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Mittwoch, 7. Februar 2018

Deckengemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof

Deckengemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Berlin, Luckauer Str. 15, 1895.

Oben ein Detail aus einem Foto, das sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin befindet (Inventarnummer: F 5214). Es zeigt die Decke des Architekten Heinrich Seeling mit dem zentralen Deckengemälde von Max Koch. Dargestellt ist in der Mitte in einer sonnigen Gloriole der dem Saal den Namen gebende Apoll mit einer Kithara. Am Rand halten Musen Kränze für ihn hoch und oben auf einer Felsklippe steht Pegasus für ihn bereit. Hier zwei hochvergrößerte Details:


Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof

Wandgemälde im Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Berlin, Luckauer Straße 15, 1895.

Oben ein bearbeitetes Detail aus dem nachfolgenden Foto von Heinrich Seeling (rechts unten signiert "H. Seeling erf."). Ein originaler Fotoabzug befindet sich in der Sammlung des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, Inventarnummer: F 5216.

Das Gemälde zeigt im linken Bogenfeld die Begegnung eines Mannes und einer Frau in einem Garten vor, wie die Zypresse im Hintergrund andeutet, südlicher Landschaft. Die Frau wird durch einen Diener von hinten beschirmt. Vermutlich ist weiteres Gefolge im rechten Bogenfeld dargestellt. Im mittleren Bogenfeld erkennt man eine säulengestützte und rosenumrankte Pergola, auf der oben ein Pfau thront. Die Pergola ragt in die seitlichen Bogenfelder hinein, wodurch sich alle drei Bilder zu einem einheitlichen Geschehen verbinden, das sich illusionistisch hinter der realen Ballustrade auf einer an den Saal anschließenden Terrasse abspielt.

Samstag, 18. Februar 2017

Hotel Deutscher Hof - Apollo-Saal

Der Apollo-Saal im Hotel Deutscher Hof, Luckauer Str. 15

    "Der Hauptsaal, 31,50 m lang, 17,50 m breit und 12 m hoch, liegt über einem die sehr geräumigen Kleiderablagen, Toiletten und Nebenräume enthaltenden Zwischengeschoss. Er bietet Raum für 1527 Personen. Von seiner Architektur giebt die Abb. 543 eine Vorstellung, doch bildet das Orchesterpodium eine nachträgliche, vom Architekten [H. Seeling] in der Form nicht beabsichtigte Zuthat. – Das in die Bogen-Architektur des oberen Theils der Rückwand hineincomponierte Bild sowie das Deckengemälde ist von Max Koch als fresco gemalt.“
Architekten-Verein zu Berlin, u. a. (Hg.), Berlin und seine Bauten, Berlin 1896, Bd. 2, "Öffentliche Bauten", S. 520, Abb.543 ebenda.

Montag, 13. Februar 2017

Das neue bromberger Stadttheater.

   "Sechs Jahre waren ins Land gegangen, seitdem das bromberger Stadttheater ein Raub der Flammen geworden war. Wie ein Phönix hat sich das Gebäude nunmehr in schönerer Gestalt wieder erhoben. Die Pläne stammen von dem Baumeister H. Seeling in Berlin; ausgeführt wurde der Bau unter Leitung des bromberger Stadtbauraths Meyer. Daß das neue Theater eine rechte Pflegestätte deutschen Geistes im deutschen Osten zu sein bestimmt ist, davon zeugen schon die Büsten Goethe´s und Schiller´s, die die Front zieren. Aber auch das Innere ist diesem Ziel entsprechend würdig und schön ausgestattet. Der prachtvolle Theatervorhang, ein Werk des Malers Prof. Koch in Berlin, ist eine Stiftung kunstliebender bromberger Bürger; er stellt eine Scene aus „Tanhäuser“ dar und zeigt den Landgrafen von Thüringen mit seiner Nichte Elisabeth, umgeben von seinen Mannen, den Tönen der Sänger lauschend unter einer alten Eiche, im Hintergrund die Wartburg. Ueber ihm sieht man des Kaisers Bild sowie links und rechts zwei blonde Frauengestalten. Fremden- und Kaiserloge werden durch je zwei mächtige Karyatiden (Atlanten) gestützt und von Kuppeln mit Kindergestalten gekrönt. Das Theater hat zwei Balkone, von denen der eine den ersten Rang, der andere den zweiten Rang und die dahinterliegenden Amphitheaterplätze enthält. Die Corridore sind so breit gehalten, daß das Theater durch seine 24 Thüren in wenigen Minuten geleert werden kann. Der Bau besteht nur aus Stein und Eisen, brennbare Stoffe sind nicht verwendet worden. Der Bühnenraum umfaßt vom Kellerraum bis zum Schnürboden 23 Mtr., die Bühnenöffnung ist 8 Mtr. hoch, 16 Mtr. breit und 13½ Mtr. tief. Das elektrisch beleuchtete Innere hat freilich nur 697 numerirte Plätze. Die Leitung des Theaters hat Director Oskar Lange, ein geborener Bromberger, übernommen, ein Mann reich an Erfahrung und erfüllt mit dem besten Willen."
Anonym, "Das neue bromberger Stadttheater", in: Illustrirte Zeitung, Berlin u. Leipzig, Nr. 2846, 110. Bd., 13. Juni 1898, S.50-51, Abb. S. 50.

