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Mittwoch, 7. Februar 2018

Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof

Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Berlin, Luckauer Straße 15, 1895.

Oben ein bearbeitetes Detail aus dem nachfolgenden Foto von Heinrich Seeling (rechts unten signiert "H. Seeling erf."). Ein originaler Fotoabzug befindet sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, Inventarnummer: F 5216.

Das Gemälde zeigt im linken Bogenfeld die Begegnung eines Mannes und einer Frau in einem Garten vor, wie die Zypresse im Hintergrund andeutet, südlicher Landschaft. Die Frau wird durch einen Diener von hinten beschirmt. Vermutlich ist weiteres Gefolge im rechten Bogenfeld dargestellt. Im mittleren Bogenfeld erkennt man eine säulengestützte und rosenumrankte Pergola, auf der oben ein Pfau thront. Die Pergola ragt in die seitlichen Bogenfelder hinein, wodurch sich alle drei Bilder zu einem einheitlichen Geschehen verbinden, das sich illusionistisch hinter der realen Ballustrade auf einer an den Saal anschließenden Terrasse abspielt.

Geschäftshaus in Berlin, Charlottenstr. Ecke Mohrenstr., Bierhalle der Dortmunder Union Brauerei

   "Dem heute stattfindenden öffentlichen Anstich des Dortmunder Unions-Bräus ist, wie gestern bereits mit kurzen Worten angedeutet, ein Ausschank des Bieres vor geladenen Gasten vorausgegangen. Da es sich hier wieder um eine Bierhalle modernster Art handelt, wollen wir dieselbe einer Beschreibung würdigen. Das Gebäude, in welchem sich die Bier-Ausschank-Säle befinden, ist auf dem Grundstück des früheren Hotel Brandenburg nach den Zeichnungen der Architekten Kayser und von Großheim errichtet und wendet seine Hauptfaçade dem schönsten Platze Berlins, dem Gendarmenmarkt, zu. Die Façaden des Hauses zeigen eine ruhig und monumental wirkende Architektur. Die Detailformen derselben lehnen sich in freier Weise der Schlüterschen Bauperiode an, deren schönstes Werk Berlin in dem Königlichen Schloß besitzt. Die beiden unteren Stockwerke, welche, abgesehen von den Räumen der Dortmunder Union-Brauerei, zu Geschäftszwecken vermiethet werden, zeigen Pfeiler aus polirtem Schwedischen Granit in Verbindung mit reich ornamentirten Eisenstützentheilungen und Umrahmungen der Schaufenster. Die oberen Stockwerke sind in Kunstsandstein aus der Fabrik der Herren H. A. L. Schultz u. Co. in Schönweide bei Berlin hergestellt. Derselbe zeigt einen feinen grauen Steinton und erreicht in diesem Fall eine Wirkung, welche echtem Sandstein nahezu gleichkommt. Die Räumlichkeiten, welche die Dortmunder Union-Brauerei inne hat, liegen im Erdgeschoß dieses Neubaues, ziehen sich, einen rechten Winkel bildend, von der Mohrenstraße anfangend durch einen Mittelbau des Hauses bis nach der Charlottenstraße und haben dementsprechend zwei durch hellstrahlende elektrische Bogenlampen ausgezeichnete Straßeneingänge. Die Ausstattung derselben ist, wie zu erwarten, eine in jeder Weise künstlerische, von vornehmem, ruhigem Charakter, welche ihre Wirkung nicht in der Ueberladung sucht. Die straßenwärts gelegenen Räume zeigen Holzdecken von abwechselnd einfacher und reicher Theilung tief braunen Tons in discreter Weise durch Goldzapfen und hohe, gleichfalls dunkelgetönte Paneele an den Wänden. Die Wandflächen zwischen Decke und Paneel erscheinen weißgetüncht und sind an einzelnen Stellen durch leichte farbige Malereien belebt und geschmückt, welche, ein Werk des Malers Max Koch, auf die Wand improvisirt sind, einen wesentlich ornamentalen Charakter bewahren und Bezug auf die Stadt Dortmund und die Dortmunder Union-Brauerei nehmen. Die Mittelräume, gegen die Vorderräume um einige Stufen erhöht und durch Ballustraden abgeschlossen, sind im Gegensatz zu den Holzdecken der Letzteren mit großen, bis aufs Paneel heruntergehenden Kreuzgewölben überspannt, welche in weißem Ton gehalten, schön und reich componirte Stuckverzierungen an den Graten und im Scheitel zeigen. Diese Verzierungen sind durch den Bildhauer Otto Lessing ausgeführt, an Ort und Stelle aus freier Hand gearbeitet. Sie zeigen jene freie und leichte Anmuth, welche dem Barockstil zu Beginn des vorigen Jahrhunderts innewohnte und nur durch die hier angewandte, aufs Meisterhafteste ausgeübte Technik zu erreichen ist. Diese Mittelräume erhalten ihr gedämpftes Licht durch große farbige Fenster, welche die Wandfelder theilweise ersetzen, von den großen Lichthöfen des Grundstücks aus. Um diesen Fenstern eine decorative Wirkung unter Wahrung ihrer Bestimmung als Lichtquelle zu geben, ist deren Fläche durch ornamentale Malereien in leichten und freien Barockformen gedeckt und belebt, welche dem in viereckige Scheiben getheilten und durch Bleifassung verbundenen Glase eingebrannt sind. Der große Buffetraum ist in der Mitte des ganzen Raumes angeordnet, so daß beide Flügel der Restaurationsräume, nach der Mohrenstraße sowohl als nach der Charlottenstraße, übersehen werden können. Die elektrische Beleuchtung der Räume liefern zehn große Bronzekronen zu je 7 Glühlampen. Die Heizung der Restaurationsräume wie des ganzen Hauses erfolgt durch eine von der Firma O. Titel & Wolde gefertigte Dampf-Niederdruckheizung, während die Lüftung des Restaurationslocals durch einen mittelst Gasmotor betriebenen Ventilator bewirkt wird. Derselbe saugt die frische Luft durch einen hohen Schacht aus staubfreier Höhe über Dach an und preßt sie durch Canäle in die Räume des Erdgeschosses. Auf diesem Wege passirt die frische Luft einen Calorifer, mittelst welchem sie bei niedriger Außentemperatur vorgewärmt werden kann. Es ist selbstverständlich, daß die Wirthschaftsräume der Größe der Restaurationsräume entsprechen, und daß sie mit allen jenen neuen und vollkommenen Einrichtungen versehen sind, welche einen raschen Betrieb sichern und die Gewähr leisten, daß Speisen und Getränke den Gästen in vorzüglichster Qualität geboten werden. In unmittelbarem Anschluß an die Restaurationsräume liegen im Erdgeschoß ein Anrichteraum und die große Küche mit allem Zubehör. Im Keller liegen noch eine Reserveküche und ein Spülraum für das unreine Geschirr. Hieran schließen sich große Fleisch- und Vorrathskeller, welche mit massiven Eiskästen ausgestattet sind, und besonders ein großer Bierlagerkeller, welcher durch einen Eisraum in zwei Theile getrennt ist, so daß in dem einen Theil das Bier ungestört lagern kann, während dasjenige aus dem andern Theil ausgeschänkt wird. Das Bier wird direct mittelst Aufzuges nach dem Büffet befördert. Die Ausstattung der übrigen Innenräume des Hauses, der Eingänge, Treppenhäuser, der Bodenlocale und der zu vermiethenden Wohnungen ist in demselben Sinne wie diejenige des Locals der Dortmunder Union-Brauerei erfolgt und durch ruhige Formen und Farben zu einer decorativen Wirkung gebracht, welche ebenso wirkungsvoll wie der Bestimmung des Gebäudes als Geschäftshaus angemessen ist. — Das Bier schmeckt, wie wir schon gestern sagten, ganz vortrefflich. Warum es aber mit 30 Pfennig pro ½ Liter bezahlt werden muß, trotzdem kein Grenzzoll auf demselben liegt, das ist ein Geheimniß für uns."
Anonym, "Locales", in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 466, 6. Oktober 1887, Morgenausgabe, S. 5-6.

