Materialien zum Leben und Werk von Prof. Max Koch, eines über Berlin und Potsdam hinaus bedeutenden Künstlers und Kunstlehrers.
Mittwoch, 24. Februar 2016
Skizze für die Kegelbahn im Seglerhaus am Wannsee
Skizze für Wannsee Kegelbahn, Entwurfszeichnung, 1899, am unteren Rand bezeichnet, signiert und datiert. Abgebildet in: Berliner Architekturwelt, 3. Jg., 1901, Heft 4, S. 134. Bildunterschrift: "Abbildung 202. Dekoration für die Klubkegelbahn im Seglerhause am Wannsee. Von Max Koch. Maler in Potsdam."
Der Verbleib der Zeichnung ist unbekannt. Das Wandgemälde selbst wurde wohl in der alten Kegelbahn, die ab 1891 an der südlichen Grundstücksseite (Am Großen Wannsee 22-26) gelegen war, von Max Koch ausgeführt. Das Gebäude der Kegelbahn wurde später an die nördliche Seite versetzt und brannte 1931 zum Teil ab. Heute scheint von der Wandmalerei nichts mehr vorhanden zu sein.
Die Abbildung in der Berliner Architekturwelt ist daher bisher der einzige Hinweis auf diese wunderbare, sehr humorvolle Zeichnung, die auch von Walt Disney sein könnte. In seinem Film Das Dschungelbuch von 1967 gibt es den Affenkönig King Louis, der hier gerade elegant gekegelt zu haben scheint. Die übrige Affenhorde feixt auf der Balustrade und erwartet den Effekt. Links beginnt die Erzählung im Panoramaformat mit einem weisen Marabu mit Brille, der unbewegt, still und in sich ruhend das Geschehen beobachtet. Ein Biber sitzt auf seinem Schwanz und leckt sich uninteressiert das Fell. Dann, als eigentliche Hauptfigur, ein Orang-Utan, der noch weiterhin, während des Laufs der Kugel, in seiner tänzerischen Abwurfhaltung verharrt. Eine Schnecke kriecht, und eine Maus rennt entlang der Bahn der Kugel hinterher. Damit wird die Zeichnung entsprechend ihres Format tatsächlich zu einer zeitlichen, fast filmischen Erzählung, die noch nicht ganz zu Ende ist. Denn Hase und Igel, die immer schon da sind, und ein Frosch, der die Plötzlichkeit als Zeitform einbringt, erwarten bei den Kegeln die rollende Kugel, und erst im nächsten Moment, wenn die Kegel fallen, wird die Szene vorbei sein.
Im Kleinen, und mit unbeschwerter Leichtigkeit, präsentiert Max Koch mit dieser Skizze sein Können im Umgang mit großen Formaten. Auch seine großen Panoramen erschließen sich einfach wegen der Größe nicht auf einen Blick. Man muss sie nach und nach lesen, und Max Koch übernimmt für die notwendige Abfolge die Regie, indem er z.B. beim Pergamon-Panorama den Betrachter mit einer Prozession langsam durch das Bild hindurch führt. Entsprechend ist dieser tierische Kurzfilm gedacht.
Literaturhinweis: Rolf Bähr, Kunst am und im Seglerhaus, ohne Verlag (Verein Seglerhaus am Wannsee) , Berlin 2014.
Montag, 22. Februar 2016
Haus des Vereins der Berliner Künstler - Ritter Georg
Ritter Georg im Kampf mit dem dreiköpfigen Drachen, Wandgemälde über der Bühne im Haus des Vereins der Berliner Künstler (Berliner Künstlerhaus), 1898. Die Abb. zeigt eine Nachzeichnung des Wandgemäldes, von dem bisher keine gute Fotografie bekannt ist, aus der Deutschen Bauzeitung. Dort ist die Zeichnung als Titelbild eingesetzt.
Die Bühnenwand im Festsaal des Berliner Künstlerhauses. Im Halbkreis über der Bühne, auf dem Foto kaum zu erkennen, der Ritter Georg im Kampf mit dem dreiköpfigen Drachen. Abb. aus: Berliner Architekturwelt, 2. Jg., 1900, Heft 7, Abb. 323, S. 241.
