es ist Manches von den für diesen Zweck bestimmten Entwürfen in den Mappen des Künstlers zurückgeblieben, das der Veröffentlichung werth ist. So reproduziren wir das für den Festsaal projektirte ,,Orakel von Delphi“. Flehend nahen die Sühne suchenden Gesandten. Aus einem Felsen thront lorbeerbekränzt die Pythia und lauscht den erlösenden Worten des geflügelten Genius, der hinter dem Rauch des schlangenumwundenen Dreifußes auftaucht und Gnade spendend die Hände ausstreckt. In antiker Formensprache tritt uns der christliche Gedanke der Strafe als Sühne der Schuld entgegen, die Zierkunst gewinnt Leben durch modernen Empfindungsgehalt. Das ist keine kühl rekonstruirende Gedankenmalerei, sondern eine künstlerische Vermittelung zwischen einer bedeutsamen Mythe und der nüchternen Gegenwart. 
   Freier und ungebundener schaltet die Phantasie des Künstlers, wo es sich um den festlichen Schmuck eines vornehmen Hauses handelt. Die durch die Kunst verklärte Geselligkeit, die veredelte Daseinsfreude ist das Thema der Wandmalereien, mit denen Max Koch den Festsaal der Villa des Freiherrn von Krauskopf-Hohenbuchau bei Wiesbaden zu schmücken berufen ist. Deckengemälde und Supraporten, deren Entwurf wir hier zuerst veröffentlichen, zeugen bei aller Freiheit der Erfindung von einem feinen Kompositionsgefühl, dem der gegebene Raum keine Schranke, sondern einen willkommenen Maßstab für den Rhythmus der Gruppen bedeutet. Von einem Strahlenkranz umgeben, schwebt Apoll auf weißem Flügelroß von Wolken getragen daher. Beschwingte Genien und Putten übertragen die von ihm ausgehende Begeisterung auf bocksbeinig über einander purzelnde Faunchen, die das Empfangene weiter geben an ein um den Rand des Deckengemäldes gruppirtes Gewirr bacchischer Gestalten. Was da vom klassischen Olymp herniederschwebt, gewinnt in den Supraporten irdische Gestaltung im malerischen Renaissance-Gewande. Der würdige Hausherr empfängt, die Gattin am Arme, die nahenden Gäste und ein wohlbesetztes Orchester läßt, hinter einer Ballustrade versammelt, fröhliche Melodien ertönen. Das Ganze macht einen überaus fröhlichen Eindruck, das Renaissance-Kostüm erscheint nirgends als Maske, sondern als natürliches Feierkleid, der von der Decke herniederklingende Begeisterungshymnus tönt in den Supraporten in ruhiger Festfreude aus. 
   Was Professor Koch schafft, ist von jenem dekorativen Sinne erfüllt, den man als modernes Postulat aufstellen möchte, und wenn seine Formensprache sich der überlieferten Grammatik bedient, so ist sie doch durch eine frei konstruirende Syntax geregelt. Eine so souverän mit der Tradition schaltende Künstlerschaft läßt sich nur durch ernste Arbeit erringen, wie sie den Ultramodernen meist zu unbequem ist. Man muß eben etwas gelernt haben, um nicht in der Konvention stecken zu bleiben. Aus der Schule des Kunstgewerbemuseums hervorgegangen, hat Max Koch sich nicht mit der für Begabte üblichen Stipendienreise nach Italien begnügt. Auch er hat in den Pariser Ateliers bei Galland gearbeitet und sich dort sein gesundes deutsches Empfinden bewahrt. 
   Das Naturstudium, das man für die Pseudodekorativkunst als Privilegium in Anspruch nehmen möchte, ist eben nicht Selbstzweck, sondern ein Durchgangsstadium, das man ebenso überwindet, wie die konventionelle Tradition. Professor Koch's Atelier birgt neben quadratmetergroßen Entwürfen ein kleines Studienblatt, das für seine Art des Schaffens charakteristisch ist. Sorgfältig, mit peinlichem Fleiß durchgeführt, sieht man da die gekrausten Umrißlinien einer pilzartigen Schmarotzerpflanze. Und wenn man den Künstler nach der Bedeutung dieser Studie fragt, dann macht er ein ganz ernsthaftes Gesicht und antwortet leuchtenden Auges: „Ja, sehen Sie, da nehme ich meine dekorativen Motive her.“ Von dem Apoll des Deckengemäldes bis zu dem moosartigen Gebilde, welch' ein weiter, für das Kritikasterauge unermeßlicher Weg! 
   Es ist eben ein seltsam Ding um die Kunst, die zwischen Ueberlieferung und Natur so lange hin und herschwankt, bis ihr das individuelle Können die Wege weist. 
   Gerade dieses individuelle Können aber droht der dekorative neue Stil zu ersticken. In seinem Linien- und Farbensystem steckt die Gefahr des Schematismus. Es sagt nichts, weil es nichts zu sagen hat, oder es spricht eine fremde Sprache, die wir nicht verstehen. 
   Max Koch hatte für einen Bechstein'schen Flügel auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 in Weiß, Gold und zarten Farbentönen die dekorativen Zeichnungen geliefert, die noch deutlicher als seine großen Wand- und Deckenmalereien zeigen, was wir unter redender Zierkunst verstehen.  
   Die Wagneropern und die in ihnen behandelte deutsche Sage lieferten die Motive für Schnitzarbeit und Malerei. Die Ornamentik des Instrumentes erzählte von dem künstlerischen Dienst, in den es gestellt wurde. Das konstruktive Element, von dem jüngst wieder mehr als nöthig gefabelt wird, war vollkommen gewahrt, ohne allein formenbildend zu wirken und die freie Erfindung zu hemmen. Der Zweckbegriff des Flügels war nicht nüchtern stofflich, sondern phantasievoll wesenhaft gefaßt und zum Ausdruck gebracht."

