Carl Koch, Das Winterfest des Vereins Berliner Künstler, Holzstich nach einer Originalzeichnung
von ihm selbst. Doppelseitig in: Illustrirte Zeitung, 84. Bd., Nr. 2179, 4. April 1885, S. 326-327.
R. S.: Vom Ballfest des Künstlervereins.
Als ich heute zu einer Morgenstunde, welche mich als andauernden Ballvater beglaubigte, von Kroll heimzog, im stillen Frieden des Thiergartens die ausgetrommelten Nerven beschwichtigte, vom winterlichen Nordost die heiße Stirne kühlen und im Halbdunkel die vom elektrischen Glühlicht gereizten Augen eine wohlverdiente Ruhe genießen ließ, da erwog ich im sinnenden Gemüth, welche charakteristischen Merkmale ich in dem Beobachtungsprotokoll über das Ballgestirn zu verzeichnen habe, das unter dem Namen Künstlerfest seine Bahn durchmessend, am nächtlichen Horizont zwischen gestern und heute wieder nach Jahresfrist aufgegangen war. Welches Verhältniß bestand zwischen der Formerscheinung der voraus gegangenen Künstlerfeste und des jüngsten? Es will mich bedünken, das Gestirn habe noch nie so klar und leuchtend gefunkelt, als von feinem Aufgange bis zum Verschwinden das gestrige; es leuchtete so silberhell, wie der klare Vollmond am blauen Himmel, und diesem Glanz gegenüber erschienen mir die früheren Erscheinungen nur, wie der Viertel- oder Halbmond, wobei ich bemerke, daß ich den mit Ausschluß der Weiblichkeit stattgefundenen, obwohl mitunter recht heiteren Künstlerfesten bei diesem Bilde beim besten Willen nicht mehr als die Sichel des Viertelmondes zubilligen kann. Alle günstigen Bedingungen schienen vereinigt zu fein, um jede Trübung des Glanzes zu verhindern. Zu der ersten Gunst gehörte das prächtige, farbenprunkende, neue Festgewand der Innenräume des Krollschen Etablissements. Welches Wunderwerk der Metamorphose hatten hier binnen wenigen Tagen emsig schaffende Malerhände und Dekorateurkünste gethan! Wandverzierungen im pompejanischen Stil, farbenvolle Darstellungen von antiken Bauwerken und eine üppige Dekoration von exotischen Pflanzen hatten den Eingangssaal zu einem heiteren Palastraum umgewandelt; der Rittersaal glich mit seinen prachtvollen Tapetenmalereien, plastischen Kolossalgruppen, mit den aus Rüstungen, Waffen und Trophäen bestehenden Dekorations-Aufbauten und den genialen Fries-Darstellungen einer mittelalterlichen Prunkhalle. Die herrlichen Jagdgruppen von Mühlenbruch und die burschikosen Zecherstudien von Max Koch verdienen wirklich eine künstlerische Würdigung, nicht minder die prächtigen Kolossalskulpturen eines hoch zu Rosse die Lanze einlegenden Ritters und die am Felsen angeschmiedete und vom Drachenungethüm bewachte Andromeda, welche die Nischen zierten. Mit seinem imposanten, von herrlichen Frauengestalten geschmückten Estradealtan und der glänzenden Damen- und Herrengesellschaft in dem Parquetraum, mit dem blendenden elektrischen Lichtglanz, sowie der prachtvollen Pflanzendekoration gewährte der mächtige Königssaal einen wahrhaft sinnberückenden Eindruck.
Ja, diese Festgesellschaft! Soll ich wirklich mich aufs Neue an dem doch stets gleich aussichtslosen Versuch abmühen, durch Wortschilderungen den Reiz der vielfältigsten Frauenindividualitäten mit den in echt künstlerischem Geschmack komponirten Toiletten und die Charaktererscheinung einer distinguirten hauptstädtischen Gesellschaft zu Bewußtsein und Anschauung zu tragen? Wahrlich, kein Wort darüber! (...) [Alles Weitere nur darüber.]
Beginn des Berichtes in: Berliner Tageblatt, 14. Jg., Nr. 128, 11. März 1885, Abend-Ausgabe, S. 1.
Materialien zum Leben und Werk von Prof. Max Koch, eines über Berlin und Potsdam hinaus bedeutenden Künstlers und Kunstlehrers.
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Mittwoch, 25. März 2020
Donnerstag, 5. März 2020
Architekturbilder im Vestibül des Savoy-Hotels
Vestibül im Hotel Savoy, Berlin, Friedrichstraße 103, nach dem Umbau von 1902.
Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 4. Jg., 1902, S. 320, Abb. 426.
Hierzu der Text auf S. 326f.: "Die beiden gemalten Architekturen an den Seitenwänden sind nach Skizzen des Regierungsbaumeisters Breslauer von Herrn Professor Max Koch in Tempera auf Leinwand gemalt und, auf Blendrahmen gespannt, bündig mit der Wandverkleidung in die Wandfläche eingelassen."
Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 4. Jg., 1902, S. 320, Abb. 426.
Hierzu der Text auf S. 326f.: "Die beiden gemalten Architekturen an den Seitenwänden sind nach Skizzen des Regierungsbaumeisters Breslauer von Herrn Professor Max Koch in Tempera auf Leinwand gemalt und, auf Blendrahmen gespannt, bündig mit der Wandverkleidung in die Wandfläche eingelassen."
Mittwoch, 7. Februar 2018
Deckengemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof
Deckengemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Berlin, Luckauer Str. 15, 1895.
Oben ein Detail aus einem Foto, das sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin befindet (Inventarnummer: F 5214). Es zeigt die Decke des Architekten Heinrich Seeling mit dem zentralen Deckengemälde von Max Koch. Dargestellt ist in der Mitte in einer sonnigen Gloriole der dem Saal den Namen gebende Apoll mit einer Kithara. Am Rand halten Musen Kränze für ihn hoch und oben auf einer Felsklippe steht Pegasus für ihn bereit. Hier zwei hochvergrößerte Details:
Oben ein Detail aus einem Foto, das sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin befindet (Inventarnummer: F 5214). Es zeigt die Decke des Architekten Heinrich Seeling mit dem zentralen Deckengemälde von Max Koch. Dargestellt ist in der Mitte in einer sonnigen Gloriole der dem Saal den Namen gebende Apoll mit einer Kithara. Am Rand halten Musen Kränze für ihn hoch und oben auf einer Felsklippe steht Pegasus für ihn bereit. Hier zwei hochvergrößerte Details:
Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof
Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Berlin, Luckauer Straße 15, 1895.Oben ein bearbeitetes Detail aus dem nachfolgenden Foto von Heinrich Seeling (rechts unten signiert "H. Seeling erf."). Ein originaler Fotoabzug befindet sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, Inventarnummer: F 5216.
Das Gemälde zeigt im linken Bogenfeld die Begegnung eines Mannes und einer Frau in einem Garten vor, wie die Zypresse im Hintergrund andeutet, südlicher Landschaft. Die Frau wird durch einen Diener von hinten beschirmt. Vermutlich ist weiteres Gefolge im rechten Bogenfeld dargestellt. Im mittleren Bogenfeld erkennt man eine säulengestützte und rosenumrankte Pergola, auf der oben ein Pfau thront. Die Pergola ragt in die seitlichen Bogenfelder hinein, wodurch sich alle drei Bilder zu einem einheitlichen Geschehen verbinden, das sich illusionistisch hinter der realen Ballustrade auf einer an den Saal anschließenden Terrasse abspielt.