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Haus des Vereins der Berliner Künstler - Pressespiegel
„Ein eleganter Vorraum führt im Obergeschoss zum Festsaal, aus welchem unsere Bildbeilage eine Gesammtansicht der Rückwand und eine Theilansicht der Bühnenwand brachte. (...) Die Programmbestimmung, dass auch die Festräume und das Treppenhaus für Ausstellungszwecke brauchbar sein mussten, lies eine nur bescheidene, zurückhaltende dekorative Ausstattung dieser Räume, insbesondere auch hinsichtlich des malerischen Schmuckes zu. So kamen durch Prof. Max Koch nur zwei grössere Darstellungen des Saales zur Ausführung: eine Darstellung in der Bogenöffnung der Bühne, die wir am Kopf unserer Nummer wiedergeben, und ein grösseres Wandgemälde an der Rückseite des Saales, welches auf unserer Saalansicht angedeutet ist.
In dem Halbrund über der Bühnenöffnung ist der spätgriechisch siegbringende Ritter des Mythos St. Georg in nordisch-germanischer Umbildung und mit romanisirenden Stilanklängen als siegreicher Zerstörer der das Gelingen des Werkes bedrohenden Zwietracht dargestellt. Das zweite Werk des Künstlers ist das grosse, kleblattförmig begrenzte Gemälde der Rückwand mit einem frei behandelten Motiv aus der nordischen Mythologie. Der nordische Apoll Baldur steigt in einer Lichtwolke, die von dem strahlenden Sonnenaufgang beleuchtet wird, zur Erde nieder, den Erdenwesen Kunst und Dichtung, Licht und Feuer bringend. Die Phantasiegestalten der reichen Märchenwelt sind zur Bevölkerung des lichtdurchflutheten Aethers und der gross gedachten Waldlandschaft aufgeboten.“
H., „Das Haus des Vereins Berliner Künstler, Bellevuestrasse 3“, in: Deutsche Bauzeitung, 32. Jg., Nr. 95, 26. November 1898, S.609-611, Fortsetzung in Nr. 97, 3. Dezember 1898, S. 621-623, Zitat auf S. 622.
„Die eine Schmalwand nimmt eine richtige, praktikable Bühne mit Schnürboden ein, über dem Vorhang ein stilisierter Ritter Georg; an der anderen Schmalwand ist eine breite Galerie weit in den Saal vorgebaut. Ueber ihr prangt ein großes Bild von Max Koch: „Baldur erscheint auf der Erde.“ Ein schöner Jüngling, von den Strahlen der aufgehenden Sonne umloht, steigt über den Nebeln empor, und die verschlafenen Menschen schauen ihm staunend entgegen.“
Gustav Klitscher, „Ein Kostümfest des Vereins Berliner Künstler“, in: Die Gartenlaube, 1899, Nr. 6,
S. 92-95, Zitat auf S. 95.
In dem Halbrund über der Bühnenöffnung ist der spätgriechisch siegbringende Ritter des Mythos St. Georg in nordisch-germanischer Umbildung und mit romanisirenden Stilanklängen als siegreicher Zerstörer der das Gelingen des Werkes bedrohenden Zwietracht dargestellt. Das zweite Werk des Künstlers ist das grosse, kleblattförmig begrenzte Gemälde der Rückwand mit einem frei behandelten Motiv aus der nordischen Mythologie. Der nordische Apoll Baldur steigt in einer Lichtwolke, die von dem strahlenden Sonnenaufgang beleuchtet wird, zur Erde nieder, den Erdenwesen Kunst und Dichtung, Licht und Feuer bringend. Die Phantasiegestalten der reichen Märchenwelt sind zur Bevölkerung des lichtdurchflutheten Aethers und der gross gedachten Waldlandschaft aufgeboten.“
H., „Das Haus des Vereins Berliner Künstler, Bellevuestrasse 3“, in: Deutsche Bauzeitung, 32. Jg., Nr. 95, 26. November 1898, S.609-611, Fortsetzung in Nr. 97, 3. Dezember 1898, S. 621-623, Zitat auf S. 622.