anonym (wahrscheinlich der Herausgeber und Schriftleiter der Zeitschrift Georg Malkowsky): „Max Koch, ein Dekorations-Künstler.“, in: Deutsche Kunst. Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. Central-Organ deutscher Kunst- und Künstlervereine. Berlin, 2. Jg., Nr. 8 vom 15.01.1898, S. 141f.

Freitag, 6. August 2021

Entwurf von Wandgemälden für einen Gerichtssaal im Reichsgericht in Leipzig, die nicht ausgeführt wurden.

Der Fries mit den Begriffen Sünde, Strafe, Reue und Vergebung wurden 1898/99 ausgestellt, abgebildet und besprochen (siehe hier), aber erst der Fund des folgenden kurzen Textes mit den beiden Abildungen klärt den Hintergrund für diesen Entwurf, der nicht ausgeführt wurde:
 
Ein dekorativer Fries von Professor M. Koch.
Unter den Entwürfen, die Professor Koch für die Innenräume des Reichgerichtes in Leipzig lieferte, befand sich der oben abgebildete Fries. Leider erwies sich die Ausführung als unmöglich, da es an der betreffenden Wand an dem nöthigen Licht fehlte. Wir glauben der heimischen Kunstpflege einen Dienst zu erweisen, indem wir auf diesen Entwurf hinweisen, der einem ähnlichen öffentlichen Gebäude um seines ernsten Motivs, wie um der virtuosen Raumfüllung willen als künstlerischer Schmuck dienen könnte. Es ist eine Folge von Scenen, die Sünde und Strafe, Reue und Vergebung im Anschluß an die christliche Religionsanschauung verkörpern. Um den Baum der Erkenntniß windet sich, aus Blumen sich aufbäumend, die Schlange. Auf das Schwert gestützt, mit strafend gehobener Hand vertreibt der Engel das erste Menschenpaar, das sich in banger Furcht in die Waldeinsamkeit rettet. Reuig naht sich die Schaar der Büßer dem Erlöser, in dessen Schooß ein jugendlicher Sünder sein Haupt birgt, während ein Engel über ihm das Kreuz erhöht, und über den Regenbogen fort führen die Himmelsboten den Reuigen der göttlichen Vergebung entgegen. Die schön ausklingende Gedankenfolge schließt lückenlos zusammen und erscheint für eine Stätte der Rechtspflege gerade um ihrer versöhnlichen Tendenz willen besonders geeignet. In ruhigen Farbentönen gehalten, in den Konturen scharf umrissen, hält die ganze Komposition die rechte Mitte zwischen selbständiger Darstellung und dekorativem Schmuckstück. Sie wirkt in ihrer korrespondirenden Dreitheilung rhythmisch, ohne in langweilige Symmetrie zu verfallen.

anonym, „Ein dekorativer Fries von Professor M. Koch“, in: Deutsche Kunst, Central-Organ deutscher Kunst- und Künstler-Vereine, 2.Jg., Nr. 7, Berlin 1.1.1898, S. 134. Die beiden Abbildungen jeweils oben auf den Seiten 134 und 135.

Dienstag, 18. Juli 2017

Allegorischer Fries: Sünde, Strafe, Reue, Vergebung


Sünde, Strafe, Reue, Vergebung, 1898. Skizzen zu einem allegorischen Fries, abgebildet in: Berliner Architekturwelt, 1. Jg., 1899, Heft 5, S. 141, Abb. 175 (oben) und S. 172, Abb. 225 (unten).

Ausgestellt in der Architekturabteilung der Grossen Berliner Kunstausstellung von 1898 (Kat.), Kat.-Nr.: 543, S. 31. Christliche Motive sind bei Max Koch selten. Hier nun die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, das als deutscher Eichenwald gegeben ist, durch den Erzengel Michael und die Vergebung der Sünden durch Jesus mit anschließendem durch Engel begleitetem Aufstieg über einen Regenbogen in den Himmel. Die beiden Friese waren wohl wegen der Erzählrichtung für gegenüberliegende Wände gedacht.

