Dienstag, 22. Dezember 2015

Heilig-Geist-Kirche in Potsdam

Heilig-Geist-Kirche in Potsdam, 1917, Öl auf Malplatte, 35,0 × 50,5 cm, rechts unten signiert und datiert "Max Koch 17", Privatbesitz Marloffstein. Das Bild stammt aus dem Nachlass von Max Koch und wurde von dessen Witwe 1940 verschenkt. Seit dem im jetzigen Privatbesitz.
Das Bild zeigt die Heilig-Geist-Kirche von Süden aus gesehen, von einem Standpunkt auf der Havel, südlich der Freundschaftsinsel, deren östliches Ende man vor der Kirche sieht. Die Färbung der Blätter deutet auf den Spätsommer oder den Frühherbst hin.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Theater am Schiffbauerdamm - Vorhang

Der Sieg des Idealen über das Reale, 1892, Vorhang, Neues Theater am Schiffbauerdamm.
Der Verbleib des Vorhangs ist unbekannt.

Über den Künstler, der den ersten Vorhang für das Neue Theater am Schiffbauerdamm gemalt hat, gibt es in der zeitgenössischen Literatur sich widersprechende Aussagen. Am 20. Januar 1894 berichtete das Zentralblatt der Bauverwaltung in einem Artikel über "Das Neue Theater in Berlin" (14. Jg., Nr. 3, S. 21-24), dass der Vorhang von Woldemar Friedrich (1846-1910) gemalt worden sein: "Bei dieser künstlerischen Ausgestaltung seines Werkes haben dem Architekten hervorragende Kräfte zur Seite gestanden. So wird der Meisterhand Woldemar Friedrichs der Hauptvorhang verdankt. Professor Max Koch schuf mit seinen Schülern die Decken- und Gobelin-Malereien des Erfrischungssaales, Günther-Naumburg malte das Dioramenbild in diesem Raum, eine Darstellung der klassischen Theaterruinen von Taormina, und der bewährten Hand Ernst Westphals waren die gesamten decorativen Bildhauerarbeiten anvertraut, von der Nischenfigur über dem Haupteingange abgesehen, die vom Bildhauer Paul Peterich modellirt worden ist." (Zitat S. 24). Diese Zuschreibungen wurden mehrfach zitiert und als glaubwürdig angesehen.
Andererseits berichtete die Kunstchronik, Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe bereits im Dezember 1892 wesentlich detailierter wie folgt: „Der Vorhang ist von Professor Max Koch gemalt. Der Inhalt der Darstellung ist der Sieg des Idealen über das Reale. Ein Jüngling, der sein Ross hinter sich führt und von allerlei Gestalten gefolgt wird, steht am Rande eines Gewässers, aus dem Nixen auftauchen und ihn durch dargereichtes Geschmeide und Waffen zu verlocken suchen. Er beachtet aber weder ihre schönen Gestalten, noch die Schätze, die sie ihm bieten. Sein Blick ist aufwärts gerichtet nach einer Idealgestalt, die in den Wolken schwebt und ihm den Kranz entgegenstreckt." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107, Zitat S. 107. Die Kunstchronik bezieht sich in ihrer Beschreibung auf einen Artikel in der Berliner "Post", den sie zitiert.
Dieser Zuschreibung ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt geworden, was verblüfft, denn angesichts des Bildes spricht stilistisch nichts für Woldemar Friedrich, aber alles für Max Koch. Zudem hatte der Architekt des Theaters Heinrich Seeling (1852-1932) zuvor die Stadttheater in Halle an der Saale und Bromberg gebaut und auch dort hat Max Koch die Vorhänge gemalt. Es gab also eine bereits etablierte Beziehung zwischen Koch und Seeling und da Max Koch mit Sicherheit das Foyer im Neuen Theater dekoriert hat, lag es nahe, ihn auch abschließend mit dem Vorhang zu beauftragen. Möglicherweise war Woldemar Friedrich einmal für den Vorhang vorgesehen oder in der Diskussion für die Vergabe. Vielleicht gab es auch eine Zusammenarbeit oder einen ersten Entwurf. Ausgeführt hat den Vorhang aber nach Ansicht des Autors Max Koch.
Dafür spricht auch die Größe der das Bildfeld umfassenden Dekorationen, die ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen. Das zentrale Bildfeld ist zunächst von einer Blumengirlande gerahmt, mit Muscheln in den Ecken und Musikinstrumenten am oberen Rand. Dieser innere Rahmen wird flankiert von gemalten Pilastern, die mit Grotesken verziert sind und unten in Kränzen abschließen. Zwischen den Kränzen ist ein Blätterwerk gemalt, das zwei Arrangements mit Masken zeigt. In der Mitte dann eine Muschel, aus der Pan schelmisch herausgrinst, vor ihm liegt die Panflöte und seitlich strecken zwei Schwäne ihre Flügel aus. Darunter noch ein weiterer Fries mit gemalten Troddeln. Die Vorhangfalten am oberen Rand sind plastische Ausformungen des Bühnenrahmens, die nicht verschwinden, wenn der Vorhang gehoben wird.
Die oben gezeigte Fotografie ist ein Detail aus einer Fotografie, die im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt wird (Inv.-Nr. F5191). Sie ist rechts unten von Heinrich Seeling signiert und gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das die Arbeiten von Seeling dokumentiert.
Die Fotografie wurde veröffentlicht als Beilage ohne Seitenzahl in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, (zum Artikel auf den Seiten 473-474). Eine andere Aufnahme, die den Vorhang von Max Koch zeigt, ist dem Autor noch nicht bekannt. 