Freitag, 3. Februar 2017

Puhl & Wagner - Fassade vor dem Neuen Theater


Abbildung aus: Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft Phul & Wagner, Rixdorf, Berlin, Wasmuth, o. J. [1897], Tafel 18.
Mappe des Unternehmens mit Fotografien von ausgeführten Arbeiten auf Tafeln und einem Vorwort. Die Beschreibung zur Tafel 18 lautet: "Fassade vor dem Neuen Theater, Berlin, Schiffbauerdamm. Nische mit allegorischer Darstellung der Muse der Kunst. Groesse des Feldes 12½ qm." (S. 11). Auf der Tafel selbst die Angaben: "Archit.: Ch. H. Seeling, Berlin / Carton: Prof. Max Koch, Berlin"

Sonntag, 9. Oktober 2016

Die Ruinen des antiken Theaters von Taormina


Die Ruinen des antiken Theaters von Taormina, 1892, Diorama im Foyer des 1. Stockwerks im Neuen Theaters am Schiffbauerdamm in Berlin.
Die Abbildung zeigt ein Detail einer Fotografie im Architekturmuseum der TU Berlin (Inv.-Nr. F 5194) von Heinrich Seeling, dem Architekten des Theaters. Gegenüber dem Diorama war ein großer Spiegel, sodass sich die Theaterbesucher im Spiegel als vor den Ruinen stehend erleben konnten.

   „Der Eindruck des Ganzen ist prächtig und zugleich behaglich, eine Art Verschmelzung von Lessing- und Ronacher-Theater. Der Hauptvorhang [von Max Koch] zeigt einen von verführerischen Nixen umschmeichelten, jedoch in herber Keuschheit dahinschreitenden Jüngling, einen Vorkämpfer des Idealismus, der dem ihm dargebotenen güldenen Tand die schlichte Lorbeerkrone vorzieht. Nicht vergessen sei endlich das reich ausgestaltete Foyer im ersten Rang, in dessen Nische Professor Max Koch die Ruinen von Taormina hinein versetzt hat. An sich ein reizvolles Bild, warum aber in einem neuen Theater vorzeitig die Erinnerung an Ruinen wachrufen? Um es kurz zusammen zufassen, im Innern macht das Schauhaus den Eindruck vornehmer Gediegenheit und traulicher Behaglichkeit, und es wäre nur zu wünschen, daß dieser gewinnende Eindruck nicht gestört wird durch Unzulänglichkeit der dramatischen Aufführungen.“
Zitat aus: Anonym (E.A.), ohne Titel in der Rubrik „Kunst und Wissenschaft“ in: Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 545, 20. November 1892, Morgen-Ausgabe, S. 11-12, Zitat S. 12.

   „Da stehen wir ganz überrascht. Vom Korridor aus sehen wir durch ein mächtiges Spiegelglas an der gegenüberliegenden Seite des Erholungsraumes ein farbenfrohes, dioramenartiges Bild. Professor Max Koch hat die Ruinen von Taormina, von plastischem Pflanzenschmuck umkränzt, mit glücklichen Pinsel gemalt. Diese halbgestürzten Säulen werden doch keinem Theater gehört haben?“
Zitat aus: Fritz Engel, „Das Neue Theater.“, in: Berliner Tageblatt, 21. Jg., Nr. 592, 21. November 1892, S. 1.