Dienstag, 6. Februar 2018

Geschäftshaus in Berlin, Leipziger Straße 109, Drehersche Bierhalle


   "Die bereits rühmlich bekannten Architekten Kayser und v. Großheim haben in der Leipzigerstraße 109 einen Prachtbau aufgeführt, der, soeben vom Gerüst frei gelegt, sein markantes „Gesicht“ in eigenartiger Weise von seiner Umgebung abhebt. Niemand kann vorübergehen, ohne daß ihm die lichte Einfachheit der Façade auffiele, ohne daß das Auge gern auf dem ruhigen Aeußern dieses Baues weilte. Im ersten Augenblick frappirt die in dem Gebäude vorherrschende Verbindung von Stein und Eisen, bald aber ist man an das Originelle gewöhnt und gewinnt dem eigenartigen Bau immer mehr Interesse ab. Was sonst bei modernen Bauten im Centrum der Stadt stört, nämlich, daß die oberen zu Wohnräumen benutzten Stockwerke auf die dünnen Eisenwände der Läden-Einrahmung in ihrer Massigkeit zu drücken scheinen, das ist hier wenig störend durchgeführt, obgleich auch hier der untere Raum Geschäftslocal und der obere Wohnung ist. Wir nahmen Gelegenheit, den Bau, der uns interessirte, weil darin sämmtliche Fortschritte der Bautechnik, sämmtliche Erfahrungen der Neuzeit Verwerthung fanden, wiederholt zu besuchen, und werden nach der am Dienstag stattfindenden Eröffnung des in demselben etablirten Ausschankes Dreherschen Bieres die Details des Baues mitzutheilen in der Lage sein. Für heute sei nur so viel gesagt, daß das Haus im Juli begonnen und Mitte Januar fertig gestellt wurde. Eine Schnelligkeit, die um so bemerkenswerther erscheint, als die Grundmauern auf Caissons ausgeführt werden mußten und von vornherein auf den Hauptzweck, dem der Bau dienen sollte, nämlich auf die Errichtung einer Bierhalle größten Stiles mit ihren vielgestalteten Anforderungen an Maschinerien, Auszügen, Ventilationsanlagen, Heizräumen rc. Rücksicht genommen werden mußte. Die Bierhalle selbst wird im kostbarsten Stile eingerichtet. Schwere dunkle Balkendecken, dunkle Paneele und Möbel werden den Raum zieren. Den höchsten Schmuck werden jedoch Wand- und Deckengemälde bilden. Prof. Karl Lessing und Max Koch malen dieselben al fresco. Eine großartige Ansicht von Wien innerhalb einer von zwei lebensgroßen allegorischen Gestalten getragenen Kartusche wird die Bewunderung aller Kenner hervorrufen. Das Bild befindet sich gerade gegenüber dem Eingang zum Local und wird nicht verfehlen, den Eintretenden in Stimmung zu versetzen. Von dem anderen reichen künstlerischen Schmuck sprechen wir, wie gesagt, nach der Eröffnung. Als bemerkenswerth sei noch hervorgehoben, daß der Gast aus der etwas erhöhten ganzen Tiefe des Locals den Blick auf die Leipzigerstraße frei haben wird. Daß die Bierhalle mit elektrischem Licht versehen ist, kann als selbstverständlich gelten. Kosten wurden keine gescheut, um den Raum zu einem angenehmen zu machen, in welchem das helle Drehersche Bier verzapft werden soll. Stellt sich doch der Preis des Baues incl. Grund und Boden auf 1½ Millionen Mark. Man muß füglich erstaunen, welche Summen aufgewendet werden, um dem Kneipbedürfniß der Großstädter entgegenzukommen."
Anonym, "Locales", in:  Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 26, 16. Januar 1887, Morgenausgabe, S. 7