„Die eine Schmalwand nimmt eine richtige, praktikable Bühne mit Schnürboden ein, über dem Vorhang ein stilisierter Ritter Georg; an der anderen Schmalwand ist eine breite Galerie weit in den Saal vorgebaut. Ueber ihr prangt ein großes Bild von Max Koch: „Baldur erscheint auf der Erde.“ Ein schöner Jüngling, von den Strahlen der aufgehenden Sonne umloht, steigt über den Nebeln empor, und die verschlafenen Menschen schauen ihm staunend entgegen.“
Gustav Klitscher, „Ein Kostümfest des Vereins Berliner Künstler“, in: Die Gartenlaube, 1899, Nr. 6,
S. 92-95, Zitat auf S. 95.
Haus des Vereins der Berliner Künstler - Baldur
Der Sonnengott Baldur, Wandbild hinter der Empore im Festsaal des Hauses des Vereins der Berliner Künster (Berliner Künstlerhaus), 1898. Abb. aus: Deutsche Bauzeitung, 32. Jg., Nr. 95, Berlin, 26. November 1898, nach S. 609: "Das Neuer Künstlerhaus zu Berlin, Ansicht aus dem grossen Festsaale."
Abb. aus: Berliner Architekturwelt, 2. Jg.,1900, Heft 7, Abb. 324, S. 242.
Abb. aus: Berliner Architekturwelt, 2. Jg.,1900, Heft 7, Abb. 324, S. 242.
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zerstört
Dienstag, 22. Dezember 2015
Heilig-Geist-Kirche in Potsdam
Heilig-Geist-Kirche in Potsdam, 1917, Öl auf Malplatte, 35,0 × 50,5 cm, rechts unten signiert und datiert "Max Koch 17", Privatbesitz Marloffstein. Das Bild stammt aus dem Nachlass von Max Koch und wurde von dessen Witwe 1940 verschenkt. Seit dem im jetzigen Privatbesitz.
Das Bild zeigt die Heilig-Geist-Kirche von Süden aus gesehen, von einem Standpunkt auf der Havel, südlich der Freundschaftsinsel, deren östliches Ende man vor der Kirche sieht. Die Färbung der Blätter deutet auf den Spätsommer oder den Frühherbst hin.
Das Bild zeigt die Heilig-Geist-Kirche von Süden aus gesehen, von einem Standpunkt auf der Havel, südlich der Freundschaftsinsel, deren östliches Ende man vor der Kirche sieht. Die Färbung der Blätter deutet auf den Spätsommer oder den Frühherbst hin.
Sonntag, 20. Dezember 2015
Theater am Schiffbauerdamm - Vorhang
Der Sieg des Idealen über das Reale, 1892, Vorhang, Neues Theater am Schiffbauerdamm.
Der Verbleib des Vorhangs ist unbekannt.
Über den Künstler, der den ersten Vorhang für das Neue Theater am Schiffbauerdamm gemalt hat, gibt es in der zeitgenössischen Literatur sich widersprechende Aussagen. Am 20. Januar 1894 berichtete das Zentralblatt der Bauverwaltung in einem Artikel über "Das Neue Theater in Berlin" (14. Jg., Nr. 3, S. 21-24), dass der Vorhang von Woldemar Friedrich (1846-1910) gemalt worden sein: "Bei dieser künstlerischen Ausgestaltung seines Werkes haben dem Architekten hervorragende Kräfte zur Seite gestanden. So wird der Meisterhand Woldemar Friedrichs der Hauptvorhang verdankt. Professor Max Koch schuf mit seinen Schülern die Decken- und Gobelin-Malereien des Erfrischungssaales, Günther-Naumburg malte das Dioramenbild in diesem Raum, eine Darstellung der klassischen Theaterruinen von Taormina, und der bewährten Hand Ernst Westphals waren die gesamten decorativen Bildhauerarbeiten anvertraut, von der Nischenfigur über dem Haupteingange abgesehen, die vom Bildhauer Paul Peterich modellirt worden ist." (Zitat S. 24). Diese Zuschreibungen wurden mehrfach zitiert und als glaubwürdig angesehen.
