Märkische Kiefern im Schnee, um 1915, Öl auf Sperrholz, 50 × 37 cm, rechts unten signiert.
Sammlung Museum der Havelländischen Malerkolonie, Ferch am Schwielowsee.
Erworben 2010 aus Privatbesitz.
Von diesem Bild wurde eine Ansichtskarte im Verlag Atelier im Bauernhaus, 28870 Fischerhude, herausgegeben (Nr. 6021), erhältlich im Museum der Havelländischen Malerkolonie.
Materialien zum Leben und Werk von Prof. Max Koch, eines über Berlin und Potsdam hinaus bedeutenden Künstlers und Kunstlehrers.
Samstag, 26. September 2015
Dienstag, 8. September 2015
Wandgemälde - Lichthof im Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz in Berlin
Antiker Hafen, 1897. Farbabbildung in: Wertheim Berlin, Leipziger Strasse und Leipziger Platz, 1928, Eigenveröffentlich des Kaufhauses mit Aufnahmen aus dem Atelier Wertheim, 20 Seiten , nur Illustrationen.
Antiker Hafen, 1897, Wandgemälde von Max Koch im Mittel-Lichthof im Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz in Berlin. Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 1. Jg., 1899, Heft 1, Abb. 30, S. 26. Die folgende Aufnahme (ebenda, Abb. 9) zeigt den Lichthof mit dem Wandgemälde "Moderner Hafen" von Fritz Gehrke. Auf der südlichen Wand gegenüber befand sich das Wandgemälde von Max Koch.
„Die beiden Stirnseiten des Lichthofes sind durch Prof. Max Koch und durch den Maler Fritz Gehrke mit Scenen aus dem überseeischen Handelsverkehr geschmückt. Koch malte eine venetianische Hafenstadt mit venetianischem und orientalischem Seevolk, Gehrke das Leben eines modernen Hafens, beide Darstellungen in Massstab und Wirkung gut und glücklich.“ Albert Hofmann, "Zur Kunst der modernen Warenhäuser", in: Kunstgewerbeblatt, 9. Jg. NF, 1898, Heft 6, S. 99-102, Zitat S. 102.
Antiker Hafen, 1897, Wandgemälde von Max Koch im Mittel-Lichthof im Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz in Berlin. Abbildung aus: Berliner Architekturwelt, 1. Jg., 1899, Heft 1, Abb. 30, S. 26. Die folgende Aufnahme (ebenda, Abb. 9) zeigt den Lichthof mit dem Wandgemälde "Moderner Hafen" von Fritz Gehrke. Auf der südlichen Wand gegenüber befand sich das Wandgemälde von Max Koch.
„Die beiden Stirnseiten des Lichthofes sind durch Prof. Max Koch und durch den Maler Fritz Gehrke mit Scenen aus dem überseeischen Handelsverkehr geschmückt. Koch malte eine venetianische Hafenstadt mit venetianischem und orientalischem Seevolk, Gehrke das Leben eines modernen Hafens, beide Darstellungen in Massstab und Wirkung gut und glücklich.“ Albert Hofmann, "Zur Kunst der modernen Warenhäuser", in: Kunstgewerbeblatt, 9. Jg. NF, 1898, Heft 6, S. 99-102, Zitat S. 102.
Ernst Fabricius, Ludwig Pietsch: Führer durch das Pergamon- und Olympia- Panorama
Führer durch das Pergamon- und Olympia- Panorama sowie durch das Kaiser-Diorama der centralafrikanischen Erforschungs-Expedition von Dr. Ernst Fabricius und Ludwig Pietsch. Mit sechs Illustrationen und 1 Plan. 2. Auflage. Berlin 1886. Berliner Verlags-Comtoir (Act.-Ges.) Verlag der "Deutschen Illustrirten Zeitung". (Titelblatt des Exemplars der ZLB - Berliner Stadtbibliothek)
Einzelne Artikel in dem gemeinsam von Fabricius und Pietsch herausgegebenen Führer sind namentlich gekennzeichnet. So auch die folgende "Beschreibung des Panoramas" von Ernst Fabricius auf den Seiten 39 - 41:
Beschreibung des Rundbildes.
Als Standpunkt für den Besucher ist eine Terrasse in der Villa eines reichen Römers angenommen worden, die der Westseite des Burgberges von Pergamon gegenüber, am Abhang hoch über dem jenseitigen Ufer des Selinus zu denken ist. In Wirklichkeit entspricht eine jetzt von Zigeunern bewohnte römische Ruinenstätte im Allgemeinen diesem Standpunkt, nur dass derselbe bedeutend höher gerückt werden musste.
Wie die Familienangehörigen und Freunde des Besitzers der Villa auf der von Säulen getragenen Plattform zu unserer Linken, schauen wir an hohen Cypressen und Pinien vorüber und über Terrassen- und Gartenanlagen hinweg auf die jenseitige Thalwand und die mit dem Prachtbauten besetzte Burgkrone. Nach links schweift der Blick in die nördliche von der Stadt gelegenen Berge, rechts hin sehen wir hinab auf die weite Kaϊkosebene und die im Südosten und Süden von Pergamon sich hinziehende Gebirgskette. Das Ganze ist verklärt von dem röthlich-goldenem Schimmer der Abendsonne eines klaren Sommertages.
Etwas links von der Mitte des Bildes erkennen wir sofort an der hoch ansteigenden Rauchsäule den Zeusaltar mit seiner breiten Freitreppe, dem Reliefschmuck um den Unterbau, den zierlichen Säulenhallen darüber und mit dem mächtigen Aschenhaufen auf der Plattform, auf dessen Spitze das Opferfeuer eben entzündet wird.
Von der mit Denkmälern und Ruhebänken besetzten Altarterrasse, dem Staatsmarkt, führt rechts die Treppe hinab zum unteren Marktplatz. Seine freie Fläche ist grösstentheils durch die langgestreckten Verkaufshallen verdeckt. Der bekränzte Marmorbau auf der uns zugewandten freien Westseite des Marktes ist der Dionysostempel, links davon das Haus mit dem dreifachen Eingang mag das Amtslokal der Marktpolizei sein.
Links vom Altar erheben sich die zinnengekrönten Mauern und Thürme der Akropolis, der Hochburg von Pergamon. Das Burgthor kommt noch gerade über der Nordwestecke des Altars zum Vorschein.
Der von den beiden grossen Säulenhallen umgebene Tempel auf dem vordersten Vorsprung der Burg links über dem Altar ist der Tempel der Stadtgöttin Athene (Athena Polias) der „Siegverleihenden“ (Nikephoros). Sein graubrauner Trachyt hebt sich deutlich ab vom weissen Marmor der zweistöckigen Hallen. Im Obergeschoss der letzteren, an dessen Brüstung man die Waffenreliefs (namentlich rechts vom Tempel) noch eben erkennt, ist der Vorraum der Bibliothek.
Auf der höchsten Stelle der Burg, links vom Athenaheiligthum, sehen wir den großem Trajanstempel mit seinen Säulenhallen, ganz links auf der äussersten Ecke der Akropolis das kleine Tempelchen der Julia. Durch die Cypressen und Pinien hindurch lässt sich der Kamm des Berges weiter nach Norden bis zur Bogenreihe der römischen Wasserleitung verfolgen.
Die mächtigen Stützbauten am Abhang unter dem Altar und dem Athenatempel (etwa gerade in Augenhöhe) tragen die über 200 Meter lange Westterrasse. Der kasernenähnliche Bau auf der rechten Seite der Terrasse ist nur ein Theil der kolossalen Stützbauten.
Das Doppelthor über der rechten Ecke dieses Baues führt zur grossen Terrasse, die hier in ihrem südlichen Theil von Säulenhallen begleitet wird. Gegenüber am Nordende der Terrasse bildet der ionische Tempel (am Abhang unter dem Trajaneum) den Abschluss. Rechts davon sehen wir die kleine Bühne des Theaters und darüber das mächtige Halbrund des Zuschauerraumes mit seinen 80 Sitzbänken.
Die Künstler haben für ihr Bild einen Moment gewählt aus dem Feste, das in der römischen Kaiserzeit alljährlich in einer der Hauptstädte von Kleinasien, vornehmlich in Pergamon, zur Eröffnung des kleinasiatischen Landtages gefeiert wurde.