Geschäftshaus in Berlin, Charlottenstr. Ecke Mohrenstr., Bierhalle der Dortmunder Union Brauerei
"Dem heute stattfindenden öffentlichen Anstich des Dortmunder Unions-Bräus ist, wie gestern bereits mit kurzen Worten angedeutet, ein Ausschank des Bieres vor geladenen Gasten vorausgegangen. Da es sich hier wieder um eine Bierhalle modernster Art handelt, wollen wir dieselbe einer Beschreibung würdigen. Das Gebäude, in welchem sich die Bier-Ausschank-Säle befinden, ist auf dem Grundstück des früheren Hotel Brandenburg nach den Zeichnungen der Architekten Kayser und von Großheim errichtet und wendet seine Hauptfaçade dem schönsten Platze Berlins, dem Gendarmenmarkt, zu. Die Façaden des Hauses zeigen eine ruhig und monumental wirkende Architektur. Die Detailformen derselben lehnen sich in freier Weise der Schlüterschen Bauperiode an, deren schönstes Werk Berlin in dem Königlichen Schloß besitzt. Die beiden unteren Stockwerke, welche, abgesehen von den Räumen der Dortmunder Union-Brauerei, zu Geschäftszwecken vermiethet werden, zeigen Pfeiler aus polirtem Schwedischen Granit in Verbindung mit reich ornamentirten Eisenstützentheilungen und Umrahmungen der Schaufenster. Die oberen Stockwerke sind in Kunstsandstein aus der Fabrik der Herren H. A. L. Schultz u. Co. in Schönweide bei Berlin hergestellt. Derselbe zeigt einen feinen grauen Steinton und erreicht in diesem Fall eine Wirkung, welche echtem Sandstein nahezu gleichkommt. Die Räumlichkeiten, welche die Dortmunder Union-Brauerei inne hat, liegen im Erdgeschoß dieses Neubaues, ziehen sich, einen rechten Winkel bildend, von der Mohrenstraße anfangend durch einen Mittelbau des Hauses bis nach der Charlottenstraße und haben dementsprechend zwei durch hellstrahlende elektrische Bogenlampen ausgezeichnete Straßeneingänge. Die Ausstattung derselben ist, wie zu erwarten, eine in jeder Weise künstlerische, von vornehmem, ruhigem Charakter, welche ihre Wirkung nicht in der Ueberladung sucht. Die straßenwärts gelegenen Räume zeigen Holzdecken von abwechselnd einfacher und reicher Theilung tief braunen Tons in discreter Weise durch Goldzapfen und hohe, gleichfalls dunkelgetönte Paneele an den Wänden. Die Wandflächen zwischen Decke und Paneel erscheinen weißgetüncht und sind an einzelnen Stellen durch leichte farbige Malereien belebt und geschmückt, welche, ein Werk des Malers Max Koch, auf die Wand improvisirt sind, einen wesentlich ornamentalen Charakter bewahren und Bezug auf die Stadt Dortmund und die Dortmunder Union-Brauerei nehmen. Die Mittelräume, gegen die Vorderräume um einige Stufen erhöht und durch Ballustraden abgeschlossen, sind im Gegensatz zu den Holzdecken der Letzteren mit großen, bis aufs Paneel heruntergehenden Kreuzgewölben überspannt, welche in weißem Ton gehalten, schön und reich componirte Stuckverzierungen an den Graten und im Scheitel zeigen. Diese Verzierungen sind durch den Bildhauer Otto Lessing ausgeführt, an Ort und Stelle aus freier Hand gearbeitet. Sie zeigen jene freie und leichte Anmuth, welche dem Barockstil zu Beginn des vorigen Jahrhunderts innewohnte und nur durch die hier angewandte, aufs Meisterhafteste ausgeübte Technik zu erreichen ist. Diese Mittelräume erhalten ihr gedämpftes Licht durch große farbige Fenster, welche die Wandfelder theilweise ersetzen, von den großen Lichthöfen des Grundstücks aus. Um diesen Fenstern eine decorative Wirkung unter Wahrung ihrer Bestimmung als Lichtquelle zu geben, ist deren Fläche durch ornamentale Malereien in leichten und freien Barockformen gedeckt und belebt, welche dem in viereckige Scheiben getheilten und durch Bleifassung verbundenen Glase eingebrannt sind. Der große Buffetraum ist in der Mitte des ganzen Raumes angeordnet, so daß beide Flügel der Restaurationsräume, nach der Mohrenstraße sowohl als nach der Charlottenstraße, übersehen werden können. Die elektrische Beleuchtung der Räume liefern zehn große Bronzekronen zu je 7 Glühlampen. Die Heizung der Restaurationsräume wie des ganzen Hauses erfolgt durch eine von der Firma O. Titel & Wolde gefertigte Dampf-Niederdruckheizung, während die Lüftung des Restaurationslocals durch einen mittelst Gasmotor betriebenen Ventilator bewirkt wird. Derselbe saugt die frische Luft durch einen hohen Schacht aus staubfreier Höhe über Dach an und preßt sie durch Canäle in die Räume des Erdgeschosses. Auf diesem Wege passirt die frische Luft einen Calorifer, mittelst welchem sie bei niedriger Außentemperatur vorgewärmt werden kann. Es ist selbstverständlich, daß die Wirthschaftsräume der Größe der Restaurationsräume entsprechen, und daß sie mit allen jenen neuen und vollkommenen Einrichtungen versehen sind, welche einen raschen Betrieb sichern und die Gewähr leisten, daß Speisen und Getränke den Gästen in vorzüglichster Qualität geboten werden. In unmittelbarem Anschluß an die Restaurationsräume liegen im Erdgeschoß ein Anrichteraum und die große Küche mit allem Zubehör. Im Keller liegen noch eine Reserveküche und ein Spülraum für das unreine Geschirr. Hieran schließen sich große Fleisch- und Vorrathskeller, welche mit massiven Eiskästen ausgestattet sind, und besonders ein großer Bierlagerkeller, welcher durch einen Eisraum in zwei Theile getrennt ist, so daß in dem einen Theil das Bier ungestört lagern kann, während dasjenige aus dem andern Theil ausgeschänkt wird. Das Bier wird direct mittelst Aufzuges nach dem Büffet befördert. Die Ausstattung der übrigen Innenräume des Hauses, der Eingänge, Treppenhäuser, der Bodenlocale und der zu vermiethenden Wohnungen ist in demselben Sinne wie diejenige des Locals der Dortmunder Union-Brauerei erfolgt und durch ruhige Formen und Farben zu einer decorativen Wirkung gebracht, welche ebenso wirkungsvoll wie der Bestimmung des Gebäudes als Geschäftshaus angemessen ist. — Das Bier schmeckt, wie wir schon gestern sagten, ganz vortrefflich. Warum es aber mit 30 Pfennig pro ½ Liter bezahlt werden muß, trotzdem kein Grenzzoll auf demselben liegt, das ist ein Geheimniß für uns."
Anonym, "Locales", in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 466, 6. Oktober 1887, Morgenausgabe, S. 5-6.
Anonym, "Locales", in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 466, 6. Oktober 1887, Morgenausgabe, S. 5-6.
Dienstag, 6. Februar 2018
Geschäftshaus in Berlin, Leipziger Straße 109, Drehersche Bierhalle
"Die bereits rühmlich bekannten Architekten Kayser und v. Großheim haben in der Leipzigerstraße 109 einen Prachtbau aufgeführt, der, soeben vom Gerüst frei gelegt, sein markantes „Gesicht“ in eigenartiger Weise von seiner Umgebung abhebt. Niemand kann vorübergehen, ohne daß ihm die lichte Einfachheit der Façade auffiele, ohne daß das Auge gern auf dem ruhigen Aeußern dieses Baues weilte. Im ersten Augenblick frappirt die in dem Gebäude vorherrschende Verbindung von Stein und Eisen, bald aber ist man an das Originelle gewöhnt und gewinnt dem eigenartigen Bau immer mehr Interesse ab. Was sonst bei modernen Bauten im Centrum der Stadt stört, nämlich, daß die oberen zu Wohnräumen benutzten Stockwerke auf die dünnen Eisenwände der Läden-Einrahmung in ihrer Massigkeit zu drücken scheinen, das ist hier wenig störend durchgeführt, obgleich auch hier der untere Raum Geschäftslocal und der obere Wohnung ist. Wir nahmen Gelegenheit, den Bau, der uns interessirte, weil darin sämmtliche Fortschritte der Bautechnik, sämmtliche Erfahrungen der Neuzeit Verwerthung fanden, wiederholt zu besuchen, und werden nach der am Dienstag stattfindenden Eröffnung des in demselben etablirten Ausschankes Dreherschen Bieres die Details des Baues mitzutheilen in der Lage sein. Für heute sei nur so viel gesagt, daß das Haus im Juli begonnen und Mitte Januar fertig gestellt wurde. Eine Schnelligkeit, die um so bemerkenswerther erscheint, als die Grundmauern auf Caissons ausgeführt werden mußten und von vornherein auf den Hauptzweck, dem der Bau dienen sollte, nämlich auf die Errichtung einer Bierhalle größten Stiles mit ihren vielgestalteten Anforderungen an Maschinerien, Auszügen, Ventilationsanlagen, Heizräumen rc. Rücksicht genommen werden mußte. Die Bierhalle selbst wird im kostbarsten Stile eingerichtet. Schwere dunkle Balkendecken, dunkle Paneele und Möbel werden den Raum zieren. Den höchsten Schmuck werden jedoch Wand- und Deckengemälde bilden. Prof. Karl Lessing und Max Koch malen dieselben al fresco. Eine großartige Ansicht von Wien innerhalb einer von zwei lebensgroßen allegorischen Gestalten getragenen Kartusche wird die Bewunderung aller Kenner hervorrufen. Das Bild befindet sich gerade gegenüber dem Eingang zum Local und wird nicht verfehlen, den Eintretenden in Stimmung zu versetzen. Von dem anderen reichen künstlerischen Schmuck sprechen wir, wie gesagt, nach der Eröffnung. Als bemerkenswerth sei noch hervorgehoben, daß der Gast aus der etwas erhöhten ganzen Tiefe des Locals den Blick auf die Leipzigerstraße frei haben wird. Daß die Bierhalle mit elektrischem Licht versehen ist, kann als selbstverständlich gelten. Kosten wurden keine gescheut, um den Raum zu einem angenehmen zu machen, in welchem das helle Drehersche Bier verzapft werden soll. Stellt sich doch der Preis des Baues incl. Grund und Boden auf 1½ Millionen Mark. Man muß füglich erstaunen, welche Summen aufgewendet werden, um dem Kneipbedürfniß der Großstädter entgegenzukommen."