Theater am Schiffbauerdamm - Gobelinmalerei

Theater am Schiffbauerdamm, Gobelinmalerei im Foyer. Diese alte Aufnahme aus dem Bildarchiv Foto Marburg (Aufnahme-Nr. KBB 7.102), abgebildet als Beilage in Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, zeigt die nördliche Wand des Foyers. Oben sind noch zwei Amoretten aus dem Deckengemälde "Das Schauspiel der Liebe" zu erkennen. Der halbrunde Abschluss des Tonnengewölbes zeigt eine Festgesellschaft auf einer Terrasse, hinter einer Ballustrade, auf der rechts ein Pfau sitzt. Den Mittelpunkt der Wand unterhalb des Gesimses bildet eine durch Pilaster eingefasste ornamentale Malerei. Es ist davon auszugehen, dass diese Aufnahme die Gobelinmalereien von Max Koch zeigt, die in der zeitgenössischen Literatur zum Neubau des Theaters erwähnt werden:
   "An der vorderen Schmalfront ist im ersten Rang über dem Vestibül ein Foyer angelegt worden, das mit reichem malerischen Schmucke von Professor Max Koch ausgestattet ist." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107.
   "Weniger rauschend, aber künstlerisch bedeutender, feingestimmter ist die Ausschmückung des Erfrischungsraumes (s. d. Beilage); die Gobelinmalereien der Wände, die figürliche und ornamentale Malerei der als ein grosses Tonnengewölbe gebildeten Decke, die dekorativ-wirkungsvollen Lunettenbilder der beiden Kurzseiten des Saales, dazu das Material der Säulen, die aus Marmor und Schmiedeisen gebildete Brüstung der Gallerie, mit ihrem Schmuck aus cuivre poli, Glaskugeln und farbigen Porzellanvasen, alles das vereint sich zu einem festlich heiteren, künstlerisch vornehmen Raum, den wir als den Glanzpunkt des Gebäudes bezeichnen möchten." H., "Berliner Neubauten. Das 'Neue Theater' am Schiffbauerdamm", in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, S. 473-474.
An der gegenüber liegenden Schmalwand dürften sich ähnliche Gobelinmalereien befunden haben.
Eine Aufnahme von der Homepage des Berliner Ensembles zeigt den aktuellen Zustand des Foyers. Der malerische Schmuck und die üppige Pracht von einst ist heute nicht  mehr zu sehen. Sie wurde entfernt. Die Malereien von Max Koch sind aber möglicherweise nur überstrichen oder verkleidet worden, wie der Denkmalschutz in Berlin vermutet.