Das Theater ist zur Feier prächtig geschmückt, die Loge des römischen Statthalters ist mit rothem Tuch überspannt. Die Aufführung hat soeben geendet und eine bunte Zuschauermenge sucht auf den schmalen Treppchen und den Umgängen zwischen den Sitzbänken hindurch die verschiedenen Ausgänge zu gewinnen. Die meisten eilen hinüber nach dem Altarplatz und dem Markt, um den Opferzug noch mit ansehen zu können, der sich eben dem Zeusaltar nähert. Die Spitze des Zuges in der Oberstadt hat bereits den Eingang des Marktes erreicht, der grössere Theil ist aber noch ausserhalb des Thores auf der Strasse, die vom Selinusthal aus an der Villa eines reichen Römers und an zahlreichen Grabdenkmälern vorüber zur Burghöhe hinauf führt.
Ueber die Villen der Reichen, die kleinen Häuser der armen Leute und die in der Stadt zerstreuten Heiligthümer hinweg sehen wir hinab auf die Ebene. Der Hauptfluss Kaϊkos kommt hinter dem fern in Südosten sichtbaren höchsten Berg (dem heutigen Drachala) hervor und fliesst, nur an einzelnen Stellen erkennbar, am jenseitigen Fuss des Gebirges. Seine beiden Nebenflüsse Ketios (links) und Selinus (rechts) lassen sich dagegen weithin durch die Ebene verfolgen.
Der Hügel zwischen den beiden Flüsschen ist ein künstlich aufgeschüttetes Grab, vermuthlich eines der Attaliden. Villen, Heiligthümer, kleine Ortschaften sind in der Ebene zerstreut, und breite Strassen durchschneiden strahlenförmig nach verschiedenen Richtungen die sorgfältig angebauten Fluren. Auf der östlichen, die an jenem hohen Berge vorbei führt, gelangt man in zwei starken Tagereisen über Thyatira nach Sardes, der Hauptstadt von Lydien, während weiter südlich der Weg über die Berge hinweg nach Magnesia am Sipylos und nach Smyrna führt.
Einzelne Artikel in dem gemeinsam von Fabricius und Pietsch herausgegebenen Führer sind namentlich gekennzeichnet. So auch die folgende "Beschreibung des Panoramas" von Ernst Fabricius auf den Seiten 39 - 41:
Beschreibung des Rundbildes.
Als Standpunkt für den Besucher ist eine Terrasse in der Villa eines reichen Römers angenommen worden, die der Westseite des Burgberges von Pergamon gegenüber, am Abhang hoch über dem jenseitigen Ufer des Selinus zu denken ist. In Wirklichkeit entspricht eine jetzt von Zigeunern bewohnte römische Ruinenstätte im Allgemeinen diesem Standpunkt, nur dass derselbe bedeutend höher gerückt werden musste.
Wie die Familienangehörigen und Freunde des Besitzers der Villa auf der von Säulen getragenen Plattform zu unserer Linken, schauen wir an hohen Cypressen und Pinien vorüber und über Terrassen- und Gartenanlagen hinweg auf die jenseitige Thalwand und die mit dem Prachtbauten besetzte Burgkrone. Nach links schweift der Blick in die nördliche von der Stadt gelegenen Berge, rechts hin sehen wir hinab auf die weite Kaϊkosebene und die im Südosten und Süden von Pergamon sich hinziehende Gebirgskette. Das Ganze ist verklärt von dem röthlich-goldenem Schimmer der Abendsonne eines klaren Sommertages.
Etwas links von der Mitte des Bildes erkennen wir sofort an der hoch ansteigenden Rauchsäule den Zeusaltar mit seiner breiten Freitreppe, dem Reliefschmuck um den Unterbau, den zierlichen Säulenhallen darüber und mit dem mächtigen Aschenhaufen auf der Plattform, auf dessen Spitze das Opferfeuer eben entzündet wird.
Von der mit Denkmälern und Ruhebänken besetzten Altarterrasse, dem Staatsmarkt, führt rechts die Treppe hinab zum unteren Marktplatz. Seine freie Fläche ist grösstentheils durch die langgestreckten Verkaufshallen verdeckt. Der bekränzte Marmorbau auf der uns zugewandten freien Westseite des Marktes ist der Dionysostempel, links davon das Haus mit dem dreifachen Eingang mag das Amtslokal der Marktpolizei sein.
Links vom Altar erheben sich die zinnengekrönten Mauern und Thürme der Akropolis, der Hochburg von Pergamon. Das Burgthor kommt noch gerade über der Nordwestecke des Altars zum Vorschein.
Der von den beiden grossen Säulenhallen umgebene Tempel auf dem vordersten Vorsprung der Burg links über dem Altar ist der Tempel der Stadtgöttin Athene (Athena Polias) der „Siegverleihenden“ (Nikephoros). Sein graubrauner Trachyt hebt sich deutlich ab vom weissen Marmor der zweistöckigen Hallen. Im Obergeschoss der letzteren, an dessen Brüstung man die Waffenreliefs (namentlich rechts vom Tempel) noch eben erkennt, ist der Vorraum der Bibliothek.
Auf der höchsten Stelle der Burg, links vom Athenaheiligthum, sehen wir den großem Trajanstempel mit seinen Säulenhallen, ganz links auf der äussersten Ecke der Akropolis das kleine Tempelchen der Julia. Durch die Cypressen und Pinien hindurch lässt sich der Kamm des Berges weiter nach Norden bis zur Bogenreihe der römischen Wasserleitung verfolgen.
Die mächtigen Stützbauten am Abhang unter dem Altar und dem Athenatempel (etwa gerade in Augenhöhe) tragen die über 200 Meter lange Westterrasse. Der kasernenähnliche Bau auf der rechten Seite der Terrasse ist nur ein Theil der kolossalen Stützbauten.
Das Doppelthor über der rechten Ecke dieses Baues führt zur grossen Terrasse, die hier in ihrem südlichen Theil von Säulenhallen begleitet wird. Gegenüber am Nordende der Terrasse bildet der ionische Tempel (am Abhang unter dem Trajaneum) den Abschluss. Rechts davon sehen wir die kleine Bühne des Theaters und darüber das mächtige Halbrund des Zuschauerraumes mit seinen 80 Sitzbänken.
Die Künstler haben für ihr Bild einen Moment gewählt aus dem Feste, das in der römischen Kaiserzeit alljährlich in einer der Hauptstädte von Kleinasien, vornehmlich in Pergamon, zur Eröffnung des kleinasiatischen Landtages gefeiert wurde.
Das Theater ist zur Feier prächtig geschmückt, die Loge des römischen Statthalters ist mit rothem Tuch überspannt. Die Aufführung hat soeben geendet und eine bunte Zuschauermenge sucht auf den schmalen Treppchen und den Umgängen zwischen den Sitzbänken hindurch die verschiedenen Ausgänge zu gewinnen. Die meisten eilen hinüber nach dem Altarplatz und dem Markt, um den Opferzug noch mit ansehen zu können, der sich eben dem Zeusaltar nähert. Die Spitze des Zuges in der Oberstadt hat bereits den Eingang des Marktes erreicht, der grössere Theil ist aber noch ausserhalb des Thores auf der Strasse, die vom Selinusthal aus an der Villa eines reichen Römers und an zahlreichen Grabdenkmälern vorüber zur Burghöhe hinauf führt.
Ueber die Villen der Reichen, die kleinen Häuser der armen Leute und die in der Stadt zerstreuten Heiligthümer hinweg sehen wir hinab auf die Ebene. Der Hauptfluss Kaϊkos kommt hinter dem fern in Südosten sichtbaren höchsten Berg (dem heutigen Drachala) hervor und fliesst, nur an einzelnen Stellen erkennbar, am jenseitigen Fuss des Gebirges. Seine beiden Nebenflüsse Ketios (links) und Selinus (rechts) lassen sich dagegen weithin durch die Ebene verfolgen.
Der Hügel zwischen den beiden Flüsschen ist ein künstlich aufgeschüttetes Grab, vermuthlich eines der Attaliden. Villen, Heiligthümer, kleine Ortschaften sind in der Ebene zerstreut, und breite Strassen durchschneiden strahlenförmig nach verschiedenen Richtungen die sorgfältig angebauten Fluren. Auf der östlichen, die an jenem hohen Berge vorbei führt, gelangt man in zwei starken Tagereisen über Thyatira nach Sardes, der Hauptstadt von Lydien, während weiter südlich der Weg über die Berge hinweg nach Magnesia am Sipylos und nach Smyrna führt.
Donnerstag, 3. September 2015
Deckengemälde - Buchhändlerhaus in Leipzig
Der Große Saal im neuen Deutschen Buchhändlerhause zu Leipzig, Farbholzstich nach einer Originalzeichnung von Bruno Heinrich Straßberger.