Anonym, "Locales", in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 26, 16. Januar 1887, Morgenausgabe, S. 7
"Wie wir in der Sonntagsausgabe angedeutet, hat die neue Drehersche Bierhalle in der Leipzigerstraße 109 am Dienstag Abend vor einer außerordentlichen Gesellschaft zum ersten Male ihre Pforten geöffnet. Wir haben auch schon erwähnt, daß die Architekten Kayser und v. Großheim mit diesem Bau ein kleines Meisterstück geliefert haben, und geben nunmehr folgende ausführliche Daten über die neue Bierhalle: Der Bau des ganzen Hauses wurde begonnen Anfang Juli 1886 und hat mithin etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Die specielle Bauleitung lag in den Händen des Architekten Tiek. Trotzdem bei der, auf den Ausbau der Restauration entfallenden, äußerst kurzen Zeit die größte Beschleunigung aller Arbeiten geboten war, wurden doch zu den vielen kunstgewerblichen und künstlerischen Arbeiten nur neue Modelle und Entwürfe benutzt. Außerdem wurde auf die Anlage der Heizung, Ventilation, Abwässerung, auf die zeitgemäße Einrichtung des Küchencomplexes, sowie der Vorrathsräume für Bier, Fleisch etc., auf die Ausbildung der Verkehrsmittel die möglichste Sorgfalt verwandt, da die Architekten beabsichtigten, ein in jeder Beziehung den Ansprüchen des modernen Großstadtpublicums genügendes Werk zu schaffen. Von besonderem Interesse ist zunächst die Restauration, welche zu einer Ausschankstelle des Anton Dreherschen Brauhauses, Kl. Schwechat bei Wien, vorher bestimmt war. Es lag in dem Bestreben der Erbauer, durch einfache Eleganz und möglichst malerische Anordnung der Räume die für solche Locale erforderliche vornehme Behaglichkeit zu erlangen. Durch das Vestibül, welches zugleich für den Verkehr mit dem übrigen Hause und zu den im Keller gelegenen Küchen- und Vorraths-Räumen dient, gelangt man in die Restauration, in deren Inneres wir schon durch das rechts im Vestibül angebrachte unten reich vergitterte Fenster einen Einblick gewinnt. Der Eingang befindet sich an einer Stelle des Innenraumes, von wo sich dem Eintretenden ein Durchblick durch die drei in verschiedener Höhenlage und Deckenausbildung combinirten Abtheilungen des Locals in ihrer Gesammttiefe darbietet. Als Fußbodenbelag ist im ganzen Locale rother Terrazzo von Odorico zur Anwendung gekommen, über welchem sich durchgehends an allen Wänden ein 2,50 m hohes eichenes Paneel aus der Werkstatt Max Schulz u. Co. in dunkler Färbung erhebt. Der darüber befindliche Theil der Wände ist, der Vermeidung von Staub wegen, von einer Stoffbekleidung völlig frei geblieben und im Naturton des Mörtelputzes gelassen, welcher auch den Malereien direct als Untergrund dient. Im vordersten Raum befindet sich rechts eine Ansicht von Wien, gemalt von Otto Lessing, die übrigen Malereien sind von Max Koch. Die um 2 Stufen erhöhte geräumige Fensternische ist durch eine Balustrade vom übrigen Raum abgetrennt. Die breiten Leibungen sind mit den Figuren der Austria und Borussia auf Majolikafliesen geschmückt, während die große Fensteröffnung ohne Glasmalerei geblieben und mit einer (im Sommer in den Keller zu versenkenden Spiegelscheibe versehen ist, welche auch den tiefer im Locale Sitzenden einen Blick auf das Straßenleben ermöglichen soll. Die Decke dieses ersten Raumes ist als dunkle Cassetten-Holzdecke, mit goldenen Rosetten und Knöpfen geschmückt, versehen. Auf die Höhe des hinteren Locales, welche durch eine Balustrade mit Marmorsockel und Deckplatte und Messingdocken gegen den tiefer liegenden Theil abgeschlossen ist, gelangt man über eine Treppe von 5 Marmorstufen mit reichem schmiedeeisernen Geländer. Man befindet sich zunächst in dem durch zwei Kreuzgewölbe überdeckten Mittelraum, welcher sein Licht durch ein großes seitliches Rundbogenfenster, nach einem Entwurf von Max Koch von L. Jessel - Berlin in Glasmalerei ausgeführt, empfängt. An der rechtsseitigen Wand sind die allegorischen Büsten von Frohsinn und Ernst, Werke des Bildhauers Kaffsack, angebracht, umgeben von einer an Ort und Stelle in dem frischen Stuck modellirten Umrahmung. Die Gewölbe sind mit in gleicher Weise von Otto Lessing modellirten Stuckornamenten überzogen. Am Buffet, welches sich links im zweiten Joch des Raumes befindet, ist besonders nennenswerth das in reichster schmiedeeiserner Arbeit von Ed. Puls ausgeführte Obergitter der Oeffnung und die in Kupfer getriebene Paneelfüllung aus der Werkstatt Seitz-München. Das Büffet ist mit dem darunter liegenden Anrichte Raum durch Treppe und Aufzüge verbunden, doch ist zur Vermeidung des Aufsteigens der Küchendämpfe ein Abschluß der Küche durch Glaswände mit kleinen Schubfenstern zum Durchreichen vorgesehen. Der hintere geräumige Theil des Locals ist in ähnlicher Weise wie der vorderste ausgebildet. Die Holzdecke wird jedoch in einem der 4 durch Unterzüge entstandenen Theile derselben durch ein farbiges Oberlicht ersetzt. Die Füllungen der übrigen Decke sind im Naturton des Kiehnholzes gelassen und mit schablonirten farbigen Ornamenten künstlerisch belebt. Von den die im hellen Putzton gelassenen Wände bedeckenden Malereien des Malers M. Koch sind, auf den Besitzer der Restauration bezüglich, die Bilder seiner 4 Brauhäuser, zu Michelob bei Saaz in Böhmen, zu Kl. Schwechat bei Wien, zu Boschetto bei Triest und zu Steinbruch bei Budapest zu erwähnen. Allegorien, Wappen, Embleme und dergleichen bilden den Gegenstand der umgebenden und übrigen Malerei. Die drei den einen Unterzug tragenden Stützen sind mit Capitälen, Bändern und Basen von getriebenem Kupfer aus der Werkstatt Fr. Paters-Berlin geschmückt. Die von O.Titel & Wolde ausgeführte Heizung und Ventilation der Restauration wird von dem vorderen Theil des Kellergeschosses aus durch eine Niederdruckdampfheizung und eine vollkommen unabhängig davon angeordnete Ventilations-Anlage mit Ventilator und eigenem Calorifer bewirkt. Die frische Luft wird oberhalb des Daches gewonnen, in den Keller hinabgesogen, gereinigt und nach Erwärmung auf Zimmertemperatur in die Restauration getrieben, wo sie sich oberhalb der Decke vertheilt und durch ein durchbrochenes Unterglied der Decke hinaustritt. Der Abzug der verbrauchten Luft erfolgt durch geheizte Lockschlote, welche eine beständige Lufterneuerung im Locale zulassen. Die Einrichtung der ganzen Küchenanlage ist, den Erfindungen der Neuzeit Rechnung tragend, von O. Titels Kunsttöpferei Actien-Gesellschaft besorgt. Das Bier wird aus dem Hofe durch einen eisernen Krahn in den Bierkeller mit oberer Eiskühlung (nach Ing. Dörrfurt) gesenkt, von dort nach Bedarf auf kleinen Wagen in den Aufzug gefahren und in den oberen Buffetraum gehoben. Die Aufzüge werden alle durch hydraulische Kraft