Sonntag, 17. Juli 2016

Vorhang im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale

   „Für das von dem Berliner Architekten H. Seeling erbaute neue Stadt-Theater in Halle a. S. hat der Maler Max einen Vorhang gemalt, der gegenwärtig im Lichthofe des Kunstgewerbe-Museums in Berlin ausgestellt ist. Die Darstellung zeigt Oberon und Titania auf ihrem von vier fliegenden Schwänen gezogenen lustigen Wagen über einem mit Schilf und Wasserrosen eingesäumten Weiher; unter dem schattigen Laubdach eines hochaufragenden Baumes schmiegt sich ein Liebespaar aneinander; um dasselbe herum gruppiren sich geflügelte Elfen und Genien, während hoch in den Lüften Elfen sich zum Reigen schlingen. Die phantastisch gestaltete und gut gegliederte Composition wird von einem aus Blattformen, Früchten und Aehren zusammengesetzten Ornamentrahmen eingefaßt; an den beiden Seiten sind Bühnenembleme, wie Gesichtsmasken und musikalische Instrumente vereinigt und am unteren Ende schließt der Vorhang mit einer breiten Ornament-Composition ab, in welcher zwischen Arabesken und Lorbeerzweigen Genien, phantastische Thierfiguren und Nixen auftauchen. Der als Lichtmotiv von dem Künstler gewählte Dämmerschein und die leichten Nebel in den Lüften bedingten die Zurückdrängung kräftiger Localfarben; die farbige Erscheinung des Gemäldes übt aber, wie das „Berl. Tgbl." mittheilt, eine höchst harmonische Wirkung aus und schließt viel poetische Stimmung ein.“
Anonym, "Theater und Musik", in: Hamburger Nachrichten, Nr. 219, 15. September 1886, Morgen-Ausgabe, 2. Beilage, o.p.

   „Zu der heiteren Pracht, in der Wände und Decke erstrahlen, bildet die ruhige Haltung des von Max Koch gobelinartig gemalten Vorhangs, in dessen tiefer Tönung ein mildes Grün vorwaltet, einen stimmungsvollen Gegensatz; das meisterlich gelungene Werk zeigt in dem von breiten, schön erfundenen Friesen umrahmten Mittelbilde ein Seegestade in Abendbeleuchtung und an demselben Oberon und Titania in einem von Schwänen gezogenen Wagen, umgaukelt von dem Elfenreigen, der sich über den See hin in der Dämmerung verliert.“
F., "Das neue Stadttheater in Halle a. S.", in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Heft 93, vom 20. November 1886, S. 553ff., Fortsetzung in Heft 96 ab S. 573, Schluss in Heft 97 ab S. 577, Zitat auf S. 574

„Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin ist gegenwärtig der von dem Lehrer der Unterrichtsanstalt des Museums, Maler Max Koch, für das neue Stadttheater in Halle a. S. gemalte Vorhang auf einige Tage zur Ausstellung gelangt. In breiter, auf lichtblauem Fond grau in grau ausgeführter ornamentaler Umrahmung zeigt der Vorhang als farbiges, in lichter Tonstimmung gehaltenes Mittelbild die Darstellung eines Elfenreigens, der sich vom umbuschten Ufer eines stillen Wassers in die Luft emporschwingt.“
O.M., "Im Kunstgewerbemuseum zu Berlin", in: Kunstchronik, 21. Jg., Heft 44 vom 23. September 1886, S. 738.

„Einen würdigen Abschluß des Auditoriums gegen die Bühne hin bildet der Hauptvorhang. Er zeigt in seinem Mittelfelde ein Seegestade in Abendstimmung: Oberon und Titania schweben auf einem von Schwänen gezogenen Wagen durch die Dämmerung, einem Reigen der Elfen nach, welcher sich oben im Dunst verliert. Der zarte Ton dieses poesievollen Bildes, in reicher Umrahmung von Blau und Gold ebenfalls von Max Koch in Berlin gemalt, ist bei elektrischem Licht von überaus glücklicher Wirkung.“
A.P., "Korrespondenz, Halle a/S., 10. Oktober 1886", in: Kunstchronik, 22. Jg., Heft 2 vom 21. Oktober 1886, S. 21-24. Zitat S. 24.