   "Wie wir in der Sonntagsausgabe angedeutet, hat die neue Drehersche Bierhalle in der Leipzigerstraße 109 am Dienstag Abend vor einer außerordentlichen Gesellschaft zum ersten Male ihre Pforten geöffnet. Wir haben auch schon erwähnt, daß die Architekten Kayser und v. Großheim mit diesem Bau ein kleines Meisterstück geliefert haben, und geben nunmehr folgende ausführliche Daten über die neue Bierhalle: Der Bau des ganzen Hauses wurde begonnen Anfang Juli 1886 und hat mithin etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Die specielle Bauleitung lag in den Händen des Architekten Tiek. Trotzdem bei der, auf den Ausbau der Restauration entfallenden, äußerst kurzen Zeit die größte Beschleunigung aller Arbeiten geboten war, wurden doch zu den vielen kunstgewerblichen und künstlerischen Arbeiten nur neue Modelle und Entwürfe benutzt. Außerdem wurde auf die Anlage der Heizung, Ventilation, Abwässerung, auf die zeitgemäße Einrichtung des Küchencomplexes, sowie der Vorrathsräume für Bier, Fleisch etc., auf die Ausbildung der Verkehrsmittel die möglichste Sorgfalt verwandt, da die Architekten beabsichtigten, ein in jeder Beziehung den Ansprüchen des modernen Großstadtpublicums genügendes Werk zu schaffen. Von besonderem Interesse ist zunächst die Restauration, welche zu einer Ausschankstelle des Anton Dreherschen Brauhauses, Kl. Schwechat bei Wien, vorher bestimmt war. Es lag in dem Bestreben der Erbauer, durch einfache Eleganz und möglichst malerische Anordnung der Räume die für solche Locale erforderliche vornehme Behaglichkeit zu erlangen. Durch das Vestibül, welches zugleich für den Verkehr mit dem übrigen Hause und zu den im Keller gelegenen Küchen- und Vorraths-Räumen dient, gelangt man in die Restauration, in deren Inneres wir schon durch das rechts im Vestibül angebrachte unten reich vergitterte Fenster einen Einblick gewinnt. Der Eingang befindet sich an einer Stelle des Innenraumes, von wo sich dem Eintretenden ein Durchblick durch die drei in verschiedener Höhenlage und Deckenausbildung combinirten Abtheilungen des Locals in ihrer Gesammttiefe darbietet. Als Fußbodenbelag ist im ganzen Locale rother Terrazzo von Odorico zur Anwendung gekommen, über welchem sich durchgehends an allen Wänden ein 2,50 m hohes eichenes Paneel aus der Werkstatt Max Schulz u. Co. in dunkler Färbung erhebt. Der darüber befindliche Theil der Wände ist, der Vermeidung von Staub wegen, von einer Stoffbekleidung völlig frei geblieben und im Naturton des Mörtelputzes gelassen, welcher auch den Malereien direct als Untergrund dient. Im vordersten Raum befindet sich rechts eine Ansicht von Wien, gemalt von Otto Lessing, die übrigen Malereien sind von Max Koch. Die um 2 Stufen erhöhte geräumige Fensternische ist durch eine Balustrade vom übrigen Raum abgetrennt. Die breiten Leibungen sind mit den Figuren der Austria und Borussia auf Majolikafliesen geschmückt, während die große Fensteröffnung ohne Glasmalerei geblieben und mit einer (im Sommer in den Keller zu versenkenden Spiegelscheibe versehen ist, welche auch den tiefer im Locale Sitzenden einen Blick auf das Straßenleben ermöglichen soll. Die Decke dieses ersten Raumes ist als dunkle Cassetten-Holzdecke, mit goldenen Rosetten und Knöpfen geschmückt, versehen. Auf die Höhe des hinteren Locales, welche durch eine Balustrade mit Marmorsockel und Deckplatte und Messingdocken gegen den tiefer liegenden Theil abgeschlossen ist, gelangt man über eine Treppe von 5 Marmorstufen mit reichem schmiedeeisernen Geländer. Man befindet sich zunächst in dem durch zwei Kreuzgewölbe überdeckten Mittelraum, welcher sein Licht durch ein großes seitliches Rundbogenfenster, nach einem Entwurf von Max Koch von L. Jessel - Berlin in Glasmalerei ausgeführt, empfängt. An der rechtsseitigen Wand sind die allegorischen Büsten von Frohsinn und Ernst, Werke des Bildhauers Kaffsack, angebracht, umgeben von einer an Ort und Stelle in dem frischen Stuck modellirten Umrahmung. Die Gewölbe sind mit in gleicher Weise von Otto Lessing modellirten Stuckornamenten überzogen. Am Buffet, welches sich links im zweiten Joch des Raumes befindet, ist besonders nennenswerth das in reichster schmiedeeiserner Arbeit von Ed. Puls ausgeführte Obergitter der Oeffnung und die in Kupfer getriebene Paneelfüllung aus der Werkstatt Seitz-München. Das Büffet ist mit dem darunter liegenden Anrichte Raum durch Treppe und Aufzüge verbunden, doch ist zur Vermeidung des Aufsteigens der Küchendämpfe ein Abschluß der Küche durch Glaswände mit kleinen Schubfenstern zum Durchreichen vorgesehen. Der hintere geräumige Theil des Locals ist in ähnlicher Weise wie der vorderste ausgebildet. Die Holzdecke wird jedoch in einem der 4 durch Unterzüge entstandenen Theile derselben durch ein farbiges Oberlicht ersetzt. Die Füllungen der übrigen Decke sind im Naturton des Kiehnholzes gelassen und mit schablonirten farbigen Ornamenten künstlerisch belebt. Von den die im hellen Putzton gelassenen Wände bedeckenden Malereien des Malers M. Koch sind, auf den Besitzer der Restauration bezüglich, die Bilder seiner 4 Brauhäuser, zu Michelob bei Saaz in Böhmen, zu Kl. Schwechat bei Wien, zu Boschetto bei Triest und zu Steinbruch bei Budapest zu erwähnen. Allegorien, Wappen, Embleme und dergleichen bilden den Gegenstand der umgebenden und übrigen Malerei. Die drei den einen Unterzug tragenden Stützen sind mit Capitälen, Bändern und Basen von getriebenem Kupfer aus der Werkstatt Fr. Paters-Berlin geschmückt. Die von O.Titel & Wolde ausgeführte Heizung und Ventilation der Restauration wird von dem vorderen Theil des Kellergeschosses aus durch eine Niederdruckdampfheizung und eine vollkommen unabhängig davon angeordnete Ventilations-Anlage mit Ventilator und eigenem Calorifer bewirkt. Die frische Luft wird oberhalb des Daches gewonnen, in den Keller hinabgesogen, gereinigt und nach Erwärmung auf Zimmertemperatur in die Restauration getrieben, wo sie sich oberhalb der Decke vertheilt und durch ein durchbrochenes Unterglied der Decke hinaustritt. Der Abzug der verbrauchten Luft erfolgt durch geheizte Lockschlote, welche eine beständige Lufterneuerung im Locale zulassen. Die Einrichtung der ganzen Küchenanlage ist, den Erfindungen der Neuzeit Rechnung tragend, von O. Titels Kunsttöpferei Actien-Gesellschaft besorgt. Das Bier wird aus dem Hofe durch einen eisernen Krahn in den Bierkeller mit oberer Eiskühlung (nach Ing. Dörrfurt) gesenkt, von dort nach Bedarf auf kleinen Wagen in den Aufzug gefahren und in den oberen Buffetraum gehoben. Die Aufzüge werden alle durch hydraulische Kraft getrieben. Zum Verkehr zwischen den oberen Stockwerken, welche, der günstigen Lage des Hauses entsprechend, ausschließlich der Personalwohnungen im IV. Stock und Dachgeschoß, zu Geschäftsmagazinen eingerichtet sind, dient ein Amerikanischer Aufzug, System Otis, welcher durch Herrn von Adelson hier eingeführt worden ist. Sämmtliches für die Aufzüge erforderliches Wasser wird auf dem Grundstück selbst durch eine 30 m tiefe Pumpe, welche durch einen Gasmotor getrieben wird, gewonnen. Herr Ingenieur Herzberg und die Berlin-Anhaltische Maschinenbau-Actien-Gesellschaft haben die ganze hierzu nöthige maschinelle Anlage eingerichtet, desgleichen die zum Heben der Abwässer in die etwa 2 m höher liegende Kanalisation der Leipzigerstr. Pumpvorrichtung, welche nöthig war, weil die hydraulischen Aufzüge bis unter die um dieses Maß tieferliegende Kellersohle hinabreichen. — Die Einweihungsfeier gestaltete sich zu einer gemüthlichen Kneiperei. Baurath Kyllmanns schwungvolle Rede auf die Verbrüderung Oesterreichs mit Deutschland fand enthusiastische Aufnahme. Das Bier, etwas dunkler als früher eingebraut, mundete vortrefflich. Nennen wir noch die Firma Hasché, welche alle Glaswaaren und Krüge lieferte, und die bekannte Bäckerei von Gartz, die berufen ist, ihr als schmackhaft bekanntes Brod zu liefern, so haben wir Alle erwähnt, die sich um das „Ensemble" verdient gemacht haben. Indessen sei des Vertreters des Hauses Dreher in Berlin, des Herrn Zweig, nicht vergessen, der den Berliner Unternehmungen Drehers mit Geschick und Energie vorsteht, was auch Baurath Kyllmann in seinem Speech unter allgemeiner Zustimmung betonte. Wir zweifeln nicht, daß das Drehersche Bier in Berlin bleibend zu denjenigen Genußmitteln gehören wird, welche man gewohnt ist, zu den zeitweilig unentbehrlichen zu zählen."
Anonym, „Locales“, in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 32, 20. Januar 1887, Morgen-Ausgabe, S. 7-8.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Musikzimmer im Wohnhaus Jägerstrasse 53, Berlin