Andererseits berichtete die Kunstchronik, Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe bereits im Dezember 1892 wesentlich detailierter wie folgt: „Der Vorhang ist von Professor Max Koch gemalt. Der Inhalt der Darstellung ist der Sieg des Idealen über das Reale. Ein Jüngling, der sein Ross hinter sich führt und von allerlei Gestalten gefolgt wird, steht am Rande eines Gewässers, aus dem Nixen auftauchen und ihn durch dargereichtes Geschmeide und Waffen zu verlocken suchen. Er beachtet aber weder ihre schönen Gestalten, noch die Schätze, die sie ihm bieten. Sein Blick ist aufwärts gerichtet nach einer Idealgestalt, die in den Wolken schwebt und ihm den Kranz entgegenstreckt." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107, Zitat S. 107. Die Kunstchronik bezieht sich in ihrer Beschreibung auf einen Artikel in der Berliner "Post", den sie zitiert.
Dieser Zuschreibung ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt geworden, was verblüfft, denn angesichts des Bildes spricht stilistisch nichts für Woldemar Friedrich, aber alles für Max Koch. Zudem hatte der Architekt des Theaters Heinrich Seeling (1852-1932) zuvor die Stadttheater in Halle an der Saale und Bromberg gebaut und auch dort hat Max Koch die Vorhänge gemalt. Es gab also eine bereits etablierte Beziehung zwischen Koch und Seeling und da Max Koch mit Sicherheit das Foyer im Neuen Theater dekoriert hat, lag es nahe, ihn auch abschließend mit dem Vorhang zu beauftragen. Möglicherweise war Woldemar Friedrich einmal für den Vorhang vorgesehen oder in der Diskussion für die Vergabe. Vielleicht gab es auch eine Zusammenarbeit oder einen ersten Entwurf. Ausgeführt hat den Vorhang aber nach Ansicht des Autors Max Koch.
Dafür spricht auch die Größe der das Bildfeld umfassenden Dekorationen, die ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen. Das zentrale Bildfeld ist zunächst von einer Blumengirlande gerahmt, mit Muscheln in den Ecken und Musikinstrumenten am oberen Rand. Dieser innere Rahmen wird flankiert von gemalten Pilastern, die mit Grotesken verziert sind und unten in Kränzen abschließen. Zwischen den Kränzen ist ein Blätterwerk gemalt, das zwei Arrangements mit Masken zeigt. In der Mitte dann eine Muschel, aus der Pan schelmisch herausgrinst, vor ihm liegt die Panflöte und seitlich strecken zwei Schwäne ihre Flügel aus. Darunter noch ein weiterer Fries mit gemalten Troddeln. Die Vorhangfalten am oberen Rand sind plastische Ausformungen des Bühnenrahmens, die nicht verschwinden, wenn der Vorhang gehoben wird.
Die oben gezeigte Fotografie ist ein Detail aus einer Fotografie, die im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt wird (Inv.-Nr. F5191). Sie ist rechts unten von Heinrich Seeling signiert und gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das die Arbeiten von Seeling dokumentiert.
Die Fotografie wurde veröffentlicht als Beilage ohne Seitenzahl in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, (zum Artikel auf den Seiten 473-474). Eine andere Aufnahme, die den Vorhang von Max Koch zeigt, ist dem Autor noch nicht bekannt.
Der Verbleib des Vorhangs ist unbekannt.
Über den Künstler, der den ersten Vorhang für das Neue Theater am Schiffbauerdamm gemalt hat, gibt es in der zeitgenössischen Literatur sich widersprechende Aussagen. Am 20. Januar 1894 berichtete das Zentralblatt der Bauverwaltung in einem Artikel über "Das Neue Theater in Berlin" (14. Jg., Nr. 3, S. 21-24), dass der Vorhang von Woldemar Friedrich (1846-1910) gemalt worden sein: "Bei dieser künstlerischen Ausgestaltung seines Werkes haben dem Architekten hervorragende Kräfte zur Seite gestanden. So wird der Meisterhand Woldemar Friedrichs der Hauptvorhang verdankt. Professor Max Koch schuf mit seinen Schülern die Decken- und Gobelin-Malereien des Erfrischungssaales, Günther-Naumburg malte das Dioramenbild in diesem Raum, eine Darstellung der klassischen Theaterruinen von Taormina, und der bewährten Hand Ernst Westphals waren die gesamten decorativen Bildhauerarbeiten anvertraut, von der Nischenfigur über dem Haupteingange abgesehen, die vom Bildhauer Paul Peterich modellirt worden ist." (Zitat S. 24). Diese Zuschreibungen wurden mehrfach zitiert und als glaubwürdig angesehen.