Kronleuchter im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale


Zeichnung vom Kronleuchter im neuen Stadttheater zu Halle an der Saale, Maße, Technik und Verbleib unbekannt. Abgebildet in: Deutsche Bauzeitung, 21. Jg., Heft 17 vom 26. Februar 1887, Beilage nach S. 97 mit der Bildunterschrift "Krone für elektrisches Licht im Zuschauerraum des neuen Stadttheaters zu Halle a.S. / Entworfen von H. Seeling in Berlin, ausgeführt von L. A. Riedinger in Augsburg unter künstlerischer Leitung von O. Dedreux / Nach einer Zeichnung von Max Koch in Berlin / Druck der Hofdruckerei von Max Pasch". Auf S. 97 wird mitgeteilt, dass Max Koch diese Zeichnung "eigens für unser Blatt" gezeichnet habe.
Die originale Zeichnung wurde 1888 in der Ausstellung der Königlichen Akademie der bildenen Künste in Berlin von Heinrich Seeling präsentiert, zusammen mit dessen Fotografien von Dekorationen im Zuschauerraum des Stadttheaters in Halle an der Saale. (Hinweis in Deutsche Bauzeitung, 22. Jg., Heft 79 vom 3. Oktober 1888, S. 478.)
Im Architekturmuseum der TU Berlin wird ein Konvolut von Entwurfszeichnungen und Fotografien von Heinrich Seeling aufbewahrt. Darunter auch die folgende Fotografie des Kronleuchters:
Foto: Architekturmuseum der TU Berlin, Inventarnummer: F 5183

Sonntag, 20. Dezember 2015

Theater am Schiffbauerdamm - Vorhang

Der Sieg des Idealen über das Reale, 1892, Vorhang, Neues Theater am Schiffbauerdamm.
Der Verbleib des Vorhangs ist unbekannt.

Über den Künstler, der den ersten Vorhang für das Neue Theater am Schiffbauerdamm gemalt hat, gibt es in der zeitgenössischen Literatur sich widersprechende Aussagen. Am 20. Januar 1894 berichtete das Zentralblatt der Bauverwaltung in einem Artikel über "Das Neue Theater in Berlin" (14. Jg., Nr. 3, S. 21-24), dass der Vorhang von Woldemar Friedrich (1846-1910) gemalt worden sein: "Bei dieser künstlerischen Ausgestaltung seines Werkes haben dem Architekten hervorragende Kräfte zur Seite gestanden. So wird der Meisterhand Woldemar Friedrichs der Hauptvorhang verdankt. Professor Max Koch schuf mit seinen Schülern die Decken- und Gobelin-Malereien des Erfrischungssaales, Günther-Naumburg malte das Dioramenbild in diesem Raum, eine Darstellung der klassischen Theaterruinen von Taormina, und der bewährten Hand Ernst Westphals waren die gesamten decorativen Bildhauerarbeiten anvertraut, von der Nischenfigur über dem Haupteingange abgesehen, die vom Bildhauer Paul Peterich modellirt worden ist." (Zitat S. 24). Diese Zuschreibungen wurden mehrfach zitiert und als glaubwürdig angesehen.
Andererseits berichtete die Kunstchronik, Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe bereits im Dezember 1892 wesentlich detailierter wie folgt: „Der Vorhang ist von Professor Max Koch gemalt. Der Inhalt der Darstellung ist der Sieg des Idealen über das Reale. Ein Jüngling, der sein Ross hinter sich führt und von allerlei Gestalten gefolgt wird, steht am Rande eines Gewässers, aus dem Nixen auftauchen und ihn durch dargereichtes Geschmeide und Waffen zu verlocken suchen. Er beachtet aber weder ihre schönen Gestalten, noch die Schätze, die sie ihm bieten. Sein Blick ist aufwärts gerichtet nach einer Idealgestalt, die in den Wolken schwebt und ihm den Kranz entgegenstreckt." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107, Zitat S. 107. Die Kunstchronik bezieht sich in ihrer Beschreibung auf einen Artikel in der Berliner "Post", den sie zitiert.
Dieser Zuschreibung ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt geworden, was verblüfft, denn angesichts des Bildes spricht stilistisch nichts für Woldemar Friedrich, aber alles für Max Koch. Zudem hatte der Architekt des Theaters Heinrich Seeling (1852-1932) zuvor die Stadttheater in Halle an der Saale und Bromberg gebaut und auch dort hat Max Koch die Vorhänge gemalt. Es gab also eine bereits etablierte Beziehung zwischen Koch und Seeling und da Max Koch mit Sicherheit das Foyer im Neuen Theater dekoriert hat, lag es nahe, ihn auch abschließend mit dem Vorhang zu beauftragen. Möglicherweise war Woldemar Friedrich einmal für den Vorhang vorgesehen oder in der Diskussion für die Vergabe. Vielleicht gab es auch eine Zusammenarbeit oder einen ersten Entwurf. Ausgeführt hat den Vorhang aber nach Ansicht des Autors Max Koch.
Dafür spricht auch die Größe der das Bildfeld umfassenden Dekorationen, die ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen. Das zentrale Bildfeld ist zunächst von einer Blumengirlande gerahmt, mit Muscheln in den Ecken und Musikinstrumenten am oberen Rand. Dieser innere Rahmen wird flankiert von gemalten Pilastern, die mit Grotesken verziert sind und unten in Kränzen abschließen. Zwischen den Kränzen ist ein Blätterwerk gemalt, das zwei Arrangements mit Masken zeigt. In der Mitte dann eine Muschel, aus der Pan schelmisch herausgrinst, vor ihm liegt die Panflöte und seitlich strecken zwei Schwäne ihre Flügel aus. Darunter noch ein weiterer Fries mit gemalten Troddeln. Die Vorhangfalten am oberen Rand sind plastische Ausformungen des Bühnenrahmens, die nicht verschwinden, wenn der Vorhang gehoben wird.
Die oben gezeigte Fotografie ist ein Detail aus einer Fotografie, die im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt wird (Inv.-Nr. F5191). Sie ist rechts unten von Heinrich Seeling signiert und gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das die Arbeiten von Seeling dokumentiert.
Die Fotografie wurde veröffentlicht als Beilage ohne Seitenzahl in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, (zum Artikel auf den Seiten 473-474). Eine andere Aufnahme, die den Vorhang von Max Koch zeigt, ist dem Autor noch nicht bekannt. 