getrieben. Zum Verkehr zwischen den oberen Stockwerken, welche, der günstigen Lage des Hauses entsprechend, ausschließlich der Personalwohnungen im IV. Stock und Dachgeschoß, zu Geschäftsmagazinen eingerichtet sind, dient ein Amerikanischer Aufzug, System Otis, welcher durch Herrn von Adelson hier eingeführt worden ist. Sämmtliches für die Aufzüge erforderliches Wasser wird auf dem Grundstück selbst durch eine 30 m tiefe Pumpe, welche durch einen Gasmotor getrieben wird, gewonnen. Herr Ingenieur Herzberg und die Berlin-Anhaltische Maschinenbau-Actien-Gesellschaft haben die ganze hierzu nöthige maschinelle Anlage eingerichtet, desgleichen die zum Heben der Abwässer in die etwa 2 m höher liegende Kanalisation der Leipzigerstr. Pumpvorrichtung, welche nöthig war, weil die hydraulischen Aufzüge bis unter die um dieses Maß tieferliegende Kellersohle hinabreichen. — Die Einweihungsfeier gestaltete sich zu einer gemüthlichen Kneiperei. Baurath Kyllmanns schwungvolle Rede auf die Verbrüderung Oesterreichs mit Deutschland fand enthusiastische Aufnahme. Das Bier, etwas dunkler als früher eingebraut, mundete vortrefflich. Nennen wir noch die Firma Hasché, welche alle Glaswaaren und Krüge lieferte, und die bekannte Bäckerei von Gartz, die berufen ist, ihr als schmackhaft bekanntes Brod zu liefern, so haben wir Alle erwähnt, die sich um das „Ensemble" verdient gemacht haben. Indessen sei des Vertreters des Hauses Dreher in Berlin, des Herrn Zweig, nicht vergessen, der den Berliner Unternehmungen Drehers mit Geschick und Energie vorsteht, was auch Baurath Kyllmann in seinem Speech unter allgemeiner Zustimmung betonte. Wir zweifeln nicht, daß das Drehersche Bier in Berlin bleibend zu denjenigen Genußmitteln gehören wird, welche man gewohnt ist, zu den zeitweilig unentbehrlichen zu zählen."
Anonym, „Locales“, in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 32, 20. Januar 1887, Morgen-Ausgabe, S. 7-8.
Donnerstag, 1. Februar 2018
Musikzimmer im Wohnhaus Jägerstrasse 53, Berlin
Abbildung aus: Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein (Hrsg.), Der innere Ausbau. Sammlung ausgeführter Arbeiten aus allen Zweigen des Baugewerbes, Bd. 1, Berlin, Ernst Wasmuth, o.J. [1894], Tafel 35.
Bildunterschrift: "Berlin / Musikzimmer Wohnhaus Jaegerstrasse 53 / (Ernst Mendelssohn-Bartholdy) / H. Schmieden, von Weltzien & Speer Arch. erf. - Christian Lehr Bildh. Berlin und Max Koch Maler ausgef."
Wohnhaus Ernst Mendelssohn-Bartholdy Jägerstraße 53
„– Tafel 75. – Wohnhaus Mendelssohn in Berlin, Jägerstr. 53.
Das Gebäude ist als vornehmes Wohnhaus mit reich ausgestatteten Festräumen in den Jahren 1882–85 durch die Architekten Schmieden, von Weltzien und Speer errichtet worden. Seine Kunstformen nähern sich, bei eigenartiger Durchbildung, denen der heutigen französischen Renaissance. Die Fassade ist in Nesselberger Sandstein hergestellt. Im Innern sind bei den Täfelungen, Thüren und Möbeln mehrfach kostbare Hölzer verwandt worden. Zu bemerken ist, dass die Abendbeleuchtung der Halle durch Lichtkörper bewirkt wird, welche sich oberhalb der inneren Glasdecke befinden. Die Heizung des Gebäudes erfolgt durch eine Warmwasseranlage. Bei der künstlerischen Ausstattung waren bethätigt: Bildhauer O. Lessing und die Maler J. Schaller und Max Koch. Als an der Ausführung Beteiligte sind zu nennen: Maurermeister Ramelow, Zimmermeister Scharnweber, Tischlermeister Olm, E. Koch, Max Schulz, Schlossermeister P. Marcus und A. Z. Benecke, Bildhauer Zeyer und Drechsler und Chr. Lehr. Die gesammten Baukosten, einschließlich der Möbel, betrugen 681000 M., also bei rd. 764 qm bebauter Grundfläche, 891 M. für das Quadratmeter.“
In: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 2. Jg., Nr. 8, 1. August 1889, S. 33f. und Tafel 75.
Das Gebäude ist als vornehmes Wohnhaus mit reich ausgestatteten Festräumen in den Jahren 1882–85 durch die Architekten Schmieden, von Weltzien und Speer errichtet worden. Seine Kunstformen nähern sich, bei eigenartiger Durchbildung, denen der heutigen französischen Renaissance. Die Fassade ist in Nesselberger Sandstein hergestellt. Im Innern sind bei den Täfelungen, Thüren und Möbeln mehrfach kostbare Hölzer verwandt worden. Zu bemerken ist, dass die Abendbeleuchtung der Halle durch Lichtkörper bewirkt wird, welche sich oberhalb der inneren Glasdecke befinden. Die Heizung des Gebäudes erfolgt durch eine Warmwasseranlage. Bei der künstlerischen Ausstattung waren bethätigt: Bildhauer O. Lessing und die Maler J. Schaller und Max Koch. Als an der Ausführung Beteiligte sind zu nennen: Maurermeister Ramelow, Zimmermeister Scharnweber, Tischlermeister Olm, E. Koch, Max Schulz, Schlossermeister P. Marcus und A. Z. Benecke, Bildhauer Zeyer und Drechsler und Chr. Lehr. Die gesammten Baukosten, einschließlich der Möbel, betrugen 681000 M., also bei rd. 764 qm bebauter Grundfläche, 891 M. für das Quadratmeter.“
In: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 2. Jg., Nr. 8, 1. August 1889, S. 33f. und Tafel 75.
Freitag, 27. Oktober 2017
Hotel Excelsior Berlin, Berliner Schloss mit Dom
Berliner Schloss mit Dom, Wandgemälde in der Empfangshalle des Hotel Excelsior Berlin, um 1908. Die rahmende Bogenarchitektur mit den Wappen von Berlin und Preußen, die wie eine Blende wirkt, dürfte ebenfalls von Max Koch gemalt sein. Ein sehr ähnliches Motiv zeigt das mittlere Wandgemälde im Preußischen Abgeornetenhaus von 1903.
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 53 dieser Serie (oben) zeigt "Wandgemälde 'Kaiserl. Schloss m. Dom' in der Empfangshalle von Prof. Koch".
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 53 dieser Serie (oben) zeigt "Wandgemälde 'Kaiserl. Schloss m. Dom' in der Empfangshalle von Prof. Koch".
Hotel Excelsior Berlin, Jagdstillleben im Weinrestaurant
Dreiteiliges Jagdstillleben, Wandgemälde im Weinrestaurant des Hotel Excelsior Berlin, um 1908. In der linken Nische eine Darstellung des "Wurzen-Seppl", rechts eine des "Hubertus". Dazwischen, hinter einem geöffneten Vorhang Jagdbeute: Hirsch, Reh, Wildschwein, Hasen, Fasane. Der Rahmen im Sinne einer Groteske dürfte ebenfalls von Max Koch gemalt sein. Vermutlich zerstört.
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 41 dieser Serie (oben) zeigt "Gemälde im Weinrestaurant von Prof. Koch".
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 41 dieser Serie (oben) zeigt "Gemälde im Weinrestaurant von Prof. Koch".
Sonntag, 19. Februar 2017
Pschorrbräu Bierhallen in Köln a. Rhein
Ansichtskarte: Pschorrbräu Bierhallen, Inh. Aug. Neumeyer, Köln am Rhein. Der Haupteingang zur Pschorr-Kneipe befand sich in der Hohestraße 38, ein weiterer Eingang war im Burghöfchen 2-6.