Andererseits berichtete die Kunstchronik, Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe bereits im Dezember 1892 wesentlich detailierter wie folgt: „Der Vorhang ist von Professor Max Koch gemalt. Der Inhalt der Darstellung ist der Sieg des Idealen über das Reale. Ein Jüngling, der sein Ross hinter sich führt und von allerlei Gestalten gefolgt wird, steht am Rande eines Gewässers, aus dem Nixen auftauchen und ihn durch dargereichtes Geschmeide und Waffen zu verlocken suchen. Er beachtet aber weder ihre schönen Gestalten, noch die Schätze, die sie ihm bieten. Sein Blick ist aufwärts gerichtet nach einer Idealgestalt, die in den Wolken schwebt und ihm den Kranz entgegenstreckt." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107, Zitat S. 107. Die Kunstchronik bezieht sich in ihrer Beschreibung auf einen Artikel in der Berliner "Post", den sie zitiert.
Dieser Zuschreibung ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt geworden, was verblüfft, denn angesichts des Bildes spricht stilistisch nichts für Woldemar Friedrich, aber alles für Max Koch. Zudem hatte der Architekt des Theaters Heinrich Seeling (1852-1932) zuvor die Stadttheater in Halle an der Saale und Bromberg gebaut und auch dort hat Max Koch die Vorhänge gemalt. Es gab also eine bereits etablierte Beziehung zwischen Koch und Seeling und da Max Koch mit Sicherheit das Foyer im Neuen Theater dekoriert hat, lag es nahe, ihn auch abschließend mit dem Vorhang zu beauftragen. Möglicherweise war Woldemar Friedrich einmal für den Vorhang vorgesehen oder in der Diskussion für die Vergabe. Vielleicht gab es auch eine Zusammenarbeit oder einen ersten Entwurf. Ausgeführt hat den Vorhang aber nach Ansicht des Autors Max Koch.
Dafür spricht auch die Größe der das Bildfeld umfassenden Dekorationen, die ungefähr die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen. Das zentrale Bildfeld ist zunächst von einer Blumengirlande gerahmt, mit Muscheln in den Ecken und Musikinstrumenten am oberen Rand. Dieser innere Rahmen wird flankiert von gemalten Pilastern, die mit Grotesken verziert sind und unten in Kränzen abschließen. Zwischen den Kränzen ist ein Blätterwerk gemalt, das zwei Arrangements mit Masken zeigt. In der Mitte dann eine Muschel, aus der Pan schelmisch herausgrinst, vor ihm liegt die Panflöte und seitlich strecken zwei Schwäne ihre Flügel aus. Darunter noch ein weiterer Fries mit gemalten Troddeln. Die Vorhangfalten am oberen Rand sind plastische Ausformungen des Bühnenrahmens, die nicht verschwinden, wenn der Vorhang gehoben wird.
Die oben gezeigte Fotografie ist ein Detail aus einer Fotografie, die im Architekturmuseum der TU Berlin aufbewahrt wird (Inv.-Nr. F5191). Sie ist rechts unten von Heinrich Seeling signiert und gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das die Arbeiten von Seeling dokumentiert.
Die Fotografie wurde veröffentlicht als Beilage ohne Seitenzahl in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, (zum Artikel auf den Seiten 473-474). Eine andere Aufnahme, die den Vorhang von Max Koch zeigt, ist dem Autor noch nicht bekannt.