Theater am Schiffbauerdamm - Deckengemälde im Foyer

Das Schauspiel der Liebe, 1893, Deckengemälde im Foyer des Neuen Theater am Schiffbauerdamm.
Abbildung aus: Egon Hessling, Decorative und monumentale Malereien zeitgenössischer Meister, Leipzig, Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung, 1902, Blatt 7, Bildunterschrift: „Plafond aus dem Foyer des Neuen Theater in Berlin. Das Bild ist auf Rabitz-Gipsputz, der mit Wachsfarben grundirt ist, mit Tempera gemalt."
Ein authentischer Titel des Deckengemäldes ist nicht überliefert. Die zentrale Figurengruppe ist aber ein Liebespaar, das in den Himmel hinaufschwebt. Er hält mit seiner rechten Hand eine Fackel empor, deren Qualm ein Aufsteigen der beiden anzeigt. Sie hält mit ihrer rechten Hand ein Schild oder einen Spiegel fest. Die beiden Liebenden haben die Finger der linken Hände zärtlich miteinander verschränkt und beide himmeln sich mit Blicken gegenseitig an. Ihr Weg nach oben in die Wolken ist mit einer Blumengirlande, die Amoretten für sie zusammensetzen, vorbereitet und ganz oben zielt eine Amorette mit Pfeil und Bogen auf die Tauben der Venus, der Göttin der Liebe. Das alles spielt sich aber nur im Theater ab. Am unteren Rand des Gemädes, am Übergang zum Raum der Betrachter, sitzt Thalia, die Muse der Komödie und des Schauspiels, uns sie unterhält mit Apollon auf dem Pegasus einen engen Blickkontakt. Diese Gruppe, vermittelt durch zwei Amoretten bildet die Basis, fast möchte man sagen die Startrampe für das zentrale Schauspiel der Liebe.
Bedroht wird das Schauspiel durch zwei Drachen mit ausgebreiteten Fledermausflügeln und langen Hälsen an den Schmalseiten. Die Drachenköpfe scheinen plastisch ausgeformt, denn aus ihren aufgerissenen Hälsen kommen die Ketten, an denen die Lüster für die Beleuchtung aufgehängt werden können.
Eine weibliche Figur, die nur aus der umgekehrten Per- spektive heraus richtig zu sehen ist und die scheinbar unbeteiligt den Rand des Gemäldes mit Pfingstrosen dekoriert, möchte ich wegen ihrer Schmetterlingsflügel als Psyche beschreiben. Das heftig im Wind wehende Tuch beschreibt als eine Art Psy- chogramm den mäandrieren- den Fluss der Gefühle, oder eben deren Wechselhaftigkeit.
In jeden Fall ist diese Figur als Entwurf  sehr gelungen. Das ernste Gesicht, die knie- ende Haltung, das dabei fast beiläufige, eher unbewußte Festhalten des flatternden Tuches und die Konzentration auf den vorsichtig gehaltenen Blütenzweig stehen in einem interessanten und nach Interpretation ru- fendem Kontrast zum dem Liebesschauspiel, das als Normalperspektive das Geschehen im Theater bestimmt.

Apollon reitet Pegasus - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm

Apollon reitet Pegasus, Entwurfszeichnung für das ausgeführte Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 109.
Apollon hält Blickkontakt mit der am unteren Rand links sitzenden Thalia. Im rechten Arm hält er eine Kithara, während der gezügelte Pegasus in die Wolhen hinaufsteigt.

Zwei Amoretten mit einem Feston - Entwurfszeichnung

Zwei Amoretten mit einem Feston, Entwurfszeichnung, abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 109. Diese Zeichnung entstand wohl bei der Planung des Deckengemäldes für das Neue Theater am Schiffbauerdamm, wurde dann aber für die Ausführung verworfen. Von den in dieser Ausgabe des Kunstgewerbeblattes abgebildeten acht Zeichnungen ist es die einzige, die nicht das Linienraster für die Übertragung zeigt.
Möglicherweise war diese Amorettengruppe und die "Zwei Amoretten mit Blumengirlanden" für die Schmalseiten des Deckengemäldes geplant, an denen die beiden Drachen ausgeführt wurden. Bei beiden Amorettengruppen ist der gleiche Sockel angedeutet, was für eine geplante Ausführung am Rand spricht.

Zwei Amoretten mit Blumengirlande - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm

Zwei Amoretten, Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 107. Diese Amorettengruppe wurde bei der Ausführung des Deckengemäldes nicht umgesetzt.

Drei Amoretten - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm

Drei Amoretten, Entwurfszeichnung für das ausgeführte Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 106.

Zwei Amoretten - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm

Zwei Amoretten, Entwurfszeichnung für das ausgeführte Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 106.

Zwei Amoretten mit Pfeil und Bogen - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm

Zwei Amoretten mit Pfeil und Bogen, Entwurfszeichnung für das ausgeführte Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 106. Die Wiedergabe der Abbildung hier ist um 90° gedreht und entspricht so der Hauptorientierung des Deckengemäldes.