Der im Folgende beschriebene Fries von Max Koch ist wohl in der linken Zeichnung oberhalb der kassettierten Wandvertäfelung dargestellt.
"Berlin. Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums zu Berlin ist gegenwärtig für wenige Tage ein Fries ausgestellt, den Prof. Max Koch für die Pschorr-Kneipe in Köln, die dort von den Berliner Architekten Kayser und v. Großheim gebaut wird, ausgeführt hat. Koch hat mit glücklichem Griff eine in moderner Zeit wenig angewandte Technik gewählt, die aber schon im 16. Jahrhundert in den südlichsten und nördlichsten Gegenden Deutschschlands (Tirol und Friesland) vielfach in Übung war. Auf Brettern — Koch wählte Fichtenholz — wird die Zeichnung eingeschnitten, der Grund mit dem Messer ausgehoben, dann bemalt. Die Figuren erscheinen gewissermaßen in einem flachen Relief, aber ohne jede Modellierung der Fläche. Kochs Fries zeigt auf dunkelblauem Grund flott entworfenes Rankenwerk in den bekannten stilisierten Renaissanceformen. Die Rankenwindungen umfassen figürliche Darstellungen, die in chronologisch aufeinanderfolgenden Szenen eine Art Geschichte des Zechens der Deutschen geben. Zum Beginn sehen wir einen betrunkenen Bacchus, der von Satirknaben unterstützt wird. Dann folgen die symbolischen Tiere des Trinkers, der Affe und der Kater, ferner eine am Boden liegende Venus mit Amor. Der historische Cyklus beginnt dann mit Germanen, die aus Hörnern Met trinken. Wir sehen, um einige Szenen herauszugreifen, zechende Pilger des Mittelalters, weiter feiste trinkende Mönche; einem am Schreibpult grübelnden Benediktiner bringt ein Knabe einen Labetrunk. Einen fußlosen Krüppel erquickt ein Kind aus einem Krug. Jagende und tanzende Kinder schließen sich an das Mittelalter an. Die neue Zeit beginnt mit Landsknechten des 16. Jahrhunderts, die auf einer Trommel knobeln. Das 17. Jahrhundert zeigt rauchende Männer, die aus kunstvollen glasierten Krügen trinken. Soldaten Friedrichs des Großen repräsentieren das 18. Jahrhundert. Kämpfer der Freiheitskriege führen uns in das laufende Jahrhundert ein. Auf einen Tanz auf der Alm folgt eine Trinkszene fremder Völker: wir sehen neben einem Japaner einen schnapstrinkenden Neger. Diesen Barbaren folgt gleich der Vertreter der höchsten modernen Kultur, ein Gigerl in einem Schaukelstuhl mit einem Sektglas in der Hand. Eine im Wald lagernde Familie und skatspielende Studenten, die ein Faß als Spieltisch zwischen sich haben, schließen den Cyklus ab. Die einzelnen Teile sind durch Staats- und Stadtwappen von einander getrennt. Die Malerei ist in wenigen kräftigen Farben ausgeführt, die Farben sind dünn aufgetragen, so daß die Struktur des Holzes durchscheint. In Vergleichung mit andern Wirtshausmalereien ist beim Kochschen Fries vor allem der maßvolle Humor zu loben, der sich von jeder übertriebenen Karikatur fern hält."
J. S., „Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums zu Berlin (...)“ in: Die Kunst für Alle, 5. Jg., Heft 20, 15. Juli 1890, S. 316.
Samstag, 18. Februar 2017
Schloss Hohenbuchau - Festsaal
Detail einer Ansichtskarte: Schloss Hohenbuchau in Georgenborn bei Schlangenbad
Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 114, Abb. 1135.
Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 115, Abb. 1136.
Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 114, Abb. 1135.
Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 115, Abb. 1136.
Hotel Deutscher Hof - Apollo-Saal
Der Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Luckauer Str. 15
"Der Hauptsaal, 31,50 m lang, 17,50 m breit und 12 m hoch, liegt über einem die sehr geräumigen Kleiderablagen, Toiletten und Nebenräume enthaltenden Zwischengeschoss. Er bietet Raum für 1527 Personen. Von seiner Architektur giebt die Abb. 543 eine Vorstellung, doch bildet das Orchesterpodium eine nachträgliche, vom Architekten [H. Seeling] in der Form nicht beabsichtigte Zuthat. – Das in die Bogen-Architektur des oberen Theils der Rückwand hineincomponierte Bild sowie das Deckengemälde ist von Max Koch als fresco gemalt.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 2, "Öffentliche Bauten", S. 520, Abb.543 ebenda.
"Der Hauptsaal, 31,50 m lang, 17,50 m breit und 12 m hoch, liegt über einem die sehr geräumigen Kleiderablagen, Toiletten und Nebenräume enthaltenden Zwischengeschoss. Er bietet Raum für 1527 Personen. Von seiner Architektur giebt die Abb. 543 eine Vorstellung, doch bildet das Orchesterpodium eine nachträgliche, vom Architekten [H. Seeling] in der Form nicht beabsichtigte Zuthat. – Das in die Bogen-Architektur des oberen Theils der Rückwand hineincomponierte Bild sowie das Deckengemälde ist von Max Koch als fresco gemalt.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 2, "Öffentliche Bauten", S. 520, Abb.543 ebenda.
Zum Dortmunder - Leipziger Str. 109
Ansichtskarte "Zum Dortmunder" (Inhaber Th. Kochintke) Leipzigerstr. 109.
„Durch seine Raumwirkung, malerischen Reiz, Kostbarkeit und Virtuosität in der Behandlung der Werkstoffe nimmt auch heute noch das jetzige Local der Dortmunder Union, früher Dreher´sches Bierhaus, in dem von Kayser und v. Groszheim 1886 bis 1887 erbauten Hause Leipziger Strasse 109 einen hohen Rang ein. Der freundliche Eindruck des Inneren mit seinem prächtigen, in den Deckencassetten durch Bronzerosetten gehobenen Holzwerk, mit dem reichen vergoldeten Gitterwerk der seitlichen Eingangsthür wird wirksam belebt durch Malereien von Max Koch.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 3 „Privatbauten“, S. 6.
„Dortmunder Unionbräu, mit Malereien u. Modellierungen von O. Lessing, M. Koch u.a.“
K. Baedecker, Berlin und Umgebungen, Handbuch für Reisende, 7. Aufl., Leipzig 1891, S, 20
„Durch seine Raumwirkung, malerischen Reiz, Kostbarkeit und Virtuosität in der Behandlung der Werkstoffe nimmt auch heute noch das jetzige Local der Dortmunder Union, früher Dreher´sches Bierhaus, in dem von Kayser und v. Groszheim 1886 bis 1887 erbauten Hause Leipziger Strasse 109 einen hohen Rang ein. Der freundliche Eindruck des Inneren mit seinem prächtigen, in den Deckencassetten durch Bronzerosetten gehobenen Holzwerk, mit dem reichen vergoldeten Gitterwerk der seitlichen Eingangsthür wird wirksam belebt durch Malereien von Max Koch.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 3 „Privatbauten“, S. 6.
„Dortmunder Unionbräu, mit Malereien u. Modellierungen von O. Lessing, M. Koch u.a.“
K. Baedecker, Berlin und Umgebungen, Handbuch für Reisende, 7. Aufl., Leipzig 1891, S, 20
Montag, 13. Februar 2017
Das neue bromberger Stadttheater.
"Sechs Jahre waren ins Land gegangen, seitdem das bromberger Stadttheater ein Raub der Flammen geworden war. Wie ein Phönix hat sich das Gebäude nunmehr in schönerer Gestalt wieder erhoben. Die Pläne stammen von dem Baumeister H. Seeling in Berlin; ausgeführt wurde der Bau unter Leitung des bromberger Stadtbauraths Meyer. Daß das neue Theater eine rechte Pflegestätte deutschen Geistes im deutschen Osten zu sein bestimmt ist, davon zeugen schon die Büsten Goethe´s und Schiller´s, die die Front zieren. Aber auch das Innere ist diesem Ziel entsprechend würdig und schön ausgestattet. Der prachtvolle Theatervorhang, ein Werk des Malers Prof. Koch in Berlin, ist eine Stiftung kunstliebender bromberger Bürger; er stellt eine Scene aus „Tanhäuser“ dar und zeigt den Landgrafen von Thüringen mit seiner Nichte Elisabeth, umgeben von seinen Mannen, den Tönen der Sänger lauschend unter einer alten Eiche, im Hintergrund die Wartburg. Ueber ihm sieht man des Kaisers Bild sowie links und rechts zwei blonde Frauengestalten. Fremden- und Kaiserloge werden durch je zwei mächtige Karyatiden (Atlanten) gestützt und von Kuppeln mit Kindergestalten gekrönt. Das Theater hat zwei Balkone, von denen der eine den ersten Rang, der andere den zweiten Rang und die dahinterliegenden Amphitheaterplätze enthält. Die Corridore sind so breit gehalten, daß das Theater durch seine 24 Thüren in wenigen Minuten geleert werden kann. Der Bau besteht nur aus Stein und Eisen, brennbare Stoffe sind nicht verwendet worden. Der Bühnenraum umfaßt vom Kellerraum bis zum Schnürboden 23 Mtr., die Bühnenöffnung ist 8 Mtr. hoch, 16 Mtr. breit und 13½ Mtr. tief. Das elektrisch beleuchtete Innere hat freilich nur 697 numerirte Plätze. Die Leitung des Theaters hat Director Oskar Lange, ein geborener Bromberger, übernommen, ein Mann reich an Erfahrung und erfüllt mit dem besten Willen."