Abbildung aus: Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein (Hrsg.), Der innere Ausbau. Sammlung ausgeführter Arbeiten aus allen Zweigen des Baugewerbes, Bd. 1, Berlin, Ernst Wasmuth,  o.J. [1894], Tafel 35.
Bildunterschrift: "Berlin / Musikzimmer Wohnhaus Jaegerstrasse 53 / (Ernst Mendelssohn-Bartholdy) / H. Schmieden,  von Weltzien & Speer Arch. erf. - Christian Lehr Bildh. Berlin und Max Koch Maler ausgef."

Freitag, 27. Oktober 2017

Hotel Excelsior Berlin, Berliner Schloss mit Dom

Berliner Schloss mit Dom, Wandgemälde in der Empfangshalle des Hotel Excelsior Berlin, um 1908. Die rahmende Bogenarchitektur mit den Wappen von Berlin und Preußen, die wie eine Blende wirkt, dürfte ebenfalls von Max Koch gemalt sein. Ein sehr ähnliches Motiv zeigt das mittlere Wandgemälde im Preußischen  Abgeornetenhaus von 1903.
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 53 dieser Serie (oben) zeigt "Wandgemälde 'Kaiserl. Schloss m. Dom' in der Empfangshalle von Prof. Koch".

Hotel Excelsior Berlin, Jagdstillleben im Weinrestaurant

Dreiteiliges Jagdstillleben, Wandgemälde im Weinrestaurant des Hotel Excelsior Berlin, um 1908. In der linken Nische eine Darstellung des "Wurzen-Seppl", rechts eine des "Hubertus". Dazwischen, hinter einem geöffneten Vorhang Jagdbeute: Hirsch, Reh, Wildschwein, Hasen, Fasane. Der Rahmen im Sinne einer Groteske dürfte ebenfalls von Max Koch gemalt sein. Vermutlich zerstört.
Dokumentiert ist diese Dekorationsmalerei durch eine Postkartenserie, die im Verlag des Hotels erschien und die mit 72 Bildern die verschiedenen Räume des Hotels und deren künstlerische Ausschmückung zeigt. Bild 41 dieser Serie (oben) zeigt "Gemälde im Weinrestaurant von Prof. Koch".