   "Neben diesen Werken der dekorativen Malerei des Alterthums und der Renaissance ist die moderne dekorative Malerei höheren Stils vertreten durch zwei treffliche Friese von Prof. Max Koch, Strafe und Sühne [sic.], und Reue und Vergebung darstellend, gross im Entwurf, energisch in der Zeichnung, fein in der Farbe."
Anonym, "Architektonisches von der Berliner Kunstausstellung 1898", in: Deutsche Bauzeitung, 32. Jg., Nr. 39, 14. Mai 1898, S. 245ff., Zitat S. 247.

   „Mit der Erwähnung der Zeichnung zu einem Prunktintenfass im Reichstagsgebäude von G. Ulrich und zwei biblisch-allegorischen Predellen von M. Koch, die sich, zu Seiten der Eingangsdecoration aufgehängt, dieser mit ihrer gewählten Farbengebung fein einfügen, dürfen wir den Bericht über die Sonderausstellung der Vereinigung Berliner Architekten beschließen.“
Aus: Zentralblatt der Bauverwaltung, 18. Jg., 4. Juni 1898, Nr. 23, S. 268. 

Montag, 13. Februar 2017

Das neue bromberger Stadttheater.

   "Sechs Jahre waren ins Land gegangen, seitdem das bromberger Stadttheater ein Raub der Flammen geworden war. Wie ein Phönix hat sich das Gebäude nunmehr in schönerer Gestalt wieder erhoben. Die Pläne stammen von dem Baumeister H. Seeling in Berlin; ausgeführt wurde der Bau unter Leitung des bromberger Stadtbauraths Meyer. Daß das neue Theater eine rechte Pflegestätte deutschen Geistes im deutschen Osten zu sein bestimmt ist, davon zeugen schon die Büsten Goethe´s und Schiller´s, die die Front zieren. Aber auch das Innere ist diesem Ziel entsprechend würdig und schön ausgestattet. Der prachtvolle Theatervorhang, ein Werk des Malers Prof. Koch in Berlin, ist eine Stiftung kunstliebender bromberger Bürger; er stellt eine Scene aus „Tanhäuser“ dar und zeigt den Landgrafen von Thüringen mit seiner Nichte Elisabeth, umgeben von seinen Mannen, den Tönen der Sänger lauschend unter einer alten Eiche, im Hintergrund die Wartburg. Ueber ihm sieht man des Kaisers Bild sowie links und rechts zwei blonde Frauengestalten. Fremden- und Kaiserloge werden durch je zwei mächtige Karyatiden (Atlanten) gestützt und von Kuppeln mit Kindergestalten gekrönt. Das Theater hat zwei Balkone, von denen der eine den ersten Rang, der andere den zweiten Rang und die dahinterliegenden Amphitheaterplätze enthält. Die Corridore sind so breit gehalten, daß das Theater durch seine 24 Thüren in wenigen Minuten geleert werden kann. Der Bau besteht nur aus Stein und Eisen, brennbare Stoffe sind nicht verwendet worden. Der Bühnenraum umfaßt vom Kellerraum bis zum Schnürboden 23 Mtr., die Bühnenöffnung ist 8 Mtr. hoch, 16 Mtr. breit und 13½ Mtr. tief. Das elektrisch beleuchtete Innere hat freilich nur 697 numerirte Plätze. Die Leitung des Theaters hat Director Oskar Lange, ein geborener Bromberger, übernommen, ein Mann reich an Erfahrung und erfüllt mit dem besten Willen."
Anonym, "Das neue bromberger Stadttheater", in: Illustrirte Zeitung, Berlin u. Leipzig, Nr. 2846, 110. Bd., 13. Juni 1898, S.50-51, Abb. S. 50.

Montag, 22. Februar 2016

Haus des Vereins der Berliner Künstler - Ritter Georg


Ritter Georg im Kampf mit dem dreiköpfigen Drachen, Wandgemälde über der Bühne im Haus des Vereins der Berliner Künstler (Berliner Künstlerhaus), 1898. Die Abb. zeigt eine Nachzeichnung des Wandgemäldes, von dem bisher keine gute Fotografie bekannt ist, aus der Deutschen Bauzeitung. Dort ist die Zeichnung als Titelbild eingesetzt.

Die Bühnenwand im Festsaal des Berliner Künstlerhauses. Im Halbkreis über der Bühne, auf dem Foto kaum zu erkennen, der Ritter Georg im Kampf mit dem dreiköpfigen Drachen. Abb. aus: Berliner Architekturwelt, 2. Jg., 1900, Heft 7, Abb. 323, S. 241.

Haus des Vereins der Berliner Künstler - Baldur

Der Sonnengott Baldur, Wandbild hinter der Empore im Festsaal des Hauses des Vereins der Berliner Künster (Berliner Künstlerhaus), 1898. Abb. aus: Deutsche Bauzeitung, 32. Jg., Nr. 95, Berlin, 26. November 1898, nach S. 609: "Das Neuer Künstlerhaus zu Berlin, Ansicht aus dem grossen Festsaale."

Abb. aus: Berliner Architekturwelt, 2. Jg.,1900, Heft 7, Abb. 324, S. 242.