Anonym, "Das neue bromberger Stadttheater", in: Illustrirte Zeitung, Berlin u. Leipzig, Nr. 2846, 110. Bd., 13. Juni 1898, S.50-51, Abb. S. 50.
Anonym, "Das neue bromberger Stadttheater", in: Illustrirte Zeitung, Berlin u. Leipzig, Nr. 2846, 110. Bd., 13. Juni 1898, S.50-51, Abb. S. 50.
Freitag, 10. Februar 2017
Gratweil'schen Bierhallen im Industrie-Gebäude
Abb. in: Centralblatt der Bauverwaltung, 8. Jg., Nr. 36, Berlin, 8. September 1888, S. 397.
„Die Gratweil'schen Bierhallen haben neuerdings einen reizenden Schmuck erhalten. Von den Gemälden, mit welchen dieses Etablissement noch geziert wird, wurde das erste von Professor Koch vollendet. Es stellt den Zug der Biere von dem Osten nach dem Westen dar. Besonders gelungen sind die Gestalten der Bierfahrer, die im Begriff sind, die Wagen mit Fässer zu beladen, dargestellt. Das Bild ist jedenfalls eine sehenswerthe Zierde des Etablissements, dessen elegante und künstlerische Ausstattung bereits des Oefteren hervorgehoben worden ist.“
Kurze anonyme Notiz in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 179, 17. April 1888, 1. Beilage, S. 6.
Detail einer Postkarte "Gruss aus den Gratweil'schen Bierhallen", die 1898 gelaufen ist. Farbige Lithografie.
„Die Gratweil'schen Bierhallen haben neuerdings einen reizenden Schmuck erhalten. Von den Gemälden, mit welchen dieses Etablissement noch geziert wird, wurde das erste von Professor Koch vollendet. Es stellt den Zug der Biere von dem Osten nach dem Westen dar. Besonders gelungen sind die Gestalten der Bierfahrer, die im Begriff sind, die Wagen mit Fässer zu beladen, dargestellt. Das Bild ist jedenfalls eine sehenswerthe Zierde des Etablissements, dessen elegante und künstlerische Ausstattung bereits des Oefteren hervorgehoben worden ist.“
Kurze anonyme Notiz in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 179, 17. April 1888, 1. Beilage, S. 6.
Detail einer Postkarte "Gruss aus den Gratweil'schen Bierhallen", die 1898 gelaufen ist. Farbige Lithografie.
Sonntag, 22. Januar 2017
Hotel Excelsior Berlin, Die fünf Weltteile
Die fünf Weltteile, um 1908, Deckengemälde in der Empfangshalle des Hotel Excelsior in Berlin. Zerstört.
Dokumentiert ist die Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 54 dieser Serie (oben) zeigt das "Deckengemälde 'Die fünf Weltteile' in der Empfangshalle von Prof. Koch".
Dokumentiert ist die Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 54 dieser Serie (oben) zeigt das "Deckengemälde 'Die fünf Weltteile' in der Empfangshalle von Prof. Koch".
Sonntag, 9. Oktober 2016
Die Ruinen des antiken Theaters von Taormina
Die Ruinen des antiken Theaters von Taormina, 1892, Diorama im Foyer des 1. Stockwerks im Neuen Theaters am Schiffbauerdamm in Berlin.
Die Abbildung zeigt ein Detail einer Fotografie im Architekturmuseum der TU Berlin (Inv.-Nr. F 5194) von Heinrich Seeling, dem Architekten des Theaters. Gegenüber dem Diorama war ein großer Spiegel, sodass sich die Theaterbesucher im Spiegel als vor den Ruinen stehend erleben konnten.
„Der Eindruck des Ganzen ist prächtig und zugleich behaglich, eine Art Verschmelzung von Lessing- und Ronacher-Theater. Der Hauptvorhang [von Max Koch] zeigt einen von verführerischen Nixen umschmeichelten, jedoch in herber Keuschheit dahinschreitenden Jüngling, einen Vorkämpfer des Idealismus, der dem ihm dargebotenen güldenen Tand die schlichte Lorbeerkrone vorzieht. Nicht vergessen sei endlich das reich ausgestaltete Foyer im ersten Rang, in dessen Nische Professor Max Koch die Ruinen von Taormina hinein versetzt hat. An sich ein reizvolles Bild, warum aber in einem neuen Theater vorzeitig die Erinnerung an Ruinen wachrufen? Um es kurz zusammen zufassen, im Innern macht das Schauhaus den Eindruck vornehmer Gediegenheit und traulicher Behaglichkeit, und es wäre nur zu wünschen, daß dieser gewinnende Eindruck nicht gestört wird durch Unzulänglichkeit der dramatischen Aufführungen.“
Zitat aus: Anonym (E.A.), ohne Titel in der Rubrik „Kunst und Wissenschaft“ in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 545, 20. November 1892, Morgen-Ausgabe, S. 11-12, Zitat S. 12.
„Da stehen wir ganz überrascht. Vom Korridor aus sehen wir durch ein mächtiges Spiegelglas an der gegenüberliegenden Seite des Erholungsraumes ein farbenfrohes, dioramenartiges Bild. Professor Max Koch hat die Ruinen von Taormina, von plastischem Pflanzenschmuck umkränzt, mit glücklichen Pinsel gemalt. Diese halbgestürzten Säulen werden doch keinem Theater gehört haben?“
Zitat aus: Fritz Engel, „Das Neue Theater.“, in: Berliner Tageblatt, 21. Jg., Nr. 592, 21. November 1892, S. 1.
Donnerstag, 6. Oktober 2016
Warenhaus Tietz am Alexanderplatz, Erweiterungsbau
— Der Erweiterungsbau des Warenhauses Tietz am Alexanderplatz wurde gestern dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die neue Front, die sich in einer Länge von etwa 125 Metern in der Alexanderstraße hinzieht, ist wie der ursprüngliche Bau von den Bauräten Cremer und Wolffenstein in grauem Sandstein ausgeführt. Der Mittelbau enthält drei Eingangsbögen und die zu den Treppen führenden Türen. Der Haupteingang mit seitlichen Schaufenstern führt in die mit Bronze bekleidete Vorhalle. Die Front wird belebt durch einen Balkon über der Eingangshalle, hinter dem sich hochstrebende Fenster mit Farbenschmuck befinden. Ueber den Riesenpfeilern des Mittelbaues sind Figuren angebracht, die die vier Jahreszeiten darstellen. Der durchbrochene Kuppelaufsatz mit der Uhr bekrönt den Mittelbau. Dreißig Schaufenster beleben das Straßenbild. Die Ausstattung der Verkaufsräume ist in gediegenstem Material hergestellt. Mit Eiche verkleidete Säulen tragen den Plafond im ersten Stockwerk, der eine Neuheit aufweist; die Decken sind mit einem besonderen Glanzlack gestrichen, die das Tageslicht wie den Schein zahlreicher Kristallkronen widerspiegeln. Den Clou des Hauses bildet der große Teppichsaal, der durch drei Stockwerke ragt und eine meisterhafte Innenarchitektur aufweist. Die Wände und Pfeiler sind in gewachst Nußbaum gehalten und mit Schnitzerei- und Bildhauerarbeiten verziert. Der Bau wird umzogen durch eine in Bronze getriebene Galerie. An den Wänden befinden sich zwei kunstvolle Mosaiken, die die Maschinen- und die Handarbeit darstellen. Ein großes prächtiges Deckengemälde von Max Koch behandelt das Motiv: „Merkur begrüßt die Völker der Erde, die ihre Waren der Berolina darbieten." Ueberraschend wirkt auf den Besucher das riesige Maschinenhaus. Freundlich und hell ist der große Erfrischungsraum gehalten; auch in den Verkaufsräumen hat der Architekt das Hauptgewicht darauf gelegt, trotz der schwierigen Raumverhältnisse dem Tageslicht überall durch riesige Fenster Einlaß zu verschaffen.