Montag, 19. Juni 2017

Rathaus Lübeck Bürgerschaftssaal Gemälde Ostwand: Erhebung Lübecks zur freien Reichsstadt

Die ersten sechs Nischen in der linken Hälfte des Saales (Fotomontage anklicken zum Vergrößern)

Die zweiten sechs Nischen in der rechten Hälfte des Saales (Fotomontage anklicken zum Vergrößern)

Das Wandgemälde an der Ostwand wurde zusammen mit dem an der Westwand 1894 fertiggestellt. Beide Gemälde befinden sich sehr weit oben unterhalb des Decke und können nur schräg von unten oder aus den Bogenöffnungen im Obergeschoss an den Schmalseiten des Saales schräg von der Seite aus gesehen werden. Eine fotografische Dokumentation der historischen Gemälde hat es deshalb wohl nie gegeben. Zumindest ist mir keine bekannt. Diese hier könnte daher die erste überhaupt sein. Grundlage dieser Montage waren Einzelfotografien vom Restaurator Matthias Bresien, die er nach der Restaurierung der Wandgemälde 2015 von einem Gerüst aus gemacht hat.    

Rathaus Lübeck Bürgerschaftssaal Gemälde Westwand: Einzug Kaiser Karls IV. mit seiner Gemahlin in Lübeck

Die ersten sechs Nischen in der linken Hälfte des Saales (Fotomontage anklicken zum Vergrößern)


Die zweiten sechs Nischen in der rechten Hälfte des Saales (Fotomontage anklicken zum Vergrößern)

Das Wandgemälde in den durch Säulen getrennten Blindfenstern wurde 1894 fertiggestellt. Als Vorlage für das Bildprogramm diente Max Koch möglicherweise die Lübischen Geschichten und Sagen von Ernst Deecke, Lübeck, Carl Boldemann, 1852. Das historische Ereignis von 1375 schildert Deecke darin wie folgt:  
    "Nachdem Kaiser Carolus sonst alle Örter und Enden des Römischen Reichs durchzogen, hat er beschlossen, auch der Wenden Land und vornehmlich die Reichsstadt Lübeck zu besuchen. Darum nahm er zu sich den Erzbischof Friedrich von Cöln, den Herzog von Lothringen, den Markgrafen Otto von Brandenburg, Herzog Albrecht von Meklenburg, Herzog Albrecht zu Lüneburg, Wilhelm Markgrafen zu Meißen, Jost Markgrafen zu Mähren, Hinrich und Nicolaus Grafen zu Holstein, Grafen Günter von Ruppin, nebst vielen andern Prälaten, Freiherrn und Rittern; vor allen aber die Kaiserin mit ihrem Gesinde. Da sie nun der Stadt Lübeck genaht, ist ihnen alle junge Mannschaft, sowohl von den Junkern als andere, in schönster Ordnung und bester Zierrath entgegengezogen mit der Stadt Schlüsseln. Als die kaiserliche Majestät was näher gerückt, ist sie nebst der Kaiserin in die S. Gertruden Kapelle vor dem Burgthor getreten, allwo sich beide mit dem kaiserlichen Geschmuck auf das herrlichste bekrönt und beziert, und sich auf schöne Rosse gesetzt. Da nun haben 4 von den vornehmsten jungen Gesellen einen Himmel, von Sammit und Goldstoff wohlgeschmückt, über dem Kaiser getragen; die ältesten Burgemeister aber haben mit großer Reverenz des Rosses Zaum ergriffen, das der Kaiser ritt. Zwei andere Herren des Raths hielten den Zaum an der Kaiserin Roß, über welcher auch 4 der Vornehmsten den Himmel getragen. Vorauf aber ritt ein Herr des Raths und trug der Stadt Schlüssel auf einer silbernen Gabel, welches ein Zeichen der Herrschaft des Reichs über die Stadt gewesen; dann kamen die Reichsfürsten in ihrer Ordnung. Der Markgraf Otto hat das goldne Zepter geführt; der Markgraf Albrecht anstatt seines Vaters das Schwert vorgetragen; darauf folgte kaiserliche Majestät; danach trug der Erzbischof von Cöln vor der Kaiserin den goldenen Apfel, und ihr folgten die anderen Fürsten nach der Reihe. Am Burgthor sind sie von den Mönchen empfangen; die hatten das Heiligthum bei sich und ein Stück vom heiligen Kreuz, das der Kaiser und die Kaiserin mit großer Ehrfurcht begrüßt und geküßt. Dann stunden beiderseits durch die Stadt die vornehmsten Frauen und Jungfern der Stadt in Perlen und Geschmeide und Seidenröcken; auch kam die Klerisei vom Dom mit Psalmen und Gesang, und führte den Zug durch die Breitenstraße nach der Stiftskirche."

Die zwölf Bilder in den Blindfenstern sind als Durchblicke auf den hinter der Wand vorbeiziehenden Festzug gedacht. Insofern ergibt sich insgesamt ein virtuelles Panoramaformat.  

Donnerstag, 1. Juni 2017

Restaurierung der beiden Wandgemälde im Bürgerschaftssaal im Rathaus Lübeck

Im Jahr 2015 wurden die beiden Wandgemälde von Max Koch im Bürgerschaftssaal im Lübecker Rathaus durch das Restaurierungsatelier Matthias Bresien bearbeitet. Herr Bresien teilte mir dazu mit: „Die Malereien sind durch uns einer zweiten Restaurierung unterzogen worden, so dass das Erscheinungsbild der Gemälde nicht mehr der Originalmalerei entspricht. Wir mussten während unserer Arbeiten Übermalungen aus den 70-er Jahren abnehmen, welche mit der Koch´schen Malerei nur noch sehr wenig gemein hatten. Die nach der Freilegung vorgefundenen Reste des Originals stellten sich in erster Linie als die originalen Untermalungen dar. Von uns sind dann nur noch Retuschen in den Fehlstellen vorgenommen worden. Lediglich an der zwölften Malerei der Westwand [siehe Abbildungen oben] war der Schaden so hoch, dass eine behutsame Rekonstruktion notwendig war.“
Im Zuge seiner Arbeiten an den Wandgemälden hat Herr Matthias Bresien alle 24 Felder der beiden Bilder an der Ost- und Westwand fotografisch dokumentiert. Herr Bresien hat mir seine Fotos breitwillig zur Verfügung gestellt, damit ich sie in diesem Blog veröffentlichen kann, wofür ich ihm herzlich danke.
Eine Beschreibung der beiden Wandgemälde ist in Vorbereitung und die zusammengestellten Fotos werden demnächst in weiteren Posts hier veröffentlicht.