„Im Innern des Gebäudes ist es vor allen andern Räumen der große Saal, dessen künstlerische Gestaltung die Aufmerksamkeit des Besuchers fesselt. Wie der Durchschnitt; auf S. 265 zeigt, ist derselbe mit einem mächtigen flachbogigen Gewölbe überspannt, in welches die Stichkappen über den 6 großen Fenstern der Längsseiten einschneiden. Zwei kräftige Gurte zwischen diesen Fenstern, von denen die beiden Gaskronen herab hängen, zerlegen es in 3 Abtheilungen, von denen jede mit einem farbenreichen Gemälde von Max Koch in Berlin (allegorische Darstellungen des Kampfes der Menschheit, der Weltgeschichte als Erzählerin dieser Kämpfe und des Buchhandels als Vermittler der Geschichte) geschmückt ist. Zwei umfangreiche Wandgemälde sollen in den Schildflächen der Bogennischen an den Schmalseiten Platz finden, während den Fenstern der Schmuck farbiger Glasbilder zugedacht ist. Vorläufig ist nur das dem Haupteingange gegenüber liegende Fenster mit einem schönen von Hermann Schaper in Hannover entworfenen, durch Adolf Schulze in Leipzig ausgeführten Gemälde versehen worden. Dasselbe, eine Stiftung der Firma Carl Fleischer in Leipzig, zeigt in weiblichen Gestalten Leipzig als Mittelpunkt, ihr zur Seite Berlin und Stuttgart als die nächst wichtigen Vertreter des deutschen Buchhandels, zu ihren Füßen als glänzende Vertreter derselben in älterer Zeit Wien und Frankfurt a. M. In den anderen Fenstern haben, gleichfalls als Stiftungen deutscher Buchhändler, vorläufig nur die im oberen Bogenfeld angebrachten, von Max Koch in Berlin gezeichneten Wappen verschiedener Städte Platz gefunden, während die unteren Flächen mit Grisaille-Malerei gefüllt werden; es ist jedoch wohl nicht zweifelhaft, dass im Laufe der Zeit auch sie eines reicheren bildlichen Schmucks werden theilhaftig werden.“
F.: "Das deutsche Buchhändlerhaus in Leipzig", in: Deutsche Bauzeitung, 22. Jg., Nr. 44, 2. Juni 1888, S. 261-264, Zitat S. 263.
„Weniger geglückt sind — hinsichtlich der Ausführung — dem bekannten Maler Max Koch die drei Gemälde, mit denen er die Decke des Saales geschmückt hat. Es sind in Ovalform ausgeführte Allegorien. Die erste derselben stellt die drei weltbewegenden Elemente: Kampf, Sieg und Ruhm dar. Man sieht links einen vom siegreichen Kampfe ausruhenden Krieger, dem sich der Genius des Sieges mit einem Lorbeerkranze naht, indes der Genius des Ruhmes umgeben von leier- und harfenspielenden Engeln die Thaten des Helden verkündet. Im Hintergrunde erhebt sich der Engel des Friedens mit dem Palmenzweig in der Rechten. Das zweite Bild verkörpert die Weltgeschichte. Hoch oben im Äther schwebt eine Frauengestalt, die Zeitereignisse in das Buch der Geschichte einträgt. Engel tragen die Blätter dem weiter unten schwebenden Merkur zu, der hier als Symbol des Buchhandels gedacht ist. Links unten schwebt, getragen von der Erdkugel und dem Atlas, eine zweite Frauengestalt, die der Weltgeschichte huldigt: es ist der Buchhandel Leipzigs. Über dem Ganzen erhebt sich ein geflügelter Engel mit einer Fackel in der Rechten: der Genius des leuchtenden Geistes. Wie dieses zweite Bild sich aus dem ersten entwickelt, indem die Weltgeschichte die Thaten der Menschen mit ihrem Griffel verewigt, so ist wiederum das dritte eine Fortsetzung des zweiten; Merkur, der Götterbote, steigt mit den von der Weltgeschichte empfangenen Blättern zur Erde nieder und verbreitet sie, deren Erscheinen durch posaunenblasende Engel verkündigt wird, dort. Volles Lob verdient die originelle Idee des Künstlers in diesen drei Bildern; sie sind mit grosser geistiger Verve und Ursprünglichkeit komponiert und zeugen von der eminenten Schaffenskraft des Malers. Um so bedauernswerter ist es, dass die Ausführung einer gewissen Oberflächlichkeit nicht entbehrt. Dieselbe liegt in der nachlässigen Behandlung der Farben. Von einer Ausarbeitung, einer sorgfältigen Durchbildung des Kolorits ist nirgends die Rede: Licht und Schatten sind skizzenhaft flüchtig zum Ausdruck gebracht. Der Götterbote Merkur auf dem letzten der Bilder sieht in seiner grellen, unschönen braunroten Körperfärbung einem Patagonier verzweifelt ähnlich.“
Willy Doenges, "Die Ausschmückung des Leipziger Buchhändlerhauses", in: Allgemeine Kunst-Chronik, Illustrierte Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe, Musik, Theater und Litteratur, 17. Bd., Nr. 22, 1. Novemberheft 1893, S. 630-632, Zitat S. 631.
„Im Innern des Gebäudes ist es vor allen andern Räumen der große Saal, dessen künstlerische Gestaltung die Aufmerksamkeit des Besuchers fesselt. Wie der Durchschnitt; auf S. 265 zeigt, ist derselbe mit einem mächtigen flachbogigen Gewölbe überspannt, in welches die Stichkappen über den 6 großen Fenstern der Längsseiten einschneiden. Zwei kräftige Gurte zwischen diesen Fenstern, von denen die beiden Gaskronen herab hängen, zerlegen es in 3 Abtheilungen, von denen jede mit einem farbenreichen Gemälde von Max Koch in Berlin (allegorische Darstellungen des Kampfes der Menschheit, der Weltgeschichte als Erzählerin dieser Kämpfe und des Buchhandels als Vermittler der Geschichte) geschmückt ist. Zwei umfangreiche Wandgemälde sollen in den Schildflächen der Bogennischen an den Schmalseiten Platz finden, während den Fenstern der Schmuck farbiger Glasbilder zugedacht ist. Vorläufig ist nur das dem Haupteingange gegenüber liegende Fenster mit einem schönen von Hermann Schaper in Hannover entworfenen, durch Adolf Schulze in Leipzig ausgeführten Gemälde versehen worden. Dasselbe, eine Stiftung der Firma Carl Fleischer in Leipzig, zeigt in weiblichen Gestalten Leipzig als Mittelpunkt, ihr zur Seite Berlin und Stuttgart als die nächst wichtigen Vertreter des deutschen Buchhandels, zu ihren Füßen als glänzende Vertreter derselben in älterer Zeit Wien und Frankfurt a. M. In den anderen Fenstern haben, gleichfalls als Stiftungen deutscher Buchhändler, vorläufig nur die im oberen Bogenfeld angebrachten, von Max Koch in Berlin gezeichneten Wappen verschiedener Städte Platz gefunden, während die unteren Flächen mit Grisaille-Malerei gefüllt werden; es ist jedoch wohl nicht zweifelhaft, dass im Laufe der Zeit auch sie eines reicheren bildlichen Schmucks werden theilhaftig werden.“
F.: "Das deutsche Buchhändlerhaus in Leipzig", in: Deutsche Bauzeitung, 22. Jg., Nr. 44, 2. Juni 1888, S. 261-264, Zitat S. 263.