Theater am Schiffbauerdamm - Gobelinmalerei
Theater am Schiffbauerdamm, Gobelinmalerei im Foyer. Diese alte Aufnahme aus dem Bildarchiv Foto Marburg (Aufnahme-Nr. KBB 7.102), abgebildet als Beilage in Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, zeigt die nördliche Wand des Foyers. Oben sind noch zwei Amoretten aus dem Deckengemälde "Das Schauspiel der Liebe" zu erkennen. Der halbrunde Abschluss des Tonnengewölbes zeigt eine Festgesellschaft auf einer Terrasse, hinter einer Ballustrade, auf der rechts ein Pfau sitzt. Den Mittelpunkt der Wand unterhalb des Gesimses bildet eine durch Pilaster eingefasste ornamentale Malerei. Es ist davon auszugehen, dass diese Aufnahme die Gobelinmalereien von Max Koch zeigt, die in der zeitgenössischen Literatur zum Neubau des Theaters erwähnt werden:
"An der vorderen Schmalfront ist im ersten Rang über dem Vestibül ein Foyer angelegt worden, das mit reichem malerischen Schmucke von Professor Max Koch ausgestattet ist." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107.
"Weniger rauschend, aber künstlerisch bedeutender, feingestimmter ist die Ausschmückung des Erfrischungsraumes (s. d. Beilage); die Gobelinmalereien der Wände, die figürliche und ornamentale Malerei der als ein grosses Tonnengewölbe gebildeten Decke, die dekorativ-wirkungsvollen Lunettenbilder der beiden Kurzseiten des Saales, dazu das Material der Säulen, die aus Marmor und Schmiedeisen gebildete Brüstung der Gallerie, mit ihrem Schmuck aus cuivre poli, Glaskugeln und farbigen Porzellanvasen, alles das vereint sich zu einem festlich heiteren, künstlerisch vornehmen Raum, den wir als den Glanzpunkt des Gebäudes bezeichnen möchten." H., "Berliner Neubauten. Das 'Neue Theater' am Schiffbauerdamm", in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, S. 473-474.
An der gegenüber liegenden Schmalwand dürften sich ähnliche Gobelinmalereien befunden haben.
Eine Aufnahme von der Homepage des Berliner Ensembles zeigt den aktuellen Zustand des Foyers. Der malerische Schmuck und die üppige Pracht von einst ist heute nicht mehr zu sehen. Sie wurde entfernt. Die Malereien von Max Koch sind aber möglicherweise nur überstrichen oder verkleidet worden, wie der Denkmalschutz in Berlin vermutet.
"An der vorderen Schmalfront ist im ersten Rang über dem Vestibül ein Foyer angelegt worden, das mit reichem malerischen Schmucke von Professor Max Koch ausgestattet ist." Anonym, "Vermischtes", in: Kunstchronik, NF 4. Jg., 1892/93, Heft 7, 1. Dezember 1892, S. 106-107.
"Weniger rauschend, aber künstlerisch bedeutender, feingestimmter ist die Ausschmückung des Erfrischungsraumes (s. d. Beilage); die Gobelinmalereien der Wände, die figürliche und ornamentale Malerei der als ein grosses Tonnengewölbe gebildeten Decke, die dekorativ-wirkungsvollen Lunettenbilder der beiden Kurzseiten des Saales, dazu das Material der Säulen, die aus Marmor und Schmiedeisen gebildete Brüstung der Gallerie, mit ihrem Schmuck aus cuivre poli, Glaskugeln und farbigen Porzellanvasen, alles das vereint sich zu einem festlich heiteren, künstlerisch vornehmen Raum, den wir als den Glanzpunkt des Gebäudes bezeichnen möchten." H., "Berliner Neubauten. Das 'Neue Theater' am Schiffbauerdamm", in: Deutsche Bauzeitung, 27. Jg., 1893, Nr. 78, S. 473-474.
An der gegenüber liegenden Schmalwand dürften sich ähnliche Gobelinmalereien befunden haben.