Mittwoch, 29. Juli 2015

Biografie Max Koch nach Alfred Rossig (1903)

Max Koch. Von Dr. Alfred Rossig.
Mit 14 Abbildungen.
Der festliche, farbenfrohe Charakter der Dekorationsmalerei scheint sie zu einem Erbteil der Kunst südlicher Länder prädestiniert zu haben. So waren es unter den deutschen Künstlern vornehmlich die Wiener Maler mit Makart an der Spitze, die dieses Genre mit größtem Erfolg pflegten. Indes, wahres Talent überwindet die Schranken der Rasse und der klimatischen Bedingungen: auch die Norddeutschen haben berufene Dekorationsmaler hervorgebracht, und unter diesen ragt Professor Max Koch als ausübender Meister sowohl wie als Lehrer hervor. Es gibt wohl keins unter den neueren Monumentalgebäuden Berlin, an dessen innerer Dekoration Max Koch nicht mitgearbeitet hätte. Staats- und Gemeindebauten, Theater, Konzertsäle, selbst die großen Bierkeller der Hauptstadt verdanken ihm ihren Wandschmuck, auch in der Provinz ist er durch zahlreiche Arbeiten großen Stils vertreten. Er gilt heute als Autorität auf dem Gebiet der Wandmaltechniken und wird in allen Fragen dieser Art zu Rate gezogen und gehört. Als Leiter des Aktsaals am Kunstgewerblichen Museum zu Berlin übt er auf einen großen Teil der Künstlerjugend Norddeutschlands einen nicht zu unterschätzenden Einfluß aus. So scheint es wohl lohnend, den Werdegang und das Schaffen dieses Meisters einmal erschöpfender darzustellen, als dies bis jetzt geschehen. Max Koch ist im Jahr 1859 als Sohn des Malers Karl Koch in Berlin geboren. Nachdem er das Realgymnasium absolviert, erlernt er praktisch die Dekorationsmalerei und besucht nur kurze Zeit das Kunstgewerbemuseum, in dem Ewald, Schaller und Meurer seine Lehrer waren. Ein Stipendium, das ihm hierauf zuteil wurde, setzte ihn in den Stand, nach Italien zu gehen. Nach Deutschland zurückgekehrt, fand er sofort Gelegenheit, seine Kenntnisse praktisch zu betätigen: er nahm an der Ausmalung des Opernhauses in Frankfurt a. M. unter Fr. Thiersch teil. Doch hielt der junge Künstler damals seine Studien noch nicht für abgeschlossen. Er ging nach Paris, wo er eineinhalb Jahre in verschiedenen Ateliers, besonders aber unter Galland, arbeitete. Während seines Aufenthaltes in Frankreich machte er zahlreiche naturgroße Aufnahmen von Innendekorationen aus dem Louvre, den Schlössern von Versailles und Fontainebleau. Diese musterhaften Kopien, die Koch dann in Berlin ausstellte, machten seinen Namen als Dekorationsmaler bekannt. Als durch den Tod Meurers eine Lehrerstelle am Kunstgewerblichen Museum frei wurde, wurde er 1884 an diese Anstalt berufen. Um diese Zeit begann denn auch die selbständige künstlerische Wirksamkeit Max Kochs. Die Berliner Architekten hatten es bald erkannt, welche tüchtige Kraft mit Koch auf den Plan getreten war, und beschäftigten ihn in verschiedene Richtungen. Für die von Kayser, Großheim, Ende, Böckmann, Seeling in Berlin und anderwärts ausgeführten Bauten vollendete Koch gleich in den ersten Jahren seiner Tätigkeit eine Reihe von Dekorationsbildern. Insbesondere waren es die neu entstehenden Theater, die seine Kunst in Anspruch nahmen; er malte für die Plafond- und Wandbilder, sowie Vorhänge. So schmückte er die beiden Foyers bei Kroll (den sog. Römischen und Rittersaal) aus, sowie das Foyer des Neuen Theaters. In der Provinz malte er Theatervorhänge für die Stadttheater von Halle A. S. und