Anonyme Mitteilung in: Berliner Volkszeitung, 56. Jg., Nr. 182, 16. April 1908, Abend-Ausgabe, S. 2.
Dienstag, 13. September 2016
Berliner Passage-Panopticum: Das Sintflut-Panorama
Die Illustrirten Zeitung vom 23. März 1889, Bd. 92, Nr. 2386, S. 281, berichtet unter dem Titel "Das Berliner Passage-Panopticum mit dem Sintflut-Panorama" über das von Max Koch entworfene Panorama. Der Autor Fendler (wohl Aemilius Fendler) gibt eine lebendige Beschreibung eines Rundgangs durch die Ausstellung im Panopticum, dessen Höhepunkt das Sintflut-Panorama ist. Illustriert ist der Artikel mit zwei ganzseitigen Holzstichen: einem Detail aus dem gemalten Teil des Panoramas (S. 282, siehe oben) und einer Darstellung der plastischen Mammutgruppe im Vordergrund des Panoramas (S. 283, siehe unten). Die Abbildung oben und der Text von Fendler sind die bisher bestens Dokumente zum zerstörten Sintflut-Panorama, die dem Autor bekannt sind, weshalb im Folgenden der gesamte Artikel wiedergegeben ist:
Das Berliner Passage-Panopticum mit dem Sintflut-Panorama
Den zahlreichen Veranstaltungen, die in der Reichshauptstadt der Schaulust und dem Bedürfniß nach Unterhaltung und Erhebung mit mannigfachen Gaben dienen, hat der laufende Winter in dem „Passage-Panopticum“ eine neue hinzugesellt, die mit einem ungewöhnlichen Aufgebot von Mitteln sich unter den Sehenswürdigkeiten Berlins einen ersten Platz sichert. Die ansehnliche Flucht der großen und kleinen Säle der 1869 bis 1873 von Kyllman und Heyden erbauten, noch immer am häufigsten einfach als Passage bezeichneten Kaisergalerie, in denen jahrelang Castan´s Panopticum mit Fürstensaal und Schreckenskammer, mit Verbrechermasken und anderen wunderbaren Dingen die Neugier reizte, ist die Stätte eines Unternehmens geworden, das zum ersten mal das einstige Wachsfigurencabinett in das Bereich wirklicher Kunst erhebt, mit dessen Darbietungen aber zugleich Malerei und Decoration jeder Art vereint und so ein Ganzes schafft, wie es in ähnlicher Anlage und Durchführung bisher nirgends zu finden war. Mit reichen plastischen Darstellungen wechseln und verbinden sich Panorama und Diorama; schimmernde Transparentbilder leuchten aus wasserdurchrauschten Grotten hervor: Wandgemälde und echtes Geräth schmücken die Restaurationssäle, die sich in die Reihe der eigentlichen Schauräume einfügen. Der Wirklichkeit des Lebens wie der frei gestaltenden Phantasie, dem ergreifenden Ernst wie dem ausgelassenen Witz ist das gleiche Recht geworden. In blumenumwundener Halle aber, deren Bau und Bilderschmuck Erinnerungen an die altclassische Welt, an Rom, Neapel und Pompeji, wachruft, erklingen überdies alltäglich zur Geige und Mandoline die Lieder italienischer Volkssänge, die durch Temperament und Feuer des Vortrags stets wieder von neuem entzücken.
Entwurf und Ausführung verdankt das Panopticum, dessen künstlerische Leitung dem Bildhauer Neumann anvertraut ist, einer ganzen Schar zumeist jüngerer berliner Meister. Während die Bildhauer Bergmeier und Riesch mit den Malern Max und Georg Koch und Fischer-Cörlin die Gesamtanlage erdachten und die einzelnen Gruppen von Darstellungen feststellten, trat mit ihnen, theils helfend, theils selbständig erfindend, noch eine stattliche Reihe von Genossen für das Gelingen des Werkes ein, das in fünf Monaten angestrengtester Arbeit durchzuführen war. Es genügt, die Maler Saltzmann, Friese, Günther-Naumburg, E. Becker, Hellgrewe, Rummelspacher, Hochhaus, Jacob, Ehrentraut, Grönland, Soucho und Söborg, die Bildhauer Baumbach, Zadow, Bernewitz, Wenck, Götz, Haverkamp, Obmann, Latt, Kiesewalter und Bresser sowie den Architekten Sehring zu nennen, um anzudeuten, welche Fülle künstlerischer Kraft für das Unternehmen herangezogen und freudig eingesetzt wurde. Mit voller Hingabe strebte man eine noch nicht dagewesene Leistung an, und hinter der leitenden Absicht ist das Ergebniß kaum zurückgeblieben.
Schon das Treppenhaus, das von den Linden her den Haupteingang bildet, umfängt den Beschauer in eigenartigem Schmuck. Während Versinnlichungen der vier großen Welttheile Europa und Asien, Afrika und Amerika als Malereien die Wände zieren, hängen schwebende Blumenkörbe, deren farbige Blüten das elektrische Licht durchglüht, aus dem dichten Grün einer Weinlaube herab. Durch sie weiter schreitend, tritt man dann in einen zerklüfteten Höhlenbau, um von oben her einen unheimlichen Drachen sich gierig hervorrecken und die Gnomen, die zu ihm aufschauen, in grauser Angst erstarren zu sehen. Ueppiger aber noch entfaltet sich die hier anklingende Phantasie auf der anderen Seite des Gebäudes in den ausgedehnten Grottenanlagen, in welche Erd- und Zwischengeschoß dort verwandelt sind. Sie bilden den Rahmen für ein buntes Spiel der Märchenwelt. Transparentbilder, die aus den Felsenwänden herausleuchten, schildern Scenen aus „Reineke Fuchs“, aus „Dornröschen“, „Schneewittchen“ und „Rotkäppchen, während „Aschenputtel“ in leibhaftiger Gestalt in ihrer Küche von Tauben umflattert wird. Auf ragender Klippe ruht die singende Lurley, den Fischer berückend, der unten im Bilde vorüberrudert, und weiter grüßen dann wieder, im Wasser wogend, die Rheintöchter, deren Treiben mit heimlichen Spähen ein lüsterner Satyr belauscht. Langbärtige Gnomengestalten bevölkern dazu diese unterirdische Wunderwelt. Neugierig tauchen sie aus dem Felsen hervor, recken die Zunge begehrlich nach den Wasserstrahlen aus, die über riesige Tropfsteingebilde herabrieseln, oder blicken in stillem Versunkensein auf das Schauspiel der untergehenden Sonne, die im Bilde am fernen Horizont roth verglüht. Hier mühen sie sich, den schweren Metallblock fortzuwälzen; dort lassen sie sie ihre Lust an dem jammernd daliegenden, zwischen das Gestein eingeklemmten Teufel aus. Mit ernstem Bemühen erprobt einer von Ihnen seine Zeichenkunst an dem Bildniß einer zarten kindlichen Psyche, die ihm als Modell sitzt, während ein anderer angstvoll mit einem Raben kämpft, der den Bart des Zwergen mit seinem Schnabel gepackt hat und wüthend zerzaust.