Eine Aufnahme von der Homepage des Berliner Ensembles zeigt den aktuellen Zustand des Foyers. Der malerische Schmuck und die üppige Pracht von einst ist heute nicht mehr zu sehen. Sie wurde entfernt. Die Malereien von Max Koch sind aber möglicherweise nur überstrichen oder verkleidet worden, wie der Denkmalschutz in Berlin vermutet.
Theater am Schiffbauerdamm - Deckengemälde im Foyer
Das Schauspiel der Liebe, 1893, Deckengemälde im Foyer des Neuen Theater am Schiffbauerdamm.
Abbildung aus: Egon Hessling, Decorative und monumentale Malereien zeitgenössischer Meister, Leipzig, Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung, 1902, Blatt 7, Bildunterschrift: „Plafond aus dem Foyer des Neuen Theater in Berlin. Das Bild ist auf Rabitz-Gipsputz, der mit Wachsfarben grundirt ist, mit Tempera gemalt."
Ein authentischer Titel des Deckengemäldes ist nicht überliefert. Die zentrale Figurengruppe ist aber ein Liebespaar, das in den Himmel hinaufschwebt. Er hält mit seiner rechten Hand eine Fackel empor, deren Qualm ein Aufsteigen der beiden anzeigt. Sie hält mit ihrer rechten Hand ein Schild oder einen Spiegel fest. Die beiden Liebenden haben die Finger der linken Hände zärtlich miteinander verschränkt und beide himmeln sich mit Blicken gegenseitig an. Ihr Weg nach oben in die Wolken ist mit einer Blumengirlande, die Amoretten für sie zusammensetzen, vorbereitet und ganz oben zielt eine Amorette mit Pfeil und Bogen auf die Tauben der Venus, der Göttin der Liebe. Das alles spielt sich aber nur im Theater ab. Am unteren Rand des Gemädes, am Übergang zum Raum der Betrachter, sitzt Thalia, die Muse der Komödie und des Schauspiels, uns sie unterhält mit Apollon auf dem Pegasus einen engen Blickkontakt. Diese Gruppe, vermittelt durch zwei Amoretten bildet die Basis, fast möchte man sagen die Startrampe für das zentrale Schauspiel der Liebe.
Bedroht wird das Schauspiel durch zwei Drachen mit ausgebreiteten Fledermausflügeln und langen Hälsen an den Schmalseiten. Die Drachenköpfe scheinen plastisch ausgeformt, denn aus ihren aufgerissenen Hälsen kommen die Ketten, an denen die Lüster für die Beleuchtung aufgehängt werden können.
Eine weibliche Figur, die nur aus der umgekehrten Per- spektive heraus richtig zu sehen ist und die scheinbar unbeteiligt den Rand des Gemäldes mit Pfingstrosen dekoriert, möchte ich wegen ihrer Schmetterlingsflügel als Psyche beschreiben. Das heftig im Wind wehende Tuch beschreibt als eine Art Psy- chogramm den mäandrieren- den Fluss der Gefühle, oder eben deren Wechselhaftigkeit.
In jeden Fall ist diese Figur als Entwurf sehr gelungen. Das ernste Gesicht, die knie- ende Haltung, das dabei fast beiläufige, eher unbewußte Festhalten des flatternden Tuches und die Konzentration auf den vorsichtig gehaltenen Blütenzweig stehen in einem interessanten und nach Interpretation ru- fendem Kontrast zum dem Liebesschauspiel, das als Normalperspektive das Geschehen im Theater bestimmt.
Abbildung aus: Egon Hessling, Decorative und monumentale Malereien zeitgenössischer Meister, Leipzig, Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung, 1902, Blatt 7, Bildunterschrift: „Plafond aus dem Foyer des Neuen Theater in Berlin. Das Bild ist auf Rabitz-Gipsputz, der mit Wachsfarben grundirt ist, mit Tempera gemalt."