Bromberg. Von öffentlichen Lokalen dekorierte er den Pschorr- und Dortmunder Bierkeller, ferner das Café Keck in Berlin, in Kiel den Ratskeller. Auch eine große Zahl von Festsälen verdankt ihm ihren Schmuck: so der Apollosaal im Konzerthaus in der Luckauerstraße, der Festsaal des Freiherrn von Krauskopf in Hohenbuchau bei Wiesbaden, der Festsaal des Herrn Hauswaldt in Magdeburg. Eine Spezialität, die Prof. Koch eine Zeitlang betrieb, waren die Panoramenbilder. Das erste entstand gelegentlich der Berliner Jubiläumsausstellung und stellte das antike Pergamon dar. Wir werden auf dieses Werk noch zurückkommen. Für das im Ausstellungspark errichtete Panoramagebäude malte Koch später noch den „Brand Roms unter Nero“, sowie „Konstantinopel beim Einzug Kaiser Wilhelms II“. Für das Passagenpanorama vollendete er ein phantasievolles Rundbild, das die Sintflut darstellte. Alle diese umfangreichen Arbeiten hinderten Koch nicht, sich seiner vornehmsten Aufgabe, der Ausschmückung monumentaler Staatsbauten, zu widmen. In rascher Folge entstanden die Wand- und Deckenbilder für mehrere Berliner Gemeindeschulen, für den Festsaal im Reichsgericht zu Leipzig, sowie für das Rathaus in Lübeck. Der Zyklus für Lübeck umfasst die Hauptmomente aus der Stadtgeschichte im 12., 13. und 14. Jahrhundert, Im Berliner Künstlerhaus wurde ihm die Ausmalung des Treppenhauses und des Festsaals anvertraut. Auch im Kaiserlichen Schloß zu Berlin ist Koch durch zwei dekorative Deckenbilder vertreten. Im Reichstagsgebäude vollendete er den schönen Fries im Lesesaal. In den letzten Jahren hat Prof. Koch auch mehrere Entwürfe für Mosaikdekorationen ausgeführt. Von ihm rührt das Mosaikbild in der Kunstgewerblichen Deutschen Abteilung der Pariser Weltausstellung (1900) her, für das er eine goldene Medaille erhielt. Unlängst erst, gelegentlich der Jubiläumsausstellung des Berliner Kunstgewerbevereins, hatten wir Gelegenheit, im Gebäude der alten Akademie eine dekorative Mosaikwand Kochs zu bewundern. Damit ist das Schaffensgebiet Kochs nicht abgeschlossen. Er findet noch Muße, Feld und Wald zu durchwandern, auf den Seen der Mark herumzusegeln und große Landschaftsbilder zu malen, so das dekorative Bild, für das er 1892 in Berlin die goldene Medaille davongetragen. Mit Vorliebe arbeitet er an lebensgroßen Akt- und Kostümstudien, die er dann oft in seinen Wandbildern verwendet. Auch rein ornamentale Arbeiten ziehen ihn an. Daneben bemalt er Konzertflügel, die Pianofabriken für regierende Fürsten ausführen, entwirft Adressen, Plakate, Diplome, Fächer, ja, er pfuscht den Architekten und Bildhauern ins Handwerk. Das Grabmal des verstorbenen Geh. Rats Bechstein ist sein Werk; eine anmutige, flott modellierte Amphoraträgerin schmückt sein Atelier im Kunstgewerbemuseum. Laien mögen wohl angesichts einer derartigen Vielseitigkeit bedenklich den Kopf schütteln und die Frage aufwerfen, wie Professor Koch scheinbar so weit auseinanderliegende Dinge zuwege bringt. Der Künstler aber und der Kunstkenner, der in Kochs Arbeitsweise vorgedrungen ist, begreift es, daß gerade für den Beruf eines Dekorationsmalers eine solche Schaffensmethode äußerst förderlich ist. Wer Wände von Monumentalbauten zu bemalen hat, der kann sich nicht auf ein Spezialgebiet beschränken, wie der Porträtist, der Landschaftsmaler oder der Genremaler. Er muß mit den Geheimnissen und Wirkungen