„Weniger geglückt sind — hinsichtlich der Ausführung — dem bekannten Maler Max Koch die drei Gemälde, mit denen er die Decke des Saales geschmückt hat. Es sind in Ovalform ausgeführte Allegorien. Die erste derselben stellt die drei weltbewegenden Elemente: Kampf, Sieg und Ruhm dar. Man sieht links einen vom siegreichen Kampfe ausruhenden Krieger, dem sich der Genius des Sieges mit einem Lorbeerkranze naht, indes der Genius des Ruhmes umgeben von leier- und harfenspielenden Engeln die Thaten des Helden verkündet. Im Hintergrunde erhebt sich der Engel des Friedens mit dem Palmenzweig in der Rechten. Das zweite Bild verkörpert die Weltgeschichte. Hoch oben im Äther schwebt eine Frauengestalt, die Zeitereignisse in das Buch der Geschichte einträgt. Engel tragen die Blätter dem weiter unten schwebenden Merkur zu, der hier als Symbol des Buchhandels gedacht ist. Links unten schwebt, getragen von der Erdkugel und dem Atlas, eine zweite Frauengestalt, die der Weltgeschichte huldigt: es ist der Buchhandel Leipzigs. Über dem Ganzen erhebt sich ein geflügelter Engel mit einer Fackel in der Rechten: der Genius des leuchtenden Geistes. Wie dieses zweite Bild sich aus dem ersten entwickelt, indem die Weltgeschichte die Thaten der Menschen mit ihrem Griffel verewigt, so ist wiederum das dritte eine Fortsetzung des zweiten; Merkur, der Götterbote, steigt mit den von der Weltgeschichte empfangenen Blättern zur Erde nieder und verbreitet sie, deren Erscheinen durch posaunenblasende Engel verkündigt wird, dort. Volles Lob verdient die originelle Idee des Künstlers in diesen drei Bildern; sie sind mit grosser geistiger Verve und Ursprünglichkeit komponiert und zeugen von der eminenten Schaffenskraft des Malers. Um so bedauernswerter ist es, dass die Ausführung einer gewissen Oberflächlichkeit nicht entbehrt. Dieselbe liegt in der nachlässigen Behandlung der Farben. Von einer Ausarbeitung, einer sorgfältigen Durchbildung des Kolorits ist nirgends die Rede: Licht und Schatten sind skizzenhaft flüchtig zum Ausdruck gebracht. Der Götterbote Merkur auf dem letzten der Bilder sieht in seiner grellen, unschönen braunroten Körperfärbung einem Patagonier verzweifelt ähnlich.“
Willy Doenges, "Die Ausschmückung des Leipziger Buchhändlerhauses", in: Allgemeine Kunst-Chronik, Illustrierte Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe, Musik, Theater und Litteratur, 17. Bd., Nr. 22, 1. Novemberheft 1893, S. 630-632, Zitat S. 631.
Sonntag, 30. August 2015
Wandgemälde - Festsaal im Reichsgericht Leipzig
Festsaal des Präsidenten, Chromlichtdruck nach einem Aquarell von Max Seliger von 1896. Abbildung aus: Ludwig Hoffmann, Der Reichsgerichtsbau zu Leipzig, Leipzig, Verlag von Meissner & Buch, o.J., Blatt 9.
Im Geleitwort dieser künstlerischen Dokumentation mit zehn Aquarellen von Max Seliger schreibt der Architekt des Gebäudes Ludwig Hoffmann zum Festsaal: "Durch sehr bewegte Linienführung und verschiedene Gestaltung der einzelnen Wand- und Deckenfelder sollte dieser Raum als Festsaal eine möglichste lebhafte Wirkung erhalten. Dies Bestreben wurde durch eine farbenreiche Behandlung von Wänden und Decke unterstützt. Die lebhaften Töne verschiedenfarbiger Marmorarten, sowie die an Decke und Wänden verteilten Gemälde von Max Koch werden durch eine hierzu gestimmte Tönung der glatten Felder und reiche Vergoldung der ornamentierten Gliederungen bei aller Lebhaftigkeit zu einheitlicher Wirkung gebracht. Auch in diesem Raum wurde die Detailbehandlung überall sehr zart und fein durchgeführt, um einen vornehmen Gesamteindruck zu erreichen."
In keiner dem Autor bekannten zeitgenössischen Beschreibung des Festsaals wird ein anderer Maler erwähnt als Max Koch. Es ist daher davon auszugehen, dass alle Fresken in dem Saal von Max Koch sind. Es sind dies zwei weitere kleine Deckengemälde mit fliegenden Amoretten und insgesamt vier Wandgemälde. Zwei Wandgemälde befinden sich in den Bogenfeldern über den Türen an den Schmalseiten des Saales, ein weiteres in der Mitte einer Längsseite über der Musikerloge und ein viertes befindet sich hiervon gegenüber an der Fensterseite.
An den Schmalseiten des Festsaales schließen sich weitere Empfangsräume, getrennt nach Damen und Herren an. An der Männerseite, wo es auch zu der Wohnung des Gerichtspräsidenten geht, zeigt das Fresco einen am Schreibtisch arbeitenden Mann - gemeint ist der Präsident -, dem von einem Diener das Eintreffen der Gäste gemeldet wird. Gegenüber auf der Frauenseite eine Dame, der mit Geschenken gehuldigt wird. Über der Musikerloge sind Musiker, insbesondere ein Posaunist, dargestellt. Das Thema des vierten Wandgemäldes ist unklar.
Im Geleitwort dieser künstlerischen Dokumentation mit zehn Aquarellen von Max Seliger schreibt der Architekt des Gebäudes Ludwig Hoffmann zum Festsaal: "Durch sehr bewegte Linienführung und verschiedene Gestaltung der einzelnen Wand- und Deckenfelder sollte dieser Raum als Festsaal eine möglichste lebhafte Wirkung erhalten. Dies Bestreben wurde durch eine farbenreiche Behandlung von Wänden und Decke unterstützt. Die lebhaften Töne verschiedenfarbiger Marmorarten, sowie die an Decke und Wänden verteilten Gemälde von Max Koch werden durch eine hierzu gestimmte Tönung der glatten Felder und reiche Vergoldung der ornamentierten Gliederungen bei aller Lebhaftigkeit zu einheitlicher Wirkung gebracht. Auch in diesem Raum wurde die Detailbehandlung überall sehr zart und fein durchgeführt, um einen vornehmen Gesamteindruck zu erreichen."
In keiner dem Autor bekannten zeitgenössischen Beschreibung des Festsaals wird ein anderer Maler erwähnt als Max Koch. Es ist daher davon auszugehen, dass alle Fresken in dem Saal von Max Koch sind. Es sind dies zwei weitere kleine Deckengemälde mit fliegenden Amoretten und insgesamt vier Wandgemälde. Zwei Wandgemälde befinden sich in den Bogenfeldern über den Türen an den Schmalseiten des Saales, ein weiteres in der Mitte einer Längsseite über der Musikerloge und ein viertes befindet sich hiervon gegenüber an der Fensterseite.
An den Schmalseiten des Festsaales schließen sich weitere Empfangsräume, getrennt nach Damen und Herren an. An der Männerseite, wo es auch zu der Wohnung des Gerichtspräsidenten geht, zeigt das Fresco einen am Schreibtisch arbeitenden Mann - gemeint ist der Präsident -, dem von einem Diener das Eintreffen der Gäste gemeldet wird. Gegenüber auf der Frauenseite eine Dame, der mit Geschenken gehuldigt wird. Über der Musikerloge sind Musiker, insbesondere ein Posaunist, dargestellt. Das Thema des vierten Wandgemäldes ist unklar.
Donnerstag, 27. August 2015
Deckengemälde - Festsaal im Reichsgericht Leipzig
Im Festsaal des ehemaligen Reichsgerichts in Leipzig ist das einzige, noch original erhaltene Deckengemälde von Max Koch zu sehen. Das Gebäude wird heute vom Bundesverwaltungsgericht genutzt. Es ist für die Öffentlichkeit nur begrenzt zugänglich und der Festsaal selbst ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen.
Das zweite noch erhaltene Deckengemälde von Max Koch befindet sich ebenfalls in Leipzig, nur 15 Minuten zu Fuß entfernt, im ehemaligen Hôtel de Pologne. Es befand sich allerdings jahrelang unter Putz, war dadurch nach der Freilegung beschädigt und wurde aufwendig restauriert. Alle anderen großen Deckengemälde von Max Koch wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Insofern kommt dem Bild in Reichsgerichtsgebäude eine herausragende Stellung zu. Es ist zudem exemplarisch für das eigentliche Hauptwerk von Max Koch, für seine Dekorationen in den großen Staatsbauten, die Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in Berlin entstanden.
Die allegorische Darstellung im Reichsgericht von 1896 zeigt den Einzug Apollons mit den neun Musen in das Reich von Justizia, so zumindest eine zeitgenössische Beschreibung. Links thront zentral in den Wolken eine weibliche Gestalt, die wegen ihres Helms an Athena erinnert, wegen der blonden Haare aber auch auf die bewehrte Germania anspielt. In ihrer Rechten präsentiert sie einen geschnitzten Stab, der einen in einem Buch lesenden Mann zeigt. Dieser Stab soll als Gerichtsstab verstanden werden, als ein altes Zeichen der Gerichtsbarkeit und damit ist diese Figur nicht direkt eine Personifikation der Justitia, sondern eher eine der Gerichtsbarkeit des Deutschen Reiches, eben des Reichsgerichts. Sie wird umgeben von Figuren, die die klassischen Attribute der Gerechtigkeit präsentieren. Eine Amorette trägt das strafende Schwert, eine als Justitia zu benennende Frau mit verbundenen Augen zeigt die ausgleichende Waage. Eine weitere Frau zeigt wohl eine Trense mit Zügeln, was sie als Personifikation der Mäßigung ausweist und rechts eine Personifikation der Barmherzigkeit, mit Schriftrollen und einem Blumenzweig. Neben dem Thron kauert eine Sphinx mit Löwenkopf, die auf die Stärke des Gerichts, aber auch auf das schwierige Rätsel der Wahrheitsfindung für die Gerechtigkeit hindeutet. Unterhalb des Throns spielen Amoretten mit den Gesetzbüchern.