Mittwoch, 22. März 2017

Nationalgalerie in Berlin - Cornelius-Säle

"Die renovirten Cornelius-Säle der National-Galerie werden nach Fertigstellung der Max Koch'schen Gemälde Ende dieses oder Anfang nächsten Monats durch eine Cornelius-Gedächtnißfeier für das Publikum wieder eröffnet werden. Die Festrede wird der Geh. Regierungsrath Director Jordan halten. Im Anschluß hieran wird der „Verein der Berliner Künstler" in seinen Räumen durch eine Festfeier das Andenken des großen Meisters ehren."
Anonyme Mitteilung in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 524, 8. November 1883, Morgen-Ausgabe,
1. Beilage, S. 5

"Der erste Corneliussaal in der National-Galerie zu Berlin ist am Sonntag, am hundertsten Geburtstage des Meisters, in einer völlig veränderten Decoration dem Publikum wieder eröffnet worden. Schon bei der Eröffnung der Sammlung war es dem Director derselben, Geheimrath Dr. Jordan, klar geworden, daß die von dem Erbauer des Gebäudes beliebte Bemalung der Wände der beiden Corneliussäle mit einem kalten, stumpfen Grau die Wirkung der Cartons auf das Empfindlichste beeinträchtigt und in der That hat diese Decoration nicht wenig dazu beigetragen, daß auch die geistige Einwirkung der Cartons, die man sich auf Künstler und Publikum versprochen hatte, aus blieb. Erst nach Strack´s Tod konnte Director Jordan den Gedanken, einen wärmeren und farbigeren Hintergrund für die farblosen Cartons zu schaffen, weiter verfolgen, und das hundertjährige Jubiläum des Meisters gab ihm die erwünschte Gelegenheit, seinen Gedanken zur Ausführung zu bringen. Wer vorgestern den Saal betrat, der sah mit freudigem Staunen, daß derselbe seine frühere, unerträglich frostige Physiognomie völlig verändert hat. Das Grau der Wände ist verschwunden und durch einen warmen rothbraunen Ton ersetzt worden. Auf die rothbraunen Wandflächen hat man mit schwarzer Farbe ein elegantes, vornehm und ruhig wirkendes Arabeskenmuster aufschablonirt. Es ist dasselbe, welches Cornelius für den Saal der Casa Bartholdy in Rom erfunden hat, in welchem er, Overbeck, Veit und Schadow den Freskencyklus aus der Geschichte Joseph´s, das erste monumentale Werk der neueren Deutschen Kunst ausgeführt haben. Die Sockelpaneele haben einen holzbraunen Anstrich erhalten, und Barrièren von Broncestäben sind vor den Cartons errichtet worden, um eine allzu grobe Annäherung des Publikums zu verhindern. Die Rahmen, welche die Cartons umgeben, sind in der Färbung ebenfalls lebhafter geworden. Auf die mittlere Kehle der äußeren Leiste, auf welcher Lorbeerblätter in matter Goldfarbe auf grauem Grunde aufgemalt waren, sind diese Lorbeerblätter jetzt in Relief auf schwarzem Grunde aufgetragen worden. Ebenso sind die Capitäle, in welche die Zwickel der Deckenwölbung auslaufen, die Capitäle der Säulenstellungen, durch welche das oberste Stockwerk gegen den Corneliussaal geöffnet wird, und die Simse der Giebelfrontons vergoldet, die Säulen selbst schwarzblau marmorirt worden. Durch diese gründliche Umstimmung aller Farbentöne haben die Cartons endlich eine Folie erhalten, welche ihren Genuß erheblich fördert. Und zur Förderung des Genusses dient, nach der „Post“, auch die Einrichtung zweier umfangreicher Rundsitze in jeder Hälfte des Saales. Das Oval über den hohen Lehnen ist mit einem Arrangement lebender Blattpflanzen ausgefüllt worden, deren sattes Grün dem Auge ungemein wohlthut. Damit ist ein erster bedeutsamer Schritt gethan worden, auch in unsere Museumssäle jenen Comfort hineinzubringen, welcher aus unseren Kunstausstellungen, am meisten aus der jetzigen internationalen in München, die lebhafteste Anerkennung des Publikums gefunden hat und der als ein Mittel erkannt worden ist, den Kunstgenuß zu erleichtern und zu unterstützen. Auch der zweite Corneliussaal soll nach ähnlichen Grundsätzen neu decorirt werden. Die Eröffnung desselben soll zur Corneliusfeier erfolgen, welche von der Akademie der Künste in der zweiten Hälfte des Octobers veranstaltet werden wird.
Anonyme Mitteilung in der Rubrik „Kunst, Wissenschaft und Literatur“ in: Hamburger Nachrichten,
Nr. 228, 26. September 1883, Morgen-Ausgabe, S. 2.

Dienstag, 21. März 2017

Schloss Hohenbuchau - Entwurf Lünette Empfang

Entwurfszeichnung für die Lünette gegenüber der Musikantenloge im Festsaal des Schlosses Hohenbuchau, rechts unten signiert "Max Koch". Der Verbleib des Originals ist unbekannt.
Abgebildet in: Berliner Architekturwelt, 5. Jg., 1903, Heft 12, Abb. 662, S. 426. Bildunterschrift: "Dekorative Malereien von Max Koch, Berlin."