Aus diesem Reiche der Phantasie steigt man dann in das der Wirklichkeit empor. Plastische Darstellungen des entschlafenen Kaisers Wilhelm, dem sein Kanzler in das entschlafene Auge blickt, und der Aufbahrung Kaiser Friedrich´s, an dessen Katafalk Germania trauert, erinnern in den oberen Sälen an die jüngste Vergangenheit, die stolz aufgerichtete Gestalt des jungen Kaisers Wilhelm und der mit seinen Bleisoldaten spielende Kronprinz an die lebendige Gegenwart. In frei ebenso frisch erfundenen wie malerisch meisterhaft durchgeführten Dioramen, die eine Fülle von Porträts historischer Persönlichkeiten vereinigen, schildert Georg Koch eine Reichstagssitzung, in der Fürst Bismarck redet, und eine Begrüßung fremdländischer Offiziere auf dem Paradefeld durch den Grafen Moltke sowie inmitten beider Scenen den in seinem Arbeitszimmer Hand in Hand mit dem jetzt zur Herrschaft berufenen Enkel dastehendem greisen Kaiser Wilhelm. Drei andere, nicht minder ausgezeichnete Dioramen von Günther-Naumburg gesellen dazu die Bilder der Reichshauptstadt in drei Jahrhunderten ihrer Entwicklung, eine Ansicht der alten kurfürstlichen Residenz und ihrer Umgebungen, einen Blick auf das köllnische Rathhaus und die Stechbahn, wie sie zur Zeit des Großen Kurfürsten sich darstellten, und die an Wahrheit und Leben unübertreffliche Schilderung einer Parade unter den Linden vor Friedrich dem Großen und seinen Generalen. In die neuerworbenen Schutzgebiete des Reiches versetzen den Beschauer dann endlich die in landschaftlicher Umrahmung wieder plastisch ausgestalteten Camerunsäle mit dem genreartige zu einer Darstellung von Kampfspielen verbundenen Volksippen und einer reichen, Land und Leute kennzeichnenden ethnographischen Sammlung.
Zu den geschichtlichen Bildern treten Sage und religiöse Darstellungen. Während im romanisch gewölbten Gemach des Kyffhäuser am steinernen Tisch Barbarossa im Kaiserornat schlummert, thront inmitten eines biblischen Saales unter goldschimmerndem Baldachin die Madonna mit dem Kinde. Die Gestalten Johannes des Täufers und des Apostels Paulus umgeben sie, und Christus am Brunnen im Gespräch mit dem Weibe von Samaria bildet das Gegenstück der von Bergmeier modellirten lebenathmenden Gruppe des Adam und der Eva, die eben den Apfel vom Baume bricht. Als das hervorragendste Schaustück des Panopticums aber folgt dann das stattliche Panorama der Sintflut, dessen malerischen Theil Max Koch mit Beihülfe des Marinemalers Saltzmann und des Thiermalers Friese ausführte, während Bergmeier in Gemeinschaft mit [Otto] Riesch den plastischen Vorgrund erdachte und die Modellirung desselben leitete. Im Sinne der heutigen Richtung unserer Kunst geht das Werk auf eine durchaus realistische Schilderung des furchtbaren Verhängnisses aus. Weithin ist der Himmel von finsterem Gewölk und von strömendem Regen verdunkelt, der die vom Sturm gepeitschten, in weißlichem Gischt aufschäumenden Fluten immer höher ansteigen läßt. Während fern zur Linken die Arche schwimmt, werden entwurzelte Stämme, an die sich Ertrinkende angstvoll anklammern, und wild durcheinandergeworfenes, in Knäuel zusammengeballtes Gethier jeder Art, Krokodile und Tiger, zottige Stiere, riesige Dickhäuter und mit den Wellen kämpfende Edelhirsche, von den endlosen Wogenschwall fortgerissen und von den Wassern verschlungen. Kreischende Möwen durchflattern die Luft; grell zuckt der Blitz hernieder, und glühend quillt die Lava aus den Kratern feuerspeiender Berge empor. Zuflucht bieten nur noch die hier und da aus der Brandung aufragenden Berggipfel und Baumgruppen und die hohen Felsen, von denen aus der Beschauer das allgemeine Verderben überblickt. Er sieht, wie ein unklar verschwimmendes Menschengewimmel die fernsten Abhänge bedeckt, wie das Entsetzen die bisher noch Entronnenen durchzittert, die weiter vorn auf kahler Steinklippe sich zusammendrängen, wie die Todesangst die Verlorenen mit letzter Kraftanstrengung selbst an den steilen Bergwänden emporklimmen läßt, gegen die das Wasser mit tosenden Strudeln emporschäumt, indeß von oben her die durch den Regen sich bildenden Bäche niederstürzen. Im nächsten Vorgrund aber blickt er auf die figurenreichen plastischen Gruppen derer, die theils mit verzweifeltem Flehen händeringend um ihren Fetisch sich scharen, theils besinnungslos fortstürmen und die Ihrigen mit sich reißen, und entgegenwälzt sich dem Beschauer hier endlich das Gewühl der in wildem Entsetzen fliehenden, Busch und Baum niedertretenden und in der Angst sich gegenseitig vernichtenden Thiere, hoch überragt von einem mächtigen Mammuth, das, selbst von einer Löwin angefallen, den Löwen mit dem Rüssel in die Luft schleudert, um das Hinderniß seiner Flucht aus dem Wege zu räumen.
Es ist klar, daß ein so umfangreiches, in verhältnißmäßig kurzer Zeit entstandenes Werk, an dem überdies die verschiedenen Hände mitschufen, nicht in jeder Einzelheit die gleiche Vollendung aufweisen wird, und außer Frage steht es, daß ein weiterer Raum eine noch freiere und breitere Entfaltung der von reichstem Leben erfüllten Schilderung ermöglicht haben würde. Mehr als ungerecht aber wäre es, der ganzen Anlage eine ungewöhnliche Frische und Kühnheit künstlerischer Phantasie, der Durchführung zumal der malerischen Theile ein seltenes Maß freien und sichern Könnens absprechen zu wollen. Was hier, ganz abgesehen vom Entwurf und Aufbau der ausgedehnten Composition, in der Schilderung der unverhüllten menschlichen Gestalt in immer wieder neuen, den einmal angeschlagenen Grundton lebendig variirenden, die höchste geistige und körperliche Erregung Anspannung und Erschlaffung widerspiegelnde Bewegungsmotiven, in der lebenswahren Darstellung der verschiedensten Gattungen der Thierwelt und in der packenden Wiedergabe der vom Sturm aufgewühlten wilden Fluten geleistet worden ist, steht auf der vollen Höhe heutigen Kunstvermögens und beweist ein ebenso vielseitiges wie ernst eindringendes Studium. Ein Blick auf die beiden Ausschnitte der Gesammtcomposition, die wir dem Leser in Holzschnitten vorführen, auf die von Koch gemalte wogenumbrandete Felsklippe mit der hier Zuflucht suchenden Menschenschar und auf die nach einer Idee Bergmeier´s von Baumbach modellirte riesige Mammuthgruppe mag eine lebendige Anschauung dieser Vorzüge des Werkes, die letztere Arbeit zugleich auch eine Probe der Kunst geben, die auf die Durchbildung des reichen plastischen Vorgrundes verwendet ist.
In geschichtlicher Folge, aber in wesentlich anderer Auffassung schließt sich an das Panorama der Sintflut eine große plastische Darstellung der Arche an, aus der Noah, von der Katze behaglich umschnurrt, eben heraustritt, um zuzuschauen, ob der Regen noch immer andauert, während man drinnen im Riesenstall das verschiedenste Gethier in fein säuberlicher Ordnung untergebracht sieht. Mit gutem Glück ist hier ein echt humoristischer Ton angeschlagen, und dieser Humor bringt sich dann weiterhin noch in mancher andern plastischen Gruppe zur Geltung, vor allem aber auch in dem nach dem Muster der Osteria des berliner Ausstellungsparks im Stil „incohärenter Kunst“ ausgestalteten Restaurationssaal, der mit dem tollsten, in der Mischung malerischer und real plastischer Darstellungsmittel wie in den Motiven gleich sehr belustigenden Erfindungen künstlerischer Laune geschmückt ist, und an dessen einer Wand eine von Breuer modellirte reizende Jongleuse, auf dem Rücken ruhend, mit den hochgestreckten, schlanken, tricotumschmiegten Beinen einen durchsichtigen Glasballon balancirt, aus dem das elektrische Licht hervorstrahlt. Unter den mannigfachen Glücks- und Unglücksfällen, die malerischer Uebermuth in diesem Raume schildert, fesselt vor allem eine zweite, durchaus in die Verhältnisse modernen Lebens übertragene, aus den unglaublichsten Requisiten zusammengebaute Darstellung der Sintflut, die um so erheiternder wirkt, als sie ihr ernstes Original Zug um Zug erfindungsreich parodirt. Ihr Autor ist Fischer-Cörlin, der hier den kecksten Humor entfaltete, zugleich aber auch in der glänzenden Ausstattung und Ausmalung des „Japanischen Café“ und des „Römischen Saals“ sich als ein Meister decorativer Kunst von feinstem Geschmack erwies und so durch sein Talent den Räumen, die in dem neuen Panopticum zu geselliger Vereinigung und zu behaglichem Verweilen einladen, ihr reich und eigenartig anmuthendes Gepräge gab.
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