Das linke Drittel des Bildes beschreibt also das "Reich der Justizia" und in diesen, farblich etwas tristen Bereich, prescht nun Apollon mit seinem von vier Pferden gezogenen Streitwagen hinein, als Zentrum des Lichts und der Farben, als Gott der Schönheit und der Künste. Das Vorbild für dieses Motiv befindet sich in Würzburg und wurde von Tiepolo gemalt:
Max Koch hat die Malereien von Tiepolo in der Residenz Würzburg als junger Mann genau studiert und auch abgezeichnet. Dieser Höhepunkt der barocken Dekorationskunst muss ihn fürs Leben geprägt haben und das Bild im Reichsgericht ist eine Verbeugung vor seinem großen Meister.
Von den angekündigten neun Musen sind nur einige dargestellt. Identifizieren kann man am unteren Rand Melpomene mit Weinlaubkranz und Keule, in der rechten unteren Ecke Erato mit einem Saiteninstrument (Laute), und die eigentliche Hauptfigur am rechten Rand, Thalia, die Muse der Kommödie mit der lachenden Maske an ihrer Seite. Sie ist die eigentliche Opposition zum Gericht im linken Bereich des Bildes.
Apollon im Hintergrund spielt nur selbstverliebt auf der Leier, und sein Blick ist in höhere Sphären gerichtet. Thalia aber, die das Gericht mit ihrem Blick fixiert - und der Blick wird mit Aufmerksamkeit erwidert - führt die entscheidende Handlung des Bildes aus: Sie hält dem Gericht eine kleine Maske entgegen, wobei sie sich leicht abwendet. Zwischen diesen beiden Frauenfiguren lässt Max Koch es knistern. Da kommt von rechts doch glatt der Vorwurf an das hohe Gericht, alles sei nur Theater und Gerechtigkeit eine Kommödie.
Geschützt durch Apollon, im Rahmen der Freiheit der Kunst, kann sie so etwas machen. Wir aber wissen um das ganz oben schwebende Schwert der Strafe, und deshalb stehen wir vor Gericht auf, "Wenn´s der Wahrheitsfindung dient."
S/W-Abbildung der Decke oben aus: Egon Hessling, Decorative und monumentale Malereien, Baumgärtner's Buchandlung, Leipzig, 1902, Blatt 8.
Das zweite noch erhaltene Deckengemälde von Max Koch befindet sich ebenfalls in Leipzig, nur 15 Minuten zu Fuß entfernt, im ehemaligen Hôtel de Pologne. Es befand sich allerdings jahrelang unter Putz, war dadurch nach der Freilegung beschädigt und wurde aufwendig restauriert. Alle anderen großen Deckengemälde von Max Koch wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Insofern kommt dem Bild in Reichsgerichtsgebäude eine herausragende Stellung zu. Es ist zudem exemplarisch für das eigentliche Hauptwerk von Max Koch, für seine Dekorationen in den großen Staatsbauten, die Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in Berlin entstanden.
Die allegorische Darstellung im Reichsgericht von 1896 zeigt den Einzug Apollons mit den neun Musen in das Reich von Justizia, so zumindest eine zeitgenössische Beschreibung. Links thront zentral in den Wolken eine weibliche Gestalt, die wegen ihres Helms an Athena erinnert, wegen der blonden Haare aber auch auf die bewehrte Germania anspielt. In ihrer Rechten präsentiert sie einen geschnitzten Stab, der einen in einem Buch lesenden Mann zeigt. Dieser Stab soll als Gerichtsstab verstanden werden, als ein altes Zeichen der Gerichtsbarkeit und damit ist diese Figur nicht direkt eine Personifikation der Justitia, sondern eher eine der Gerichtsbarkeit des Deutschen Reiches, eben des Reichsgerichts. Sie wird umgeben von Figuren, die die klassischen Attribute der Gerechtigkeit präsentieren. Eine Amorette trägt das strafende Schwert, eine als Justitia zu benennende Frau mit verbundenen Augen zeigt die ausgleichende Waage. Eine weitere Frau zeigt wohl eine Trense mit Zügeln, was sie als Personifikation der Mäßigung ausweist und rechts eine Personifikation der Barmherzigkeit, mit Schriftrollen und einem Blumenzweig. Neben dem Thron kauert eine Sphinx mit Löwenkopf, die auf die Stärke des Gerichts, aber auch auf das schwierige Rätsel der Wahrheitsfindung für die Gerechtigkeit hindeutet. Unterhalb des Throns spielen Amoretten mit den Gesetzbüchern.
Das linke Drittel des Bildes beschreibt also das "Reich der Justizia" und in diesen, farblich etwas tristen Bereich, prescht nun Apollon mit seinem von vier Pferden gezogenen Streitwagen hinein, als Zentrum des Lichts und der Farben, als Gott der Schönheit und der Künste. Das Vorbild für dieses Motiv befindet sich in Würzburg und wurde von Tiepolo gemalt:
Max Koch hat die Malereien von Tiepolo in der Residenz Würzburg als junger Mann genau studiert und auch abgezeichnet. Dieser Höhepunkt der barocken Dekorationskunst muss ihn fürs Leben geprägt haben und das Bild im Reichsgericht ist eine Verbeugung vor seinem großen Meister.
Von den angekündigten neun Musen sind nur einige dargestellt. Identifizieren kann man am unteren Rand Melpomene mit Weinlaubkranz und Keule, in der rechten unteren Ecke Erato mit einem Saiteninstrument (Laute), und die eigentliche Hauptfigur am rechten Rand, Thalia, die Muse der Kommödie mit der lachenden Maske an ihrer Seite. Sie ist die eigentliche Opposition zum Gericht im linken Bereich des Bildes.
Apollon im Hintergrund spielt nur selbstverliebt auf der Leier, und sein Blick ist in höhere Sphären gerichtet. Thalia aber, die das Gericht mit ihrem Blick fixiert - und der Blick wird mit Aufmerksamkeit erwidert - führt die entscheidende Handlung des Bildes aus: Sie hält dem Gericht eine kleine Maske entgegen, wobei sie sich leicht abwendet. Zwischen diesen beiden Frauenfiguren lässt Max Koch es knistern. Da kommt von rechts doch glatt der Vorwurf an das hohe Gericht, alles sei nur Theater und Gerechtigkeit eine Kommödie.
Geschützt durch Apollon, im Rahmen der Freiheit der Kunst, kann sie so etwas machen. Wir aber wissen um das ganz oben schwebende Schwert der Strafe, und deshalb stehen wir vor Gericht auf, "Wenn´s der Wahrheitsfindung dient."
S/W-Abbildung der Decke oben aus: Egon Hessling, Decorative und monumentale Malereien, Baumgärtner's Buchandlung, Leipzig, 1902, Blatt 8.
Samstag, 22. August 2015
August Schmidt, Führer durch das Panorama des Brandes von Rom unter dem Kaiser Nero.
Illustration als beigeklebtes Faltblatt (20,8 × 87,8 cm) nach einer Zeichnung von Georg Koch aus: August Schmidt, Führer durch das Panorama des Brandes von Rom unter dem Kaiser Nero, Berlin 1890. Mit einer Illustration von G. Koch. Verlag von Emil Dominik, Verlag für Kunst und Literatur.
Die Skizze von Georg Koch gibt nur die gemalte Architektur ohne Mensch wieder. Nicht einmal Nero, der rechts einsam auf einer Terrasse stand, ist zu sehen. Die Zeichnung ist nicht signiert. Der Hinweis auf G. Koch befindet sich lediglich auf dem Umschlag des Führers und nicht auf dem Titelblatt.