Schloss Hohenbuchau - Entwurf Lünette Musiker

Entwurfszeichnung für die Lünette über der Musikantenloge im Festsaal des Schlosses Hohenbuchau, rechts unten signiert und datiert "Max Koch 97". Der Verbleib des Originals ist unbekannt.
Abgebildet in: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 4, Abb. 119, S. 132. Bildunterschrift: "Festsaaldekoration für das Schloss Hohenbuchau bei Schlangenbad. Von Max Koch, Maler in Potsdam. Spätrenaissance. Kalkfarben auf reinem Mörtelputz gemalt."

Sonntag, 19. Februar 2017

Pschorrbräu Bierhallen in Köln a. Rhein


Ansichtskarte: Pschorrbräu Bierhallen, Inh. Aug. Neumeyer, Köln am Rhein. Der Haupteingang zur Pschorr-Kneipe befand sich in der Hohestraße 38, ein weiterer Eingang war im Burghöfchen 2-6.
Der im Folgende beschriebene Fries von Max Koch ist wohl in der linken Zeichnung oberhalb der kassettierten Wandvertäfelung dargestellt. 

   "Berlin. Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums zu Berlin ist gegenwärtig für wenige Tage ein Fries ausgestellt, den Prof. Max Koch für die Pschorr-Kneipe in Köln, die dort von den Berliner Architekten Kayser und v. Großheim gebaut wird, ausgeführt hat. Koch hat mit glücklichem Griff eine in moderner Zeit wenig angewandte Technik gewählt, die aber schon im 16. Jahrhundert in den südlichsten und nördlichsten Gegenden Deutschschlands (Tirol und Friesland) vielfach in Übung war. Auf Brettern — Koch wählte Fichtenholz — wird die Zeichnung eingeschnitten, der Grund mit dem Messer ausgehoben, dann bemalt. Die Figuren erscheinen gewissermaßen in einem flachen Relief, aber ohne jede Modellierung der Fläche. Kochs Fries zeigt auf dunkelblauem Grund flott entworfenes Rankenwerk in den bekannten stilisierten Renaissanceformen. Die Rankenwindungen umfassen figürliche Darstellungen, die in chronologisch aufeinanderfolgenden Szenen eine Art Geschichte des Zechens der Deutschen geben. Zum Beginn sehen wir einen betrunkenen Bacchus, der von Satirknaben unterstützt wird. Dann folgen die symbolischen Tiere des Trinkers, der Affe und der Kater, ferner eine am Boden liegende Venus mit Amor. Der historische Cyklus beginnt dann mit Germanen, die aus Hörnern Met trinken. Wir sehen, um einige Szenen herauszugreifen, zechende Pilger des Mittelalters, weiter feiste trinkende Mönche; einem am Schreibpult grübelnden Benediktiner bringt ein Knabe einen Labetrunk. Einen fußlosen Krüppel erquickt ein Kind aus einem Krug. Jagende und tanzende Kinder schließen sich an das Mittelalter an. Die neue Zeit beginnt mit Landsknechten des 16. Jahrhunderts, die auf einer Trommel knobeln. Das 17. Jahrhundert zeigt rauchende Männer, die aus kunstvollen glasierten Krügen trinken. Soldaten Friedrichs des Großen repräsentieren das 18. Jahrhundert. Kämpfer der Freiheitskriege führen uns in das laufende Jahrhundert ein. Auf einen Tanz auf der Alm folgt eine Trinkszene fremder Völker: wir sehen neben einem Japaner einen schnapstrinkenden Neger. Diesen Barbaren folgt gleich der Vertreter der höchsten modernen Kultur, ein Gigerl in einem Schaukelstuhl mit einem Sektglas in der Hand. Eine im Wald lagernde Familie und skatspielende Studenten, die ein Faß als Spieltisch zwischen sich haben, schließen den Cyklus ab. Die einzelnen Teile sind durch Staats- und Stadtwappen von einander getrennt. Die Malerei ist in wenigen kräftigen Farben ausgeführt, die Farben sind dünn aufgetragen, so daß die Struktur des Holzes durchscheint. In Vergleichung mit andern Wirtshausmalereien ist beim Kochschen Fries vor allem der maßvolle Humor zu loben, der sich von jeder übertriebenen Karikatur fern hält."
J. S., „Im Lichthof des Kunstgewerbemuseums zu Berlin (...)“ in: Die Kunst für Alle, 5. Jg., Heft 20, 15. Juli 1890, S. 316.

Samstag, 18. Februar 2017

Schloss Hohenbuchau - Festsaal

Detail einer Ansichtskarte: Schloss Hohenbuchau in Georgenborn bei Schlangenbad


Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 114, Abb. 1135.


Festsaal im Schloss Hohenbuchau. Die Wandmalerei im Bogenfeld oben ist von Max Koch.
Abb. in: Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration, Bd.10, 1899, S. 115, Abb. 1136.

Hotel Deutscher Hof - Apollo-Saal

Der Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Luckauer Str. 15

    "Der Hauptsaal, 31,50 m lang, 17,50 m breit und 12 m hoch, liegt über einem die sehr geräumigen Kleiderablagen, Toiletten und Nebenräume enthaltenden Zwischengeschoss. Er bietet Raum für 1527 Personen. Von seiner Architektur giebt die Abb. 543 eine Vorstellung, doch bildet das Orchesterpodium eine nachträgliche, vom Architekten [H. Seeling] in der Form nicht beabsichtigte Zuthat. – Das in die Bogen-Architektur des oberen Theils der Rückwand hineincomponierte Bild sowie das Deckengemälde ist von Max Koch als fresco gemalt.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 2, "Öffentliche Bauten", S. 520, Abb.543 ebenda.

Zum Dortmunder - Leipziger Str. 109

Ansichtskarte "Zum Dortmunder" (Inhaber Th. Kochintke) Leipzigerstr. 109.