der großen Natur vertraut sein, gleichzeitig aber die Architektur und ihre Perspektive beherrschen, nackte und bekleidete menschliche Figuren lebendig und natürlich hinstellen können und bei alledem noch ein Meister der Ornamentik sein. Was immer Koch daher treiben mag, stets strebt er dem idealen Ziel seiner Kunst, dem vollendeten Dekorationsbild zu. Wenn er mit seinem Skizzenbuch griechische Landschaften durchstreift und die auf ihn einstürmenden Eindrücke in Oel- und Wasserfarben festhält, so findet er dann in seinem Pergamonpanorama und in manchem Wandgemälde Gelegenheit, diesen Erinnerungsschatz zu verwerten. Es ist auch keine verlorene Zeit, wenn er seinen Pinsel weglegt und als gelehrter Botaniker nach Kräutern auf die Suche geht, die er dann lege artis presst und trocknet: so schöpft er aus der Natur die reizendsten und originellsten Motive für seine ornamentalen Entwürfe. Fragen wir nach dem Stil der Werke, für die Professor Koch sich in so umfassender Weise vorbereitet, so fällt uns vor allem ein bezeichnendes Merkmal auf: ihre Modernität. Kochs Künstlerschaft hat sich in der Epoche der Freilichtmalerei entwickelt, demgemäß ist er bestrebt, alles, was er darstellt, mit Luft zu umhüllen und mit Sonnenlicht zu übergießen. Dies gibt seinen historischen Kompositionen sowohl wie seinen Phantasiebildern einen Charakter, der sie auf den ersten Blick von den Werken älterer Meister unterscheiden lässt. Man bemerke nur, wie weich und natürlich der landschaftliche Hintergrund des Pergamonpanoramas in der Atmosphäre verfließt, wie zart die Stadtarchitektur im Lübecker Rathausbild hinter der Luftschicht angedeutet ist! Durchaus modern ist bei Koch auch die Behandlung der menschlichen Figuren und der Akzessorien. Nichts liegt ihm ferner, als die theatralische Steifheit, die durch so viele Jahrhunderte für dekorative Wandgemälde obligat erschein. Seine Personen, ob sie nun der antiken, der mittelalterlichen oder der modernen Zeit entlehnt sind, gruppieren und bewegen sich mit packender Lebenswahrheit; und eine Fülle passend gewählter Gebrauchsgegenstände vervollständigt in inniger Weise das Bild der Epoche. Darum verfällt aber Koch noch keineswegs dem platten Realismus, den die impressionistische Malerei so begünstigt, und der sich mit der Dekorationsmalerei nie und nimmer vereinigen lässt. Wo der Gegenstand es gestattet, lässt Koch seiner Phantasie freien Lauf; wie poetisch und graziös er derartige Stoffe zu gestalten weiß, davon zeugt sein Theatervorhang „Oberon und Titania“ in Halle und die hier abgebildeten zwei Märchendarstellungen „König Olaf“ und „Der Fischer“, die er für das Treppenhaus der Deutschen Abteilung in der letzten Pariser Weltausstellung gemalt. Auch die allerletzte Zeit hat Professor Koch reichlich Gelegenheit geboten, seine Kunst in großem Stil zu betätigen. Die Werke, die vor kurzem aus seinem Atelier hervorgegangen sind, und jene, an denen er gegenwärtig arbeitet, sind fast ausnahmslos für große Berliner Monumentalbauten bestimmt. Bei der Ausschmückung des neuen Abgeordnetenhauses fiel Koch die bedeutsame Aufgabe zu, die drei großen Städte des Landes, Berlin, Magdeburg und Königsberg, in charakteristischen Ansichten darzustellen. Diese Städtebilder als solche fanden uneingeschränkte Anerkennung: das alte Schloß Berlins mit dem Dom und der von der Burgstraße aus gesehenen Brücke