Inhalts-Übersicht
Einleitung (S. 5-9)
Beschreibung der Aussenseite des Panoramagebäudes (S. 9-13)
Das Panorama (S. 13-14)
Rom zur Zeit des Kaisers Nero (S. 14-16)
Lucius Domitius Nero (S. 16-18)
Geschichtliche Darstellung des Brandes von Rom (S. 19-21)
Beschreibung des Rundbildes (S. 21-24)
Die beiden ersten Kapitel, so schreibt August Schmidt selbst auf S. 13 (Anmerkung): "lehnen sich ganz und zum Theil mit wörtlicher Aneignung an die vorjährigen "Führer durch das Pergamon-Panorama u. s. w." von den Herren Dr. Ernst Fabricius und Ludwig Pietsch verfassten Abhandlungen über die Idee und die äussere Gestalt des Panoramagebäudes an." Der vollständige Text der beiden Kapitel von Schmidt, die sich direkt auf das Panorama-Gemälde von Max und Georg Koch beziehen, folgt hier:
Das Panorama.
Durch Seitengänge zwischen der Wand der Vorhalle und der Cellawand gelangt man in die dunkeln in gleicher Ebene fortlautenden Gänge, welche in den hellen Raum ausmünden, wo sich im gewaltigen Halbrunde das Kolossalbild des Brandes von Rom unter dem Kaiser Nero den Blicken darbietet. Die ausführenden Künstler Max und Georg Koch waren bestrebt gewesen, mit gewissenhafter Benutzung der Forschungen von Bunsen und Canina und nach Studien, die sie an Ort und Stelle anstellten, ein Bild des alten Rom zur Zeit des Kaisers Nero hervorzuzaubern, welches malerische Wirkung mit archäologischer Genauigkeit nach Möglichkeit zu verbinden suchte, und nach den Schilderungen gleichzeitiger Schriftsteller, namentlich des Tacitus, den Brand der Stadt mit historischer Treue zur Anschauung zu bringen, ohne der Freiheit künstlerischer Behandlung und der schöpferischen Thätigkeit der Fantasie, insbesondere an den Stellen, wo uns die Ueberlieferung im Stiche lässt, ihr gutes Recht zu verkümmern. Den genannten Künstlern standen die Maler Wilhelm Herwarth, Geza Mirkowsky und Richard Hellgrewe bei der Ausführung des Werkes mit ihrem bewährten Talente zur Seite, und auch der Landschafts- und Architecturmaler Colmar Schmidt und der Baumeister Otto Schulze haben namentlich bei der Construction der Gebäude durch thätige Mitwirkung Beihilfe geleistet. In überraschender Weise ist den vereinten Bemühungen der Künstler das Werk gelungen. Das Abbild Roms aus dem ersten Jahrhundert der Kaiserzeit breitet sich in der vollen Pracht seiner entschwundenen Herrlichkeit auf der Leinewand des Halbpanoramas vor unseren Augen aus.
Beschreibung des Rundbildes.
Das Panorama schildert das Schauspiel des Brandes von Rom in dem Theil der Stadt, welcher sich zwischen dem Forum Romanum, dem Capitol, dem Palatin und dem Tiberfluss ausdehnt. Der Standpunkt des Beschauers ist auf der Höhe der Galerie an der Nordseite des Circus maximus angenommen. Der Tag nach der Unglücksnacht, in welcher die Feuersbrunst auskam, ist hell angebrochen. Das kühle Licht der Morgenfrühe beleuchtet die Strassen, Häuser und die durch die Nachricht des Brandes aufgeschreckte Bevölkerung Roms. Rechts erhebt sich in Terrassen der palatinische Berg mit den Kaiserpalästen, der von dem Brande noch nicht berührt ist. Eine breite, mit Sphinxen geschmückte Freitreppe, auf welcher gefangene Christen emporgeschleppt werden, führt zu dem Vorhofe eines gewölbten Thores, das zwei mit Erzstandbildern gekrönte Säulen trägt. Links von dem Hofraum in einer luftigen von Karyatiden getragenen Halle, die von dem Palaste des Kaisers bis an den Abhang des Berges herantritt, ist eine schaubegierige Menge von Hofbeamten und Dienern versammelt. Kaiser Nero steht auf dem flachen Dache der Halle, die Arme auf die Balustrade derselben stützend und blickt auf die Feuersbrunst, welche unter ihm im Thale des sogenannten Velabrum und auf dem Forum Boarium wüthet. Rechts von dem Palaste des Kaisers auf hoher Terrasse steht, zum Theil in Reih und Glied geordnet, eine Abtheilung von Prätorianern, ebenfalls nach dem Brand ausspähend. Eine von Menschen belebte Treppe führt zu dem vom Kaiser Augustus erbauten Apollotempel und der Bibliothek empor. Ueberall auf dem Palatin fesselt eine grandiose Prachtarchitektur den Blick des Beschauers. Ragende Palastzinnen, Tempel in allen Gestalten, viereckige Thürme, über die Dächer emporsteigend, Obelisken und die Wipfel von Pinien und Cypressen aus lachenden Gärten sich zwischen den Bauwerken erhebend, begrenzen auf dem Palatin rechts den Hintergrund des Bildes. Die Höfe und Hallen, Treppen und Terrassen sind von lebhaft bewegten Menschengruppen erfüllt. In einer offen mit Rosen bekränzten Säulenhalle rechts scheint ein Trinkgelage abgehalten zu werden. Sklaven mischen den Wein, andere tragen Weinkrüge fort, und wieder andere treiben verliebten Scherz mit üppigen, halbnackten Frauengestalten.
Am Fusse des Palatin führt eine Strasse, die jetzt via di S. Teodoro heisst, zwischen Gärten und halb eingestürzten Häusern, halb rechts in die Tiefe des Bildes gehend, nach dem Forum Romanum, dessen Prachtgebäude, Säulen und Statuen von einem lodernden Feuermeer umhüllt sind. Dichtes Rauchgewölk, in welchen ein den Flammen entsprühender Funkenregen blitzt, ist über dem Forum gelagert, auf dem während der Zeit der Republik die Volksversammlungen abgehalten und die wichtigsten Beschlüsse gefasst wurden. Deutlich zeigt sich hinter der sogenannten Curia Julia am Ende der Häuserflucht auf der rechten Seite der Strasse bei ihrer Einmündung in das Forum der Tempel des Castor und Pollux, dessen Erbauung wahrscheinlich in die Zeiten der Kaiser Tiberius und Caligula fällt. Dem Tempel gegenüber auf der linken Seite der Strassenausmündung erhebt sich die Basilica Julia, die mit marmornen Bildwerken geschmückte Bogenreihe ihrer hinteren Frontseite dem Beschauer zuwendend.
In der Strasse sind Schaarwächter mit dem Löschen und Abreissen brennender Gebäude beschäftigt. Todte bedecken den Boden. Unweit des Palatin neben einer wohl erhaltenen, von Palmen und Cypressen überragten Gartenanlage, erhebt sich ein zierlicher, von Säulen umkränzter Rundtempel.
Links von dem Forum Romanum in dem mittleren Theile des Rundbildes ragt das Capitol empor, welches steil ansteigend von der Seite des tarpejischen Felsens erblickt wird. Eine schmale Treppe steigt an steilem Mauerwerk zu der Höhe des Capitols empor, wo sich der prachtvolle Tempel des kapitolinischen Jupiter erhebt, dessen mit vergoldeten Bildwerken geschmücktes Giebelfeld und dorische Säulenhalle von dem Wiederschein der brennenden Gebäude des Forums roth beleuchtet ist. In der weiten Halle des Tempels wurde das Volk bei Triumphen gespeist. Eherne Rossegespanne schmücken das Dach derselben. In den bürgerlichen Unruhen war der alte von den Tarquiniern erbaute Tempel in Flammen aufgegangen und derselbe darauf von Sulla in seiner früheren Gestalt und in genauer Nachahmung des alten Heiligthums prachtvoller und aus kostbarem Material wieder erbaut worden. Rechts von den Tempeln und Hallen des mauerumgürteten Capitols, das durch einen schmalen Sattel mit dem Burgberge verbunden ist, werden die Gebäude der Burg sichtbar.
Am Nordwestende des Forums erhebt sich der Tempel des Saturnus, hinter welchem am Bergeshange mit massiven Bogenhallen aufsteigend das Schatzhaus und Staatsarchiv (aerarium et tabellarium) emporstrebt.
Zwischen dem Capitol und dem Tiberufer, im Hintergrunde das Marsfeld verdeckend, ragt das Prachtgebäude des theatrum Marcelli empor, das dem Kaiser August seinen Ursprung verdankt. Lings davon weiter hinter und näher dem Tiberufer wird das theatrum Balbi sichtbar.