Ein authentischer Titel des Deckengemäldes ist nicht überliefert. Die zentrale Figurengruppe ist aber ein Liebespaar, das in den Himmel hinaufschwebt. Er hält mit seiner rechten Hand eine Fackel empor, deren Qualm ein Aufsteigen der beiden anzeigt. Sie hält mit ihrer rechten Hand ein Schild oder einen Spiegel fest. Die beiden Liebenden haben die Finger der linken Hände zärtlich miteinander verschränkt und beide himmeln sich mit Blicken gegenseitig an. Ihr Weg nach oben in die Wolken ist mit einer Blumengirlande, die Amoretten für sie zusammensetzen, vorbereitet und ganz oben zielt eine Amorette mit Pfeil und Bogen auf die Tauben der Venus, der Göttin der Liebe. Das alles spielt sich aber nur im Theater ab. Am unteren Rand des Gemädes, am Übergang zum Raum der Betrachter, sitzt Thalia, die Muse der Komödie und des Schauspiels, uns sie unterhält mit Apollon auf dem Pegasus einen engen Blickkontakt. Diese Gruppe, vermittelt durch zwei Amoretten bildet die Basis, fast möchte man sagen die Startrampe für das zentrale Schauspiel der Liebe.
Bedroht wird das Schauspiel durch zwei Drachen mit ausgebreiteten Fledermausflügeln und langen Hälsen an den Schmalseiten. Die Drachenköpfe scheinen plastisch ausgeformt, denn aus ihren aufgerissenen Hälsen kommen die Ketten, an denen die Lüster für die Beleuchtung aufgehängt werden können.
Eine weibliche Figur, die nur aus der umgekehrten Per- spektive heraus richtig zu sehen ist und die scheinbar unbeteiligt den Rand des Gemäldes mit Pfingstrosen dekoriert, möchte ich wegen ihrer Schmetterlingsflügel als Psyche beschreiben. Das heftig im Wind wehende Tuch beschreibt als eine Art Psy- chogramm den mäandrieren- den Fluss der Gefühle, oder eben deren Wechselhaftigkeit.
In jeden Fall ist diese Figur als Entwurf sehr gelungen. Das ernste Gesicht, die knie- ende Haltung, das dabei fast beiläufige, eher unbewußte Festhalten des flatternden Tuches und die Konzentration auf den vorsichtig gehaltenen Blütenzweig stehen in einem interessanten und nach Interpretation ru- fendem Kontrast zum dem Liebesschauspiel, das als Normalperspektive das Geschehen im Theater bestimmt.
Apollon reitet Pegasus - Entwurfszeichnung für das Deckengemälde im Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm
Apollon reitet Pegasus, Entwurfszeichnung für das ausgeführte Deckengemälde im
Foyer des Neuen Theaters am Schiffbauerdamm. Abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 109.
Apollon hält Blickkontakt mit der am unteren Rand links sitzenden Thalia. Im rechten Arm hält er eine Kithara, während der gezügelte Pegasus in die Wolhen hinaufsteigt.
Apollon hält Blickkontakt mit der am unteren Rand links sitzenden Thalia. Im rechten Arm hält er eine Kithara, während der gezügelte Pegasus in die Wolhen hinaufsteigt.
Zwei Amoretten mit einem Feston - Entwurfszeichnung
Zwei Amoretten mit einem Feston, Entwurfszeichnung, abgebildet in: Kunstgewerbeblatt, NF 4. Jg., 1893, Heft 7, S. 109. Diese Zeichnung entstand wohl bei der Planung des Deckengemäldes für das Neue Theater am Schiffbauerdamm, wurde dann aber für die Ausführung verworfen. Von den in dieser Ausgabe des Kunstgewerbeblattes abgebildeten acht Zeichnungen ist es die einzige, die nicht das Linienraster für die Übertragung zeigt.
Möglicherweise war diese Amorettengruppe und die "Zwei Amoretten mit Blumengirlanden" für die Schmalseiten des Deckengemäldes geplant, an denen die beiden Drachen ausgeführt wurden. Bei beiden Amorettengruppen ist der gleiche Sockel angedeutet, was für eine geplante Ausführung am Rand spricht.
Möglicherweise war diese Amorettengruppe und die "Zwei Amoretten mit Blumengirlanden" für die Schmalseiten des Deckengemäldes geplant, an denen die beiden Drachen ausgeführt wurden. Bei beiden Amorettengruppen ist der gleiche Sockel angedeutet, was für eine geplante Ausführung am Rand spricht.
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