gefiel ebenso wie der Magdeburger Dom und das Krönungsschloß von Königsberg. Der figurale Vorderteil dieser Kompositionen jedoch, der die Bedeutung der dargestellten Städte versinnlichen sollte, musste geändert werden. Nicht als ob künstlerische Bedenken sich geltend gemacht hätten: es waren Rücksichten innerpolitischer Art, die der Ausführung der ursprünglichen Idee Kochs entgegentraten. Koch wollte Berlin als geistigen Mittelpunkt des Landes, Magdeburg als Zentrum des Binnenhandels, Königsberg endlich als Repräsentantin der Fischerei und Pferdezucht darstellen. Der Geist der Dezentralisation machte diesen Plan zu nichte: jede der kleineren Städte fühlte sich als geistiger Mittelpunkt Preußens. So blieb nichts anderes übrig, als den symbolisierenden, figuralen Vorderteil auf ein paar unbedeutende Figuren zu reduzieren. Unsere Abbildung gibt jedoch dem Leser Gelegenheit, den ursprünglichen Entwurf Kochs kennen zu lernen. Auch an der künstlerischen Ausstattung des Herrenhauses ist Max Koch hervorragend beteiligt. Aehnlich wie im Reichsratsgebäude, so wurde ihm hier die Ausführung eines Frieses übertragen. Professor Koch wählte für ihn Jagdszenen: wir sehen das Ausweiden einer Sau, eine Hirschjagd, eine Bärenjagd, eine Fischfangszene und eine Elchjagd. Nach Kochs Entwürfen sollen Gobelins gewirkt werden, die zur Ausschmückung der Präsidentenwohnung im Herrenhaus bestimmt sind. Im Auftrag der Stadt Magdeburg arbeitet Professor Koch gegenwärtig an einem kleineren, dekorativen Werk, das in drei Feldern die Hauptansichten Magdeburgs vereinen soll. Das Bild ist noch nicht vollendet: aber schon heute kann man aus den Entwürfen ersehen, daß der Künstler in sehr glücklicher Weise den landschaftlichen Hintergrund Magdeburgs mit den architektonischen Perspektiven verbunden hat. Viel zu lachen gibt dem beschäftigten Meister die Umarbeitung des großen Mosaikbildes aus dem Pariser Weltausstellungsgebäude. Es war vorauszusehen, daß das in unzerstörbarem Material sozusagen für die Ewigkeit gearbeitete Werk nicht bloß als Ausstellungsdekoration figurieren würde. In der Tat ist es nach Schluß der Ausstellung vom Dortmunder Museum angekauft worden. In diesem Fall war es nun der Künstler selbst, der eine Aenderung des Bildes vorschlug. Auch hier waren nämlich Kunst und Politik aneinander geraten. Koch hatte in seiner Komposition die Entwicklung des deutschen Kunstgewerbes und der deutschen Industrie unter dem Schutz des „Deutschen Michels“ darzustellen. Er hatte sich ursprünglich den Beschützer der Nation als kräftigen Jüngling in Ritterrüstung mit dem Schwert in der Hand gedacht. Der Ausstellungskommissar fand eine solche Auffassung bedenklich: die Franzosen hätten in dieser siegreichen, kriegerischen Figur eine Anspielung auf ihre Niederlage erblicken und empfindlich werden können. So mußte also der Kriegs- in einen Friedensengel, der Ritter in einen Hirten umgewandelt werden, der statt des Schwertes einen Palmzweig schwang. Hierdurch erhielt die ganze Komposition nach der Empfindung des Künstlers etwas Weichliches, was insbesondere dem monumentalen Charakter einer Mosaik widersprach. Das Dortmunder Museum teilte seine Auffassung, und so kam Koch jetzt in die Lage, seinen Deutschen Michel im Sinn der ursprünglichen Konzeption umzugestalten
In: Vom Fels zum Meer – Wochenausgabe, 22. Jg., Nr. 25, 13. Februar 1903, S. 848-855.