In dem Mittel- und Vordergrunde des Bildes, die Thalniederung ausfüllend, welche vom Capitol, dem Palatin und dem Tiber eingeschlossen wird, breitet sich die von einem Gewirr von engen Strassen und Gassen durchkreuzte Häusermasse des sogenannten Velabrum und Forum Boarium aus. Auch in diesem Theile der Stadt, der vorzugsweise von kleineren Leuten bewohnt wird, wüthet der verheerende Brand. Offene Markthallen, die mit schönen Bogenstellungen breite Höfe umfassen, stattliche Börsengebäude, die gigantischen Häuserquadrate von Fabriken und Miethskasernen, noch überragt von den gewaltigen Resten der alten Mauer des Servius Tullius, stehen gedrängt zwischen niedrigen Privathäusern, Verkaufsgewölben, Werkstätten, Gastwirthschaften und Schenken, dem Beschauer eine lebendige Anschauung von dem Aussehen der alten Stadttheile in Rom gewährend. Kleine, schmucke Gärtchen leuchten mit smaragdgrünem Schmelze zwischen den Steinmauern der Häuser hervor. Die Strassen sind von fliehenden Volksgruppen erfüllt; einige erheben die Hände betend zu den Heiligthümern der Götter, andere blicken ängstlich von den flachen Dächern und aus den Thüren der Häuser nach der Brandstätte. Aus der Gartenthür einer Weinwirthschaft im Vordergrunde des Bildes schaut ein Gast erschrocken auf die Strasse hinaus. Links davon auf dem flachen Dache eines Hauses scheint sich eine Gesellschaft soeben von einem Gelage erhoben zu haben. Heerden von Vieh flüchten durch die Thore und Strassen.
Auch die breite Uferstrasse am Tiber, welche der Krümmung des Flusses folgend, sich im Vordergrunde bis zum Tempel der Fortuna virilis (jetzt S. Maria Egiziaca) und dem Rundtempel des Hercules victor, unweit des Hafenmarktes (emporium) erstreckt, ist mit einer hastig durcheinander eilenden Volksmenge bedeckt. Auf der Tiberinsel erhebt sich mit Tempeln, Prachtgebäuden, Obelisken und Statuen das Heiligthum des Aeskulap. Die Brücken, welche zur Tiberinsel führen, sind von Fuhrwerken, Reitern und Fussgängern belebt. Barken und Nachen durchschneiden den Spiegel des Stromes. Ueber die stattliche Aemiliusbrücke, welche südlich von der Tiberinsel, das linke mit dem rechten Tiberufer verbindend, ihre Quaderbögen über das gelblich-trübe Wasser des Flusses wölbt, eilt ein Gewühl von Flüchtigen nach dem von dem Brande noch unberührten Stadttheile am rechten Ufer, das ebenfalls von einer hastig bewegten Menschenmenge belebt ist. Zwischen dem Strom und dem mit lachendem Grün bekleideten Höhenzuge des mons Janiculus dehnt sich der Stadttheil aus, welcher damals Transtiberina genannt wurde und jetzt Trastevere heisst. Der blaue Himmel eines heiteren Junimorgens, durch das düstere Rauchgewölk hervorschimmernd, das den Brandstätten entsteigt, wölbt sich über der bei ihrem Untergange noch schönen Stadt.
Die Skizze von Georg Koch gibt nur die gemalte Architektur ohne Mensch wieder. Nicht einmal Nero, der rechts einsam auf einer Terrasse stand, ist zu sehen. Die Zeichnung ist nicht signiert. Der Hinweis auf G. Koch befindet sich lediglich auf dem Umschlag des Führers und nicht auf dem Titelblatt.
Inhalts-Übersicht
Einleitung (S. 5-9)
Beschreibung der Aussenseite des Panoramagebäudes (S. 9-13)
Das Panorama (S. 13-14)
Rom zur Zeit des Kaisers Nero (S. 14-16)
Lucius Domitius Nero (S. 16-18)
Geschichtliche Darstellung des Brandes von Rom (S. 19-21)
Beschreibung des Rundbildes (S. 21-24)
Die beiden ersten Kapitel, so schreibt August Schmidt selbst auf S. 13 (Anmerkung): "lehnen sich ganz und zum Theil mit wörtlicher Aneignung an die vorjährigen "Führer durch das Pergamon-Panorama u. s. w." von den Herren Dr. Ernst Fabricius und Ludwig Pietsch verfassten Abhandlungen über die Idee und die äussere Gestalt des Panoramagebäudes an." Der vollständige Text der beiden Kapitel von Schmidt, die sich direkt auf das Panorama-Gemälde von Max und Georg Koch beziehen, folgt hier:
Das Panorama.
Durch Seitengänge zwischen der Wand der Vorhalle und der Cellawand gelangt man in die dunkeln in gleicher Ebene fortlautenden Gänge, welche in den hellen Raum ausmünden, wo sich im gewaltigen Halbrunde das Kolossalbild des Brandes von Rom unter dem Kaiser Nero den Blicken darbietet. Die ausführenden Künstler Max und Georg Koch waren bestrebt gewesen, mit gewissenhafter Benutzung der Forschungen von Bunsen und Canina und nach Studien, die sie an Ort und Stelle anstellten, ein Bild des alten Rom zur Zeit des Kaisers Nero hervorzuzaubern, welches malerische Wirkung mit archäologischer Genauigkeit nach Möglichkeit zu verbinden suchte, und nach den Schilderungen gleichzeitiger Schriftsteller, namentlich des Tacitus, den Brand der Stadt mit historischer Treue zur Anschauung zu bringen, ohne der Freiheit künstlerischer Behandlung und der schöpferischen Thätigkeit der Fantasie, insbesondere an den Stellen, wo uns die Ueberlieferung im Stiche lässt, ihr gutes Recht zu verkümmern. Den genannten Künstlern standen die Maler Wilhelm Herwarth, Geza Mirkowsky und Richard Hellgrewe bei der Ausführung des Werkes mit ihrem bewährten Talente zur Seite, und auch der Landschafts- und Architecturmaler Colmar Schmidt und der Baumeister Otto Schulze haben namentlich bei der Construction der Gebäude durch thätige Mitwirkung Beihilfe geleistet. In überraschender Weise ist den vereinten Bemühungen der Künstler das Werk gelungen. Das Abbild Roms aus dem ersten Jahrhundert der Kaiserzeit breitet sich in der vollen Pracht seiner entschwundenen Herrlichkeit auf der Leinewand des Halbpanoramas vor unseren Augen aus.
Beschreibung des Rundbildes.
Das Panorama schildert das Schauspiel des Brandes von Rom in dem Theil der Stadt, welcher sich zwischen dem Forum Romanum, dem Capitol, dem Palatin und dem Tiberfluss ausdehnt. Der Standpunkt des Beschauers ist auf der Höhe der Galerie an der Nordseite des Circus maximus angenommen. Der Tag nach der Unglücksnacht, in welcher die Feuersbrunst auskam, ist hell angebrochen. Das kühle Licht der Morgenfrühe beleuchtet die Strassen, Häuser und die durch die Nachricht des Brandes aufgeschreckte Bevölkerung Roms. Rechts erhebt sich in Terrassen der palatinische Berg mit den Kaiserpalästen, der von dem Brande noch nicht berührt ist. Eine breite, mit Sphinxen geschmückte Freitreppe, auf welcher gefangene Christen emporgeschleppt werden, führt zu dem Vorhofe eines gewölbten Thores, das zwei mit Erzstandbildern gekrönte Säulen trägt. Links von dem Hofraum in einer luftigen von Karyatiden getragenen Halle, die von dem Palaste des Kaisers bis an den Abhang des Berges herantritt, ist eine schaubegierige Menge von Hofbeamten und Dienern versammelt. Kaiser Nero steht auf dem flachen Dache der Halle, die Arme auf die Balustrade derselben stützend und blickt auf die Feuersbrunst, welche unter ihm im Thale des sogenannten Velabrum und auf dem Forum Boarium wüthet. Rechts von dem Palaste des Kaisers auf hoher Terrasse steht, zum Theil in Reih und Glied geordnet, eine Abtheilung von Prätorianern, ebenfalls nach dem Brand ausspähend. Eine von Menschen belebte Treppe führt zu dem vom Kaiser Augustus erbauten Apollotempel und der Bibliothek empor. Ueberall auf dem Palatin fesselt eine grandiose Prachtarchitektur den Blick des Beschauers. Ragende Palastzinnen, Tempel in allen Gestalten, viereckige Thürme, über die Dächer emporsteigend, Obelisken und die Wipfel von Pinien und Cypressen aus lachenden Gärten sich zwischen den Bauwerken erhebend, begrenzen auf dem Palatin rechts den Hintergrund des Bildes. Die Höfe und Hallen, Treppen und Terrassen sind von lebhaft bewegten Menschengruppen erfüllt. In einer offen mit Rosen bekränzten Säulenhalle rechts scheint ein Trinkgelage abgehalten zu werden. Sklaven mischen den Wein, andere tragen Weinkrüge fort, und wieder andere treiben verliebten Scherz mit üppigen, halbnackten Frauengestalten.