   „Durch seine Raumwirkung, malerischen Reiz, Kostbarkeit und Virtuosität in der Behandlung der Werkstoffe nimmt auch heute noch das jetzige Local der Dortmunder Union, früher Dreher´sches Bierhaus, in dem von Kayser und v. Groszheim 1886 bis 1887 erbauten Hause Leipziger Strasse 109 einen hohen Rang ein. Der freundliche Eindruck des Inneren mit seinem prächtigen, in den Deckencassetten durch Bronzerosetten gehobenen Holzwerk, mit dem reichen vergoldeten Gitterwerk der seitlichen Eingangsthür wird wirksam belebt durch Malereien von Max Koch.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 3 „Privatbauten“, S. 6.

„Dortmunder Unionbräu, mit Malereien u. Modellierungen von O. Lessing, M. Koch u.a.“
K. Baedecker, Berlin und Umgebungen, Handbuch für Reisende, 7. Aufl., Leipzig 1891, S, 20

Freitag, 10. Februar 2017

Gratweil'schen Bierhallen im Industrie-Gebäude

  Abb. in: Centralblatt der Bauverwaltung, 8. Jg., Nr. 36, Berlin, 8. September 1888, S. 397.
 
   „Die Gratweil'schen Bierhallen haben neuerdings einen reizenden Schmuck erhalten. Von den Gemälden, mit welchen dieses Etablissement noch geziert wird, wurde das erste von Professor Koch vollendet. Es stellt den Zug der Biere von dem Osten nach dem Westen dar. Besonders gelungen sind die Gestalten der Bierfahrer, die im Begriff sind, die Wagen mit Fässer zu beladen, dargestellt. Das Bild ist jedenfalls eine sehenswerthe Zierde des Etablissements, dessen elegante und künstlerische Ausstattung bereits des Oefteren hervorgehoben worden ist.“
Kurze anonyme Notiz in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 179, 17. April 1888, 1. Beilage, S. 6.

Detail einer Postkarte "Gruss aus den Gratweil'schen Bierhallen", die 1898 gelaufen ist. Farbige Lithografie.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Friedrich der Große besichtigt die Meliorationsarbeiten an der Nuthe bei Potsdam

Friedrich der Große besichtigt die Meliorationsarbeiten an der Nuthe bei Potsdam, Wandgemälde im Sitzungssaal im Teltower Kreishaus in Berlin. Der Verbleib des Originals ist unbekannt.
Abbildung aus: Franz Kugler, Bruno Schrader, Friedrich der Große und seine Zeit in Bild und Wort, Reprint-Verlag, 2004, S. 171. Nach der Originalausgabe von circa 1900. Die Abbildung hier wohl nach einem Holzstich. Die Bildunterschrift lautet: "Urbarmachung sumpfigen Landes. Nach dem Gemälde von C. Koch für das Teltower Ständehaus zu Berlin.“ Auch an anderen Stelle wird Carl Koch, der Vater von Max Koch, als Maler des Bildes genannt. Das scheint mir aber eine Fehlinformation zu sein.

Kreishaus Teltow - Kreistagssitzungssaal

Kreishaus Teltow, Kreistagssitzungssaal, links das Gemälde "Friedrich der Große besichtigt die Meliorationsarbeiten an der Nuthe bei Potsdam" von Max Koch.
Abb. aus: Wolfgang Radtke, Brandenburg im 19. Jahrhundert (1815-1914/18), Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016, Abb. 9, S. 486?

   "Für die Versammlung der Abgeordneten des Kreises Teltow ist in Berlin in der Viktoriastraße nach dem Entwurfe des Baurats Schwechten ein Monumentalbau mit Sandsteinfaçade errichtet worden, zu dessen künstlerischer Ausschmückung im Innern die Gemeinden Rixdorf und Schöneberg zwei von Prof. Max Koch ausgeführte Gemälde gestiftet haben, die zwei kulturhistorisch wichtige Momente aus der Geschichte des Kreises darstellen: "Der große Kurfürst besichtigt den ersten Kartoffelanbau in der Mark" und "Friedrich der Große besichtigt die Meliorationsarbeiten an der Nuthe bei Potsdam". Die Bilder nehmen die südliche Langsseite des Sitzungssaales ein. An der Nordseite wird eine Statue des Kaisers Wilhelm II., aufgestellt werden, die nach einem Modell von A. Calandrelli in Bronze gegossen wird."
Anonyme Mitteilung unter "Vermischtes", in: Kunstchronik, IV. Jg. N.F., 1892/93, Nr. 10,
29. Dezember 1892, S. 165.

   "(...) die Wandmalereien von M. Koch behandeln die Geschichte des Kreises."
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 2, "Öffentliche Bauten", S. 135.

Sonntag, 29. Januar 2017

Lübeck Rathaus Bürgerschaftssaal Abnahme

"Lübeck, Rathaus, Bürgerschaftssaal", Ansichtskarte in Lichtdruck, Hugo Meyer Kunstverlag Lübeck, 1909, Nr. 176, Privatsammlung Berlin.

   "Lübeck, den 31. August. (N. D. Z.) Die durch Beschluß des Senates und der Bürgerschaft für den Preis von 30.000 M dem Professor am Königl. Kunstgewerbe-Museum in Berlin Max Koch in Auftrag gegebenen Wandgemälde in den durch Säulen getheilten Nischen der beiden Längsseiten des Bürgerschaftssaales, sowie die für das Treppenhaus im Rathhause bestimmten sind nunmehr fertig gestellt und gestern abgenommen worden. Im Bürgerschaftssaale sind zur Darstellung gebracht: Der Empfang der aus Italien von dem Hofe des Kaisers Friedrich II. heimkehrenden Gesandten, welche die Urkunden über die Bestätigung der Kaiserlichen Privilegien und die Erhebung Lübecks zur freien Reichsstadt überbringen (1226), sowie der Einzug Kaiser Karls IV. mit seiner Gemahlin in Lübeck (1375), während das Treppenhaus die Einsetzung des Rathes der Stadt durch Herzog Heinrich den Löwen (1163) zeigt."
Anonyme Mitteilung in: Hamburger Nachrichten, 2. September 1894, Morgen-Ausgabe, Nr. 207, S. 3.