Am Fusse des Palatin führt eine Strasse, die jetzt via di S. Teodoro heisst, zwischen Gärten und halb eingestürzten Häusern, halb rechts in die Tiefe des Bildes gehend, nach dem Forum Romanum, dessen Prachtgebäude, Säulen und Statuen von einem lodernden Feuermeer umhüllt sind. Dichtes Rauchgewölk, in welchen ein den Flammen entsprühender Funkenregen blitzt, ist über dem Forum gelagert, auf dem während der Zeit der Republik die Volksversammlungen abgehalten und die wichtigsten Beschlüsse gefasst wurden. Deutlich zeigt sich hinter der sogenannten Curia Julia am Ende der Häuserflucht auf der rechten Seite der Strasse bei ihrer Einmündung in das Forum der Tempel des Castor und Pollux, dessen Erbauung wahrscheinlich in die Zeiten der Kaiser Tiberius und Caligula fällt. Dem Tempel gegenüber auf der linken Seite der Strassenausmündung erhebt sich die Basilica Julia, die mit marmornen Bildwerken geschmückte Bogenreihe ihrer hinteren Frontseite dem Beschauer zuwendend.
In der Strasse sind Schaarwächter mit dem Löschen und Abreissen brennender Gebäude beschäftigt. Todte bedecken den Boden. Unweit des Palatin neben einer wohl erhaltenen, von Palmen und Cypressen überragten Gartenanlage, erhebt sich ein zierlicher, von Säulen umkränzter Rundtempel.
Links von dem Forum Romanum in dem mittleren Theile des Rundbildes ragt das Capitol empor, welches steil ansteigend von der Seite des tarpejischen Felsens erblickt wird. Eine schmale Treppe steigt an steilem Mauerwerk zu der Höhe des Capitols empor, wo sich der prachtvolle Tempel des kapitolinischen Jupiter erhebt, dessen mit vergoldeten Bildwerken geschmücktes Giebelfeld und dorische Säulenhalle von dem Wiederschein der brennenden Gebäude des Forums roth beleuchtet ist. In der weiten Halle des Tempels wurde das Volk bei Triumphen gespeist. Eherne Rossegespanne schmücken das Dach derselben. In den bürgerlichen Unruhen war der alte von den Tarquiniern erbaute Tempel in Flammen aufgegangen und derselbe darauf von Sulla in seiner früheren Gestalt und in genauer Nachahmung des alten Heiligthums prachtvoller und aus kostbarem Material wieder erbaut worden. Rechts von den Tempeln und Hallen des mauerumgürteten Capitols, das durch einen schmalen Sattel mit dem Burgberge verbunden ist, werden die Gebäude der Burg sichtbar.
Am Nordwestende des Forums erhebt sich der Tempel des Saturnus, hinter welchem am Bergeshange mit massiven Bogenhallen aufsteigend das Schatzhaus und Staatsarchiv (aerarium et tabellarium) emporstrebt.
Zwischen dem Capitol und dem Tiberufer, im Hintergrunde das Marsfeld verdeckend, ragt das Prachtgebäude des theatrum Marcelli empor, das dem Kaiser August seinen Ursprung verdankt. Lings davon weiter hinter und näher dem Tiberufer wird das theatrum Balbi sichtbar.
In dem Mittel- und Vordergrunde des Bildes, die Thalniederung ausfüllend, welche vom Capitol, dem Palatin und dem Tiber eingeschlossen wird, breitet sich die von einem Gewirr von engen Strassen und Gassen durchkreuzte Häusermasse des sogenannten Velabrum und Forum Boarium aus. Auch in diesem Theile der Stadt, der vorzugsweise von kleineren Leuten bewohnt wird, wüthet der verheerende Brand. Offene Markthallen, die mit schönen Bogenstellungen breite Höfe umfassen, stattliche Börsengebäude, die gigantischen Häuserquadrate von Fabriken und Miethskasernen, noch überragt von den gewaltigen Resten der alten Mauer des Servius Tullius, stehen gedrängt zwischen niedrigen Privathäusern, Verkaufsgewölben, Werkstätten, Gastwirthschaften und Schenken, dem Beschauer eine lebendige Anschauung von dem Aussehen der alten Stadttheile in Rom gewährend. Kleine, schmucke Gärtchen leuchten mit smaragdgrünem Schmelze zwischen den Steinmauern der Häuser hervor. Die Strassen sind von fliehenden Volksgruppen erfüllt; einige erheben die Hände betend zu den Heiligthümern der Götter, andere blicken ängstlich von den flachen Dächern und aus den Thüren der Häuser nach der Brandstätte. Aus der Gartenthür einer Weinwirthschaft im Vordergrunde des Bildes schaut ein Gast erschrocken auf die Strasse hinaus. Links davon auf dem flachen Dache eines Hauses scheint sich eine Gesellschaft soeben von einem Gelage erhoben zu haben. Heerden von Vieh flüchten durch die Thore und Strassen.
Auch die breite Uferstrasse am Tiber, welche der Krümmung des Flusses folgend, sich im Vordergrunde bis zum Tempel der Fortuna virilis (jetzt S. Maria Egiziaca) und dem Rundtempel des Hercules victor, unweit des Hafenmarktes (emporium) erstreckt, ist mit einer hastig durcheinander eilenden Volksmenge bedeckt. Auf der Tiberinsel erhebt sich mit Tempeln, Prachtgebäuden, Obelisken und Statuen das Heiligthum des Aeskulap. Die Brücken, welche zur Tiberinsel führen, sind von Fuhrwerken, Reitern und Fussgängern belebt. Barken und Nachen durchschneiden den Spiegel des Stromes. Ueber die stattliche Aemiliusbrücke, welche südlich von der Tiberinsel, das linke mit dem rechten Tiberufer verbindend, ihre Quaderbögen über das gelblich-trübe Wasser des Flusses wölbt, eilt ein Gewühl von Flüchtigen nach dem von dem Brande noch unberührten Stadttheile am rechten Ufer, das ebenfalls von einer hastig bewegten Menschenmenge belebt ist. Zwischen dem Strom und dem mit lachendem Grün bekleideten Höhenzuge des mons Janiculus dehnt sich der Stadttheil aus, welcher damals Transtiberina genannt wurde und jetzt Trastevere heisst. Der blaue Himmel eines heiteren Junimorgens, durch das düstere Rauchgewölk hervorschimmernd, das den Brandstätten entsteigt, wölbt sich über der bei ihrem Untergange noch schönen Stadt.
Postkarte - Der Schnitter
Der Schnitter, Postkarte, Moderner Kunst-Verlag GmbH Berlin (MKB 2033), zwischen 1913
und 1917. Farbiger Rasterdruck und Buchdruck. Reproduktion eines
Gemäldes von 1913. Privatsammlung Berlin. Der Verbleib des
Originals ist unbekannt.
Max Koch hat ein Gemälde mit dem Titel "Schnitter" 1905 bei der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt (23.4.-17.09.1905). Hierzu: Officieller Katalog der Großen Berliner Kunst-Ausstellung, Berlin, Union Deutsche Verlags-Gesellschaft, 1905, Kat. Nr. 619, Schnitter, S. 39.
Max Koch hat ein Gemälde mit dem Titel "Schnitter" 1905 bei der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt (23.4.-17.09.1905). Hierzu: Officieller Katalog der Großen Berliner Kunst-Ausstellung, Berlin, Union Deutsche Verlags-Gesellschaft, 1905, Kat. Nr. 619, Schnitter, S. 39.
Entwurfszeichnung - Trinkspruch für Pschorr Berlin 2
Entwurfszeichnung für eine Wandmalerei in der Gaststätte der Pschorr
Brauerei in Berlin. Der Trinkspruch lautet: "Trink nicht in Hast als seis ein Spiel / der Weise schiest nicht übers Ziel / er trinkt bedächtig aber - viel!" Verbleib unbekannt.
Entwurfszeichnung - Trinkspruch für Pschorr Berlin 1
Entwurfszeichnung für eine Wandmalerei in der Gaststätte der Pschorr Brauerei in Berlin. Der Trinkspruch lautet: "Wenn Küch und Keller hamoniert / Wird nie der Magen ruiniert." Verbleib unbekannt.
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